Archive for Juli 2012

Die Yes Men und die Gemeinplätze der Kapitalismuskritiker

Juli 14, 2012
Die "Pyramide des kapitalistischen Systems"

Die „Pyramide des kapitalistischen Systems“

Die „Yes Men“ sind eine Aktivistengruppe, die es sich zum Ziel gesetzt hat, die Welt von der rücksichtslosen, unmoralischen „Sekte“ der freien Marktwirtschaft zu befreien. Zu diesem Zweck führen sie False-Flag-Operationen aus, in der sie sich mal so verhalten, wie es die Unternehmer ihrer Meinung nach tun sollten (gemeinnützige Spender), andere Male so wie menschenverachtende, asoziale Raubtierkapitalisten, um das „wahre“ Gesicht der Unternehmer zu zeigen. Sie sind mittlerweile recht bekannt geworden, weil ihre Aktionen nur selten enttarnt werden und sie es so aussehen lassen, als würden sie die Unmoral der Manager und Firmenchefs entlarven.

Aber solche Aktionen sagen nichts über die Moralvorstellungen von Managern und Firmenchefs aus. In Wirklichkeit werden die meisten von den Aktionen überrumpelt. Das Gleiche gilt für Aktionen auf der anderen Seite. Dem konservativen US-Studenten James O’Keefe ist es gelungen, mehrere linke Organisationen wie Planned Parenthood und Acorn, die den Demokraten nahe standen, mit False-Flag-Operationen bloßzustellen. Er zeigte sie als rassistisch und Kinderprostitution unterstützend, woraufhin diese Organisationen rasch ihre öffentliche Unterstützung verloren. Deshalb wird aber wohl kaum einer auf die Idee kommen, den linken Organisationen in den USA pauschal unmoralisches Verhalten vorzuwerfen.

Die Yes Men sind ein typisches Beispiel für den alltäglichen Che Guevara-Weltverbesserer, der über die reichen Bonzen schimpft und alle Politiker für Bankenmarionetten hält. Alles was sie tun ist, für alle wirtschaftlichen Probleme der Welt, ob nun Arbeitslosigkeit im Westen oder Hunger in Afrika, dem Kapitalismus die Schuld zu geben, ohne sich einen Gedanken, was freie Marktwirtschaft wirklich bedeutet. Einige von den Yes Men verbreiteten Irrtümer sollen hier aufgeklärt werden, da sich ja sonst niemand für die freie Marktwirtschaft einsetzt, obwohl es der einzige Ausweg aus der Krise ist. (more…)

Dieter Nuhr über den Islam

Juli 12, 2012

Ein ermutigendes Beispiel dafür, dass die Politische Korrektheit sich im Rückzug befindet.

Interview mit einem Diktator

Juli 10, 2012
Oriana Fallaci trifft Ayatollah Chomeini

Oriana Fallaci trifft Ayatollah Chomeini

Am 19. März gab Mahmud Achmedinedschad dem heute journal-Moderator Claus Kleber ein bemerkenswertes Interview. Achmedinedschad gelang es, Kleber in jedem Thema vorzuführen wie einen Amateur. Der Cicero fasste es so zusammen: „Kleber exerziert vor, wie und warum der Westen an Ahmadinejad scheitert. Souverän führt der iranische Präsident durch das Gespräch.“ Am Ende stand der Iran als armes Opfer einer Verschwörung des Westens dar, sowie bei seinem Interview mit Larry King. Kein Wort über die Brutalität gegen die Regimegegner, die Rechte von Minderheiten und Frauen, die jahrelange Unterstützung der Terrororganisationen in der Levante, den möglichen strategischen Umschwung in Syrien, die Rolle des Militärs im Nuklearprogramm, die Vernichtungsdrohungen gegen Israel oder die Millionen iranischen Flüchtlinge im Westen.

Vier Monate später führte Jürgen „Eigentlich-ist-der-Westen-an-allem-Schuld“ Todenhöfer ein Interview mit dem syrischen Präsident Bashar al-Assad. Wieder gelang es dem Diktator, jegliche Schuld für seine Verbrechen zu leugnen und „ausländische Mächte“ für die Unruhen in seinem Land verantwortlich zu machen. Todenhöfer war als Gesprächspartner gut ausgewählt, immerhin ist er seit Monaten auf Propagandamission in Syrien, was auch dem syrischen Regime wohlwollend aufgefallen ist. Kein Wunder, dass Todenhöfers Interview bei allen antiwestlichen Diktatorenhuldigern als großer Erfolg gewertet wurde.

Die Diktatoren-Interviews haben eine lange Tradition. Schon Stalin und Hitler hatten ihre großen Auftritte in ausländischen Zeitungen. Am 21. Februar führte der französische Journalist Bertrand de Jouvenel für die Paris Midi ein Interview mit Adolf Hitler, in der dieser sich über die deutsch-französischen Beziehungen äußerte. Hitler schaffte es, seine Friedensabsichten zu betonen und de Jouvenels Zweifel beiseite zu wischen. Auszüge aus dem französischen Original finden sich hier, in deutscher Sprache findet man Ausschnitte auf dieser Seite. Was Hitler damals sagte, könnte in jedem Rhetorik-Kurs für Diktatoren gelehrt werden. (more…)

Das Gottesteilchen!

Juli 7, 2012
Gott bei der Erschaffung Adams

Gott bei der Erschaffung Adams

Der 4. Juli 2012 wird in die Geschichte eingehen als der Tag, in der die größte wissenschaftliche Entdeckung des noch jungen Jahrhunderts gefeiert wurde. Im europäischen Kernforschungszentrum CERN gelang es mithilfe eines Teilchenbeschleunigers zum ersten Mal, das Higgs-Boson, das den Spitznamen „Gottesteilchen“ trägt, experimentiell nachzuweisen. Was ist das Higgs-Boson und warum wird es „Gottesteilchen“ genannt? Nun, das Higgs-Boson gilt als das Teilchen, das allen anderen Teilchen, aus denen das Universum besteht- Sterne, Planeten, Menschen, Atomen- die Masse gibt. Das Standardmodell der Teilchenphysik besteht aus 18 Teilchen, die sich in Quarks, Leptonen und Eichbosonen einteilen. Bis jetzt konnten 17 der 18 Teilchen experimentiell nachgewiesen werden, nur das Higgs-Boson fehlte.

Falls es den Teilchenphysikern nicht gelungen wäre, das Higgs-Boson zu entdecken, hätte dies eine Katastrophe für sie bedeutet, denn dann hätten sie in den letzten 5 Jahrzehnten nur Unsinn geredet. Aber die aktuelle Entdeckung, die noch nicht eindeutig gesichert ist, bedeutet wiederum nicht, dass die Physik am Ende ist. Im Gegenteil, die Physiker wissen bis heute immer noch nicht, woraus 95% der Materie des Universums besteht, weswegen man sie auch bezeichnenderweise „dunkle Materie“ und die „dunkle Energie“ nennt. In den Kommentaren zu der sensationellen Meldung mischten sich auch ärgerliche Stimmen, die sich darüber echauffierten, dass das Higgs-Boson ausgerechnet den Spitznamen „Gottesteilchen“ trägt. Natürlich hat das Higgs-Boson nichts mit Gott zu tun, aber ich finde, der Name ist nebensächlich.

Vielleicht sollte man genau diesen Namen wählen, um zu verdeutlichen, wer wirklich der Erschaffer aller Dinge des Universums ist- nicht etwa ein von vor Tausenden Jahren von Menschen kreierter Gott (Jahwe, Allah, Marduk, Shiva usw.), der sich darüber Sorgen macht, ob man Schweinefleisch essen oder Säuglinge beschneiden soll, sondern das Higgs-Boson, der dafür nicht mal Dankbarkeit von uns erwartet, sich aber von seinen Gläubigern zumindest beweisen lässt! Ein würdiger Gott, wie ich finde. Neben Vertretern von Religionsgemeinschaften kritisierten auch die Leute das CERN-Projekt, die die Raumfahrt für sinnlose Geldverschwendung halten und fordern, dass man die Milliarden lieber für sinnvollere Dinge ausgibt, wie etwa korrupte Herrscher in Afrika (auch „Entwicklungshilfe“ genannt). Nachfolgend einige Stimmen, die beiden Typen von Nörglern gewidmet sind. (more…)

Brauchen wir einen Streik?

Juli 5, 2012
Der Grabstein von Ayn Rand

Der Grabstein von Ayn Rand

Das Buch „Atlas Shrugged“ von Ayn Rand beschreibt eine Gesellschaft, in der zunehmende Regulierungen und staatliche Kontrollen im Namen der Allgemeinheit in eine totalitäre Diktatur und den wirtschaftlichen Zusammenbruch führen. Die wenigen übriggebliebenen klugen, fleißigen und begabten Persönlichkeiten werden von der Gesellschaft als selbstsüchtige Ausbeuter verachtet. Unter der Anführung des geheimnisvollen Genies John Galt entschließen sie sich zu einem „Streik“: Sie hören einfach auf, zu produzieren und ziehen sich in einen kleinen, verlassenen Ort zurück, in der sie nach ihren eigenen Regeln leben: „Bei meinem Leben und meiner Liebe zum Leben schwöre ich, dass ich niemals um eines anderen Menschen willen leben werde, noch von einem anderen verlangen werde, um meinetwillen zu leben.“

Unsere aktuelle Situation offenbart einige Parallelen zu Atlas Shrugged. Wir erleben eine Zeit des zunehmenden staatlichen Interventionismus und der Marktfeindlichkeit, das Volk und die Politiker sehnen sich nach Utopien mit Namen wie „soziale Gerechtigkeit“ und „Nachhaltigkeit“ und sind dafür bereit, die Marktkräfte zu drosseln und ihre eigene Freiheit zu opfern. Die Befürworter von freier Marktwirtschaft, Eigeninitiative, Selbstverantwortung und Privateigentum werden als unmoralische, unbelehrbare Gurus des Raubtierkapitalismus verteufelt. Können wir vielleicht etwas aus Atlas Shrugged lernen? Ja, wir können eines lernen: Wie die Welt funktioniert. Oder besser gesagt, wohin die totalitären sozialistischen Utopien führen. Aber bietet Atals Shrugged auch einen Lösungsvorschlag an?

Aus zwei Gründen lehne ich einen Streik der produktiven Kräfte unserer Gesellschaft ab. (more…)

Zum Rettungsschirm

Juli 4, 2012

(Gefunden bei Freunde der offenen Gesellschaft)

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Gedanken zum deutschen Fußball

Juli 2, 2012
Die DFB-Elf- auf dem Weg zum Titel 2012?

Dreimal Weltmeister

Die Enttäuschung nach dem EM-Aus hielt sich bei mir in Grenzen. Dafür gibt es mehrere Gründe. Erstens war es nicht das Finale und nicht zuhause. Zweitens war die Niederlage nicht unverdient. Und drittens haben wir das Spiel nicht in der Nachspielzeit oder im Elfmeterschießen verloren. Die Niederlage gegen Chelsea war viel schlimmer, viel überflüssiger, viel brutaler. Gegen Italien konnte man sich nach dem 0:2 auf die Niederlage einstellen. Dennoch war auch dieses Ausscheiden bitter, denn wir galten als die Favoriten und haben nun schon 16 Jahre ohne Titel hinter uns. Die Argumente, die jetzt hervorgekramt werden, um zu erklären, warum wir keine Titel mehr holen, gehen für mich aber am Thema vorbei.

Nein, wir brauchen keine Wadenbeißer/Führungsspieler/Eier/Kampfschweine etc. Man kann auch ohne Wadenbeißer Titel holen, und man kann mit Wadenbeißern titellos bleiben, wie Kahn, Effenberg, Ballack und Frings bewiesen haben. Nein, wir spielen nicht zu schön. Mit Rumpelfußball gewinnt man keine Titel, sondern kommt höchstens ins Finale, wie 1982, 1986, 2002 und 2008. Das Gegenbeispiel- dass man mit schönem Fußball Titel holen kann- zeigte in der Vergangenheit der FC Barcelona mehrmals. Und nein, wir sind nicht zu zufrieden mit dem zweiten oder dritten Platz. Die Mannschaft wurde 2006 gefeiert, weil es eine Heim-WM war und 2008, weil sie ins Finale kam. Das geht in Ordnung und ist kein rein deutsches Phänomen. Ein Halbfinaleinzug, wie 2010 oder 2012, wird dagegen nicht gefeiert.

Woran liegt es? Dazu müssen wir etwas in die Vergangenheit schauen. Der deutsche Fußball war in den 1990ern zu gesättigt. Jahrzehntelang hatte man ohne große taktische Innovationen Erfolg gehabt, man setzte einfach auf die „deutschen Tugenden„: Zweikämpfe gewinnen und mehr laufen als der Gegner. Doch eines Tages war das nicht mehr genug. In den 1980ern und 1990ern setzte eine Taktikrevolution ein, die in Deutschland komplett verschlafen wurde. Während in anderen Ländern in der Jugendausbildung  wie selbstverständlich großer Wert auf taktische Schulung gelegt wurde, wurde Rangnick nach seinem Versuch, die Viererkette zu erklären, als „Fußball-Professor“ verspottet. Diese deutsche Einstellung brachte Matthias Sammer so auf den Punkt: „Wir Deutschen haben keine Ahnung von Taktik.“ (more…)