Iran vs. Saudi-Arabien

Abdullah, König von Saudi-Arabien, dem wichtigsten Verbündeten der USA im Nahen Osten

Abdullah, König von Saudi-Arabien, dem Verbündeten der USA im Nahen Osten

Die amerikanische Außenpolitik wird von Antiimperialisten und iranischen Propagandisten wegen der Beziehungen zu Saudi-Arabien immer wieder heftig kritisiert. Während man mit dem Ziel, die Demokratie zu verbreiten, in den Irak und Afghanistan einmarschierte, wird ein Regime toleriert und sogar aufrüstet, dass eine absolute Monarchie ohne Verfassung, Parteien oder Parlament ist, indem Frauen, Christen und andere Minderheiten praktisch keine Rechte verfügen und dass den weltweiten Dschihad mitfinanziert. Einige schlagen sogar vor, dass man statt mit Saudi-Arabien lieber mit dem Iran kooperieren sollte.

Immerhin verfügt der Iran tatsächlich über Ansätze demokratischer Elemente, achtete die Menschenrechte besser als Saudi-Arabien und ist, wie immer wieder betont wird, eine große Kulturnation. Dieser Vorschlag ist eine weltfremde, geradezu suizidale Forderung, die in etwa so klingt, als hätte man den Alliierten 1939 vorgeschlagen, lieber mit Deutschland zu kooperieren als mit der Sowjetunion: Immerhin war Hitler im Gegensatz zu Stalin demokratisch gewählt worden, gab es damals im deutschen Machtbereich weniger Todeslager als im sowjetischen und war Deutschland die wohl größte Kulturnation dieser Zeit.

Warum wird Saudi-Arabien von den USA unterstützt und der Iran und Syrien nicht? Wo ist der Unterschied zwischen Iran, Syrien und Saudi-Arabien? Ist das wirklich nur Doppelmoral der USA, wie Peter Scholl-Latour sagt? Nein, natürlich nicht. Es gibt ganz vernünftige Gründe für die guten Beziehungen zu Saudi-Arabien. Kurz zusammengefasst: Saudi-Arabien will mit den USA kooperieren, der Iran nicht, Saudi-Arabien ist für die Region und die USA eine wesentlich kleinere Gefahr als der Iran, und in Saudi-Arabien werden zwar täglich Menschenrechte verletzt, aber ein Massenmord wie in Syrien gibt es dort zurzeit nicht.

Die Saudis planen keine Umgestaltung der Region, sondern sind zufrieden mit dem Status Quo. Die Saudis leben ihren salafistischen Traum, aber sie sind nicht bestrebt, ihn zu exportieren. Es gibt zwar saudische Geldgeber, die salafistische Organisationen im Ausland unterstützen (teilweise auch in Europa), aber dies kann man nicht mit dem iranischen Imperialismus vergleichen: Die Iraner haben die totale Kontrolle über die Hisbollah, den Islamischen Dschihad in Gaza (nachdem sie die Hamas haben fallen lassen) und große Teile des Assad-Regimes. Diese planen eine Neuordnung des Nahen Ostens: Ohne Israel, ohne die USA, ohne Kuffar, dafür aber mit der Scharia und dem Kalifat. Deshalb sind die Saudis gegen die Hamas, Hisbollah, die Muslimbrüder, den Iran, Syrien und al-Qaida (al-Qaida rekrutiert zwar seine Mitglieder vornehmlich aus Saudi-Arabien, aber die Organisation hasst die saudische Königsfamilie, weil sie mit den USA kooperieren).

Die saudische Führung ist/war stattdessen mit dem säkularen Hariri-Clan im Libanon, der PLO in den Palästinensischen Autonomiegebieten und mit Mubarak, immerhin einem verlässlicher Friedensgarant für Israel, befreundet. Saudi-Arabien selbst befindet sich zwar noch immer im Kriegszustand mit Israel und betreibt ständig antisemitische Hetze im Stürmer-Style. Aber sie haben kein Atomprogramm und haben keinem anderen Land mit Vernichtung gedroht (die Saudis organisierten 2007 eine “Versühnungskonferenz” zwischen Israelis und Palästinensern). Auch in Mubaraks Ägypten wurde im TV zur Vernichtung der Juden aufgerufen, ohne dass die ägyptische Führung Israels Vernichtung zum Staatsziel erhob.

Komischerweise sind die Assad-Apolegeten und iranischen Propagandisten gleichzeitig gegen den Arabischen Frühling und gegen Saudi-Arabien. Wer aber gegen den Arabischen Frühling ist, müsste eigentlich für die Saudis sein. Die Saudis treiben eine Konterrevolution, während die Iraner begeistert vom Arabischen Frühling sind (die Führung nennt es „Islamisches Erwachen„). Im August traf zum ersten Mal seit Jahrzehnten eine hochrangige iranische Delegation in Kairo ein. Bereits zuvor hatten die Ägypter ein iranisches Kriegsschiff über ihr Hoheitsgebiet fahren lassen. Die saudische Armee intervenierte in Bahrain, um die dortigen Demonstrationen blutig zu ersticken. Nur in Syrien unterstützt Saudi-Arabien die Oppositionsbewegung, da das syrische Regime ein Verbündeter des Iran ist. Es wäre jedoch natürlich besser, wenn die syrische Opposition nicht ausgerechnet von Salafisten unterstützt wird.

Zur innenpolitischen Situation: In Saudi-Arabien gab es in den letzten 13 Monaten keine 10.000 Tote wie in Syrien. Die letzten beiden Könige gelten (für saudische Maßstäbe) als Reformer. Seit über 20 Jahren wurde kein Homosexueller mehr hingerichtet (Iran: 4.000 seit der Islamischen Revolution), es gibt weibliche Minister, Frauen werden 2015 das Wahlrecht bekommen, dürfen Unternehmen führen und machen 60% der Universitätsabsolventen aus. Dennoch ist die Menschenrechtssituation in Saudi-Arabien skandalös und das Verhalten der USA in vielen Fällen inakzeptabel (das Beispiel Hamza Kashgari zeigt erfreulicherweise, dass Menschenrechtsverletzungen in Saudi-Arabien im Westen nicht weniger beachtet werden als Menschenrechtsverletzungen im Iran). Da es den meisten Menschen wirtschaftlich gut geht und sie wohl leider mit den Moralvorstellungen der Königsfamilie übereinstimmen, gibt es keine große Protestbewegung wie in anderen arabischen Ländern.

Die Frage stellt sich, was die USA sonst tun sollten, außer mit den Saudis zusammenzuarbeiten. Aus politischen und wirtschaftlichen Gründen wäre es dumm, es nicht zu tun. Es gibt aber durchaus Risse bei den gegenseitigen Beziehungen: Der saudische Prinz Turki al-Faisal drohte in der New York Times offen damit, die Freundschaft zu den USA aufzukündigen, falls sie ihr Veto gegen einen Palästinenserstaat legen. Falls die USA ihre Beziehungen zu Saudi-Arabien ändern, sollte dies daran bestehen, dass sie den Saudis nicht mehr alle Wünsche erfüllen (wie z.B. keine weiblichen Stewardessen oder keine Weihnachtsfeiern von US-Soldaten auf saudischem Territorium) und sie stärker unter Druck setzen, damit sie keine salafistischen Organisationen im Ausland unterstützen. Auch sollte man keine Waffen an dieses Despotenregime liefern, immerhin könnte es auch dort möglicherweise zu einem Aufstand kommen.

Eins ist jedoch klar: Falls die USA in Saudi-Arabien einmarschieren würden, würden die Assad-Apolegeten und iranischen Propagandisten als Erste sagen:
– Imperialistische Aggression!
– Es geht nur um Öl!
– Die meisten Saudis stehen hinter ihrem König!
– Es wird alles schlimmer werden in Saudi-Arabien!

10 Antworten to “Iran vs. Saudi-Arabien”

  1. besucher Says:

    Die interessanteste Frage wäre doch:

    Hätten die USA Interesse an einer Revolution im Iran (quasi als Rseultat eine säkulare Iranische Republik)
    oder nimmt man lieber die Mullahs in Kauf (weil da weiß man woran man ist)

    Die Religiösen sitzen alles andere als fest im Sattel dort…

    • arprin Says:

      Natürlich würden die USA einen Regime Change befürworten. Israel sowieso.

      Dazu passend Netanyahu in der WELT:
      “Meiner Meinung nach gibt es nur zwei Orte im Nahen Osten, wo die Allgemeinheit eine starke Neigung zur Demokratie westlicher Prägung zeigt: Der eine ist ganz eindeutig Israel und der andere ist Iran… Der Iran ist anders, weil man dort schon seit 30 Jahren islamisches Recht anwendet und jeder dort weiß, es ist die dunkelste Misere. Hätte das iranische Volk die freie Wahl, es würde sich der Mullahs entledigen.”

      • besucher Says:

        Was auch gern übersehen wird ist dass die iranische Theokratie sehr viele sozialistische Elemente enthält, deren Theoretiker sehr wohl auch als Sozialisten reinsten Wassers durchgehen könnten wenn sie nicht immer alles aus dem Islam ableiten würden.
        Reichsgründer Mohammed war demnach ein Sozialist und alle Imame sowieso.
        Wenn es so etwas wie einen islamischen Sozialismus gibt dann dort. Islamische Befreiungsbewegung aus der Schia, das passt doch alles wunderbar zusammen.

  2. aron2201sperber Says:

    ausgezeichneter Beitrag!

  3. aron2201sperber Says:

    es wird zwar immer eingefordert, streng zwischen Islam und Islamismus zu unterscheiden.

    wenn es um die Saudis geht wird der Unterschied zwischen Religion und Politik jedoch gerne weggelassen.

    in Saudi-Arabien wird der Islam zwar auf abstoßend fundamentalistische Weise ausgelegt.

    es handelt sich jedoch um ein Königreich und nicht um einen Gottesstaat:

    http://aron2201sperber.wordpress.com/2012/01/29/religioser-fundamentalismus-als-hauptproblem/

  4. asq Says:

    sorry die islamisierung europaS kommt aus saudi arabien;
    der iran hat uns die gedroht, eher habe diese uns hilfe gegen die sunnitischen terroristen angeboten..
    der islam den wir in europa bekämpfen ist doch nicht der schiietische islam des Irans
    der semitische sunnitische islam macht uns stress !

  5. asq Says:

    also ich habe mal in geschichte gelernt
    das durch alexander den grossen eine neue europäische Kultur entstanden ist
    das war quasi die sythnese zwischen Europa/Griechenland und Persien/Vorderasien

    mir sind die Perser(nicht die türkmenen und andere nicht indoarische Völker im Iran ) lieber als diese dumpfen Türkmongolen und semitischen Araber..das sind doch brutale tiere

    Im Iran habe ich auch das Gefühl das diese sich weiterentwickeln und nach Vorne schauen ..da gibt es sowas wie eine eigene Moderne ..
    Die Araber nehmen nur und beschweren sich noch —

    die araber leben in im Mittelalter und wollen das auch auf Ewig beibehalten …
    Konsum und Koran -das wollen diese araber nur
    Die Saudis sind doch ekelhafte Heuchler so wie die meisten Araber

    • arprin Says:

      Es geht in dem Artikel gar nicht um Europa, sondern um die politische Situation im Nahen Osten.

      Der Iran ist momentan eine größere Bedrohung als Saudi-Arabien.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: