Die Hitler-Industrie

Die letzte Gleichschaltung erfolgte unter ihm

Der Führer des Deutschen Reichs von 1933 bis 1945

Im Jahr 2009 kam es in der thailändischen Hauptstadt zu einem Eklat. Die WELT berichtete: „Ein Werbeplakat mit einem Bild Adolf Hitlers hat in Thailand empörte Proteste des deutschen und israelischen Botschafters ausgelöst… Die Anzeigentafel, die für ein Wachsfigurenkabinett werben sollte, wurde daraufhin abgedeckt, wie das Museum mitteilte. Es sollte auf die für November geplante Eröffnung des Wachsfigurenkabinetts hinweisen… Die Anzeige ist nicht die erste solche in Thailand: 1998 wurde eine Hitler-Figur in einem Werbefilm für Kartoffelchips gezeigt, am Ende verwandelt sich ein Hakenkreuz in den Schriftzug des Produkts. Ende der 80er Jahre eröffnete in Bangkok eine „Nazi Bar“, deren Kellner Armbinden mit Hakenkreuz trugen. Nach Kritik im In- und Ausland wurde der Name in „No Name Bar“ geändert.“

Wer glaubt, dass die Thailänder aus diesen Fauxpäsen gelernt hätten, musste sich letzten Monat eines Besseren belehren lassen. Wie die Daily Mail berichtete, ist Nazi-Mode in Bangkok zum Renner geworden. Dass Hitler im Ausland ziemlich bekannt ist, ist nichts Neues. Wenn man bedenkt, was er in gerade mal 12 Jahren so alles hingekriegt hat, ist das ja auch verständlich. Die meisten Deutschen wissen aber wohl kaum, welche Ausmaße dieser Ruhm angenommen hat. Oft überschreitet Hitlers Bekanntheit die Grenze zur offenen Bewunderung. Und er ist nicht der einzige Massenmörder, der für viele noch immer ein „weiser Führer“ ist.

Die Weltwoche berichtete im November 2004: „Sechzig Jahre nach seinem Tod ist der Massenvernichter populärer denn je. In Indien steht er für Widerstand, in Ägypten für Wohlstand, in Peru für Disziplin. Senegalesen feiern ihn als Helden des Antikolonialismus, Hongkong-Chinesen als Stilikone.“ Der Artikel ist im Web leider nicht mehr komplett zugänglich. Man muss natürlich unterscheiden zwischen der Bewunderung aus politischen Gründen und der aus schlichter Unkenntnis über die Person Hitler. Auf jeden Fall gilt: Hitler ist nicht nur der bekannteste Europäer, sondern neben Mohammed, Jesus, Buddha oder den Schlächtern Dschingis Khan und Stalin eine der bekanntesten Figuren aller Zeiten überhaupt, wie auch die Weltwoche feststellte.

„Syria, Syria ueber alles“

In den muslimischen Ländern gilt Hitler bis heute als ein großes Vorbild. Die muslimischen Führer haben denselben Feind wie der deutsche Führer sie hatte: Juden, Amerika, der Westen. In der arabischen Welt, im Iran, Pakistan und in den muslimischen Ländern Schwarzafrikas ist die Hitler-Bewunderung also politisch motiviert- und deshalb am gefährlichsten. Der Hitler-Gruß ist in der arabischen Welt weitverbreitet, vor allem bei der Hisbollah. Die Nazis hatten schon in den 1930ern und 1940ern mit arabischen Nationalisten kooperiert. Viele Historiker haben in etlichen Büchern dieses Kapitel aus dem Dritten Reich erforscht und sind zum Schluss gekommen, dass der „eliminatorische“ nationalsozialistische Antisemitismus in den Nahen Osten exportiert wurde.

In Syrien entstand im Jahr 1932 die SSNP (Syrian Social Nationalist Party), eine Nazi-Partei, ganz nach deutschem Vorbild. Ihr Gründer Anton Saada wurde als al-za’im (der Führer) bezeichnet, die Parteihymne lautete “Syria, Syria, ueber alles”, die Parteiflagge war an das Hakenkreuz angelehnt und selbstverständlich gehörte Antisemitismus zur Parteiideologie. Die Partei existiert noch heute und ruft zum Kampf gegen Assads Feinde auf.

In der islamischen Welt immer noch ein Bestseller: Mein Kampf

In einem Interview aus dem Jahr 1967 mit dem Spiegel sagte der damalige jordanischen General Scherif Nasser unverblümt: „Die Deutschen hätten uns sehr helfen können. Wir müssen für ihre Fehler büßen. Seit der Zeit Hitlers haben wir das deutsche Volk bewundert. Wir bewundern es wirklich. Ich bin in Deutschland gewesen, und ich kenne die Meinung des Volkes. Wir lieben das Land und sind nicht von dem Volk enttäuscht, nicht von ihm. Wir hoffen, daß eines Tages die wahren Deutschen die Macht übernehmen.“ Ein Auszug aus dem Artikel in der Weltwoche beschreibt das moderne Hitler-Bild in Ägypten:

„Statt «Hallo» ein höfliches «Heil Hitler»

Der dürftige Informationsstand macht anfällig für Manipulationen. Der Zweite Weltkrieg wird in arabischen Ländern übersprungen. «In der Schule habe ich nichts darüber erfahren», sagt der ägyptische Politologe Gehad Auda. Weil das Dritte Reich im Mittleren Osten nicht Fuß fasste, blieb das Hitler-Bild im arabischen Raum intakt, meint Auda. «In Kairo gilt Hitler heute als Staatsmann, der den Ruhm seines Landes anstrebte. Er machte es wohlhabend, indem er den Volkswagen lancierte und Autobahnen baute.»
Verbreitet wird Halbwissen. So büffeln Gymnasiasten im Iran nur eine Kurzbiografie des Führers, die sich zu neunzig Prozent auf seinen Werdegang vor 1933 bezieht. Hitlers Verbrechen rufen keine negativen Reaktionen hervor. Der Iran ist vermutlich das einzige Land der Welt, in dem das Wort «Arier» wie selbstverständlich gebraucht wird. Denn der Begriff wurde dort lange vor Hitlers Machtergreifung 1933 verwendet.“

Vor ein paar Tagen erst enthüllte die jüdische Internetseite Eldersofzyion, das in der Türkei in einer Werbung für ein Shampoo-Produkt mit Adolf Hitler geworben wurde. Hitler gilt in der Türkei noch bis heute als ein Symbol für Männlichkeit und Disziplin. Im Jahr 2005 war „Mein Kampf“ in der Türkei zum Bestseller aufgestiegen, bis der Freistaat Bayern, der immer noch die Rechte an dem Buch hat, den Verkauf stoppte.

„Für Afrika war Hitler ein Segen“

Die Weltwoche berichtete aus Senegal: “ „Es war ein Fehler, dass er gegen die Juden vorging“, sagt Richard. „Aber andererseits: Schau, was die Juden jetzt seit Jahrzehnten mit den Palästinensern machen. Auf jeden Fall: Für Afrika war Hitler ein Segen. Ohne ihn würde Afrika noch heute aussehen wie Südafrika unter dem Apartheid-Regime.“ Beim recht weit verbreiteten Antisemitismus in Afrika wird besonders deutlich, wie wenig er mit Fakten oder persönlichen Erlebnissen zu tun hat, denn die meisten Afrikaner sind noch gar nie einem Juden begegnet.
Abdou, ein etwa vierzigjähriger Senegalese, sagt: „Hätte Hitler den Krieg gewonnen, die Juden hätten heute nicht dieses Gewicht. In den dreißiger Jahren waren die Juden im Begriff, der Welt ihr Gesetz zu diktieren. Hitler hat als Einziger die Gefahr gesehen, so wie heute Bin Laden. Inzwischen schicken die Juden die Amis als Speerspitze voraus. Die Afrikaner stehen für Gleichheit, für Verbundenheit, die Juden hingegen für „Auge um Auge“. „Und was ist mit den Konzentrationslagern?“, frage ich.
„Es gab diese Art Schinderei schon lange vorher in Form von Sklaverei und Kolonialismus in Afrika, aber die Welt wollte nichts wissen.“

Andererseits gilt Hitler für viele Afrikaner aufgrund seiner Rassenideologie auch als das Sinnbild des Bösen. Viele Diktatoren wie Robert Mugabe, Yoweri Museveni oder Paul Kagame werden des öfteren mit Hitler verglichen. Allerdings ist Hitler wohl auch ein Mythos für viele Afrikaner, und genauso wie in der Türkei ist er ein Symbol für Männlichkeit und Disziplin. In Südafrika schrieb die Zeitung Sowetan während der WM 2010 einen lobenden Artikel über Bastian Schweinsteiger, indem es hieß: „Ein neuer ‚Führer‘ mit der Arbeitseinstellung von Stefan Effenberg und der furchterregenden Aura von Adolf Hitler hat das Kommando übernommen.“

„Hitler lehrte uns die Rassenreinheit“

In Ostasien ist Hitler ebenfalls in aller Munde. Der Hitler-Kult ist aber größtenteils harmlos, da er keine politische Motivation hat, sondern sich lediglich eine Art exotische Mode in Ostasien ist. Nazi-Kitsch ist total angesagt. Leider gibt es aber auch durchaus politische Organisationen, die sich Hitler als Vorbild nehmen. Sie orientieren sich vor allem an seiner Rassenideologie.

Die Weltwoche schrieb:

Hitler in Fernost – Techno und T-shirts

Im Fernen Osten ist Hitler ein ästhetisches Phänomen, zuweilen ein Mode-Statement- von der Politik der Nazis, vom Holocaust und dem Zweiten Weltkrieg beinahe vollständig losgelöst. Im südkoreanischen Pusan gab es bis vor kurzem eine Bar namens «Adolf Hitler Techno & Cocktail», mit dem Hakenkreuz als Wirtshausschild. In Taegu, ebenfalls Südkorea, heißt eine Billardhalle «Gestapo». Eine «Nazi-Bar» in Seoul änderte nach internationalen Protesten den Namen. Die Inhaber werden übereinstimmend zitiert, Hitler sei ein Werbegag, politische Motive hätten sie keine. Die Empörung habe sie überrascht.

In Taipeh, Taiwans Hauptstadt, konnte man bis vor wenigen Jahren in einem KZ-Restaurant essen, an den Wänden schwarz-weiße Lagerfotos. Die Gäste saßen in kleinen Gefängniszellen. In Hongkong dekorierte die Modekette Izzue im Vorjahr ihre Läden mit Emblemen des Dritten Reichs und verkaufte Kleider mit Nazisymbolen. Als deutsche und israelische Diplomaten protestierten, wehrte Managerin Deborah Cheng ab, Chinesen seien weniger empfindlich auf Nazismus, der Designer habe nicht gewusst, dass man sich daran stören könnte. «Die meisten Reklamationen kommen von Ausländern, unsere Läden richten sich jedoch an junge Hongkong-Chinesen.» Schließlich zog Izzue die Nazistücke kleinlaut zurück.“

Die Süddeutsche berichtete 2008: „Unter Neureichen gibt es eine regelrechte Sammelleidenschaft für nationalsozialistische Orden, Uniformen, Fahnen und andere bizarre Souvenirs aus dem Dritten Reich. Im Sommer 2006 hat die Beijing Times den schwunghaften Handel mit faschistischem Propagandamaterial des chinesischen Internetauktionshauses Taobao öffentlich gemacht und damit immerhin eine Debatte ausgelöst.“

Doch es ist nicht immer so harmlos: In Taiwan formierte sich vor fünf Jahren eine Studentengruppe mit mehr als 1000 Mitgliedern, in der Hitler verehrt wurde. Auch hier war es nicht das erste Mal, dass Hitler in Taiwan positiv dargestellt wurde. Im Dezember 2004 veröffentlichte die Kuomintang im Wahlkampf eine Werbung mit einem Bild von Hitler, drei Jahre zuvor zog die demokratische Partei eine Fernsehwerbung, in der Hitler dargestellt wurde, zurück. In einem anderen Fall protestierten jüdische Gruppen dagegen, dass ausgerechnet in einem Bistro Bilder von Holocaust-Opfern aufgehängt wurden.

In der Mongolei erhalten Naziorganisationen regen Zulauf. Ihr Ziel ist die „Reinheit der mongolischen Rasse“. Um gegen die Überfremdung durch die Chinesen zu kämpfen, gehen ihre Leute in Restaurants, Kinos, Hotels, um sicherzustellen, dass sich Mongolinnen nicht mit Chinesen einlassen. „Hitler lehrte uns Rassenreinheit“, so meinte einer der Sprecher des „Weißen Kreuzes“, „deshalb respektieren wir ihn.“ Ihre Mitglieder grüßen sich mit „Sieg Heil!“ Die Swastika verstehen diese Mongolen als uraltes heiliges Zeichen, das man ebenfalls respektieren muss.

„Einer der interessantesten Charaktere unserer Zeit“

In diesem Artikel hatte ich mich bereits mit dem Phänomen der Hitler-Bewunderung in Indien auseinandergesetzt:

In Indien wurde vor ein paar Jahren von einem Hindu ein Restaurant mit dem Namen “Hitler’s Cross” eröffnet, einschließlich “Führer”-Porträt im Eingang. Ein hinduistischer Geschäftsmann verkaufte Bettwäsche mit Hakenkreuzen, die mit der in Indien verbreiteten Swastika, dem hinduistischen Hakenkreuzsymbol für Glück, wenig zu tun hatten: Die Laken, Kissen- und Deckenbezüge gehörten laut Werbebroschüre zu einer Ausstattung mit dem Namen “The Nazi Collection”. Die englische Fassung von “Mein Kampf” gibt es selbst in den Buchläden der entlegensten Orte zu kaufen. Und in indischen Schulbüchern wurde Hitler schon mal als großartiger Staatslenker gefeiert.

Die Weltwoche berichtete:

„Wer in Indien lebt, wird immer wieder mit einer geradezu peinlichen Hitler-Verehrung konfrontiert. Deutsche, die durch Indien reisen, werden gefragt «How do you like Hitler?», und ihre indischen Gesprächspartner erwarten von ihnen einen schwärmerischen Augenaufschlag. Sechs von zehn Studenten nennen den Namen Adolf Hitler, wenn sie gefragt werden, welchen Menschen sie am meisten bewundern. Das ergab die Umfrage im St. Stephen’s College, einem Elite-College der Hauptstadt Neu-Delhi. Der Diktator habe seinem Volk nach der Demütigung durch den Versailler Vertrag die Selbstachtung zurückgegeben, heißt die geläufigste Begründung der Studenten für ihre Wahl. Doch die Verehrung Hitlers beruht nicht auf einem falschen oder richtigen Geschichtsverständnis, sondern eben auf Geschichtsunkenntnis. Die Studenten, die in Hitler ein Vorbild sehen, wissen wenig.“

Im Jahr 2010 ging der Hitler-Kult soweit, dass man sich in Bollywood entschloss, ein Film über Hitlers letzte Stunden zu drehen („Dear Friend Hitler“). Der ursprüngliche Hauptdarsteller Anupam Kher sagte die Rolle ab, als jüdische Organisationen den Film kritisierten. Zuvor hatte er über seine Rolle noch gesagt: „Ich bin ein bekannter Schauspieler, deshalb wird die Arbeit für mich besonders schwer. Er ist einer der interessantesten Charaktere unserer Zeit.“ Für ihn sprang Raghubir Yadav ein. Die Rolle von Eva Braun übernahm Neha Dhupia.

Es gab übrigens schon im Jahre 1998 ein Film mit dem Namen “Hitler“, der von einem brutalen, aber gerechten Gefängnisdirektor handelt, den die Insassen ehrfürchtig Hitler nennen. Hitler ist nicht der einzige Massenmörder, der für viele Inder noch immer ein „weiser Führer“ ist. Man macht in Bollywood nicht nur Heroenfilme über Hitler, sondern auch über Stalin.

Hitlers Ruhm zeigt sich auch in einem anderen Phänomen: Der Name „Adolf Hitler“ wird von einigen Indern getragen. Der Politiker Adolf Lu Hitler Marak ist seit 2003 Mitglied der Regierung im Bundesstaat Meghalaya, 2008 wurde er erneut ins Parlament gewählt. Dort ist sein Name keine Seltenheit. Aber auch andere Namen wie Stalin, Churchill, Roosevelt und Frankenstein sind dort beliebt. Lenin ist dagegen aus der Mode gekommen.

„So einen brauchen wir heute“

In Lateinamerika ist der Hitler-Kult wohl am ungefährlichsten. Wenn er mal erwähnt wird, dann meistens als das Sinnbild des Bösen. Der venezolanische Präsident Hugo Chavez verglich Bush mit Hitler, der kolumbianische Präsident Alvaro Uribe verglich wiederum Chavez mit Hitler. Das Deutschland-Bild ist natürlich stark von Hitler geprägt. Der ehemalige ecuadorianische Fußball-Nationaltrainer meinte, die deutsche Fußballnationalmannschaft hätte eine „„Deutschland habe ich noch nie brillant gesehen. Sie spielen realistisch, effizient. Sie sind Zerstörer, wie im Krieg!“ und später legte er nach: „Die Deutschen spielen wie große Panzer, die alles, was sich ihnen in den Weg stellt, überrollen.“ Zuvor war in Ecuador mit Plakaten für die WM geworben worden, indem ecuadorianische Fußballer mit Fallschirmen in Berlin landeten, mit der Aufschrift: „Mission Deutschland“.

Die sogenannten „deutschen Tugenden“ werden aber nicht nur negativ betrachtet, im Gegenteil. Viele Lateinamerikaner fordern explizit, sich ein Vorbild an der „deutschen Disziplin“ zu nehmen. Die Weltwoche berichtete aus Peru: „In Lima: „Hitler?“, fragt er, „so einen brauchte Peru heute.“ Der habe es geschafft, das Volk zu vereinen – um es dann mit der ganzen Welt aufzunehmen. Auch Deutschlands Wiederaufbau hält Gimenez für Hitlers Leistung. „Deutschland ist heute wieder ein starkes Land“, sagt er. Ein peruanischer Hitler sollte sein Land wirtschaftlich flott machen. „Es braucht Disziplin“, sagt er, „und dafür brauchen wir einen starken Führer.“ “

Nach dem Zweiten Weltkrieg flohen viele Nazi-Kriegsverbrecher nach Südamerika, vor allem Argentinien, Paraguay und Bolivien. Das Phänomen, dass Personen nach Hitler benannt werden, ist angesichts dieser Tatsache verdächtig. In dem taz-Blog zu Hitler stellte Stefan Ziemendorff fest, dass in zwei Städten einer Urwaldregion insgesamt 27 Personen vorfand, die den Namen Hitler (manchmal in Kombination mit Adolfo) trugen. Sie fand auch 31 Stalins, 6 Lenins und einen Carlos Marx, dies ist aber nicht so verwunderlich, da in Peru bis heute eine kommunistische Rebellenbewegung existiert. Auch in Uruguay ist der Name Hitler sehr beliebt, stellte die Weltwoche fest. In Brasilien musste ein angehender Student seinen Namen Adolf Hitler Souza Mendes ändern, da er von vielen Mitschülern gehänselt wurde.

Der Ruhm der Verbrecher

Wenn man sich vor Augen führt, welchen Kultstatus Hitler heute in aller Welt genießt, dann wird die Regel bestätigt, dass Mörder und Diktatoren einen größeren Erinnerungsgrad bei Menschen hinterlassen als die, die sich für das Wohlergehen der Menschen eingesetzt haben. Die Medien haben Anders Breivik nach den furchtbaren Ereignissen in Utoya so oft abgelichtet, dass sein Gesicht nie wieder vergessen wird. Der Amokläufer Tim K. schaffte es auf die Titelseite des Spiegels, hielt sich aber nur kurz, da er schon bald vom neuen Monster, Josef Fritzl, abgelöst wurde, den der Prozess gemacht wurde.

Menschen, die anderen Menschen das Leben retten, erregen zwar auch mal die Öffentlichkeit, doch es ist nicht vergleichbar mit dem ewigen Ruhm, dem ein Massenmörder zuteil wird. Das beste Beispiel dafür ist Norman Borlaug, der mit Entdeckungen neuer Weizensorten 1 Milliarde Menschen das Leben rettete. Er bekam viele Preise, darunter die höchste zivile Auszeichnung der USA. Doch sein Bekanntheitsgrad liegt deutlich unter dem von Hitler und Stalin. Der „Borlaug-Vergleich“ ist nicht populär, der „Hitler-Vergleich“ wird dagegen alltäglich überall in der Welt angewandt.

Es ist einerseits ärgerlich, dass ausgerechnet ein Massenmörder wie Hitler die bekannteste Person der Welt ist. Andererseits zeugt es auf eine paradoxe Art und Weise von einem guten Charakterzug des Menschen: Wir empfinden gute Taten als etwas Natürliches. Sie sind für uns so selbstverständlich dass sie oft nicht mal wahrgenommen werden. Wer dagegen jemand anderen Menschen Schaden zufügt, erntet er unsere Beachtung- in Form von Verachtung. Diese Verachtung bleibt auf ewig hängen, auch wenn sie sich mit der Zeit wandelt und- wie im Fall Hitler- sogar zum Kitsch ausarten kann. Dennoch bleibt zu sagen: Hoffen wir, dass Hitler der bekannteste Deutsche bleibt. Er kann nämlich nur von einem noch schlimmeren Diktator abgelöst werden.

6 Antworten to “Die Hitler-Industrie”

  1. foundnoreligion Says:

    Dazu gibt es doch den Ausspruch „Kleine Verbrecher kommen in den Knast und große in die Geschichtsbücher“

    • arprin Says:

      Genauso ist es. Hitler, Stalin, Pol Pot, Idi Amin, Jack the Ripper, Fritz Haarmann, Charles Manson, Jeffrey Dahmer, Marc Dutroux, ­Henri Landru, der Amokläufer von Winnenden und der „Kannibale“ von Rotenburg- alle gingen in die Geschichtsbücher ein.

      Es gibt da angeblich ein Syndrom, das Menschen zu Verbrechen veranlasst, nur damit sie berühmt werden: Das „Herostratos-Syndrom„.

  2. Besucher Says:

    Je stärker tabuisiert wird, desto stärker reizt der Tabubruch.

    Heute kommt übrigens Iron Sky in die kinos…

  3. Guerrero Says:

    Iron Sky ist so scheiße.

  4. Günther Says:

    Meinungsvielfalt ist ein hohes Gut unserer Gesellschaft. Bei den Angaben über die SNNP muss ich Sie allerdings auf einen grundlegenden Fehler aufmerksam machen. Bei der Partei, die Sie beschreiben, handelt es sich nicht um die gleiche, die Herr Todenhöfer als Quelle verwendet hat. Es handelt sich um zwei verschiedene Parteien, die seit 1957 !!! voneinander getrennt agieren, zwar unter dem gleichem Logo und Namen arbeiten, aber sich gänzlich unterscheiden.Die Partein bestehen aus verschiedenen Hauptquartieren und anderer Leitung und Mitgliedern und richten sich an verschiedene politische Visionen..
    Auch der TAZ ist dieser Fehler unterlaufen. Am folgenden Tag musste sie deshalb eine Korrektur mit Entschuldigung drucken.Dear Sirs,

    in your article occured a huge mistake. Obviously your are confusing the SSNP parties.

    In 1957, the parties were split into two parties holding the same name and the same logo, and this situation is still existing till today. They are two totally different parties with different head quarters, different leadership, and different political visions. You should notice that one SSNP is in the National Progressive Front, and the other one is in the opposition.

    Best regards

    Further information in an open letter:

    The Syrian Social National Party was established in 1932 by its founder Antoun Saadeh. In 1957, the party was split into two parties holding the same name and the same logo, and this situation is still existing till today. They are two totally different parties with different head quarters, different leadership, and different political visions.

    To clarify this issue please find bellow the following facts:

    1- The two parties are registered in Lebanon under two different License numbers and dates. Copies of registration of both parties are attached. these documents can be obtained from the Ministry of Interior in Lebanon.

    2- In an interview with Dam Press, Dr. Ali Haidar answered a direct question about the difference between the two parties. The complete interview is published on our website http://www.alqawmi.info/alpha/index.php?option=com_content&view=article&id=1570:2012-03-12-10-59-23&catid=117:bayanat-ri2assa&Itemid=201 and here is an unofficial translation of the question and answer in this regard:

    Question:

    We notice that there is a split in SSNP, One SSNP is in the National Progressive Front, and the other one is in the opposition; what is the reason of this split and is there any possibility of re-uniting?

    Answer:

    This split occurred in 1957, the main reason is the dispute over the party’s position regarding the policies of axes such as Eisenhower project and the conflict with „Israel“ in the region, and other issues that provoked sharp differences have led to split the party. and the division was increased and deepened during the civil war in Lebanon between 1975 and 1991, this division has increased the most when the other faction joined the National Progressive Front in Syria, ie, there are always reasons leading to the division and not reunifying. This is a fact and there is no fundamental basis for unity, however, there are meetings for narrowing the gap (as we do with all licensed and unlicensed parties in Syria and as all political parties in the world do)

    3 – Each party has its own official website. our website is alqawmi.com and the other party’s website is ssnp.net. In our website, which is naturally in Arabic, any visitor can find out the clear fundamental differences between the two parties regarding the regime in Syria.

    4 – Our party has been one of the major opposition parties in Syria since ever, and when the other faction joined the NPF in 2005, we have issued public statements condemning the step. The statements are published on our website. The first statement was published in May 6th 2005 http://www.alqawmi.info/alpha/index.php?option=com_content&view=article&id=1341%3A2011-06-13-11-41-15&catid=71%3A2009-01-28-22-44-56&Itemid=28

    and the second statement was published in May 12th 2005

    http://www.alqawmi.info/alpha/index.php?option=com_content&view=article&id=1340%3A2011-06-13-11-37-55&catid=71%3A2009-01-28-22-44-56&Itemid=28

    an unofficial translation of the statements is attached.

    5 – During the last referendum about the new constitution, we were the only political body that decided to vote with NO to the new constitution. All pro regime parties had voted with a YES, and other opposition parties and groups had boycotted the elections. We have resulted 10% of the total votes.

    6 – SSNP has members and leaders from all religions and sects in Syria, and from all ethnic groups such as Armenians, Kurds, Turkmens, Assyrians, Arabs, …etc. and SSNP detests Nazism and we believe it is a shame on humanity.

    The party logo which looks like a windmill is taken from the ancient Syrian culture and mythology, and any tourist who had visited the historical sites in Syria must have seen it engraved on ruins more than three thousand years old, and we are sure it did not look like swastika back then. As a matter of fact this accusation was initiated about our party by the French colonists when they were occupying our country, and was used a lot by Al Baath party later on against us.

    Best Regards,

    Member Of Central political Bureau

    Syrian Social National Party

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