Freiheit für alle Völker!

Die Freiheit gilt für jedes Volk der Welt

Die schottische Regionalregierung plant für das Jahr 2014 eine Abstimmung über die Unabhängigkeit von England. Die seit 2007 regierende Scottish National Party hat ein freies Schottland von Anfang zum Ziel deklariert. Natürlich gibt es Schlimmeres, als im britischen Staatenbund „unfrei“ zu sein. Wirtschaftliche Interessen spielen auch eine Rolle. Nicht nur in Schottland, auch in anderen Regionen Europas regt sich Widerstand gegen den Zentralstaat. In Katalonien sprechen sich laut Umfragen erstmals seit Ende der Franco-Diktatur mehr als die Hälfte der Einwohner für ein Referendum über die Unabhängigkeit der Region aus. Die Katalanen haben sich zwar selbst in die Krise gewirtschaftet, aber das interessiert die Einwohner später nicht mehr.

Ab wann ist eine Sezession gerechtfertigt? Ludwig von Mises vertrat die Ansicht: “Wenn die Bewohner eines Gebietes, sei es eines einzelnen Dorfes, eines Landstriches oder einer Reihe von zusammenhängenden Landstrichen, durch unbeeinflusst vorgenommene Abstimmungen zu erkennen gegeben haben, dass sie nicht in dem Verband jenes Staates zu bleiben wünschen, dem sie augenblicklich angehören, sondern einen selbständigen Staat bilden wollen oder einem anderen Staate zugehören wollen, so ist diesem Wunsche Rechnung zu tragen. Nur dies allein kann Bürgerkriege, Revolutionen und Kriege zwischen den Staaten wirksam verhindern … Wenn es irgend möglich wäre, jedem einzelnen Menschen dieses Selbstbestimmungsrecht einzuräumen, so müsste es geschehen.”

Wenn die Bevölkerung einer Region nach Unabhängigkeit strebt, dann sollte es diese auch bekommen. Voraussetzungen sollten sein, dass die Bevölkerung in der Mehrheit für die Unabhängigkeit stimmt und dass dieser Staat sich wirklich selbst verwaltet, also nicht nur durch Spenden anderer Staaten am Leben erhalten werden kann. Wie ich in diesem Artikel schon ausgeführt habe, bin ich ein Anhänger von Kleinstaaterei. Aber Kleinstaaterei bedeutet nicht Chaos. Die Region sollte schon eine bestimmte Größe haben (also kein Straßenviertel oder eine Plattform im Meer wie das „Unabhängige Fürstentum Sealand„). Ein neuer Staat muss sich natürlich auch an dieselben Regeln halten wie die bereits vorhandenen. Das bedeutet, dass es keinen Krieg führen darf, um sein Staatsgebiet gewaltsam zu erweitern.

Der wichtigste Grund, um jeder nach Unabhängigkeit strebenden Region diese zu gewähren, ist es, Bürgerkriege, Revolutionen und Kriege zwischen den Staaten zu vermeiden. Man denke nur an das ganze Blut, dass in Kurdistan, Tibet, Tschetschenien, Westsahara, Kosovo, Balutschistan, Sinkiang, Nagaland usw. beim Kampf für die Unabhängigkeit vergossen wurde und wird. Völlig unverständlich ist es, dass die Republik Somaliland nicht anerkannt wird, obwohl es sich um ein für afrikanische Verhältnisse stabiles Land handelt, im Gegensatz zum totalen Chaos, das im Süden Somalias herrscht. Das letzte Land, das in die internationale Gemeinschaft aufgenommen wurde, war der Südsudan. Durch den Arabischen Frühling könnte sich das bald ändern.

Den Kurden in Syrien winkt die Autonomie, die die Kurden im Irak seit dem Sturz der Saddam-Diktatur schon haben. Der Präsident von Irakisch-Kurdistan hat des Öfteren gesagt, dass er bereit ist, die Unabhängigkeit des Landes vom Irak zu erklären. Falls er dieses Vorhaben in die Tat umsetzt, würden die syrischen Kurden sich diesem Staat sicher anschließen, wenn sie darüber abstimmen dürften. Für die Kurden in der Türkei und dem Iran wäre dies ein Signal, nach Autonomie zu streben, der den Weg zur Unabhängigkeit (bzw. Anschluss an den kurdischen Staat) ebnen würde. Ein unabhängiges Kurdistan würde die Jahrzehnte von Krieg und Unterdrückung beenden, die die Kurden solange durchmachen mussten.

In einem Beitrag bei „Audiatur-Online“ stellt Alain Dershowitz klar, dass auch die Palästinenser ein Recht auf einen Staat haben und das eine israelische Einstaatenlösung genauso undemokratisch wäre wie eine palästinensische. Er erwidert einen Artikel von Martin Sherman bei der Jerusalem Post: „Sherman bringt das absurde Argument hervor, dass die Palästinenser kein Volk seien, beruhend auf der Tatsache, dass sie keine eindeutige Sprache, Schrift, Religion, Herkunft oder Geschichte haben. Nach diesem Maßstab sollten die USA noch immer ein Teil Großbritanniens sein, da den amerikanischen Kolonisten, denen die vollen Bürgerrechte verweigert wurden, diese Merkmale ebenfalls fehlen. Die Palästinenser sind ein Volk, weil sie sich selbst als ein solches ansehen und danach streben, sich selbst zu regieren.“

Gleichzeitig stellt er fest, dass „der Hauptgrund dafür, dass es noch keine Zweistaatenlösung gibt, ist die mangelnde Bereitschaft der Palästinenser, Israel als den Nationalstaat des jüdischen Volkes zu akzeptieren, die Notwendigkeit von Grenzanpassungen für die Sicherheit Israels anzuerkennen und auf das unechte „Rückkehrrecht“ zu verzichten, das nur eine weitere List zur Sicherung der Einstaatenlösung ist.“ Dem ist nichts hinzuzufügen. Die Palästinenser sind ein Beispiel dafür, wie ein Volk sich selbst den Weg zur Unabhängigkeit versperrt, indem es inakzeptable Forderungen stellt. Auch ein neuer Staat muss sich an dieselben Regeln halten wie die bereits vorhandenen. Solange diese Einsicht sich bei den Palästinensern nicht durchsetzt, werden sie auch keinen Staat bekommen.

6 Antworten to “Freiheit für alle Völker!”

  1. W. Caldonazzi Says:

    Was versteht man unter dem Begriff „Volk“? Wie wird er definiert? Gibt es darüber, jenseits ideologischer Verwirrspiele, eine Übereinkunft, die auch einer Überprüfung standhält?

    Man sollte auch nicht vergessen, dass der Begriff „Volk“ umso mehr diskreditiert und umgedeutet wird, als die Selbstbestimmung von Gemeinschaften auf dem Altar des übergeordneten Phantoms „Europa“ geopfert wird.

    Da ist die völkische Definition der Palis eigentlich ein Anachronismus.

    Erstaunlich dabei ist, dass den Palis genau das zugestanden wird, was den vielen europäischen Ethnien verweigert wird.

    Wir leiden an Befriffsverwirrung, schmeißen unsere Traditionen auf den Müll und erheben Nihilismus und Relativismus zur neuen Weltheilslehre.

    Aber die Palis sind davon ausgenommen.

    Ich fasse es nicht.

    • arprin Says:

      Was versteht man unter dem Begriff “Volk”? Wie wird er definiert? Gibt es darüber, jenseits ideologischer Verwirrspiele, eine Übereinkunft, die auch einer Überprüfung standhält?

      Was unter Volk verstanden wird, ist eigentlich relativ egal. Denn selbst wenn die Bevölkerung einer Region nicht als „Volk“ bezeichnet werden kann, so haben sie trotzdem das Recht auf einen Staat, wenn sie sich dafür entscheiden. Wenn man ein „Volk“ als eine ethnische Gruppe betrachtet, und dann sagt, dass nur Völker ein Recht auf einen Staat haben, dann häten auch die Amerikaner, Australier und Argentinier kein Recht auf einen Staat.

      Man sollte auch nicht vergessen, dass der Begriff “Volk” umso mehr diskreditiert und umgedeutet wird, als die Selbstbestimmung von Gemeinschaften auf dem Altar des übergeordneten Phantoms “Europa” geopfert wird.

      Das ist eine Entwicklung, die ich keinesfalls befürworte und die ich sogar bekämpfe.

      Erstaunlich dabei ist, dass den Palis genau das zugestanden wird, was den vielen europäischen Ethnien verweigert wird.

      Die Österreicher, Schweizer und Belgier sind auch keine Ethnie und haben trotzdem einen Staat.

      Wir leiden an Befriffsverwirrung, schmeißen unsere Traditionen auf den Müll und erheben Nihilismus und Relativismus zur neuen Weltheilslehre.

      Begriffe: Sind mir egal.
      Traditionen: Eigentlich auch.
      Nihilismus und Relativismus: Wie kommen sie ausgerechnet bei diesem Thema darauf?

      Aber die Palis sind davon ausgenommen.

      Nein. Wenn man die Österreicher oder die Argentinier als Volk bezeichnet, dann auch die Palis. Und wenn sie für die Unabhängigkeit der Völker und gegen die Opferung des Selbstbestimmungsrechts der Gemeinschaften sind, warum sind sie dann gegen Selbstbestimmung bei den Palis? Netanyahu hat sich zur Zweistaatenlösung bekannt und den Palis wurde ja schon weitgehende Selbstverwaltung zugestanden. Wie im Artikel erwähnt, fehlt bei den Palis aber die Anerkennung Israel als jüdischer Staat, das Verzicht auf das Rückkehrrecht und die Notwendigkeit von Grenzanpassungen für die Sicherheit Israels- es kann noch lange dauern, bis sie soweit sind. Doch die Zweistaatenlösung ist weitgehend Konsens bei der Bevölkerung und in der Politik Israels.

      • besucher Says:

        Katalonien ist, wenn man nur nach dem Begriff Ethnie geht sogar mehr ein unabhängiger Staat als z.B. Uruguay.

        Wobei man den Vergleich USA – Australien -> UK
        oder Chile – Argentinien -> Spanien nur bedingt ziehen kann da durch die Einwanderung aus verschiedenen europäischen und teilweise asiatischen Staaten plus indigener Bevölkerung und deren Einfluss auf die Küche und Sprache schon von einem Staatsvolk und irgendwann auch mal Ethnie reden kann.

  2. besucher Says:

    Da ich da auch Puerto Rico in der Reihe sehe: Die wollen z.B. gar nicht dass sich was an ihrem Status ändert.

  3. wühlmaus Says:

    Das Einmalige an der Geschichte der Palästinenser ist, dass ihnen das Recht ihr Land von der UNO aberkannt wurde. Von einer Oranisation, die eigentlich für Recht und Ordnung zwischen den Völkern sorgen sollte. Wenn man wirklich religiöse Besitzansprüche beiseite lassen würde, hätte den Juden nach dem 2. Weltkrieg eher ein Stück Deutschland geben sollen, zur Wiedergutmachung.

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