Assad, Syrien und der Nahe Osten: Stammesdenken verhindert Zivilisierung

Das geteilte Syrien

Das geteilte Syrien

Einer der Hauptgründe, die genannt werden, um vor einem Ende von Assads Herrschaft in Syrien zu warnen, ist die Angst vor der Rache der Sunniten an den Minderheiten, denen es unter Assad, mit Ausnahme der Kurden, für nahöstliche Verhältnisse relativ gut erging. Die Ängste der Alawiten, Schiiten und Christen sind verständlich. Die Urkatastrophe des modernen Nahen Ostens ist, dass nach dem Ende des Osmanischen Reichs die ethnischen und religiösen Komponenten völlig unbeachtet blieben. Staaten wie Syrien, Irak, Libanon und Jordanien sind reine Erfindungen der Franzosen und Briten, deshalb konnte sich in den meisten dieser Gebilde kein starkes Nationalgefühl entwickeln. Dasselbe trifft auch auf die meisten afrikanischen Staaten zu. Welche Lösung lässt sich für dieses Problem finden?

Eine Lösung wäre natürlich, alle Staaten gemäß ethnischer und religiöser Grenzen neu zu ordnen. Dies ist jedoch so utopisch, dass man gar nicht darüber nachdenken sollte. Der einzige Weg zu dieser „Lösung“ wären wohl jahrzehntelange Kriege und Vertreibungen. Die Lösung, die die Führer der neuen arabischen Staaten praktizierten, war, die Minderheiten in den neuentstandenen Staaten brutal zu unterdrücken (vor allem die Kurden) und einen extremen arabischen Nationalismus zu fördern, der als Nationalideologie diene sollte. Die Träume eines „Groß-Arabien“ erfüllten sich jedoch nicht, die Araber waren sich selbst untereinander zu uneinig. Nach dem verlorenen Sechstagekrieg befand sich der arabische Nationalismus im Rückzug, der Islamismus wurde als neue Lösung immer populärer, doch führte er dazu, dass die religiösen Minderheiten sich immer unsicherer fühlten.

Die Führer nutzen diesen Umstand gezielt aus, denn sie wollten natürlich den Status quo erhalten. Sie hetzten ihre eigene Bevölkerung gegeneinander auf, indem sie ihnen sagten: Wenn wir verschwinden, werden die neuen Herrscher euch verfolgen, “Wenn die Sunniten an die Macht kommen, töten sie alle Schiiten” bzw. “Wenn die Schiiten an die Macht kommen, töten sie alle Sunniten”. Aber: Ist der Status quo, also ein autoritären “Führer”, der eine Seite blutig unterdrückt und damit für “Stabilität” sorgt, wirklich eine dauerhafte Lösung? In Wirklichkeit legt die Unterdrückung nur die Samen für die zukünftige Rache der Unterdrückten. Die einzige Lösung ist: Beide Seiten müssen akzeptieren, mit- und nebeneinander zu existieren, so dass man keine Angst mehr vor gegenseitiger Rache haben muss. Das geht nur, wenn man endlich den Weg zu einer pluralistischen Demokratie beschreitet. Ein “Führer” kann einen nicht ewig vor der Rache der Unterdrückten schützen, das Aufheben der Unterdrückung schon.

Das Beispiel der Schweiz zeigt, dass ein Land mit einer ethnisch heterogenen Bevölkerung nicht zu endlosen Bürgerkriegen verdammt ist. Es ist ganz einfach: Alle Bürger, egal welcher Herkunft, Religion oder Sprache, müssen gleichberechtigt sein und ihre Kultur frei ausleben dürfen. Keine Seite darf unterdrückt werden, das Stammesdenken muss verschwinden. Der jugoslawische Bürgerkrieg hätte verhindert werden können, wenn die ethnischen Minderheiten von den Serben nicht kulturell und wirtschaftlich marginalisiert worden wären. Heute geben einige stattdessen denen die Schuld, die die Unabhängigkeit der neuen Staaten „zu voreilig“ anerkannt hätten (wie z.B. Deutschland) und damit angeblich den Bürgerkrieg entfacht hätten- der Milosevic von damals ist der Assad von heute. Es stimmt: Wenn die Unterdrückten sich nie gegen ihre Unterdrückung wehren würden, gäbe es natürlich immer Stabilität. Aber: Was war zuerst da? Die Unterdrückung oder der Aufstand gegen diese? Was ist wichtiger: Freiheit oder Frieden? In Deutschland würden die meisten sicher Frieden wählen, aber es gibt Menschen auf der Welt, die bereit sind, für ihre Freiheit zu kämpfen.

Sollte der Westen intervenieren?

Ein Staat hat meiner Meinung nach in zwei Fällen das Recht, in einem fremden Land militärisch zu intervenieren:

1. Wenn man die Sicherheit seiner Bürger schützen möchte. Dies kann z.B. passieren, wenn ein anderer Staat Terrororganisationen schützt, die Anschläge im eigenen Land begehen (ein Beispiel: der Afghanistankrieg 2001), oder wenn ein anderer Staat ganz offen mit einem Angriffskrieg droht (dies traf z.B. für Israel im Sechstagekrieg zu).
2. Wenn ein Massenmord oder ein Völkermord droht (die UN-Genozidverhütungskonvention macht einen Militäreinsatz im Falle eines drohenden Völkermords sogar rechtlich verpflichtend). Allerdings sollte man unterschieden: Die Unruhen nach dem Wahlen im Iran 2009 waren zwar blutig, aber nicht mit einem Massenmord oder Völkermord gleichzusetzen.

Den naiven Glauben, dass allein die Demokratisierung eines fremden Landes einen Militäreinsatz rechtfertigt, teile ich nicht, denn dann müsste man z.B. auch in China oder Saudi-Arabien einmarschieren. Dass man versucht, dem besetzten Land eine starke, demokratisch legitimierte und partnerschaftlich verbundene Zentralregierung zu geben, ist nicht das eigentliche Ziel einer Militärintervention, sondern nur dazu da, damit es unter Umständen selbst gegen Terroristen vorgehen kann, die eine Gefahr für das eigene Land darstellen (deswegen hieß es ja auch “Krieg gegen den Terror” und nicht “Krieg für die Demokratie”), oder um einen weiteren Völkermord zu verhindern. Für mich ist in Syrien die Gewalt so groß, dass eine Militärintervention gerechtfertigt wäre.

Es gibt drei Varianten, wie es in Syrien weitergehen wird:

1. Der Westen überlässt den Dschihadisten den Krieg: Die von den Golfstaaten bewaffnete Free Syrian Army stürzt Assad, um sich dann gegenseitig zu bekämpfen und zu massakrieren. So ähnlich geschehen in Afghanistan Anfang der 1990er Jahre.
2. Assad gelingt es irgendwie, wieder für Ruhe zu sorgen, notfalls mit einem genozidalen Massaker wie in Hama 1982. Danach herrscht Friedhofsruhe bis Assad stirbt, ohne dass der gegenseitige Hass verschwindet. So ähnlich geschehen im Irak nach dem Schiiten-Aufstand 1991.
3. Der Westen bombt Assad weg und hilft beim Wiederaufbau des Landes, indem sie eine Übergangsregierung bildet und freie Wahlen anordnet- was danach kommt, liegt in den Händen der Syrer. So ähnlich geschehen in Libyen 2011.

Man sollte aber von einer Militärintervention keine allzu großen Hoffnungen erwarten: Man kann kein Land zur Demokratie zwingen. Einige werden einwenden, dass es in Deutschland und Japan nach 1945 doch funktioniert hat. Aber beide Staaten hatten damals eine größere Tradition mit Parlamentarismus als es die arabischen Staaten heute haben. Syrien würde im Falle einer Militärintervention nicht von heute auf morgen eine lupenreine Demokratie werden, aber die Syrer würden zumindest die Möglichkeit bekommen, eine Demokratie zu errichten. Vielleicht besteht auch noch die Hoffnung, dass sich, bei einem Sturz Assads, der ohne eine westliche Militärintervention erfolgt, die neuen Herrscher auf ein gemeinsames Vorgehen einigen und freie Wahlen anordnen.

53 Antworten to “Assad, Syrien und der Nahe Osten: Stammesdenken verhindert Zivilisierung”

  1. besucher Says:

    Was ich wiederum heute nicht verstehe ist der Fakt dass das Kosovogebiet unbedingt in seiner jetztigen Form bestehen muss. Das Problem mit den Serben im Norden kann man ganz einfach lösen in dem man diese Grenzgebiete Serbien zuschlägt.
    Dieses Gequatsche von sogenannter „territorialer Integrität“ ist oftmals nur hohles Geschwätz.

    Zu Syrien:
    http://de.wikipedia.org/wiki/V%C3%B6lkerbundmandat_f%C3%BCr_Syrien_und_Libanon#Staatenbildung_unter_dem_franz.C3.B6sischen_Mandat

    • arprin Says:

      Ja stimmt, dieses kindliche Weigern ist echt nervig.

      Die nahöstlichen Staaten haben jedoch eine noch schwerere Ausgangslage als früher Jugoslawien, die UdSSR und die Tschechoslowakei, denn die ethnischen Grenzen waren dort oft, wenn auch nicht immer, mit den politischen identisch. Man musste später nur einzelne Regionen abtrennen.
      In Syrien, Libanon, Irak usw. dagegen sind die verschiedenen Völkerschaften oft zu versprenkelt. Selbst wenn sich einzelne Gebiete abtrennen würden, würden diese neuen Staaten immer noch mit großen Minderheiten leben müssen.

      Deswegen müssen sie wohl oder übel auf ethnisch und religiös homogene Staaten verzichten, wenn sie keine Jahrzehnte von Bürgerkriegen und Vertreibungen in Kauf nehmen wollen.

      • besucher Says:

        Das hängt zum größten Teil mit dem Millet-System und der Religionsapartheid des osmanischen Reiches zusammen.

        Brzesinski hat ja seinerzeit schon viel über den GROSSEN Balkan in Vorderasien geschrieben und seine Sogwirkung auf alle Großmächte (Russland, China, Iran) der Region.

  2. antifo Says:

    @besucher
    Arprin saugt sich immer irgendwelche obskuren Vorwände aus den Fingern.

    Klarere Worte findet der Neo-Con Clifford May:

    Syrien ist ein Stellvertreterkrieg mit Iran und Russland und hat nichts mit humanitären Befindlichkeiten zu tun
    http://syria360.wordpress.com/2012/06/07/syria-is-a-proxy-war-with-iran-and-russia-and-has-nothing-to-do-with-humanitarian-concerns/

  3. apxwn Says:

    „Anhänger der syrischen Opposition demonstrieren in Homs.“

    Wann soll denn das gewesen sein? Sicher nicht in der jüngsten Zeit. Du suggerierst es aber, indem Du davon schreibst, der Konflikt tobe seit 15 Monaten.

    Homs ist bis auf anderthalb Quartale von bewaffneten Rebellenbanden gesäubert. Anhar Kochneva (anhar.livejournal.com) hat in der letzten Woche um die 4 Mal direkt aus Homs berichtet. Das Foto kann kaum später als Mitte Februar entstanden sein.

    • arprin Says:

      Das Foto stammt vom 20. Januar (Anmerkung: mittlerweile ist das Foto entfernt worden).

      Aber: Wo in dem Bild siehst du denn irgendwelche Waffen?

      • apxwn Says:

        Alles klar. Dachte ich es mir doch.

        Waffen? Ach, komm. Die Sache mit Homs ist doch längst aufgearbeitet, auch weitestgehend im „Mainstream“. Die Stadt war als Basis für die FSA gedacht und wurde massiv von bewaffneten Kämpfern infiltriert und von diesen mehr oder weniger in Geiselhaft genommen. Benghazi v2.0.

        Ich hatte damals – nur aus Veröffentlichungen in den Medien und teilweise aus Meldungen von Leuten direkt aus Syrien – etwas zu Homs geschrieben:

        http://apxwn.blogspot.de/2012/02/homs-eine-rekonstruktion.html

        Wie gesagt, keine Geheimdienstinformationen, nur allgemein zugängliche Quellen.

      • arprin Says:

        Ich sprach nur von dem Bild. Natürlich gab es einen bewaffneten Aufstand, aber glaubst du etwa, dass jeder Anti-Assad-Demonstrant in Homs bewaffnet war?

        Wenn man sich ansieht, wie Assad in den Zentren der Proteste gegen die Zivilbevölkerung vorging, ist es doch auch verständlich, das manche Demonstranten zu den Waffen greifen. Dass sich an diesem Aufstand auch Islamisten beteiligen, die vom Ausland bezahlt werden, ist mir natürlich auch klar (und ich verurteile das), aber das allein entschuldigt nicht die Massaker an der Zivilbevölkerung. Oder denkst du, dass die syrische Armee einen „humanen Krieg“ führt? Keine von beiden Seiten tut dies, weder die reguläre syrische Armee noch die FSA.

      • apxwn Says:

        Es gibt keinen „humanen Krieg“. Die „Massaker an der Zivilbevölkerung“ sind so ein Ding, das ich für ein Buzzword halte. Immer, wenn man das liest, gewinnt man den Eindruck, dass die Armee mehr oder weniger unmotiviert in ein Wohnviertel reinballert, wo Ali von der Opposition gerade auf dem Balkon seine Wäsche trocknet und Hassan von derselben Opposition gerade in eine (Rinds)Wurst beißt.

        Das ist eine Assoziation, die landläufig ist: friedliche Zivilsten werden beschossen.

        Erinnerst Du Dich an den Überfall auf Libyen? Damals bombardierte die NATO Wohnviertel. Der einzige Unterschied war der Duktus der entsprechenden Meldungen: es wurden „militärische Kommandozentralen“ zerstört (derer im Verlauf der Bombardierung mehr zerstört wurden, als es Offiziere in der libyschen Armee gab). Oder noch eine weit verbreitete Variante: „Das Regime verschanzt sich in Wohnvierteln hinter menschlichen Schutzschilden“.

        Kennst Du doch. Schau, so ähnlich klingt auf syrischer Seite heute das, was Du hier „Massaker an der Zivilbevölkerung“ nennst. Weder das eine, noch das andere kann man für bare Münze nehmen.
        Im Fall von Homs besitzen wir jedoch Quellen aus erster Hand. In der Tat ist Baba Amr ein rein ziviles (und historisches!) Viertel von Homs, und in der Tat hatten sich dort bewaffnete Söldner verschanzt. Kleinere Verbände von ihnen sind immer noch drin.

      • arprin Says:

        Es gibt aber verscheidene Formen von Kriegsführung. Eine Armee kann Gewalt gegen Zivilisten als gezielte Taktik verwenden, wie z.B. die Hamas, die Hisbollah und die beiden Kriegsparteien in Syrien. Eine andere Sache ist es, wenn Kriegsverbrechen nicht auf ausdrücklichen Befehl hin geschehen und eventuell auch von der eigenen Führung bestraft werden. Das geschah z.B. nach dem Gazakrieg bei der IDF. Die NATO hat natürlich auch nicht mit voller Absicht zivile Wohnviertel bombardiert.

        Zu Syrien: Diese momentane Assad-Vergötzung, die man in der Blogosphäre findet, ist so heuchlerisch und abartig, dieselbe Show wie bei Gaddafi nach seinem Tod. Da wird so getan, als sei Assad der große Staatsmann und Reformer und er wird so dargestellt, als trüge er keine Schuld an der Gewalt in seinem Lande. Wenn du meine Blog-Beitrge zu Syrien kennst, dann weißt du, dass ich mich definitiv auf eine Seite schlage, und schon gar nicht hinter den Golfstaaten und ihren salafistischen Partnern. Und hinter so einem despotischem und mörderischem Regime wie Assads schon gar nicht.

      • antifo Says:

        @arprin
        Schreib besser einen Artikel, in dem Du Dich mit dem russischen Vorschlag zur einer Syrienkonferenz befasst:

        http://www.faz.net/aktuell/politik/arabische-welt/iran-soll-beteiligt-werden-russland-fordert-syrienkonferenz-11779426.html

      • antifo Says:

        Da, lies, was David Owen zu Syrien schreibt:

        http://www.guardian.co.uk/commentisfree/2012/jun/08/intervene-syria-russia-un-nato-kosovo-bosnia

        Der Kommentar ist ein Beweis, dass noch nicht alle auf der Insel verblödet sind.

        Owen kommt nicht umhin, den Russen doch in macherlei Hinsicht zuzustimmen. Owen war damals EU-Sonderbeauftragter für den Balkan.

    • besucher Says:

      Iran soll also beteiligt werden. Dann haben wir ja bald alle dschihadisten mit am Tisch sitzen.

      • arprin Says:

        Ich weiß gar nicht, was antifo will. Der Iran ist doch schon an der „Lösung“ beteiligt, genauso wie Katar und Saudi-Arabien.

  4. aron2201sperber Says:

    Laut FAZ dürften Dschihadisten hinter dem Massaker von Hulla stecken.

    Überlässt man den Kampf gegen Assad den Dschihadisten, wird er eben mit den Mitteln der Dschihadisten geführt.

    Als die Dschihadisten jene Methoden im Irak gegen die US-Besatzung einsetzten, wurden sie von gewissen Leuten als antiimperialistische Helden gefeiert.

    Auch Assad stellte den Dschihadisten sein Territorium zu Verfügung, um von Syrien aus Terror im Irak zu verbreiten:

    http://aron2201sperber.wordpress.com/2012/06/09/dschihad-kehrt-zu-assad-zuruck/

  5. Nichtglauber Says:

    „Russland bereitet Armee für Syrien-Einsatz vor

    Dies ist eine so wichtige Meldung, dass ich sie – mit Dank an die World Socialist Website – auch hier auflege, auch wenn die Meldung noch nicht offiziell bestätigt wurde.

    Von Clara Weiss
    9. Juni 2012
    World Socialist Website

    Angesichts der Verschärfung der Syrien-Krise wird die russische Armee laut einem Bericht der Nezavisimaya Gazeta offenbar auf einen Einsatz in Syrien vorbereitet. Die Zeitung schrieb am 6. Juni unter Berufung auf anonyme Quellen in der Militärführung, dass der russische Präsident Wladimir Putin dem Generalstab die Aufgabe gegeben habe, einen Plan für Truppeneinsätze außerhalb Russlands, unter anderem in Syrien, auszuarbeiten.“ :-))

    Tja, mit einem einzigen Schachzug die Nato inklusive Israel und den liberalen, freiheitlichen Golfern Matt zu setzen… das hätte schon was!!

    • arprin Says:

      http://www.welt.de/politik/ausland/article106447991/Russland-kann-sich-Syrien-ohne-Assad-vorstellen.html

      „Der stellvertretender russischer Außenminister Michail Bogdanow erklärte am Donnerstag, dass Russland die sogenannte „Jemen-Lösung“ für Syrien nicht ausschließe. Der Präsident des Jemens, Ali Abdullah Saleh, war im Februar zurückgetreten, die Übergangsregierung hatte ihm dafür Immunität garantiert.

      „Das Szenario im Jemen wurde von den Jemeniten selbst diskutiert. Wenn dieses Szenario jetzt auch von den Syrern diskutiert wird, und wenn es von ihnen akzeptiert wird, haben wir nichts dagegen“, sagte Bogdanow.

      Bereits einige Tage zuvor deutete sich ein Kurswechsel in Moskau an. „Wir haben nie gesagt, dass Assad an der Macht bleiben soll“, ließ der russische Vize-Außenminister Gennadij Gatilow wissen. Die Lösung solle jedoch friedlich sein und von den Syrern selbst gefunden werden. Im Klartext heißt das wohl: ohne die Einmischung anderer Länder.

      Munzer Hallum, ein Oppositioneller aus dem Demokratischen Forum Syriens, beschreibt die Wende in der Haltung Moskaus so: „Russland kann sich jetzt eine Zukunft Syriens ohne Assad vorstellen. Anfangs war da so etwas wie eine Mauer.“

  6. antifo Says:

    Assad’s consent to step down is an indispensable condition. Many mention the Yemeni model in this context. In Yemen, Ali Abdullah Saleh’s departure was brokered by Saudi Arabia and the United States, while in this case their role could be played by Iran and Russia, which should try to prevent an avalanche that would bury their interests in Syria. Only pressure from Syria’s closest partners can compel official Damascus to end the conflict. Otherwise, the Yemeni scenario will become impossible, and a combination of the chaotic Iraqi, Libyan and Lebanese scenarios will loom on the horizon.

    Russia could make it clear to Assad that it has done all it can for him and he should not count on more. There are no guarantees that he will accept this outcome, but at least he will be fully responsible for the consequences.

    Das zu der Frage, weshalb der Iran bei der von Kofi Annan befürworteten Kontaktgruppe mit dazu gehört: Es macht einen Unterschied, ob einem Feinde etwas befehlen oder Freunde etwas raten.

    http://en.rian.ru/columnists/20120607/173895703.html

  7. Nichtglauber Says:

    Die Alternativmedien sind Segen und Fluch zu gleich – Segen für die Syrer und Fluch für den Westen…
    Die FAZ sieht sich jedenfalls an ihrer journalistischen Ehre gepackt.
    http://m.faz.net/aktuell/politik/arabische-welt/syrien-eine-ausloeschung-11784434.html

    Wenn das Schule machen sollte, wird die Argumentationskette hier und überall im Bereich der „Wahrheitspächter“ aber arg schwach…

    • arprin Says:

      Da gebe ich dir Recht. Gott sei dank gibt es die Alternativmedien, sonst hätten es die Syrer schwer. Ohne die tapferen, mutigen syrischen Demokratieaktivisten wüsste die Welt wohl bis heute nichts über die Massaker des Assad-Regimes bei der Niederschlagung des Aufstands:
      http://www.dailymotion.com/video/xnahdx_syria-s-torture-machine-exclusive-film-by-channel4_news

      In Russland ist den Putin-Faschisten mit dem neuen Demonstrationsgesetz nun leider ein großer Schlag gegen die Demonstrationsfreiheit gelungen. Und auch in China sieht’s auch nicht besser aus: Kommentare von 300 Millionen Nutzern gesperrt, neues Gestapo-Gesetz.

      Hoffentlich kann es bald in allen Ländern der Welt, ob nun Syrien, Russland, China, Iran, Saudi-Arabien, Kuba, Nordkorea, Ukraine oder Aserbaidschan, sowas wie „Alternativmedien“ geben wie bei uns im Westen, dann sind die Menschen nicht gezwungen, sich nur von den Staatsendern zu informieren zu lassen und von den freiheitlichen, liberalen Russen und Chinesen (Ironie) Matt gesetzt zu werden, wie du es ja ausgedrückt hast.

      • Nichtglauber Says:

        Zum FAZ-Artikel und vor allem zu seinem Inhalt hast du jetzt aber nicht viel geschrieben…

      • arprin Says:

        Der FAZ-Artikel ist ein Beweis, das die Medien im Gegensatz zu den staatlichen Medien in Syrien neutral berichten. Es ist ja nicht der einzige Artikel, der die Rebellen scharf kritisiert. Die FAZ stellt eine Vermutung an, leider ohne die Quellen für ihre Angaben zu konkretisieren. Es gibt aber auch Hinweise, die eher dafür sprechen, dass es die Shabiha waren. Noch kann man es nicht mit Sicherheit sagen.

        Dass die Argumentationskette der “Wahrheitspächter” aber arg schwach wird, will ich doch stark bezweifeln. Es gibt genug Beweise für die Verbrechen des Assad-Regimes. Und wenn du den Dailymotion-Link angeklickt hättest, hättest du auch erfahren, dass die syrische Regierung mit billigen Propagandatricks arbeitet. So wurden private Videos von Jugendlichen mit ihren Waffen als “Terrorcamps” und drei Jahre zurückliegende Hochzeitsfeiern, bei denen Gewehrschüsse abgegeben wurden, als angebliche Aufzeichnungen von “Terroristen” ausgegeben.

        Solche antiwestliche Diktatorenhuldiger wie dich wird das aber wohl kaum beeindrucken, stattdessen werdet ihr Assad bei seinem Schlachtfest weiter anfeuern und den lupenrein demokratischen Ex-KGB-Agenten in Moskau für seine Komplizenschaft loben.

  8. Nichtglauber Says:

    Schau mal Arprin:

    Es gibt viele Punkte, die das Massaker von Houleh klar der Terroristenseite anlasten. Von Namen (!) der Redelsführern, über die Identität der Getöteten (zum Schiitentum konvertierte Sunniten oder die Familie eines Parlamentsabgeordenten), den minitiösen Ablauf des Verbrechens bis hin zu der Aussage des einzigen Überlebenden, eines elfjährigen Augenzeugens (!!). Solltest du mir auch sowas liefern können, dann her damit.

    Wenn du jetzt noch nachfolgende Erklärung liest und dir vorstellst, dass diese, vom Westen nachweislich supporterte Gruppe in Syrien freie Hand bekommen hat, das alles in die Tat umzusetzen, was in deren kranken Hirnen gesponnen wird, dann ist die Frage nach böse und noch mehr böse in Syrien schnell beantwortet.
    Und die inzwischen absurde Rolle der „freien Welt“ ebenso.
    http://alghorabaa.wordpress.com/2012/06/14/abu-usama-al-gharib-stellungnahme-uber-die-razzien-in-deutschland/

  9. Nichtglauber Says:

    Türkei in Waffenschmuggel verwickelt
    Die sogenannte Freie Syrische Armee (FSA) wurde von Saudiarabien und Katar mit Waffen versorgt. Sie wurden mit Unterstützung des türkischen Geheimdienstes MIT über die Türkei nach Syrien gebracht, berichtet ein westlicher Diplomat in Ankara.
    http://www.independent.co.uk/news/world/middle-east/exclusive-arab-states-arm-rebels-as-un-talks-of-syrian-civil-war-7845026.html?afid=af

    Die kritischen Berichte in den „Qualitätsmedien“ häufen sich… bröckelt da was?

  10. Nichtglauber Says:

    Bezüglich des Massakers von Al Houleh hier noch die BEWEISFÜHRUNG der Gegenseite:

    >>UN Human Rights Council ‘own’ sources?

    What worries Marinella Corregia, an activist from the „No War Network,“ is the sources the UN Commissioner for Human Rights uses to draw their reports, as their opinions do not seem in accord with UN monitors’ prudence. General Robert Mood, who heads the observing mission, has not yet pointed to anyone for the killings.

    Marinella Corregia called the spokesman for the UN Commissioner for Human Rights, Rupert Colville, to get some answers. This is the conversation they had as reported by the peace activist:

    Marinella Corregia: Who spoke with the local people you quote? The UN observers?

    Rupert Colville: The UN observers are another body.

    MC: So which witness sources do you have and how did you speak with them?

    RC: Our local network, whom we spoke on the phone. I cannot say more; I have to protect them.

    MC: How could they recognize that the killers were Shabbiya? Weren’t their faces covered?

    RC: Our local contacts in Syria say they were Shabbiya. Try to be less cynical.

    MC: But no doubt from your side? It seems that many of the children were from Alawite pro-government families…

    RC: We are asking for an investigation. I don’t say we are certain. We have also been asking for international investigations for the past months in Syria; but it has never been done and that is why we rely on our sources.

    MC: So it is not the UN that says that pro-government groups killed the children, it is your sources saying that.

    RC: Yes, many people, our sources point the finger at the Shabbiya [militia group]. <<

    Na denn… diese Fakten triefen vor Beweise und konkreten Namen, Taten und glaubhaften Quellen!!
    Als Satirebeitrag wäre dieses Interview erstklassig.

    • arprin Says:

      http://syrianrevolutiondigest.blogspot.de/2012/06/revolutionary-imperative.html

      We write this letter in the name of the residents of the four cities of Houla (Taldo, Kafarlaha, Taldahab, al-Tiba al-Gharbiya), in response to a disgusting slur published in the weekend in the Frankfurter Allgemeine Zeitung German newspaper, which shamefully presented lies as facts in the report written by reporter Rainer Hermann and published on June 7, 2012. The report cast the 108 people who died here at the hands of the regime as conspirators instead of victims. In almost four weeks since this dreadful act of savagery was brought to our village, we have been contacted by numerous reporters from many countries, all of whom have been in search of the truth. None of us recall being contacted by a German or non-German reporter that works for the Frankfurter Allgemeine Zeitung. We most certainly have not been contacted by Rainer Hermann or any representative of the Frankfurter Allgemeine Zeitung.

      The least that can be said about the claims of the newspaper that the families killed were Alawite and that the FSA is responsible for the massacre, is that they are ridiculous. Everyone who is involved with the Syrian issue knows that the four cities of Houla are exclusively Sunni, and all the families who lost members to this slaughter are identifiably Sunni.

      To anyone foolish enough to doubt this we invite you to look at the Sunni burial rituals, which are there for all to see on videos posted on YouTube.

      The FSA is an essential part of Houla. They are our brothers, fathers, uncles and sons. Any reporter suggesting that they are in fact the villains in this plot are woefully blind or lying.

      To conclude we say without reservation that this reporter spoke to no one from Houla before compiling his disgusting report from Damascus. If he has spoken to anyone at all it is stooges put up by the regime in an attempt to deceive. Despite the renewed anguish that this reporter has caused our community and the shame he has brought to himself and his newspaper, we invite him to come to our village to interview survivors and meet the community he has defamed. We guarantee him protection from justifiably angry residents here but wonder whether he first has the courage to slip from the grip of his masters in Damascus.

      • Nichtglauber Says:

        Nicht doch, Arprin.
        Du lieferst ein „Statement der Einwohner Houlas“ als Gegenbeweis?
        Wer sind „we“, wie es im Blog heißt? Warum soll die FAZ nur mit ihnen gesprochen haben? Wo sind Fakten, Namen oder konkrete Quellen?
        Dieser Link, Sorry, ist eine Ansammlung von Blabla. Genau so gut kann ich dir ein Statement von den „Einwohnern New Yorks“ schicken, die behaupten, die Al Qaida sei nicht für den 11. September verantwortlich. Beweise? Keine. Eben so wie in deiner verlinkten „Erklärung“.
        Nebenbei: Hätte die Opposition auch nur die geringsten Beweise, würde sie damit hinter dem Berg halten?

      • arprin Says:

        Es gab etliche Augenzeugenberichte, die angaben, dass es sich bei den Tätern um Shabiha-Milizionäre handelte.

        Amnesty international berichtete sogar über die Namen der Opfer:
        “Sixty-two of those killed were from the ABD AL-RAZAQ family in Teldo. All had been shot dead, except for a few children whose skulls had been smashed, presumably by rifle butts.

        AUGENZEUGEN
        http://www.bbc.co.uk/news/world-middle-east-18240460

        RASHA ABDUL RAZAQ:
        “We were in the house, they went in, the Shabiha and security, they went in with Kalashnikovs and automatic rifles.
        We asked them what was going on and they told us to go inside. We said: ‘What is it? What do you want?’. They said: ‘Take everything out, whatever you are hiding,’ and we told them: ‘We are not hiding anything’.
        They took us to a room, and hit my father on the head with the back of a rifle and shot him straight in the chin.
        They took us inside and told us to gather in the corner of the room. A man started shooting in the air so we all hid behind my mother. We were about 15 people.
        Then they opened fire. After they shot us they started to step on us, and one of the men asked the other to check whether we were all dead. Then they went outside and started shooting in the air.
        We were eight siblings, including myself, and my sister-in-law and her son – she was also six months pregnant. With us as well were my father, my uncle’s wife and her daughter, as well as our neighbour and her three kids.
        My aunt and her two daughters – one of them was only injured and she’s here with me – she is one month old, the other one died. We were all in the house.
        I survived with my mother and the one-month-old girl and my sister. They shot at us but we survived.
        What’s going to happen to us? When we hear that the army and the security is coming we start running in the streets, we are afraid they would repeat what they did to us the other day.
        There were 100 houses in the neighbourhood, they killed everyone inside. They went into people’s houses and opened fire and killed them all.”

        RASHA ABDUL RAZAQ’S MUTER:
        “He [an attacker] said: ‘We are from the mountain there, from Fulla,’ so I said: ‘We are neighbours then, we don’t have any terrorists here,’ and he said: ‘You are the terrorists’. They thought I was dead. It was thanks to God that I survived. He was shooting my kids and yelling. Please get me and my daughter some protection – we are staying now in different people’s houses. We are worried they will liquidate us.

        HASSAN ABDEL-RAZZAQ beschreibt, wie er seine Familie abgeschlachtet vorfand: http://www.dailymail.co.uk/news/article-2157034/Syria-Father-finds-wife-children-victims-Houla-atrocity.html

        HAMZA OMAR (Aktivist)
        “The shabiha militias attacked the houses. They had no mercy. We took pictures of children, under 10 years [old], their hands tied, and shot at close-range, from 10cm, just 10cm. By knife they cut their neck, not exactly all his neck, but they make a hole in the neck, a hole in his eyes.”

        „Bei dem Mas­sa­ker in Hula wur­den die meis­ten Opfer aus nächs­ter Nähe erschos­sen oder mit Mes­sern getö­tet. Den UN-Beobachtern zufolge sind ver­mut­lich Sol­da­ten und eine regie­rungs­treue Miliz dafür ver­ant­wort­lich. Einige Opfer (Anm.: einige, nicht alle) seien durch schwere Waf­fen wie Pan­zer und Hau­bit­zen ums Leben gekom­men, über die NUR DAS MILITÄR ver­füge”
        (Focus)

        „Überlebende aus Hula sagten in der vergangenen Woche, dass die Angreifer aus alawitischen Dörfern gekommen seien.“
        „Die Einwohner der syrischen Stadt machen eine regierungstreue Miliz für die Bluttat verantwortlich.“ (Welt.de)

        Alhoula, Eye Witnesses’ Accounts of the Massacre 2
        http://www.youtube.com/watch?v=w6nGOjXKuHY&feature=youtu.be
        Survivors of Al-Houla Massacre: Our Families Were Murdered in Front of Us
        http://www.youtube.com/watch?v=HsjmalW91Ks&feature=related

        So…
        Eine riesige Weltverschwörung gegen Assad, oder? Hmm… Und auf der Gegenseite steht Marat Musin (sein Artikel bei Anna-News wurde auf Dutzenden, wenn nicht Hunderten Verschwörungsblogs weltweit als EINZIGE Quelle angeführt) und die FAZ mit ihren Telefongesprächen(??) mit „Oppositionskreisen“(??). Mehr nicht. Na ja, vielleicht bringt die FAZ ja noch mehr Beweise und bezichtigt all diese Opfer, die UNO und der ganzen Welt der Simulation und Lüge…

        Nebenbei: Hätte die Opposition auch nur die geringsten Beweise, würde sie damit hinter dem Berg halten?
        1. Tut sie nicht, wie du anhand der Zeugenaussagen siehst.
        2. Würde das Assad-Regime Beweise hinterm Berg halten? Denk mal darüber nach.

      • antifo Says:

        @Nichtglauber
        Du mußt diese Erklärung der Aktivisten genau lesen.

        Sie beschweren sich darüber, dass Dr. Hermann sie nicht kontaktiert hat, bevor er seinen Artikel schrieb. Außerdem laden sie ihn in ihr „Dorf“ ein und „garantieren ihn vor den berechtigterweise aufgebrachten Bürgern zu schützen“.

        Daraus kann man ablesen, wie diese Aktivisten sonst mit Dissidenten umgehen. Wie man sie kontaktieren kann und wer sie sind, schreiben sie jedoch nicht.

        Al Hula ist auch kein „Dorf“, sondern eine Ansammlung größerer Ortschaften mit insgesamt mehreren Zehntausend Einwohnern (engl. Wikipedia). Für mich liest sich diese Stellungnahme so, daß amerikanische Journalisten den Text als Vorlage übernehmen können, ohne sich dabei groß anstrengen zu müssen.

        Weitere Gedanken zu dieser Pressemeldung im Kommentarbereich hier:
        http://apxwn.blogspot.de/2012/06/kein-burgerkrieg.html

      • apxwn Says:

        @arprin
        Die Familie Abdul Razak / Abdel Razaq hatte ANNA News auch unter den Opfern des Massakers gelistet. Und zwar aus einem Augenzeugenbericht, den sie publiziert haben. Freilich war der Kontext da ein anderer. Das war so um den 27./28. Mai, als noch niemand von „Schabiha“, sondern alle vielmehr von „Artilleriebschuss“ sprachen.

      • arprin Says:

        Ja, aber dort hieß es, dass es nur 10 und nicht 62 Mitglieder der Famile waren und dass sie umgebracht wurden, weil sie Pro-Assad waren. Die Zeugenaussagen vom BBC sprechen eine andere Sprache, sie geben an, das die Shabiha hinter der Tat steckten. Auch für die Aussagen in den beiden Youtube-Videos trifft dies zu.

        Erstaunlich ist auch die Aussage vom 11-jährigen Jungen Sayed Ali. Er sprach von Männern mit „langen Bärten ohne Haare“. Dieser „Anzug“ passt aber durchaus auch für Shabiha, wie viele Bilder zeigen (s.hier oder hier).

        Im Guardian werden auch andere Zeugen aufgeführt. Es heißt u.a.:
        “I saw my father’s brains spill from his head.” One of the security men fired his gun into the ceiling, she said, and shouted: “We took revenge for you, Imam Ali” – a reference to the most revered imam of the Shia Islamic faith.“ Wenn diese Aussage stimmt, waren die Angreifer defintiv keine Sunniten.

        Der Guardian spricht auch von der Familie Abdul Razaq:
        “My mother was killed by Shabiha. They were shot all together. I went out of the house to see the bodies of the daughters of our neighbour Sameen.” Only one of them was still alive. She continued naming more relatives, all from the Abdul Razziq family. The homes of the Abdul Razziq family were the first that the militias reached when they approached Taldou. More than 60 of the massacre victims are thought to have belonged to this single extended family. The Shabiha approached from the south-east – from the direction of Foulah and Qabou, according to numerous local accounts. “The Shabiha took advantage of the fact that there was no one there to protect them,” Abu Aruba said. “There was no one there on the outskirts. They just slaughtered everybody.”

        Und es gibt Videos, die eindeutig beweisen, dass Hula von der syrischen Armee beschossen wurden:
        http://www.guardian.co.uk/world/video/2012/may/29/syria-massacre-children-houla-video?INTCMP=SRCH

  11. besucher Says:

    Ich glaube zum ersten Mal seit längerer Zeit erleben wir in allen Foren und Blogs (vom linken bis zum rechten Spektrum) dass über die syrische Problematik die Meinungen absolut divergieren.

    Die Frage lautet: Ist ein Assadsches Militärregime die bessere Wahl?
    Für die Minderheiten ja, für die Mehrheit (Sunniten) nicht.
    Letztendlich werden sich wahrscheinlich weitere kleine Libanons bilden. Die Region hat definitiv das Potential dazu.

    Oder es kommen vielleicht mal ein paar Leute auf die Idee einen säkularen arabischen Staat mit Gewaltenteilung nach westlichem Vorbild zu gründen. Nur wer erklärt das den Schiiten und den orthodoxen Sunniten?

    • antifo Says:

      Fest steht, dass die Mehrheit der Syrer verlieren wird, wenn weiter Waffen und andere in einem Bürgerkrieg nützliche Ausrüstungsgegenstände in das Land strömen. Auch diese „Kommunikationstechnik“, von der die FAZ heute schreibt, dass Frankreich sie an die Aufrührer liefern will, heizt den Bürgerkrieg weiter an. Es geht da ja nicht um handelsübliche Mobiltelefone, sondern um Technologie, die speziell für militärische Zwecke hergestellt wird.

      Den meisten geht es auch nicht um eine Unterstützung Assads, sondern darum, dass sich das „libysche Modell“ nicht zum Standard etablieren soll, weil es zum Demokratie-Export nicht taugt. Befürchtet wird auch, dass die gegenwärtige Krise in Syrien sich zu einer Konfrontation zweier Blöcke auswachsen kann. Der Vergleich mit dem Spanischen Bürgerkrieg war schon oft zu lesen.

      Wenn dieser Konflikt in der deutschen Blogger-Szene einen besonderen Niederschlag findet, dann wohl deshalb, weil uns aufgrund der jüngeren deutschen Geschichte klar ist, dass der real existierende Sozialismus allemal auch ohne Bürgerkrieg überwunden werden kann. In den ganzen anderen Ostblockländern hat es auch funktioniert. Syrien hat viel mehr mit Jugoslwawien unter Tito gemein, als mit Ägypten unter Mubarak. Jugoslawien hat es zwar nicht geschafft, aber war ja quasi ein neu aufgewärmter Bürgerkrieg. Syrien ist weitaus weniger gespalten, weil dort seit Jahrzehnten eine Staatsideologie vertreten wird, die die Einheit der Nation betont und es gab auch vorher keine Bürgerkriege zwischen den verschiedenen Bevölkerungsgruppen. In den letzten 100 Jahren sah sich das Land immer nur von Kolonialmächten bedroht: Osmanisches Reich, Frankreich und jetzt der Westen im Verbund mit diesen Steinzeit-Islamisten aus Katar und Saudi-Arabien.

  12. Nichtglauber Says:

    @besucher

    Wie kommst du zur Einschätzung, dass die Mehrheit der syrischen Sunniten anders denkt als die syrische Minderheit?
    Wäre das der Fall, wäre Assad samt Führungsriege bereits längst im Exil oder tot.

    Im Übrigen: M. Kilo, ein in Syrien bekannter und auch von mir hochgeschätzter (innersyrischer) Oppositioneller, sagte unlängst:
    „unter den gegebenen Umständen möchte ich meinen Diktator doch noch für eine Weile behalten – bis wieder Ruhe und Ordnung herrscht und ich ihn dann abwählen kann“!!

    @ Arprin

    Gehen wir beide die vorhandenen Fakten mal gemeinsam durch:

    – 85 Tote gehören 3 Familien an. Alle umliegenden Wohnungen und Bewohner haben dieses Massaker komplett unverletzt überstanden.

    Rebell sagt: „die Shabiha“ (gut, dass es sie gibt, so ein Platzhalter wie Al Qaida) sei von Haus zu Haus gegangen und habe wahllos massakriert. Offensichtlich aber fand ein selektives Morden statt. Passt nicht!

    -Zwei Familien waren in der Kleinstadt „vorbelastet“:
    Die eine ist vor Jahren zum Schiitentum konvertiert, die andere stellte einen Parlamentsabgeordneten. Eine Tötung seitens der „Shabiha“ passt nicht!!

    – Houleh/Taldow ist Rebellengebiet, ein traditionell extremistisch sunnitisches Gebiet. Wie schafft es die Shabiha ungestört durch die Häuser zu flanieren und die Frauen und Kinder umzubringen? Wo sind deren Ehemänner, Väter, Brüder? Passt nicht!!!

    – Ein elfjähriger Junge beschmiert sich mit dem Blut seiner getöteten Mutter und Brüder und entkommt so dem Massaker. Er berichtet von „Kahlköpfigen Männern mit langen Bärten“… So sehen Salafisten aus. Passt nicht!!!!

    http://apxwn.blogspot.de/2012/05/der-gewohnliche-faschismus-der.html

    Passt viel besser. Konkreter und detaillietrer geht es nicht!!!

  13. antifo Says:

    Die Antwort der syrischen Aktivisten an die FAZ in Bezug auf das Hula-Massaker:

    http://www.ayyam.org/english/?p=484

    Sie beschweren sich darin, dass Dr. Hermann sie nicht nicht kontaktiert hat, bevor er seinen Artikel schrieb. Sie laden ihn in ihr „Dorf“ ein und „garantieren“ ihm, dass ihm da nichts Schlimmes passieren wird. Man muß zugeben, sie bemühen sich. Trotzdem bleibt irgendwie der Eindruck zurück, als hätten die „Syrian pro-democracy activists“ das mit der Pressefreiheit noch nicht so ganz verstanden.

  14. Nichtglauber Says:

    Wetten, dass es bald eine Schlagzeile im westlichen Blätter- und Fernsehwald geben könnte, die etwa lauten könnte: “ Assad schlachtet weiter sein Volk ab“?:

    Homs (Fidesdienst) – „Lasst uns gehen, im Namen Gottes“, flehen christliche und sunnitische Familien, die sich in der Altstadt von Homs in Lebensgefahr befinden. Es handelt sich um rund 800 Menschen, darunter Frauen, ältere Menschen, Jugendliche und Kinder, deren Leben nach Aussage von Beobachtern vor Ort „tatsächlich gefährdet ist. Sie leben angesichts der anhaltenden Gefechte und Bombardierung in großer Angst“. Die festgehaltenen Familien bitten die Vereinten Nationen, das Rote Kreuz und den Roten Halbmond um „humanitäre Hilfe“.
    Die betroffenen Familien leben im Zentrum von Homs in den Stadtteilen Warsheh, Salibi, Bustan, Diwan, Ozon Hamidyeh, Wadi Sayeh. Die syrische Armee soll sich zu einem Waffenstillstand zur Evakuierung der Zivilisten bereit erklärt haben, was jedoch von oppositionellen Gruppen unter Leitung von Abou Maan abgelehnt wird. Die Milizionäre befürchten, dass die syrische Armee ihre Offensive nach der Evakuierung der Zivilisten intensivieren würde. Rund 400 Christen leben noch in der Altstadt von Homs. Vor Beginn des Konflikts waren es über 80.000. (PA) (Fidesdienst, 15/06/2912)

    Nun, hier sind die Fronten ja vorab geklärt, oder?

  15. antifo Says:

    @Nichtglauber

  16. Nichtglauber Says:

    Arprin,

    worum geht es dir? um den Inhalt der Videos oder um Ablenkung?
    Wenn du möchtest, gelingt es dir in 3 Minuten ca. 100 Videos allein bei Youtube zu finden, die nachweislich gefakt sind. Das ist eine Tatsache, die selbst du hoffentlich nicht negieren möchtest. Und das im Rahmen dieses Propagandakrieges auch anzusprechen, sollte doch legitim sein. Das ist der erste Punkt.

    Dass die Greuel auch von der anderen Seite begangen werden, wird kein einigermaßen vernünftiger Mensch leugnen können. Das Problem ist nur, dass eben diese Erkenntnis für dich und für die Unterstützer dieser „Revolution“ scheinbar für eben diese Seite nicht relevant zu sein scheint. Sätze wie „natürlich sind die auch brutal“ treffen eine gerechte und faire Beurteilung dieses Konflikts nicht mal marginal! das ist der zweite Punkt.

    In diesem gepimpten, gesponserten, dreckigen und verlogenen Konflikt die Begriffe „Demokratie, Freiheit oder Frühling“ zu benutzen, ist eine Sünde an den wahren Bedeutungen dieser Wörter.
    Deiner Anschauung und Logik nach hätte es das syrische Volk gar nicht verdient, befreit zu werden, da es ganz offensichtlich in seiner Mehrheit nicht befreit werden WILL!! oder will es SO nicht „befreit“ werden??
    Das ist der dritte Punkt.

    Lass uns mal für einen Augenblick Syrien vergessen… und widmen wir uns den in deinem Sinne bereits „befreiten“ Ländern. Und davon gibt es in unmittelbarer kultureller oder regionaler Nachbarschaft zu Syrien ja das eine oder andere:
    Libyen, Irak. In welchem dieser Staaten (?) würdest du gerne als westlicher Tourist durch die Gassen gehen? In keinem? Komisch oder? früher ging das doch gut, sehr gut sogar. Was ist passiert. Frisst die Revolution ihre Kinder respektive der Pöbel seine Befreier? Oder gibt es in Wirklichkeit keine befreiten sondern nur gedemütigte, betrogene und gequälte Ölaugen?
    Das ist der letzte Punkt!

    • arprin Says:

      „Sätze wie “natürlich sind die auch brutal” treffen eine gerechte und faire Beurteilung dieses Konflikts nicht mal marginal!“

      Genauso ist es. Ich habe die Propaganda der Rebellen und des Regimes schon oft angesprochen. Du und deine anderen Assad-Apologeten-Freunde empören sich dagegen nur bei Massakern der Opposition und entlarven nur die Propaganda der Rebellen, nie aber die Propaganda des Regimes. Ich bin mir sicher, dass beide Seiten Videos fälschen. Aber du scheinst nur bei den Videos der Rebellen skeptisch zu sein. Du bist einseitig und wirfst mir vor, einseitig zu sein. Das nennt man in der Fachsprache „Von sich auf andere schließen“.

      „In diesem gepimpten, gesponserten, dreckigen und verlogenen Konflikt die Begriffe “Demokratie, Freiheit oder Frühling” zu benutzen, ist eine Sünde an den wahren Bedeutungen dieser Wörter.“

      Vergiss nicht das Wort „Reformen“, das vom syrischen Regime benutzt wird, während sie weiterhin ihre Bevölkerung abschlachten.

      „Deiner Anschauung und Logik nach hätte es das syrische Volk gar nicht verdient, befreit zu werden, da es ganz offensichtlich in seiner Mehrheit nicht befreit werden WILL!! oder will es SO nicht “befreit” werden??“

      Nicht mal du wirst wohl wissen, was du mit diesem Satz gemeint hast … Die Syrer wollen wohl einfach dass der Krieg aufhört. Assad hat den Krieg angefangen und führt ihn fort, die Rebellen rüsten auf. Wäre die Alternative zum Krieg- freie Wahlen, ein echtes Mehrparteiensystem, Meinungs- und Pressefreiheit- wirklich so viel schlimmer?

      Zu Libyen: Nach Kriegen und Revolutionen herrscht in einem Land immer Chaos. Libyen würde ich aber nicht als „failed state“ bezeichnen, man sollte doch erstmal die Wahlen abwarten, die im Juli stattfinden. Die meisten Syrer würden momentan libysche Verhältnisse herbeisehnen.

      • Nichtglauber Says:

        „Du und deine anderen Assad-Apologeten-Freunde empören sich dagegen nur bei Massakern der Opposition und entlarven nur die Propaganda der Rebellen, nie aber die Propaganda des Regimes.“
        Wird der Staat Israel kritisiert, ist man in Freifallgeschwindigeit zum Antisemiten mutiert, kritisiert man im Syrienkonflikt die Nato und die „Rebellen“, ist man ein Assad-Apologet. Ist das kreativ oder konstruktiv? Kommt dieses Schubladendenken auch nur annährend an die Wahrheit heran?

        „Vergiss nicht das Wort “Reformen”, das vom syrischen Regime benutzt wird, während sie weiterhin ihre Bevölkerung
        abschlachten.“
        Super Einwand… das Abschlachten ist wohl ganz auf „Rebellen-Seite“. Die reguläre syrische Armee (übrigens in NATO-Land fälschlicherweise Assad-Truppen genannt) ist das Souverän, die Rebellen sind die kriminellen Elemente.

        „Nicht mal du wirst wohl wissen, was du mit diesem Satz gemeint hast … Die Syrer wollen wohl einfach dass der Krieg aufhört. Assad hat den Krieg angefangen und führt ihn fort, die Rebellen rüsten auf. Wäre die Alternative zum Krieg- freie Wahlen, ein echtes Mehrparteiensystem, Meinungs- und Pressefreiheit- wirklich so viel schlimmer? “
        Assad hat den Krieg angefangen – wo, du werter Geschichtsschreiber, hast du denn diese interessante aber leider doch falsche Information her?
        Hätte die syrische Armee den Krieg angefangen, wäre er vor 13 Monaten beendet gewesen.
        Und wie oft soll dir noch die Frage offeriert werden, wie du auf den wahnwitzigen Irrglauben kommst, „die Syrer“ würden mehrheitlich auf Seiten der „Demokraten“ stehen?

        „Zu Libyen: Nach Kriegen und Revolutionen herrscht in einem Land immer Chaos. Libyen würde ich aber nicht als “failed state” bezeichnen, man sollte doch erstmal die Wahlen abwarten, die im Juli stattfinden.“
        Wieso hoffst du auf die Zukunft, wenn du im Jetzt und Hier mehrere Beispiele einer beispiellos verfehlten westlichen Politik vorfindest? Verdrängung? Selbstbetrug?

        „Die meisten Syrer würden momentan libysche Verhältnisse herbeisehnen.“
        Beweise? Indizien? Irgend etwas?

      • arprin Says:

        Es geht nicht um Kritik, sondern um die krankhafte Leugnung der Realität. Wenn Gaza als KZ bezeichnet wird, aber gleichzeitig Assad als ein aufgeklärter Reformer und Staatsmann dargestellt wird, handelt es sich um Gehirnwäsche.

        „das Abschlachten ist wohl ganz auf “Rebellen-Seite”. die Rebellen sind die kriminellen Elemente.“

        Ja, 1945 sagten die Deutschen auch: Das hat der Führer nicht gewusst!
        Kannst du auch beweisen, dass alle Zeugenaussagen, Videos und Bilder, die Assads Verbrechen dokumentieren, gefälscht sind?

        „wo, du werter Geschichtsschreiber, hast du denn diese interessante aber leider doch falsche Information her?“

        Das syrische Regime hat mit der blutigen Niederschlagung der Porteste ab dem 15.März 2011 den Weg zum Bürgerkrieg freigemacht: 112 Tote beim „Karfreitags-Massaker“ in Syrien

        „Und wie oft soll dir noch die Frage offeriert werden, wie du auf den wahnwitzigen Irrglauben kommst, “die Syrer” würden mehrheitlich auf Seiten der “Demokraten” stehen?“

        Es geht nicht mal in erster Line darum. Selbst wen die Mehrheit der Syrer Assads Völkermord befürwortet, bliebe es ein Verbrechen, das nicht toleriert werden kann. Und wenn die Syrer hinter Assad stehen, müsste er doch nicht seine eigene Bevölkerung abschlachten und freie Wahlen verhindern.

        „Wieso hoffst du auf die Zukunft, wenn du im Jetzt und Hier mehrere Beispiele einer beispiellos verfehlten westlichen Politik vorfindest? Verdrängung? Selbstbetrug?“

        Weil ich nicht glaube, dass die westliche Politik ausschließlich verfehlt ist und weil die Politik der arabischen Diktatoren noch verfehlter ist, wie wir am Beispiel Assad sehen, der sein Land in den totalen Bürgerkrieg und Ruin führt.

        „Beweise? Indizien? Irgend etwas?“

        In Libyen hat es in den letzten 8 Monaten 9.500 Tote weniger gegeben (und es steht darüber hinaus in einem Monat eine echte Wahl bevor), also schließe ich das einfach so aus meinem Gefühl, das Menschen normalerweise am Leben bleiben wollen.

  17. Nichtglauber Says:

    „In Libyen hat es in den letzten 8 Monaten 9.500 Tote weniger gegeben (und es steht darüber hinaus in einem Monat eine echte Wahl bevor), also schließe ich das einfach so aus meinem Gefühl, das Menschen normalerweise am Leben bleiben wollen.“

    Glaubst du wirklich:

    Außer Kontrolle20.06.2012
    TRIPOLIS/BERLIN – Vor den Wahlen zur Verfassunggebenden Versammlung in Libyen dringt das Auswärtige Amt auf Fortschritte beim Aufbau staatlicher Strukturen in dem Land. Die „Gefahren“ für den libyschen „Stabilisierungs- und Demokratisierungsprozess“ seien „enorm“, heißt es in einer aktuellen Stellungnahme des Berliner Ministeriums; die Bundesrepublik werde den „Neuanfang“ in Tripolis auch weiterhin unterstützen. Hintergrund des deutschen Drängens ist, dass Libyen acht Monate nach dem Ende der NATO-Luftangriffe immer noch in hohem Maß von Chaos und Gewalt dominiert wird. In Teilen des Landes finden heftigere Kämpfe statt als im vergangenen Jahr; in mehreren Großstädten des Nordens rivalisieren Milizen um die Vorherrschaft. Diverse teils blutige Anschläge treffen auch Institutionen sowie Personal des Westens. Dabei richten Berliner Regierungsberater trotz der desolaten Lage ihren Blick auf die deutsch-französische Konkurrenz im Einflusskampf in Libyen. Deutsche Konzerne besäßen gegenüber ihren französischen Rivalen „gute Erfolgsaussichten“, urteilt die Deutsche Gesellschaft für Auswärtige Politik. Voraussetzung ist allerdings, dass Libyen nicht gänzlich im Chaos versinkt wie der Irak nach dem westlichen Überfall im Jahr 2003. Derartige Verhältnisse drohen auch Syrien, wo sich gegenwärtig laut Berichten einige tausend libysche Milizionäre am Bürgerkrieg gegen das Assad-Regime beteiligen – unterstützt, wie schon in Libyen, vom Westen.
    http://german-foreign-policy.com/de/fulltext/58353?PHPSESSID=hv1marg7b67rrgd9jlc7gfscs1

    • arprin Says:

      Ja, natürlich glaube ich, dass es in den letzten 8 Monaten 9.500 Tote weniger gegeben hat als in Syrien und dass Wahlen bevorstehen. Das sind immerhin Fakten. Und dass es noch immer große Probleme gibt, habe ich ja auch nicht geleugnet.

      Der Artikel bei foreignpolicy ist allerdings maßlos übertrieben. Leseempfehlung: http://www.juancole.com/2012/06/despite-airport-incident-henry-kissinger-is-wrong-about-libya.html

      There is a kind of black legend about Libya, that it has become a failed state and is a mess, that there are armed militiamen everywhere, that everybody is a secessionist, that the transitional government is not doing anything, that people of subsaharan African heritage are bothered in the streets, etc., etc. The black legend is promoted in part by remnants of the Qaddafi regime and his admirers in the West, in part by overly anxious middle class Libyans navigating an admittedly difficult transition, in part by media editors looking for a dramatic story.

      Henry Kissinger, in his recent op-ed against intervention in Syria, listed the erasure of the Libyan state as an argument against such interventions. I read the allegation with disbelief. Libya is not like Somalia! It isn’t even like Yemen. (The Libyans I talked to about Yemen sympathized with the country’s problems but were astonished to hear that some Western observers looked a their situations as similar!)

      So imagine my surprise on visits to Benghazi, Misrata and Tripoli, to find that there were no militiamen to be seen, that most things were functioning normally, that there were police at traffic intersections, that there were children’s carnivals open till late, families out, that jewelry shops were open till 8 pm, that Arabs and Africans were working side by side, and that people were proud in Benghazi of having demonstrated against calls for decentralizing the country.

  18. Nichtglauber Says:

    „Ja, natürlich glaube ich, dass es in den letzten 8 Monaten 9.500 Tote weniger gegeben hat als in Syrien und dass Wahlen bevorstehen. Das sind immerhin Fakten.“
    Wahlen haben in Syrien bereits zweimal stattgefunden. in den letzten 8 Monaten.
    Dass es in einem Kriegsgebiet mehr Opfer gibt als in einem , wie wollen wir Libyen nennen, befriedeten/befreiten Land, sollte hoffentlich keine Extraerwähnung wert sein.
    Jetzt stellt sich aber die Frage, da wir über absolute Zahlen sprechen, wie teilen sich diese Opfer auf die jeweiligen Kriegsparteien auf. Zieht man die getöteten Soldaten und die getöteten Rebellen ab, verkleinert sich die Restzahl doch deutlich, so dass ein Unterschied zu Libyen für die Zivilbevölkerung keinen großen Unterschied mehr macht.
    Auf solche zynischen Zahlenspiele stehe ich aber ehrlich gesagt nicht. Und so denke ich, dass kein Syrer mit einem Libyer tauschen würde, weil dieser Vergleich per se bereits sarkastisch ist.
    Demnach geht es den Nordkoreanern noch gut – im Vergleich zu Bewohnern Zentralafrikas!

  19. barbara Says:

    Dank der harten Linie Putins kann die Armee gegen die FSA weiter vorgehen. Annans Plan bleibt weiter gültig und nach dem militärischen Durchgreifen können die Untersuchungen der UNO-Beobachter weitergehen. Das musste Obama zugeben. Währenddessen werden die Hartliner wie Qatar, Saudiarabien und die Türkei wohl zu zweifeln beginnen. Ankara wird vielleicht als erster Abstand von Aktionen nehmen wegen der starken inneren Opposition, eine Touristensaison steht auf dem Spiel, vor allem auch mit russischen Touristen (Ironie des Schicksals), Pragmatismus und gesunder Menschenverstand werden wohl stärker sein als die Kriegslust.
    Saudiarabien hat schon die Bremse gezogen und ist aus der ersten Reihe verschwunden. Zukünftig ist es Privatleuten untersagt, die FSA zu finanzieren und der Staat macht es auch nicht mehr offen.
    Bleibt noch Qatar, der perfekte Sündenbock, der schnell isoliert sein und plötzlich unter Anklage stehen wird, wenn die westliche Medienmaschinerie beschließt, ihn zu verteufeln. Das ist das Unglück der Verlierer.
    Trotzdem werden die westlichen Mächte nicht darauf verzichten, die Staaten der arabischen Welt zerstückeln zu wollen, wie sie es schon in Palästina, im Irak, Sudan und Libyen erreicht haben, und wenn sie es diesmal in Syrien nicht schaffen, werden sie nichtsdestrotrotz auf die erste Gelegenheit warten, um dies auch da zu tun. Die Gier nach Vorherrschaft, Macht und Geld wird nicht verschwinden und der Gewaltrausch der Zionisten gegeüber anderen wird sich nicht heilen lassen. Hoffen wir auf ein Syrien ohne noch schlimmere Gewalt. Auf ein Syrien, das ernsthaft gegen Korruption kämpfen wird. Das ist es was das Volk will: Sicherheit, Würde und ein Ende der Korruption. Alles Andere hängt davon ab.
    Und die Türkei wird sich mit Hunderten oder Tausenden sich selbst überlassenen Söldnern wiederfinden, die niemand mehr bezahlen will. Eine schwierige Aufgabe.
    Nach seiner Niederlage gegen Rom und dem Verlust Siziliens musste Karthago in der Antike einem Aufstand der unbezahlten Söldner ins Auge blicken. Wechselndes Kriegsglück führte schließlich zur Auslöschung der Barbaren. Die Geschichte wiederholt sich immer wieder. Die gleichen Ursachen führen zu den gleichen Ergebnissen.
    Um die Entwicklung der westlichen Positionen zu verstehen, braucht man nur die Entwicklung der Mainstreammedien zu verfolgen. Die Wiederaufnahme der Militäraktionen gegen die FSA hat nicht zu dem Mediensturm geführt, den mann befürchten konnte. AFP und Reuters scheinen sich in letzter Zeit etwas zurückzuhalten und mehr Platz der Realität auf dem Felde einzuräumen. Die FSA muss siegen oder sterben, und wenn sie stirbt, dann ist da nichts zu machden. Zu Ende ist die Glorifizierung der glorreichen Widerständler gegen die Diktatur. Man kann auch einen gewissen Einbruch in der Berichterstattung über die Verwicklung von Qatar feststellen. Einige Journalisten zögern nicht mehr, Qatar als vollen Kriegsteilnehmer darzustellen, ganz so als ob die anderen Mitglieder des Agressionsbündnisses einen Sündenbock vorbereiten würden, falls es schiefgehen sollte.
    In seiner Ausgabe vom 21. Juni schreibt die französische Wochenzeitung Courrier International Folgendes:
    London und Washington bereit mit Assad zu verhandeln:
    « Großbritannien und die Vereinigten Staaten sind bereit, ein Nachsehen mit Bashar El-Assad zu haben, wenn er bereit ist, Diskussionen über einen politischen Übergang einzuleiten. David Cameron und Barack Obama hätten die Unterstützung des russischen Präsidenten Wladimir Putin beim G20ßGipfel erhalten. Einem britischen Offiziellen zufolge könnte Assad erlaubt werden, an einer Konferenz teilzunehmen, die in Genf unter der Schirmherrschaft der UNO stattfinden soll. Auf dem Terrain haben die UNO-Beobachter ihre Mission vorübergehend ausgesetzt.»
    Diese Information muss man dem Inhalt der Erklärung am Ende der letzten Zusammenkunft zwischen Obama und Erdogan am Rande des G 20-Treffens zuordnen. Besagte Erklärung hat die Notwendigkeit erwähnt, einen Übergangsprozess in Syrien einzuleiten, um der Gewalt im Lande ein Ende zu setzen. Der Ausdruck des Übergangs hat seinen Einzug in die westliche diplomatische Sprache gehalten. Nun spricht man nicht mehr vom sofortigen Weggang des syrischen Präsidenten als Bedingung für eine Beendigung der Krise, nicht einmal von der Notwendigkeit, dass er seine Macht dem Vizepräsidenten überträgt als Vorbedingung für jede Verhandlung.
    Es ist vielleicht eine Veränderung in der amerikanischen Behandlung der syrischen Krise. Nach anderthalb Jahren heftiger Bemühungen, Syrien in die Knie zu zwingen und die Karten im Mittleren Osten nach dem irakischen Debakel neu zu verteilen, haben die Amerikaner wohl eine katastrophale Bilanz ziehen müssen.Sie haben die absolute Grenze dessen erreicht, was sie machen konnten, und alles war umsonst. Die Amerikaner sind pragmatische Leute im Vergleich zu den Golfanarchisten.
    Andere Elemente tragen zu dieser Sicht der Dinge bei:
    Die große Offensive der syrischen Streitkräfte gegen die Terroristenherde erfuhr auf internationaler Ebene nicht diese Entrüstungswelle mit dem moralischen Aufschrei von Killarz und Co.
    Im Moment der Offensive hat es Mood vorgezogen, seine Mission vorläufig auszusetzen. Das mutet etwas seltsam an.
    Besser noch : Bei seinerRede vor dem Sicherheitsrat hat der General seinen Entschluss u.a. damit begründet, dass die Aufständischen sich geweigert hätten, Garantien für die Sicherheit der Missionsmitglieder zu liefern im Gegensatz zu den syrischen Behörden. Man könnte hier eine kaum verhüllte Anklage gegen die Terroristen sehen. – Eine solche Erwähnung könnte auf keinen Fall ohne die Zustimmung der Amerikaner Eingang in die Erklärung finden.
    Wenn man da dann noch hinzufügt
    das Stillschweigen seit einiger Zeit durch den türkischen Sultan und seinen Wesir (vom abgeschossenen Kampfjet nun mal abgesehen) und die Schwierigkeiten der Terroristen, aus der Türkei in das Landesinnere einzudringen.
    Die Entscheidung der degenerierten Saudis, die Geldkollekte für die Terroristen in Syrien zu stoppen. Eine Fatwa, die in letzter Zeit in Saudiarabien die Runde macht, welche den Dschihad in Syrien verbietet.
    Die zwei qatarischen Mafiosi Hamad und Hamad, deren Auftritte im Verhältnis zum Beginn des Komplotts etwas seltener werden.

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