Have a Coke!

Muss Bolivien bald ohne Coca-Cola auskommen?

Zu den größten Sorgen der Globalisierungsgegner gehört die angebliche Zerstörung der kulturellen Vielfalt durch den westlichen Kulturimperialismus. Die sozialistische Regierung in Bolivien teilt offenbar diese Sorge und hat nun angekündigt, Coca-Cola zu verbieten, um die Marktpräsenz seines eigenen traditionellen Getränks “Mocochinchi” zu stärken. Damit wäre Bolivien nach Nordkorea und Kuba die dritte Coca-Cola-befreite Zone. Im letzten Jahr hatte sich bereits McDonalds aus Bolivien zurückgezogen, die traditionelle Küche ist in dem Andenstaat tief verwurzelt. Das Verbot tritt am 21. Dezember in Kraft, dem Tag, an dem der Maya-Kalender den Beginn eines neuen Zeitalters ankündigt.

Der bolivianische Außenminister David Choquehuanca äußerte sich zum symbolischen Datum: „Diese Entscheidung passt super mit dem Ende des Maya-Kalenders zusammen und wird ein Teil der Feierlichkeiten anlässlich des Endes des Kapitalismus und des Beginns eines wahrhaft kulturellen Lebens. Der 21. Dezember soll zu einem Ende des Getränks Coca-Cola und zu einem Anfang für ‚Mocochinchi‘ werden. Die Planeten werden erstmals seit 26 000 Jahren in einer Reihe stehen; es ist das Ende des Kapitalismus und ein Anfang für den Kommunitarismus.“

Der Hass gegen Coca Cola und McDonalds hat eine lange Tradition. In Italien behaupteten Kommunisten, Coca-Cola bleiche das Haar und verursache die gefährliche Krankheit Coca-Kolitis. Im Jahr 1999 erlangte der französische Kleinbauer José Bové Bekanntheit und Bewunderung bei Globalisierungsgegnern, als er im Kampf gegen „McMerde“ („McScheiße“) ein McDonalds-Restaurant abfackelte. Der kulinarische Imperialismus aus Italien, Frankreich, Spanien, China, Mexiko oder Indien war dagegen nie ein großes Problem. Es handelt sich bei dem ganzen Hype also weniger um Globalisierungskritik, sondern eher um Antiamerikanismus.

Doch aufgepasst: Für die meisten Länder ist es besser, wenn Coca-Cola dort anwesend ist. Das britische Wirtschaftsblatt Economist hat nämlich in den 1990ern eine Studie durchgeführt, in der der Coca-Cola-Konsum zu den sozialen, gesundheitlichen und politischen Errungenschaften gesetzt wurde. Das Ergebnis: Desto mehr Coca-Cola die Menschen konsumieren, desto freier, reicher, gesünder und gebildeter sind sie. Natürlich ist Coca-Cola nicht die Ursache, sondern die Folge der Freiheit. Trotzdem kann man das Fazit der Studie empfehlen: Have a Coke!

9 Antworten to “Have a Coke!”

  1. Besucher Says:

    Bis auf den letzten Absatz guter Artikel. Falls in Deutschland mal jemand ne Tex-Mex-Pizzeria oder ne Döner-Bude ( welche schon in die hintersten Winkel von Mecklenburg-vorpommern) abfackelt der gilt hier definitiv nicht als Globalisierungsgegner 😉

    • arprin Says:

      Auch wenn man ihm nicht diesen Namen geben würde, wäre er doch einer. Bei den Anti-Globalisierungsdemos in Seattle 1999 waren ja auch Nazis anwesend.

  2. Simon Says:

    Ich halte von dieser ganzen These dass die Globalisierung angeblich die regionalen Kulturen zerstört gar nichts. Es ist gerade im Gegenteil so dass durch die Globalisierung das Bekenntnis zum Regionalen wieder wächst, z. B. (und das kann man sicher auch kritisch) gesehen im Wiedererwachen des Islams seit den 1970er Jahren.

    Auch wurde es erst durch die Globalisierung möglich, dass sich regionale Kulturen ausweiten konnten (z. B. Essen aus Fernost).

    • arprin Says:

      Genauso sehe ich das auch. Die Ethnologen Joana Beidenbrach und Ina Zukrigl haben in ihrem Buch „Tanz der Kulturen“ gut beschrieben, wie die westlichen Kulturprodukte in andere Kulturkreise aufgenommen und in ihre Lebensform integriert werden.

      So galt die Serie „Dallas“ in Algerein als ein Vorbild für starken Familienzusammenhalt, während in Haiti Coke-Flaschen für Voodoo-Zeremonien benutzt werden.

      • besucher Says:

        Aber letztendlich werden nur die fittesten (das mögen auch die sein die die Konzepte erfolgreich kopieren) diejenigen sein die von der Globalisierung profitieren.
        Das fordert oft den Zorn der Linken heraus.
        Und nicht immer zu Unrecht wie ich finde.

  3. Alreech Says:

    Nun, die Schmuggler wird es freuen…

  4. arprin Says:

    „Coca-Cola wird in Bolivien nicht verboten“:
    http://latina-press.com/news/131856-coca-cola-wird-in-bolivien-nicht-verboten/
    Die bolivianische Ministerin für Kommunikation hat klar gestellt, dass Coca-Cola in Bolivien nicht verboten wird. Auf einer Pressekonferenz gab Amanda Dávila am Donnerstag (2.) bekannt, dass es sich bei entsprechenden Meldungen um eine Fehlinterpretation der Presse handelt. … Nach ihren Worten wurde die Aussage von Boliviens Außenminister David Choquehuanca falsch verstanden. Dieser hatte zum 21. Dezember 2012 das Ende des Kapitalismus und der Coca-Cola Ära angekündigt.

    • Alreech Says:

      Verdammt !
      Wie wollen die den ohne Coca-Cola Verbot den Kapitalismus abschaffen ? 😉

      Eigentlich sollte Coca Cola damit kontern ihre Brause in Bolivien wieder nach dem Orginal-Rezept mit Coca Blättern zu brauen.
      Wenn die aus heimischen Anbau sind, dürften doch auch noch so Kapitalismus-kritische Politiker nichts dagegen haben.

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