Ein neuer Kim?

Die Flagge des kommunistischen Korea

Die Flagge des kommunistischen Korea

Er ist der dritte Kim. Der Erste begann mit dem großen sozialistischen Experiment. Der Zweite brachte sein Land in den Besitz von Atombomben, während sein Land hungerte, und wurde zum Sinnbild des „verrückten Diktators“. Der Dritte, Kim Jong-Un, schien genauso verrückt zu sein. Zumindest in den ersten acht Monaten seiner Herrschaft. Er schaute sich Dinge genau so sorgfältig an wie sein Vorgänger, drohte dem Nachbarn mit Vernichtung und inszenierte einen Personenkult um sich. Doch es gibt erste Anzeichen dafür, dass Kim Jong-Un ein Reformer sein könnte.

Vor zwei Wochen ließ Kim den ranghöchsten Militär im Land, Ri Yong-Ho, von allen seinen Posten entlassen und ernannte sich zum Marschall. Die offizielle Begründung dafür war Ris Gesundheitszustand. Es wird aber vermutet, dass politische Gründe hinter der Entscheidung standen. Kim soll die von seinem Vater eingeführte „Songun“ -Politik, die wörtlich „Militär zuerst“ bedeutete und der Armee die umfassende Kontrolle über die Wirtschaft gab, beenden und ökonomische Reformen (nach chinesischem Vorbild?) durchführen wollen. Ri galt als Hardliner der Armee und soll sich gegen diese Pläne gestellt haben.

Nun ist durch die Entmachtung von Ri und 20 weiteren ranghohen Militärs die Macht der Armeeführung gebrochen worden. Kim und seine Unterstützer, zu denen sein Onkel Jang Song Thaek, seine Tante Kim Kyong Hui und Politbüromitglied Choe Ryong Hae gehören, haben jetzt den Großteil der Macht innerhalb des Partei- und Sicherheitsapparats inne. Für westliche Beobachter sind auch Kims öffentlicher Besuch in einer Micky-Maus-Vorführung und die offizielle Bestätigung, dass er eine Ehefrau hat, ein Zeichen von Reformwillen.

Die staatliche Nachrichtenagentur leugnet jedoch jeden Reformkurs und sagt, dass alles beim Alten ist. In der Tat handelt es sich bei den Berichten überwiegend um Spekulationen. In Nordkorea ist alles Spekulation. Es ist nicht mal bekannt, wie alt Kim Jong-Un ist, noch, ob er seine Kindheit wirklich in der Schweiz verbracht hat, wie oft behauptet wird. Dass die jüngsten Personalrochaden in Nordkorea einen politischen Wandel ankündigen, ist ebenso wahrscheinlich wie unwahrscheinlich.

Im Dezember 2011, kurz vor Kim Jong-Ils Tod, hatten sich die USA und Nordkorea angeblich auf einen „humanitär-nuklearen“ Deal geeinigt: Nordkorea stoppt seine Urananreicherung in Yongbyon und verzichtet auf Nuklear- und Raketentests und bekommt im Gegenzug 240.000 Tonnen Nahrungsmittel aus den USA. Am 29. Februar wurde diesbezüglich ein Abkommen zwischen beiden Ländern getroffen. Doch der Deal scheiterte, als die Nordkoreaner sich lieber für einen (desaströsen) Raketentest entschieden. Es bleibt abzuwarten, wie ernsthaft das Regime es mit der aktuellen Charmeoffensive meint.

4 Antworten to “Ein neuer Kim?”

  1. apxwn Says:

    „…die offizielle Bestätigung, dass er eine Ehefrau hat, ein Zeichen von Reformwillen.“

    Wie nett! Dann ist Gerhard Schröder ein vierfacher Reformer. Mindestens. 🙂

    • arprin Says:

      Die Pesonalpolitik ist das Ausschlaggegebende.

      Und in einem Land wie Nordkorea sind sogar Kleinigkeiten wie die Bestätigung, dass der Führer eine Ehefrau hat, beachtenswert.

      • apxwn Says:

        Mehr noch, er war mit ihr auf Fotografien zu sehen!

        In der Tat hatte ich auch den Eindruck, dass da plötzlich eine Art menschliche Note bemerkbar wird, die es früher irgendwie nicht gab.

      • arprin Says:

        Mit Personalpolitik meinte ich die Absetzung des ranghöchsten Militärs. Wenn die Absetzung des ranghöchsten Militärs (und 20 weiteren) kein Zeichen für einen politischen Umschwung ist, dann weiß ich auch nicht mehr was.

        Außerdem sind wirtschaftliche Reformen sowieso unausweichlich, wenn das Regime irgendwie die Versorgung der Bevölkerung sicherstellen will. Wie die humanitäre Lage in Nordkorea aussieht, dürftest du ja wissen.

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