Wachstum – Eine endliche Geschichte?

Der Club of Rome prophezeite das Ende des Wachstums

Der Club of Rome prophezeite das Ende des Wachstums

Der UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hat im Spiegel einen Gastbeitrag verfasst, indem er behauptet: „Das Konsum-Prinzip ist tot“. Obwohl einige seiner Gedanken zutreffen mögen und begrüßenswert sind, wie z.B. der, allen Menschen Zugang zu Energie zu gewährleisten, ist das ganze Konzept der „Nachhaltigkeit“ völlig abwegig. Man kann es nicht oft genug wiederholen: Die Welt gehört den Lebenden. Wenn wir in der Vergangenheit nachhaltig gewesen wären, hätten sich die Menschen vom Neolithikum eine Alternative zu den Mammuts aussuchen müssen, die Menschen im 18. Jahrhundert hätten auf die industrielle Revolution und die vom 20. Jahrhundert auf das Automobil verzichten müssen.

Zu den größten Mythen der Nachhaltigkeitsfanatiker gehört der, dass das Wachstum auf der Erde begrenzt ist und wir deshalb auf Nachhaltigkeit, was auch immer genau damit gemeint sein mag, angewiesen sind. Dies wird von vielen Politikern aller Ausrichtungen und Intellektuellen gebetsmühlenartig wiederholt. Aber: Ist das Wachstum auf der Erde wirklich begrenzt? Müssen wir uns bald auf eine „wachstumslose Gesellschaft“ einstellen? Henry Hazlitt hat in seinem 1946 erschienen und bis heute bekannten Buch „Economics in one lesson“ mit diesem Märchen aufgeräumt:

„(…) Kapital besteht zum einen aus zahllosen Gegenständen, die wir vielleicht besser dauerhafte Verbrauchsgüter nennen sollten- Automobile, Kühlschränke, Möbel, Schulen, Universitäten, Kirchen, Bibliotheken, Krankenhäuser und insbesondere Wohnungen. Noch nie seit Bestehen der Erde hat es von letzteren genug gegeben. Und selbst wenn es rein zahlenmäßig genug gäbe, wären unbegrenzte qualitative Verbesserungen möglich und wünschenswert, wovon vielleicht lediglich die allerbesten Wohnungen ausgenommen wären.

Den anderen Teil des Kapitals könnten wir das eigentliche Kapital nennen. Es besteht aus den Produktionswerkzeugen, zu denen alles gehört, von der Axt, dem Messer oder dem Pflug bis zu den kompliziertesten Werkzeugmaschinen, den größten Stromgeneratoren oder Zyklotronen oder den raffiniertest ausgestatteten Fabriken. Auch hier gibt es weder quantitative noch qualitative Grenzen für eine Erweiterung, die möglich und wünschenswertwäre. Es wird keinen „Überschuss“ an Kapital geben, solange das rückständigste Land technologisch nicht genauso gut ausgestattet ist wie das fortschrittlichste, solange nicht das unrentabelste Unternehmen des Landes gleichgezogen hat mit dem technisch bestausgerüsteten und solange die modernsten Produktionseinrichtungen nicht einen Punkt erreicht haben, an dem der menschliche Erfindungsgeist an seine Grenzen stößt und nicht mehr verbessern kann. Solange nur eine dieser Bedingungen noch nicht erfüllt ist, bleibt unbegrenzt Raum für mehr Kapital.“

Möglicherweise wird es eines Tages wirklich keine Möglichkeit mehr für Wachstum geben. Aber mit diesem Problem müssen wir uns wahrscheinlich in den nächsten 100.000 oder 1 Million Jahren nicht auseinandersetzen, wenn überhaupt. Nicht nur das Kapital ist nach menschlichem Ermessen unendlich. Fossile Brennstoffe sind noch für Tausende Jahre erhältlich, der “Peak Oil” ist tot und in einigen Jahren könnten sich die USA vielleicht wieder selbst mit Öl aus Schiefergestein versorgen. Und spätestens wenn die Menschheit beginnt, andere Planeten zu kolonisieren, werden wir erkennen, wie absurd unsere Vorstellungen vom „endlichen Wachstum“ waren.

11 Antworten to “Wachstum – Eine endliche Geschichte?”

  1. American Viewer Says:

    Ein sehr schöner, treffender Artikel. Das Gerede von begrenztem Wachstum und Nachhaltigkeit sind die Moden einer Elite, die selbst alles hat und deshalb meint jetzt sei es genug.

    Was jetzt nach den Vorstellungen dieser Menschen noch kommen darf, sind Brotkrumen, die zentral gesteuert unter den Völkern verteilt werden.

  2. American Viewer Says:

    Im Spiegel kam kürzlich ein selten dämlicher Artikel zum Thema Peak Oil. Erst zählte man auf wie man seit den 30ern den Peak Oil versprochen hat, er aber nie eintrat. Aus diesen Anekdoten zog man dann tatsächlich den Schluss: Dieses Mal haben wir aber Recht!

    Noch ein bisschen weiter im Artikel stand dann, dass Öl aus Schiefergestein noch ein paar 100 Jahre reicht. Auch das war kein Grund den Peak Oil in die Tonne zu treten. Sie nannten das ganze jetzt einfach Peak Oil 1 und Peak Oil 2. LOL.

  3. Silem Says:

    Deinem ersten Teil stimme ich zu. Wachstum ist notwendig alleine aus der Konsequenz das die Erdbevölkerung wächst, das es ohne Wachstum keine Innovation gibt und wenn wir wirklich in der „prä Wachstums“ Phase angekommen sind ordentlich am Arsch sind. So viele Probleme wie es noch zu lösen gibt.
    Doch was meinst du mit deinem letzten Absatz? Ja vielleicht sind fossile Brennstoffe noch ewig erhältlich aber es steht doch gar nicht zur Diskussion welche Konsequenz der derzeitige Gebrauch / Verbrauch haben. Sollte man dann nicht schleunigst aufgrund der Nachteile den derzeitigen Weg fortsetzen? Die Verfügbarkeit ist ja nur ein vorgeschobener Grund^^ das echte Problem sind die Nachteile ;).

    • arprin Says:

      Wir können ja sowieso davon ausgehen, dass die Menschheit in den kommenden Jahrezehnten auf neue Energiequellen umsteigen wird, obwohl die fossilen Brennstoffe noch lange nicht erschöpft sein werden. Da gibt es ja diesen Spruch: „Die Steinzeit ist nicht zu Ende gegangen, weil es keine Steine mehr gab.“ Mit dem letzten Absatz wollte ich lediglich klarstellen, das die ganze Peak Oil-Hyterie stupide Angstmacherei ist.

  4. boritone Says:

    „Und spätestens wenn die Menschheit beginnt, andere Planeten zu kolonisieren, werden wir erkennen, wie absurd unsere Vorstellungen vom “endlichen Wachstum” waren.“

    Ich stimme Ihnen zu, was die Frage des „endlichen Wachstums“ von Parameter betrifft, die nicht ressourcengebunden sind. Wirtschaften bedeutet unmittelbaren Ressourcenverbrauch und ist damit zeitlich in den Wachstumsraten limitiert. Das lässt sich im Bereich der Agrar- und Forstwirtschaft sehr direkt erfahren und im Bezug auf fossile Ressourcen auch, nur eben mit längeren Feedback-Signalen.

    Was die Absurdität betrifft würde ich deshalb den Satz umstellen:

    „Spätestens wenn die Menschheit beginnt zu verstehen, wie absurd es war nur auf fortwährendes Wirtschaftswachstum zu vertrauen, ist die Zeit abgelaufen sinnstiftendere Konzepte als die Kolonisation anderer Planeten umzusetzen.“

    • arprin Says:

      Ich finde nicht, dass der Satz umgestellt werden muss. Es gibt noch so viele Ressourcen auf der Erde, dass man sich grundsätzlich nicht um ein Ende des Wachstums Sorgen machen muss, selbst wenn wir den Mars nicht kolonisieren.

      • boritone Says:

        Ich denke wir sind uns darüber einig, dass Ressource ist nicht gleich Ressource ist. Es gibt erneuerbare Ressourcen und nicht erneuerbare. Sorgen macht mir nicht ein Ende des Wachstums, sondern ein anhaltendes Wachstum bezüglich des Verbrauches nicht erneuerbarer Ressourcen und den dabei entstehenden Nebenprodukten in Form von ökologischen und sozialen Belastungen.

        Demnach würde ich den Ansatz vertreten, sich immer grundsätzlich mit den Fragen welches Wachstum? und welche Ressourcen? zu beschäftigen, um genau zu differenzieren bevor die pauschale Aussage „Wachstum!“ oder „Schrumpfen!“ getroffen wird.

  5. Pizi Says:

    Wenn Altes zugunsten des ständigen Wachstums ständig durch Neues ersetzt wird, was passiert dann mit dem Alten? Der nicht ganz unwesentliche Aspekt des Müllproblems wurde einfach ausgeblendet. Überhaupt hat der Text mit Ökologie kaum etwas zu tun. Es ist ein klassisch neoliberaler Text.

    „Die Welt gehört den Lebenden. Wenn wir in der Vergangenheit nachhaltig gewesen wären, hätten sich die Menschen vom Neolithikum eine Alternative zu den Mammuts aussuchen müssen, die Menschen im 18.Jahrhundert hätten auf die industrielle Revolution und die vom 20.Jahrhundert auf das Automobil verzichten müssen.“
    Erstens solltest du definieren, was du unter „nachhaltig“ verstehst, denn es klingt so, als wäre für dich nur dann etwas nachhaltig, wenn es überhaupt keine Ressourcen verbraucht, was natürlich unmöglich ist. Niemand verlangt, dass die Menschen komplett auf Autos verzichten, es geht um eine Einschränkung.
    Zweitens: Ich verstehe deine Argumentationslogik nicht. Nur weil Menschen vor uns nicht nachhaltig lebten, ist es richtig, nicht nachhaltig zu leben?
    Drittens: Die Welt gehört a l l e n Lebenden. Nicht nur den reichen Westlern. Nicht nur den Menschen. Sie gehört auch den Tieren, deren Lebensraum und Überlebenschancen dank der von dir propagierten Wachstumsideologie extrem eingeschränkt sind. Außerdem gehört sie auch den Lebenden der Zukunft. Dieses egoistische, kurzfristige Denken ist dieses Jahrhunderts nicht würdig.

    „Es wird keinen “Überschuss” an Kapital geben, solange das rückständigste Land technologisch nicht genauso gut ausgestattet ist wie das fortschrittlichste (…)“ Das hat mit der Realität nichts zu tun. Die „rückständigsten“ Länder profitieren vom Wachstum, wenn überhaupt, nur marginal. Neoliberale Propaganda strikes again.

    Ich stimme dir zu: wirtschaftliches Wachstum ist nicht begrenzt, aber auf wessen Kosten es geht, sollte man sich in diesem Zusammenhang schon auch fragen.

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