Die ungezogenen Kinder der Weltpolitik

Taliban in Herat, Afghanistan

Terroristen in Herat, Afghanistan

Viele Eltern fürchten sich vor einem Szenario, dass sie überfordert: einem schreienden Kind. Es passiert manchmal, dass Kinder gemeinsam im Sandkasten spielen, bis dann eines der Kinder beginnt, die anderen Kinder anzuschreien und zu verprügeln. Ein ungezogenes Kind kann so ein ganzes Gartenfest ruinieren. Aus Angst, dass das Kind noch mehr schreit oder aus der Hoffnung heraus, dass er bald von selbst aufhört, beschließt man, das Kind schreien zu lassen. Wenn diese Kinder älter werden, ohne dass ihnen von ihren Eltern oder den Lehrern Grenzen aufgezeigt werden, werden sie zu den Raudis, die die Streber terrorisieren, ohne dass jemand es wagt, sich ihnen in den Weg zu stellen.

In der Schule ist es der selbstbewusste Raudi, der den Streber terrorisiert. In der Weltpolitik sind es die unzivilisierten, schreienden, bärtigen Männern mit Turban und Kalaschnikow, die ganze Staaten in den Ruin treiben und Regionen destabilisieren. Die meisten Probleme der Menschheit lassen sich darauf zurückführen, das die, die im Recht waren, keinen Mut hatten, es auszusprechen, während die, die im Unrecht waren, selbstbewusst hinter ihrem Unrecht standen. Albert Einstein brachte das treffend auf den Punkt: „Die Welt wird nicht bedroht von den Menschen, die böse sind, sondern von denen, die das Böse zulassen.“

Der Klügere sollte nicht nachgeben. Wenn man im Recht ist, sollte man darauf beharren. Wie kann es sein, dass ein wütender Mob dafür sorgen kann, dass die Meinungsfreiheit eingeschränkt wird, weil man Angst davor hat, dass der Mob noch wütender wird oder weil man hofft, dass er irgendwann von selbst aufhört, wenn man ihm Zugeständnisse macht? Jedes Zugeständnis führt dazu, dass der schreiende Mann sich in seinem Vorgehen bestätigt fühlt und es in Zukunft weiter anwenden wird, bis man entweder gezwungen ist, die Freiheit im Namen der Toleranz abzuschaffen oder sich den schreienden Horden mit Gewalt entgegenzustellen.

Meistens sind es autokratische Länder, die am stärksten hinter ihrer Position stehen und nicht von ihr abrücken. Dies zeigt ein kleines Kapitel in den russisch-japanischen Beziehungen. Als der japanische Premierminister sich darüber beschwerte, dass russische Politiker die von Japan beanspruchten Kurileninseln besuchen, weil dieser Besuch die nationalen Gefühle der Japaner verletze, antworteten die Russen knapp: „Dann werden sie sich in Zukunft wohl auf weitere Verletzungen ihrer nationalen Gefühle gefasst machen müssen.“ So eine kompromisslose Haltung wünscht man sich von westlichen Politikern, wenn sie sich mit den Toleranzforderungen von Islamverbänden konfrontiert sehen.

Es gibt Anlass zur Hoffnung. Nicht alle Menschen sind bereit, voreilig zu kapitulieren, um den schreienden Mann zu besänftigen. In Mali haben aufgebrachte Einwohner verhindert, dass einem Mann die Hand abgehackt wurde, wie es die Scharia bei Diebstahl vorschreibt. In Afghanistan haben die Bürger zum ersten Mal seit dem NATO-Einmarsch vor 11 Jahren angefangen, lokale Milizen zu bilden, die sich gegen die Taliban zur Wehr setzen, und haben diese bereits aus 50 Dörfern vertrieben. Und in Somalia stehen Friedenstruppen der Afrikanischen Union kurz vor der Eroberung der letzten Al-Shabaab-Hochburg Kismayo. Der schreiende, bärtige Mann ist gar nicht so stark, wenn die Mehrheit sich ihrer eigenen Stärke bewusst wird.

2 Antworten to “Die ungezogenen Kinder der Weltpolitik”

  1. aron2201sperber Says:

    Erinnern wir uns an die Reaktion auf das Theater, das nach den Koranverbrennungen veranstaltet wurde.

    Statt den Afghanen zu erklären, dass man wegen ein paar verbrannten Büchern, die im Gegensatz zu den von den Taliban zerstörten Buddha-Statuen dank der neuzeitlichen Erfindung des Buchdrucks leicht ersetzbar wären, nicht auszurasten brauche, bekräftigt man die eigentlich geistig gesunden Menschen in ihrem krankhaften Verhalten.

    Muslime fühlen sich zwar durch die herablassende westliche Behandlung diskriminiert, gleichzeitig fühlen sie sich in der Rolle der verantwortungslosen “Unzurechnungsfähigen” sehr wohl:

    Fragt man diese Menschen, die sich in ihrer Unzurechnungsfähigkeit eingerichtet haben, ob sie etwas daran ändern wollen, werden 90 % antworten, dass ihr Land “islamisch” zu sein habe und keinesfalls “westlich” werden solle.

    Gleichzeitig träumen 90 % dieser Menschen von einem Umzug in den Westen.

    Auf die eigene Unzurechnungsfähigkeit will man zwar nicht verzichten.

    Man möchte die eigene Unzurechnungsfähigkeit jedoch am liebsten unter der Obhut einer zurechnungsfähigen Gesellschaft, die gut für alle Unzurechnungsfähigen sorgt, ausleben.

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