Assadywood

Kann Assad in der Luft schweben? Dieses Foto vom Juli 2011 soll ihn und Anas Abdul-Razzaq Naem, den neuen Gouverneur von Hama, zeigen:

(Quelle: Guardian)

Assads Medienkrieg

Wie oft hört man den Spruch „Das erste Opfer des Krieges ist die Wahrheit“? Dieser Spruch wird immer gern benutzt, wenn man Lügen entlarven will, die westlichen Militärinterventionen vorausgehen (vergewaltigte Brutkastenbabys in Kuwait, KZ’s in Kosovo, Massenvernichtungswaffen im Irak usw.). Nur wenige kommen auf die Idee, dass auch die andere Seite gezielt Lügen anwendet. Im Syrienkonflikt wird z.B. die mangelnde Glaubwürdigkeit der syrischen „Aktivisten“, allen voran der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte in London, angeprangert. Dabei gibt es auch viele Hinweise für gezielte Propagandalügen des syrischen Regimes, die kaum beachtet werden. Einige davon sind harmlos, wie z.B. das im Juli 2011 von den syrischen Staatsmedien veröffentlichte Foto von Bashar al-Assad und dem neuen Gouverneur von Hama, Anas Abdul-Razzaq Naem, das erbärmlich gefälscht war.

Andere Tricks sind dagegen nicht so harmlos, weil mit diesen die Bevölkerung gezielt desinformiert wird. Im April 2012 kam heraus, dass ein “Komparse” in vielen Städten des Landes vor der Kamera die Rolle des Verteidigers des Assad-Regimes übernahm. Er wurde insgesamt 11-mal gefilmt. Der Mann ließ sich auch unmittelbar nach einem Selbstmordanschlag in Damaskus filmen. Die Opposition stellte dieses entlarvende Video ins Internet. Es war nicht das erste Mal, dass das syrische Staatsfernsehen Schauspieler engagierte. Zuvor wurde bereits ein Gefecht zwischen Soldaten und Rebellen gefaked. Im Februar 2012 entschloss sich der Anchorman des syrischen Staatsfernsehens, Hani al-Malathi, seine Stellung aufzugeben, weil er nicht mehr Teil der staatlichen Propaganda sein wollte.

Am 28. November 2011 zeigte die syrische Regierung bei einer Pressekonferenz, an der auch zwei ausländische Vertreter eingeladen waren, ein Video, das belegen sollte, dass sich Terroristen im Land aufhalten und für Massaker verantwortlich wären. Später stellte sich heraus: Das Video war kräftig manipuliert worden. An einer Stelle wurden drei Jahre zurückliegende private Videos von Jugendlichen in Libanon mit ihren Waffen als “Terrorcamps” in Latakia ausgegeben. Hochzeitsfeiern, bei denen Gewehrschüsse abgegeben wurden, wurden als Aufzeichnungen von “Terroristen” ausgegeben. Ein Ausschnitt zeigte die grausame öffentliche Ermordung eines Mannes im Libanon vor einigen Jahren.

Im April 2012 wurde berichtet, dass 90% der Christen in Homs, insgesamt 50.000, von den Rebellen vertrieben wurden. Die Quelle für diese Behauptung war ein Text von der Vatikan-Nachrichtenagentur Fides. Später distanzierten diese sich von dieser Behauptung, Kirchenvertreter stellten klar, dass ihnen keine Fälle von gewaltsamer Vertreibung von Christen in der Stadt bekannt seien. Das Internet wird von den Assad-Jüngern schon längst als Schlachtfeld genutzt: Die Syrian Electronic Army bezeichnet sich selbst als eine Gruppe „enthusiastischen syrischen Jugendlichen, die die massive Verzerrung der Fakten über die aktuellen Aufstände in Syrien nicht passiv hinnehmen können“. Die Nachrichtenagentur Reuters, die gefälschte Interviews von Rebellen online stellte, sowie auch Al-Jazeera und Al-Arabiya wurden schon von der Syrian Electronic Army gehackt.

Die Assad-Jünger sind dazu bereit, jede noch so dumme Verschwörungstheorie in die Welt zu setzen, die dann von den Assad-Fanboys im Internet geglaubt wird. Der bekannte 9/11 Truther Thierry Meyssan dachte sich im Juni eine äußerst phantasievolle Theorie aus: In wenigen Tagen, behauptete er, würden die syrischen Fernsehkanäle von der CIA ersetzte Programme senden. An dieser Verschwörung seien Al-Arabiya, Al-Jazeera, BBC, CNN, Fox, France 24, Future TV und MTV beteiligt. Meys­san ging so weit zu behaupten, dass geheime, in Saudi-Arabien gebaute Fernsehstudios die zwei syri­schen Prä­si­den­ten­pa­läste und die wich­tigs­ten Orte von Damas­kus, Aleppo und Homs rekon­stru­iert hätten. Im Juli verbreiteten die syrischen Staatsmedien eine ähnliche Verschwörungstheorie.

Terror unter falscher Flagge

Die größten Propagandaaktionen des Assad-Regimes sind die False-Flag-Attentate. Am 23. Dezember 2011, kurz nach der Ankunft der Beobachter der Arabischen Liga, sprengten sich angeblich Terroristen vor zwei Gebäuden der Staatssicherheit in die Luft, 44 Menschen kamen dabei um. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte es noch kein Selbstmordattentat von Regimegegnern in Syrien gegeben. Das syrische Staatsfernsehen meldete 13 Minuten nach dem Anschlag, das al-Qaida dahintersteckte und beschuldigte den saudischen Agenten Munir al-Binjali der Tat. Später stellte sich heraus, dass Binjali noch immer in Saudi-Arabien war- und quicklebendig noch dazu. Das Staatsfernsehen berichtete außerdem noch, dass „zwei Terroristen, die sich in die Luft gesprengt haben, festgenommen wurden“.

Es gab kein Bekenntnis von al-Qaida, was nicht bedeutet, dass nicht al-Qaida oder einer ihrer Sympathisanten doch dahintersteckten. Es gab aber ein Dementi von den Abdullah Azzam Brigaden, einer Zweigstelle von al-Qaida im Irak. Nachdem die al-Qaida-Geschichte unglaubwürdig wurde, behauptete die syrische Regierung, dass die Muslimbrüder hinter der Tat steckten. In einer Webseite hätten sie sich zu der Tat bekannt. Doch dann stellte sich heraus, dass die Seite, die nicht mehr erreichbar ist, ein Fake des syrischen Geheimdienstes war. Die Muslimbrüder hatten zuvor ebenfalls die Verantwortung für die Anschläge von sich gewiesen. In der Nähe der Gebäude der Staatsicherheit sind viele Militärcheckpoints, die man passieren muss, und jede Person mit einem Auto braucht eine Extraerlaubnis. Außerdem werden die Autos natürlich untersucht.

Es gibt noch andere Hinweise aus verschiedenen Quellen, die die offizielle Version in Zweifel ziehen und klar auf eine Täterschaft des Assad-Regimes hindeuten. Der Guardian berichtete, dass die Opposition mysteriöse Gefangenentransfers in den Tagen vor der Ankunft der Beobachter der Arabischen Liga vernahm. Das Magazin Worldaffairs berichtete mit Verweis auf dem Guardian, dass Augenzeugen beobachteten, dass eine Straße in der Nähe der Explosionen von Geheimdienstleuten im Voraus gesperrt wurde. Ein Beobachter der Arabischen Liga sagte, dass die Leichen so aussahen, als seien sie im Voraus aufgestapelt worden. Das getrocknete Blut zeige, dass sie schon vor der Explosion gestorben waren und ihre Leichen nicht der Wärme ausgesetzt wurden.

Dem Spiegel ist auch noch ein weiteres interessantes Detail aufgefallen: „… mit der Liste der „Märtyrer“ aus Armee und Geheimdienst, die die staatliche Nachrichtenagentur Sana nach dem Anschlag auf eine Geheimdienstzentrale in Damaskus am 23. Dezember veröffentlichte, stimmt etwas nicht: Sechs der Namen darauf sind identisch mit Opfern „bewaffneter Gangster in Damaskus, den Vororten und (der Stadt) Daraa“, deren Namen Sana bereits zuvor veröffentlicht hatte. Auf einer dritten Sana-Liste von Opfern „bewaffneter Gangster“ aus Homs und Damaskus vom 28. Dezember tauchen drei weitere Militärgeheimdienstler auf, die ebenfalls bereits am 23. Dezember umgekommen sein sollen. „Syrien“, so die Opposition, sei offensichtlich „das einzige Land, in dem man zweimal sterben kann.“

Der nächste Anschlag ereignete sich am 6. Januar. Im Damaszener Stadtviertel al-Midan starben dabei 26 Menschen. Dem Spiegel (wie auch anderen Zeitungen) fielen auch hier einige Merkwürdigkeiten auf: „Ein scheinbar toter oder schwer verletzter Polizist beginnt sich aufzurichten und legt sich sofort wieder hin, als er die Kamera sieht. Ein weiterer angeblich Verwundeter springt sichtlich unverletzt auf, als er die Kamera außer Reichweite wähnt, und signalisiert dem Kameramann verärgert, er solle aufhören zu filmen. Eine ausländische Augenzeugin fand kurz nach der Explosion die Schäden überraschend gering und die Blutlachen auffällig: „Die sahen aus wie aus Ketchup, makellose, große Lachen, nicht verschmiert.“ Im Staatsfernsehen war die Hand eines Reporters zu sehen, die drei weiße, unversehrte Plastiktüten neben eine solche rote Pfütze legte, als wären hier gerade Passanten beim Einkaufen umgekommen.“

Hier kann man einige Merkwürdigkeiten bei der TV-Übertragung sehen:

(s. auch hier und hier bei Al-Jazeera)

Weitere Anschläge ereigneten sich u.a. am 10. Februar in Aleppo (28 Tote), am 17. März in Damaskus (27 Tote), am 30. April in Idlib (20 Tote), am 27. April in Damaskus (9 Tote), nochmals am 10. Mai in Damaskus, dem bisher schwersten Anschlag mit 55 Toten, und in Deiz-ez Zor am 19. Mai (9 Tote). Für die meisten dieser Attentate gibt es keine eindeutig geklärte Täterschaft. Die Al-Nusra-Front z.B. leugnete, hinter dem Selbstmordattentat vom 10. Mai in Damaskus zu stehen. Ein Deserteur aus den Reihen des Militärs sagte, dass er Kenntnis davon habe, dass das Regime hinter diesem Attentat steckt. Im Juli lief der syrische Botschafter im Irak über und berichtete, dass Geheimdienstleute 15 Minuten vor der Explosion evakuiert wurden.

3 Antworten to “Assadywood”

  1. American Viewer Says:

    Das Assad-Foto ist total lustig. Man könnte es perfekt als Meme verbreiten. Unterschrift: “This looks shopped. I can tell from some of the pixels and from seeing quite a few shops in my time.“
    🙂

  2. aron2201sperber Says:

    das Video ist echt stark 😉

  3. Alreech Says:

    NaJa, die Brutkastenlüge war schon ein starkes Stück.
    Ohne die hätte es nie einen Krieg um Kuwait gegeben, weil einfach in fremde Länder einmarschieren bekanntlich kein Kriegsgrund ist 😉

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