Vom hohen Ross des Medienkritikers

kl

Sie entscheiden, welche Geschichte ganz oben landet

So dürfte man noch nicht einmal Kindern die Welt erklären. Auch sie haben ein Recht darauf, zutreffend, wenn auch auf eine für sie verständliche Weise, informiert zu werden. An dem Bild der Entwicklung in Arabien, das Sie den deutschen Medien in der Regel entnehmen können, ist aber so ziemlich alles falsch und schief

So das vernichtende Urteil von Zettel über die deutsche Berichterstattung zum Arabischen Frühling. Seiner Meinung nach berichten die Medien zu oberflächlich und einseitig über den Arabischen Frühling. In dem Magazin Foreign Policy übte Sultan Al-Qasseimi ebenfalls Kritik an die Berichterstattung zum Arabischen Frühling- allerdings auf die von Al-Jazeera und Al-Arabiya. Offenbar sind viele von der Berichterstattung zum Arabischen Frühling enttäuscht. Aber ist die Kritik zutreffend? Haben die Medien versagt?  Eins muss man einräumen: Die meisten Bürger sind nicht genau über die Vorgänge in Arabien informiert. Aber der Grund dafür ist, dass die meisten Leute gar nicht an genauen Informationen interessiert sind.

Viele Bürger interessieren sich lieber für Sport oder „Wetten dass?“ als über den Syrienkonflikt. Und das ist ja auch nicht schlimm. Sie werden erst dann etwas aufmerksam, wenn es sie direkt betrifft. Die Medien berichten z.B. ausführlich über die Interessen des Auslands in Syrien, ob nun der Spiegel, der FAZ oder der Focus. Dass der Durchschnittsbürger trotzdem kaum was davon weiß, liegt nicht an mangelnden Informationen des Journalisten, sondern an mangelndem Interesse des Lesers. Aber es passiert auch, dass die Bürger sich auch dann nicht für etwas interessieren, wenn es sie direkt betrifft. Es ist erstaunlich, dass es nach diesem Artikel noch kein Volksaufstand gegen den ESM gibt. Wie sagte schon Henry Ford? „Würden die Menschen das Geldsystem verstehen, hätten wir eine Revolution noch vor morgen früh.“ 

Der Journalist ist ein gern genommenes Feindbild. Er kann es niemandem Recht machen. Es gibt keinen Journalisten, der sich mit politischen Themen beschäftigt, der nicht für irgendeine Person ein „Propagandist“ wäre. Das trifft selbst dann zu, wenn er neutrale Artikel schreibt. Denn jeder hat eine Meinung darüber, was wahr und was falsch ist. Wenn ein Journalist dann zu einem bestimmten Thema einen Artikel schreibt, der nicht mit seiner Meinung übereinstimmt, dann wird das gleich als „Propaganda“ abgetan. Das bedeutet nicht, dass es gar keine Propaganda in den Medien gibt. Aber der Begriff wird ziemlich inflationär benutzt. Meistens steckt hinter Kritik an Propaganda selbst Propaganda. Wenn behauptet wird, dass es in Deutschland keine Meinungsfreiheit gäbe, will man damit eigentlich sagen, dass seine eigene Meinung unterrepräsentiert ist.

Meinungsfreiheit bedeutet nur, dass jeder schreiben darf, was er möchte, ohne dafür eingesperrt zu werden. Mehr nicht. Es bedeutet nicht, dass jeder vernünftige Gedanken hat und immer die Wahrheit schreibt. Objektivität, Neutralität und Wahrheit ist die Aufgabe des Journalisten. Es gibt in Deutschland keine obere Instanz, die entscheidet, wer was schreiben darf oder nicht. Politische Korrektheit ist deshalb keine Zensur, sondern Selbstzensur. Es ist aber unmöglich, eine bestimmte Meinung zu einem Thema völlig aus den Medien zu verdrängen. Die Berichterstattung ist sicher nicht perfekt, aber man kann sich auch in Deutschland über Euro, Atomkraft oder Israel gut informieren, wenn man weiß, wo man lesen muss. Dass es auch schlechte Meinungen gibt, liegt in der Natur der Meinungsfreiheit.

Anstatt immer nur auf die Mainstreammedien rumzuhacken wäre es mal Zeit für Kritik an den Esonazitruther-Bloggern und gefühlte 90% der Leserkommentatorenschreiber in den Mainstreammedien. Die Propaganda und Falschinformation, die dort betrieben wird, ist wesentlich größer als bei den etablierten Medien. Dabei beziehen sie sich meistens selbst auf diese Medien, nur dass sie sie anders oder falsch interpretieren. Oder sie erfinden gleich ganze märchenhafte Geschichten, ohne auf  journalistische Standards zu achten. Gleichzeitig sind sie die größten Kritiker der etablierten Medien. Ein trauriges Schauspiel. Als „Propagandagegner“ Thierry Meyssan-Literatur zu empfehlen, ist schon ein starkes Stück.

15 Antworten to “Vom hohen Ross des Medienkritikers”

  1. aron2201sperber Says:

    die „Esonazitruther-Blogger und gefühlte 90% der Leserkommentatorenschreiber in den Mainstreammedien“ blicken bewundernd auf die Berichterstattung in Ländern wie Russland, wo ihre Ansichten nicht nur im Kommentarbereich oder in Blogs vorkommen, sondern in staatlichen Medien.

    dass es sich dabei um die einzigen Ansichten handelt, die dort frei geäußert werden dürfen, übersehen diese Alles-Durchschauer

    wirklich bewußt würde sich wohl kaum jemand die Meinungsfreiheit eines Assad- oder Putinregimes wünschen.

    vielleich mit Ausnahme von Jürgen Elsässer 😉

  2. American Viewer Says:

    Anstatt immer nur auf die Mainstreammedien rumzuhacken wäre es mal Zeit für Kritik an den Esonazitruther-Bloggern und gefühlte 90% der Leserkommentatorenschreiber in den Mainstreammedien.

    Ich sehe es eigentlich genau wie Zettel. Eso-Nazi-Truther-Blogger haben keine wirkliche Macht. Die Macht geht schon von den Mainstreammedien aus. Die Sprache, die Ideologie und die Zielsetzungen vieler MSM richten deutlich mehr Schaden an. Mal abgesehen davon gibt es Überschneidungen. Eso-Nazi-Truther-Blogger sind ungefiltert. Oder anderen ausgedrückt: Sie formulieren aus, was in einigen MSM zwischen den Zeilen steht.

    • arprin Says:

      Natürlich haben die MSM mehr Macht. Es ist jedoch so, dass die Bloggerszene teilweise viel schlimmer manipuliert und desinformiert als die etablierten Medien. Sie können damit schon viel Schaden anrichten.

      Außerdem kann man in den großen Medien auch viele vernünftige Stimmen hören. Josef Joffe, Jan Fleischhauer, Maxeiner und Miersch, Broder usw. Nur genießen die ganzen Augsteins und Todenhöfers auch Meinungsfreiheit.

  3. American Viewer Says:

    Dass viele Menschen sich nicht unbedingt für Wirtschaft und Währungen interessieren trifft sicher zu. Aber es gibt sicherlich auch genug Menschen, die den Eurowahnsinn stoppen wollen. Auf dem Wahlschein. Aber in vielen europäischen Staaten hat man ja gar keine Wahl zwischen Alternativen. Das erklärt auch die Stärke von Merkel. Sie erscheint vielen noch als am wenigsten europhil. (Was für ein Irrtum). Gäbe es Kanzlerkandidaten rechts von Merkel wäre sie bei weitem nicht so stark.

    • besucher Says:

      In Österreich greift ja der 80-jährige MAGNA-Stronach mit einer Partei den Euro an.
      Wer soll das denn hier machen? Hans-Olaf Henkel? Schachtschneider? Die sind doch alle viel zu alt.

      Nee, nee, da muss erst die Katharsis kommen (so pathetisch sich das auch anhören mag), vorher passiert hier gar nix.

      • arprin Says:

        Das sollte man aber wahrlich nicht den Medien anlasten. Statt einer liberalen, eurokritischen und energierealistischen Partei haben wir die Piraten bekommen.

        Die Bürger haben mehr über Stuttgart 21 gemeckert als jetzt über den ESM.

  4. aron2201sperber Says:

    Klar haben die MSM eine andere Macht als Blogger.

    Blogger können nur dort erfolgreich sein, wo die MSM Meinungen der Bevölkerung nicht oder zu wenig berücksichtigen.

    deswegen ist z.B. pi.news der erfolgreichste Blog im deutschen Sprachraum.

    auch die Pro-Amerikaner sind zumindest in den Qualitätsmedien unterrepräsentiert, was den erfolg der Achse erklärt.

    die Ansicht, dass die USA und Israel das absolute Böse wären und die antiwestlichen Diktaturen eigentlich die Guten, ist natürlich auch unterrepräsentiert.

    daher haben Elsässer, Parteibuch etc. auch ihr Publikum.

  5. aron2201sperber Says:

    für mich war früher die Kronen Zeitung (die Österreichische BILD) das absolute Feindbild.

    sie war schuld, dass die Österreicher nicht wie ich mit absoluter Mehrheit für rot/grün waren.

    mit dem Öffentlichrechtlichen Fernsehen als auch allen Qualitätsmedien war ich hingegen hochzufrieden.

    dort herrschte linke Eintracht, nur die Krone war rechts-renitent und widersetzte sich dem linken zeitgeist.

    Mittlerweile sehe ich Zeitungen wie die Krone, die von Privaten gemacht werden, und nicht von „Qualitätsjournalisten“, die von linken Uni-Professoren mehr oder weniger einheitlich geformt wurden, als absolut wichtig an.

  6. Alreech Says:

    das öffentlich rechtliche Fernsehen hat an der Berichtserstattung seiner politischen Magazine nichts auszusetzen.

    So wurde der Zuschauer von diesen Qualitätsmedien darüber aufgeklärt das es z.B. im Killerspiel GTA darum geht möglichst viele Frauen zu vergewaltigen, das ganze wurde mit „Rape me“ von Nirvana musikalisch unterlegt.

    Der Hinweis das es in GTA nicht möglich ist jemanden zu vergewaltigen,
    das die gezeigten Szenen aus der Fanmodifikation Hot Coffe Mod sind bei dem es darum geht eine der weiblichen Spielfiguren zu einer Tasse heissen Kaffe bei sich zu überreden
    und das dieses Musikstück von Nirvana im Spiel nicht vorkommt war kein Grund für das ZDF den Bericht richtig zu stellen.

    Aber sicherlich ist diese Art der Berichtserstattung nur eine Ausnahme, und kommt bei anderen Themen bei denen ich mich nicht so gut auskenne niemals vor. 😉
    http://stigma-videospiele.de/wordpress/medienkritik/fernsehen/panorama/

    • arprin Says:

      „Killerspiele“ werden in den Medien so gut wie immer negativ dargestellt. Dass das ZDF diese falschen Behauptungen nicht richtig gestellt hat, ist allerdings schon ein Skandal.

  7. Tom Says:

    In Amerika ist der sogenannte media bias bekannt. Das bedeutet dass die Mainstreammedien in gewissen Bereichen systematisch die Berichterstattung verzerren i. d. R. in die politisch linke Richtung.

    Ich glaube dass man das auch für Deutschland annehmen kann. Auch in Deutschland gibt es ja Umfragen wonach 70% der Journalisten rot-grün bevorzugen.

    Blogs können mit Sicherheit auf einer gewissen Weise dieser Verzerrung entgegenwirken. Allerdings sollte man auch nicht in alles in Bausch und Bogen aus den MSM verdammen. Sicher ist hier die Berichterstattung um Welten objektiver und besser als in Russland oder China.

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