Europaganda

Ist der Euro alternativlos?

Ist der Euro alternativlos?

Es ist soweit. Merkel startet die Europaganda-Maschine. Wie der Spiegel berichtet, werben unter dem Motto „Ich will Europa“ „Prominente aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Sport in Anzeigen und Videoclips für die Vorteile der europäischen Einigung, Schirmherr ist Bundespräsident Joachim Gauck. Viele Medienpartner unterstützen die Kampagne.“ Zu den Teilnehmern dieser Aktion gehören u.a. Florian Silbereisen und Helmut Schmidt. Eine größere Propagandakampagne hat man in Deutschland seit dem Ende des Dritten Reichs nicht mehr gesehen.

An diesen schweren Tagen, in denen das Volk zusehen muss, wie Deutschlands Zukunft bedenkenlos für ein europäisches Konstrukt verkauft wird, ohne dass es eine Möglichkeit gäbe, dies zu verhindern, müssen wir nun auch eine Reihe von Plakaten und Videoclips über uns ergehen lassen, in denen uns Volksmusiker und Sportler erklären, warum wir den Euro brauchen. Es bleibt noch die Hoffnung, dass das Bundesverfassungsgericht in seinem Urteil am 12. September den ESM verhindern kann. Ansonsten stehen sehr schwere Zeiten bevor.

Auf der Internetseite liest man dieselben Mythen, die schon seit Jahren von den Euro-Unterstützern in den Medien verbreitet werden, über den „großen Nutzen“ der Union für Deutschland, den Beitrag zur Friedenssicherung, der „Kultur- und Bildungsförderung“, der „Stärkung von Menschen- und Arbeitnehmerrechte“ bis zur irrwitzigen Behauptung: „Mit einem starken Europa findet Deutschland in der Welt mehr Gehör“ ist alles dabei. So eine Aktion wirft Fragen auf: Was treibt eigentlich die Menschen an, die den Euro verteidigen?

Die Prominenten aus Kultur oder Sport dürften aus rein finanziellen Gründen die Kampagne unterstützen. Aber welche Gründe haben die Politiker? Blanker Populismus scheidet als Grund aus. Die meisten Deutschen haben keine allzu positive Meinung zum Euro. Mit Kritik an der Währungsgemeinschaft ließen sich viel mehr Wählerstimmen gewinnen als mit dem fanatischen Pro-Euro-Kurs der Regierung. Möglicherweise liegt es tatsächlich daran, dass die Politiker wirklich glauben, dass der Euro für Deutschland eine gute Sache ist, auch wenn es schwer zu glauben ist. Mir fällt kaum eine andere Erklärung ein.

Über die Gründe für die Europa-Begeisterung in einem anderen Land konnte man in der WELT wiederum vor ein paar Tagen lesen:

Adenauer hatte Recht: das europäische Projekt war Frankreichs „Rache für Suez“: nicht weniger, aber nie mehr. Deshalb sollte man sich nicht wundern, wenn ein Francois Hollande, der aus der Partei Guy Mollets kommt, wenig Neigung verspürt, im Interesse einer „immer engeren Union“ deutsche Vorschriften in der Wirtschaftspolitik zu akzeptieren, und lieber mit Spanien und Italien konspiriert, um Angela Merkels Fiskalpakt zu unterlaufen. Frankreichs imperiale Träume sind zwar ausgeträumt, verblutet in Vietnam und Algerien, aber Europa, das für Deutschland alternativlos erscheint, war, ist und bleibt für die Grande Nation eine Option.

Oder, um es kurz zu fassen: Deutschland kann, will aber nicht, Frankreich will, kann aber nicht.

5 Antworten to “Europaganda”

  1. besucher Says:

    Ah, der Stürmer-Artikel!

    Übrigens hat Brzesinski auch schon geschrieben: Deutschlands politische Elite forciert ein Aufgehen in der europäischen Idee.
    Man macht sich auf deutsche, gründliche Art und Weise die „Deutsche Schuld“ zu eigen und gießt dieses negative Selbstbild in die realpolitische Form.
    Dass da nichts Positives bei rauskommen kann sollte nicht verwundern.

  2. besucher Says:

    Nein ist doch ein anderer Artikel den ich meinte. Der hier ist ja vom Posener und durchaus ein sehr lesenswerter (was man bei Posener nicht oft behaupten kann)

    Eigentlich ist die EU die auf diesem Fundament errichtet worden ist letztendlich eine traurige Angelegenheit. Versailles ohne Krieg.

  3. shaze86 Says:

    Möglicherweise liegt es tatsächlich daran, dass die Politiker wirklich glauben, dass der Euro für Deutschland eine gute Sache ist,

    Genauso sehe ich es auch. Die sind scheinbar der Meinung, dass „Europa“, das nicht einmal ein geografischer Kontinent ist, irgendwelche abstrakte geostrategische und wirtschaftliche Vorteile bei einem Zusammenschluss hätte.

    Dabei wird genau, dass Gegenteil eintreffen. Man wird bald von einem verlorenen Jahrzehnt sprechen.
    Europa wurde doch durch die Konkurrenz unter einander, erst stark.

    • arprin Says:

      Europa wurde doch durch die Konkurrenz unter einander, erst stark.

      Da fällt mir ein herausragender Beitrag in der FAZ ein:
      http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/europas-schuldenkrise/schuldenkrise-das-erfolgsrezept-europas-ist-die-kleinstaaterei-11110872.html

      Zitat: „Nach dem Fall Roms im 5. Jahrhundert gab es kein geeintes Europa mehr. Das war kein Schaden, sondern Glück. Wissenschaftliche Neugierde, nutzbringende Erfindungen und wirtschaftliches Wachstum entwickelten sich im Wettstreit der Völker und Nationen. Dezentral verteilte und begrenzte Macht hat die Meinungsvielfalt gefördert, Kreativität ermöglicht, den Ehrgeiz des Wettbewerbs angestachelt und den Wohlstand genährt. Zeiten mit viel Kleinstaaterei (die Renaissance in den oberitalienischen Städten um 1500 oder die deutsche Klassik am Hofe von Weimar und anderswo) gebaren Genies und neues Wissen. … Wilhelm Röpke, einer der Väter des deutschen Ordoliberalismus, hat schon in den fünfziger Jahren, als die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft EWG gegründet wurde, gewarnt: „Wenn wir versuchen wollten, Europa zentralistisch zu organisieren und gleichzeitig zu einem mehr oder weniger geschlossenen Block zu schmieden, so ist das nicht weniger als ein Verrat an Europa.“ Die Verräter kommen seither gut voran.“

  4. Gutartiges Geschwulst Says:

    Die Prominenz beschwört den Endsieg. Zum Küssen!

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