Das islamische Kulturzentrum in der Nähe des Ground Zero

Osamas Erbe in New York

Osamas Erbe in New York

Ich will auch keine katholische Kirche in Machu Picchu, keine Synagoge über der Kaaba, keine Truman-Statue in Hiroshima, keine Siegessäule in Auschwitz, kein Triumphbogen in Hanoi und keine anglikanische Kirche auf dem Uluru. Das ist eine Frage des guten Geschmacks. Das hat ganz viel mit Respekt zu tun. Wie kann man das nicht begreifen? Ein ewiges Rätsel.

(American Viewer)

Als Erstes: Warum keine katholische Kirche in Machu Picchu? Die Spanier waren nie dort, kein Weißer war vor dem 20. Jahrhudert dort. Es gibt aber genug andere Orte, an dem die Spanier Indios massakriert haben und in denen heute Kirchen oder Pizarro-Stauen stehen. Das zweite ist wirklich pietätlos, aber das erste nicht, denn die meisten Einwohner, auch die Indios, sind mittlerweile Christen- und haben deshalb naturgemäß nichts gegen einen Kirchenbau einzuwenden. Die Pizarro-Stauen genießen bei den Indios dagegen natürlich keinen guten Ruf.

Für mich ist das einzig Relevante, ob es in der Nähe des Ground Zero (nicht am Ground Zero!) genug Muslime gibt, die das islamische Kulturzentrum (keine Moschee!) besuchen und ob sie von seriösen Quellen finanziert wird. Da gibt es sicher gute Einwände gegen den Bau. Jedoch nicht aus „Pietätsgründen“: Ein islamisches Kulturzentrum ist nicht vergleichbar mit dem Triumphbogen oder einer Siegessäule. Solche Bauwerke repräsentieren nicht eine ganze Religionsgemeinschaft oder ein ganzes Land, sondern stehen für militärische Erfolge. Wenn eine Dschihad- oder Atta-Statue gebaut werden würde, würde ich auch dagegen sein, egal an welchem Ort.

Aber ein islamisches Kulturzentrum steht nicht automatisch für Terrorismus, Dschihad und 9/11 (genauso wenig wie eine Moschee). Bush hat kurz nach den Anschlägen selbst eine Moschee besucht, die Übergriffe auf Muslime verurteilt und den Islam politisch korrekt als „Religion des Friedens“ bezeichnet. Es wäre auch nicht pietätlos, in Hiroshima ein amerikanisches Kulturzentrum, in Hanoi eine Französisch-Schule oder in Cajamarca eine katholische Kirche zu bauen. Im Gegenteil: Diese Bauwerke könnten Völker miteinander verbinden. Das islamische Kulturzentrum in der Nähe des Ground Zero gedenkt auch den Opfern von 9/11.

Den Vorschlag, dass man über bürgerliche Freiheiten verhandeln sollte (Tit for tat) geht teilweise durchaus in Ordnung, aber nicht, in dem man selbst Freiheiten einschränkt. Die westlichen Staaten haben in den 1970ern mit dem Ostblock über Meinungsfreiheit für Dissidenten verhandelt, im Gegenzug erkannte der Westen die Grenzen der Nachkriegsordnung an. Man sollte aber nicht über die Freiheiten im eigenen Land verhandeln. Zumal es sowieso kaum was bringt. In Saudi-Arabien werden sicher keine Kirchen oder Synagogen gebaut, wenn die USA oder Israel drohen, keine Moscheen mehr in ihren Ländern zu dulden.

10 Antworten to “Das islamische Kulturzentrum in der Nähe des Ground Zero”

  1. besucher Says:

    Vielleicht macht man es in New York dann zukünftig wie in Bayern:
    http://www.welt.de/regionales/muenchen/article108877871/Gipfelkreuz-vor-arabischen-Touristen-versteckt.html

    Man erwähnt das „islamische Kultur- und Begegnungszentrum“ gar nicht.

  2. Paul Says:

    „In Saudi-Arabien werden sicher keine Kirchen oder Synagogen gebaut, wenn die USA oder Israel drohen, keine Moscheen mehr in ihren Ländern zu dulden.“

    In Saudi-Arabien werden auch keine Kirchen gebaut, wenn die USA und Israel nicht damit drohen.

    „Die gegenwärtige Situation der Christen in vielen arabischen Staaten, besonders in Saudi-Arabien, ist schlecht. Dort ist es bis heute verboten, Kirchen zu errichten und nicht-muslimische Gottesdienste abzuhalten (siehe unter: Christenverfolgung).“
    http://de.wikipedia.org/wiki/Apostolisches_Vikariat_N%C3%B6rdliches_Arabien

    • arprin Says:

      Die Situation in Saudi-Arabien ist mir bekannt. Deswegen sage ich ja, dass man nur selten über bürgerliche Freiheiten verhandeln kann, weil es kaum was bringt. Die Saudis werden sich nicht auf ein Deal einlassen: „Ihr dürft weiter Moscheen bauen, dafür bauen wir eine Kirche in Riad“.

  3. Martin Says:

    Vielleicht sollte man dabei nicht vergessen, das eine Moschee ein „Kulturzentrum“ ist, in der regelmäßig und konstant die Doktrin der Überlegenheit der Ideologie/Religion, der die Massenmörder angehörten, wiedergegeben wird?
    Im Gegensatz zu anderen „Kulturzentren“ halt?

    • arprin Says:

      Eine Moschee ist eine Moschee, ein Kulturzentrum ist ein Kulturzentrum. Natürlich kann es auch in einem Kulturzentrum eine Moschee geben, aber man kann nicht das ganze Zentrum nur als Moschee bezeichnen. Man bezeichnet ja auch kein Caritas-Zentrum als Kirche, nur weil es dort auch eine Kirche gibt.

      Ob die Moschee von Extremisten finanziert wird, weiß ich nicht. Falls es so ist, wäre es ein guter Grund, gegen diese Moschee zu sein. Wenn die Geldgeber nicht extremistisch sind, sollte es keine Probleme geben. Denn natürlich wird nicht in jeder Moschee die Doktrin der Überlegenheit des Islams wiedergegeben.

  4. Alreech Says:

    Ausgerechnet Cordoba, einer christlichen Stadt die von Muslimen erobert wurde als Namenspatron für eine Moschee am Standort des größten Terroranschlages der im Namen des Islams begangen wurde zu verwenden war vermutlich keine so gute Idee.

    Womit wir wieder bei der Idee von der George W. Bush Gedächtniskirche in Bagdad währen… 😉

    • arprin Says:

      Stimmt, der Name war keine gute Idee. Wobei ja eigentlich jede muslimische Stadt durch Krieg muslimisch wurde. Nur ist Cordoba wieder christlich geworden.

  5. Klondike Says:

    An sich ein super Kommentar, anderseits frage ich mich wieso sie keinen Triumphbogen in Hanoi wollen ?^^

    • arprin Says:

      Weil die Franzosen die Kolonialherren in Vietnam waren und während des Indochinakriegs viele Massaker verübt haben.

      • Klondike Says:

        Von diesem Standpunkt aus versteh ich es natürlich, andererseits hätten sie ja ein eigenes Denkmal zu Gunsten von Siegen über die Franzosen und Amerikaner bauen können, aus diesem Grund fragte ich auch.

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