Der Kampf gegen den modernen Fußball

Das neue Logo der FIFA

Das neue Logo der FIFA

Vor zwei Tagen gab es zwei Fußballspiele, die mein Interesse auf sich zogen. In der Champions League-Qualifikation spielte Red Bull Salzburg gegen den luxemburgischen Klub F91 Düdelingen. Die Luxemburger kamen trotz einer 3:4-Niederlage weiter, da sie das Hinspiel mit 1:0 gewonnen hatten. Eine echte Sensation und eine Blamage für die Bullen aus Salzburg. Im zweiten Spiel gewann der FC Bayern in einem Freundschaftsspiel mit 6:0 gegen den chinesischen Klub Beijing Guoan. Beide Spiele haben auf den ersten Blick nichts miteinander gemeinsam. Auf den zweiten Blick stehen beide für die oft beklagte „Kommerzialisierung“ des Fußballs. Salzburg gilt in Österreich durch die Unterstützung von Red Bull als ein typischer „Kommerzverein“. Und die Bayern bestreiten nur deshalb ein Freundschaftsspiel in China, weil sie damit den asiatischen Markt erobern wollen.

Die „Kommerzialisierung“ des Fußballs wird von vielen als etwas Schlechtes angesehen. Vereine wie Chelsea, Manchester City, Paris SG, Malaga, Anzhi Makhachkala und Shanghai Shenhua werden als „mahnende Beispiele“ für diese Entwicklung angeführt. In England haben Manchester United-Fans aus Protest gegen den „modernen Fußball“ einen eigenen Verein gegründet: FC United of Manchester. Viele Fans tragen im Stadion aus Protest grün-gelbe Schals, um ihren Protest gegen die Klubführung kund zu tun. Es gehört in den Fußball-Stammtischen zu den üblichen Parolen, gegen die Kommerzialisierung des Fußballs zu wettern und sich die schöne, alte Zeit herbeizusehnen. Der britische Autor Matthew Bazell gab dem modernen Fußball in seinem Buch „The people’s game? Ein Buch gegen den modernen Fußball“ ein vernichtendes Urteil, weil der Fußball nicht mehr allein den Proletariern gehört. Er schreibt:

„Früher nannten sie ihn „the peoples game“, den Volkssport Fußball. Heute nicht mehr. Bazell untersucht anhand der englischen Premier League, warum sich der Fußball vom Sport der arbeitenden Bevölkerung zu einem Freizeitvergnügen für eine wohlhabende Mittelschicht entwickelt hat. Mit beißendem Spott und scharfem Blick demontiert Matthew Bazell den modernen Fußball und seine neuen Konsumenten.“ Dass Kulturmarxisten den modernen Fußball kritisieren, ist nicht verwunderlich. Aber wieso kritisiert auch ein Journalist wie Tobias Kaufmann den modernen Fußball, da er ihn für zu ungerecht hält? Ist diese Kritik angebracht oder handelt es sich um bloße Panikmache?

Ich finde die Kritik am modernen Fußball heuchlerisch. Es spricht nichts dagegen, dass Investoren ihr Geld in Vereine stecken. Jeder Verein braucht schließlich einen Geldgeber. Jetzt werden viele sicher sagen: Aber die Klubs, die von Scheichs oder russischen Öl-Milliardären übernommen wurden, haben Schuldenberge in Höhe von mehreren Hundert Millionen angesammelt. Das ist in der Tat ein großes Problem- aber nicht nur bei den Vereinen, die von Investoren geleitet werden. Schuldenprobleme gibt es auch bei vielen „traditionellen“ Vereinen, die nicht von Investoren übernommen wurden, wie man aktuell bei den Glasgow Rangers sieht. Ich finde, es wäre das Beste, wenn man europaweit alle Barrieren gegen Investoren, wie die 50+1 Regel in Deutschland, aufheben und gleichzeitig strikte finanzielle Auflagen einführen würde, um die gigantischen Schuldenberge zu stoppen. Das wäre ein wirklich gerechtes Fußballsystem.

Tobias Kaufmann brachte einen anderen Punkt: Der Fußball sei nicht mehr spannend, deswegen brauchen wir mehr Sozialismus wie in der amerikanischen Footballliga NFL. Die NFL sei durch etliche Regulierungen spannender als der europäische Fußball. Es wäre aber falsch, die europäischen Fußballligen mit der NFL zu vergleichen. Die USA sind ein viel größeres und bevölkerungsreicheres Land als jedes andere in Europa. Ein angemessenerer Vergleich mit Europa wäre nicht die englische Premier League, sondern die Champions League. Bis jetzt hat es noch kein Verein geschafft, die Champions League zweimal hintereinander zu gewinnen. Von 1993 bis 2009 haben 11 verschiedenen Mannschaften die Champions League gewonnen- im gleichen Zeitraum haben 11 verschiedene Mannschaften den Super Bowl gewonnen.

Außerdem gibt es im amerikanischen Sport keinen Auf- und Abstieg, keine internationalen Wettbewerbe und auch keine Pokalwettbewerbe wie in Europa. Die einzige Chance auf Erfolg in den USA ist der nationale Titel. Wenn dieser in einem so großen Land wie den USA immer nur unter einigen wenigen Mannschaften ausgespielt würde, gäbe es wirklich zu wenig Spannung für die Fans. Es wäre aber doch ein Unterschied, wenn jeder Bundesstaat seine eigene Liga hätte und es Auf- und Abstieg gäbe. In der kalifornischen Liga würden dann sicher Mannschaften aus LA und San Francisco dominieren und eine aus Garden Grove würde es als Erfolg ansehen, überhaupt in der ersten Liga zu spielen, sowie es in der englischen Liga der Fall ist.

Und was heißt überhaupt „Spannung“? Es gibt in der heutigen Zeit doch eher mehr Spannung als in der Zeit vor den Investoren. Real Madrid gewann in den 1950ern und 1960ern fünfmal hintereinander den Europapokal der Landesmeister, Ajax und Bayern schafften es in den 1970ern dreimal hintereinander. Sowas ist heute durch die höhere Qualitätsdichte nahezu unmöglich. Nicht mal eine Jahrhundert-Mannschaft wie der FC Barcelona hat es geschafft, den CL-Titel zu verteidigen. Und es gibt heute natürlich immer noch viele kleine Überraschungsmannschaften, die den Fußball bereichern. In der letzten CL-Saison hatte niemand erwartet, dass APOEL Nikosia und der FC Basel die Vorrunde überstehen und Manchester United ausscheidet.

Meiner Meinung nach sollte es auch keine Bestimmungen geben, wie viele Spieler aus der eigenen Jugend stammen oder einen einheimischen Pass haben müssen. Es gibt keinen Grund, warum Mannschaften Bestimmungen auferlegt werden sollten, welche Spieler sie verpflichten dürfen und welche nicht. Es ist nicht die Aufgabe der Klubführung, den Fußball im Land zu fördern, sondern mit dem Klub Erfolg zu haben, egal mit welchen Spielern. Wenn die Spieler aus der eigenen Jugend oder aus dem eigenen Land gut genug sind, werden sie sich schon durchsetzen. Und: Die Mannschaften in Südamerika und Afrika profitieren nicht von solchen Regelungen. Viele leben vom Spielerexport verlieren so ihre größte Einnahmequelle.

Die Kritiker des „modernen Fußballs“ haben einen weiteren Kritikpunkt: Die Einführung von modernen technischen Hilfsmitteln. Dazu kann ich nur sagen: Ein Sport lebt zwar von Emotionen, aber nicht von Fehlentscheidungen. Die Fußballfans würden den Fußball doch nicht weniger lieben, wenn das Wembley-Tor, Maradonas Hand-Tor gegen England, Thomas Helmers Phantomtor oder Frankreichs Tor gegen Irland 2009 nicht gezählt hätten. Maradona und Henry wurden durch ihre fußballerischen Qualitäten bekannt, nicht durch ihren Betrug, der ihrem Ansehen eher geschadet hat. Zum Glück scheint sich diese Einsicht langsam auch bei der FIFA durchzusetzen. Vince Ebert hat die jüngste Entwicklung schön zusammengefasst:

„Vergesst das Higgs-Teilchen. Die wahre Sensation dieser Woche ist die Einführung der Torkamera.“

6 Antworten to “Der Kampf gegen den modernen Fußball”

  1. Besucher Says:

    Hast Du gelesen was Kalle Rummenigge die Tage über Paris SG gesagt hat? Desweiteren habe ich nichts gegen Investoren. Mich stören in der Bundesliga dann eher aufgepimpte Vereine ohne größere Fanbasis wie Leverkusen, Hoffenheim und Wolfsburg. Die Verbindung von Tradition und Kommerz finde ich reizvoller. Noch etwas zu Red Bull. Die Häme ist schon nachvollziehbar: trotz großer Investitionen schafft es RB Salzburg nicht in die CL. In Deutschland scheitert RB Leipzig regelmässig am Aufstieg in die dritte Liga. Da haben sich jeweils die Traditionsklubs aus Chemnitz und Halle durchgesetzt.

    • arprin Says:

      „Ich habe den Eindruck, dass einige Vereine noch nicht verstanden haben, was Financial Fairplay überhaupt bedeutet. Besonders, wenn ich mir anschaue, was Paris St. Germain im Moment veranstaltet, wenn ich mir die letzten Zahlen von Manchester City bei über 200 Millionen Euro Verlust ansehe, oder auch unseren Gegner im Champions-League-Finale, der über 80 Millionen Euro Verlust gemacht hat! Financial Fairplay besagt, dass man maximal 15 Millionen Euro Verlust per anno haben darf. Da habe ich den Eindruck, dass die UEFA es diesen Klubs mal langsam etwas nahebringen sollte, dass Financial Fairplay jetzt umgesetzt werden sollte! Ich lese immer, türkische Klubs werden ausgeschlossen, aber bei diesen Klubs will man es nicht wahrhaben, drückt beide Augen zu. Man muss diesen Klubs zeigen, dass es so nicht weitergeht. Es ist zum Teil absurd, was da abläuft, wenn ich das Gehalt von Ibrahimovic sehe! Da wird mir fast schlecht.“

      Ja, da hat Rummenigge schon Recht. Diese Schuldenklubs verzerren den Fair Play-Gedanken. Wobei Ibrahimovics Gehalt nur deswegen bedenklich ist, weil Paris SG bis jetzt noch nichts gewonnen hat, seine Ausgaben also nur mit Schulden und nicht mit sportlichen Erfolgen finanziert. Aber vielleicht holt er das Geld ja mit Titeln und Trikotverkäufen wieder rein.

      Die sportliche Häme gegen Red Bull ist natürlich etwas anderes als die Kritik an dem Investor.

  2. American Viewer Says:

    Tobias Kaufmann brachte einen anderen Punkt: Der Fußball sei nicht mehr spannend, deswegen brauchen wir mehr Sozialismus wie in der amerikanischen Footballliga NFL.

    Genau diese Art von Artikeln liest man im deutschsprachigen Raum x-Mal pro Jahr. Zuletzt erschien so etwas im Handelsblatt. Die Grundthese ist aber falsch. Amerikanischer Sport hat nichts mit Sozialismus zu tun. Es ist eher das Gegenteil: Eine Handvoll Kapitalisten, die ein Kartell bilden, um Konkurrenz auszuschalten und möglichst viel Profit zu machen.

    http://americanviewer.wordpress.com/2011/09/14/baseball-und-sozialismus-1/

    Auch die Geldsummen sind in der NFL noch einmal größer als im Fußball btw.

  3. CK Says:

    Deinem Text kann ich auch als Blauer voll zustimmen.

    Jedoch eine kurze Anmerkung noch zu Red Bull: ich habe sicher nichts gegen Investoren im Fussball, aber wenn ein Investor die offiziellen Farben des Vereins kurzerhand umändern lässt und Fans verbietet, die alten violetten Farben im Stadion zu tragen, zudem das Vereinslogo verändert, das ist ne PERVERSION die zurecht kein echter Fan eines Vereins mitmacht. Das würde auch kein Bayernfan akzeptieren und das ist auch gut so!

    Freie Marktwirtschaft/Kommerzialisierung ja (in einer solchen Welt haben die Fans durchaus auch das Recht über einen Trust Glazers Anteile an ManU zurückzukaufen, was ich voll und ganz unterstütze), Zerstören von Vereinen aber: nein! (Auch wenn der Staat letzteres nicht verbieten sollte, so sollte der Fan sich weigern sowas zu unterstützen.)

    • arprin Says:

      Da stimme ich dir zu. Red Bull hat sowas auch in New York gemacht und bei dem unterklassigen Verein in Leipzig. Das würde ich als Fan nicht akzeptieren, auch wenn wir dafür viele Millionen kriegen würden.
      Ich verstehe auch gar nicht, warum Red Bull sowas nötig hat, sie sind ja, soweit ich weiß, die einzigen Investoren, die den Vereinsnamen umändern, wenn sie einsteigen.

  4. vert et blanc Says:

    »Für mehr modernen Fußball.«
    http://hamburg-ist-gruen-weiss.de/2012/le-football-moderne/

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: