Pandemie der Islamophobie außer Kontrolle

Viele Muslime sind schnell beleidigt

Vor einigen Tagen beschlossen vier muslimische Verbände, ihre Mitarbeit an der gemeinsamen Initiative Sicherheitspartnerschaft mit dem Bundesinnenministerium einzustellen. Der Grund dafür war, dass eine Kampagne sie „tief verärgert“ hat. Es waren diesmal keine Mohamed-Karikaturen oder islamkritische Verse, sondern Plakate, die Vermisstenanzeigen ähneln und vor der Radikalisierung von jungen Muslimen warnen sollen. Ein Text zu einem Plakat lautet zum Beispiel: „Das ist unser Sohn. Wir vermissen ihn, denn wir erkennen ihn nicht wieder. Wir haben Angst, ihn ganz zu verlieren an religiöse Fanatiker und Terrorgruppen.“

Die muslimischen Verbände warfen dem Innenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) vor, dass die Plakate Muslime unter Generalverdacht stellen würden. Neben dem Zentralrat der Muslime in Deutschland wird der Protest auch von der Türkisch-Islamischen Union (DITIB), dem Verband der Islamischen Kulturzentren (VIKZ) und der Islamischen Gemeinschaft der Bosniaken in Deutschland (IGBD) mitgetragen. Auch die Grünen-Politiker Cem Özdemir und Renate Künast kritisierten die Plakate. Der rheinland-pfälzische Integrationsbeauftragte Miguel Vicente beklagte, dass die Plakate die Botschaft vermitteln würden, dass jeder Muslim ein potenzieller Terrorist sei.

Nun ist es so: Natürlich könnte theoretisch jeder Muslim, ob ein türkischer Gemüsehändler oder ein arabischer Student, zum Terroristen werden, genauso wie ein ganz normaler deutscher Grundschüler zum Amokläufer oder ein Familienvater zum Massenmörder wird, ohne dass jemand es zuvor geahnt hätte. Terroristen tarnen sich als ganz normale Bürger, so dass man sie nicht erkennen kann. Wenn man vor der Radikalisierung junger Muslime warnt, heißt das nicht, dass jeder normale muslimische Bürger ein Terrorist ist. Niemand würde vor der Pauschalisierung von ostdeutschen Jugendlichen warnen, wenn in Plakaten vor Rechtsextremen gewarnt wird.

Die Muslimverbände haben zwei klare Regeln: 1.) Wenn ein Verbrechen mit dem Islam begründet wird, heißt es, dass es nicht „den einen Islam“ gibt, sondern nur viele verschiedene Interpretationen (was ja auch stimmt) und weist deshalb jede Verantwortung von sich. 2.) Wenn aber jemand den Islam angreift, wird dies als ein Angriff auf die ganze Umma gewertet. Folglich haben die Muslimverbände nach den islamistisch motivierten Morden von Arid Uka geschwiegen, nach dem rassistisch motivierten Mord an Marwa El-Sherbini jedoch wochenlang über die zunehmende Islamophobie gemeckert, die es zu bekämpfen galt. Die Pandemie der Islamophobie ist jedoch außer Kontrolle geraten.

Es stimmt, dass die Muslimverbände in Deutschland nicht dazu verpflichtet sind, sich mit Dingen außerhalb Deutschlands auseinandersetzen (denn es wäre auch viel zu anstrengend, sich mit der gesamten Umma zu beschäftigen). Aber sie setzen sich nicht mal mit den Problemen in Deutschland aus. Jede Kritik am radikalen Islam wird als „Pauschalisierung aller Muslime“ gewertet. Nicht mal die Muslime nehmen diese Verbände ernst: für die Säkularen zu islamisch, für die Extremisten zu wenig islamisch, für die dazwischen zu langweilig und unnötig. Sie sind so unnötig wie Michael Schumachers Formel 1-Comeback, nur zum Jammern und Empören da.

Hier noch ein Weltklasse-Kommentar von Gutartiges Geschwulst:

„Wie menschlich ist das Verbrennen eines Korans, verglichen mit dem Druck eines Korans?“

7 Antworten to “Pandemie der Islamophobie außer Kontrolle”

  1. Martin Says:

    Das Problem der Islamverbands-Jammerfront ist halt, das es viele Beflissene gibt, die das Gegreine und Gequäke nutzen, um ihre eigene Agenda voranzubringen.

    Ich würde hier: „Nicht mal die Muslime nehmen diese Verbände nicht ernst“ die doppelte Verneinung noch rausnehmen.

  2. besucher Says:

    Vielleicht hast Du hierzu auch noch eine Antwort parat:

    http://initiativgruppe.wordpress.com/2012/08/28/innenministerium-schurt-angst-vor-muslimen-unabsichtlich/

    Da wird genau die Problematik durchexerziert die Du angesprochen hast.

    • arprin Says:

      Dein Kommentar war ohne mein Zutun im Spam-Filter gelandet.

      Zum Artikel bei IG: Die Plakataktion soll ja nur Menschen ansprechen, die Verwandte oder Bekannte haben, die sich zu radikalen Muslimen hingezogen fühlen, von daher verstehe ich die Aufregung nicht. Niemand wird einfach so die Hotline anrufen, wenn er einen Muslim auf der Straße sieht.

      • besucher Says:

        Dieser Artikel hier passt wie die Faust aufs Auge Deiner Analyse:
        http://www.migazin.de/2012/09/03/fatima-hat-die-schnauze-voll/

        Eine deutsche Konvertitin beschwert sich.
        Sehr deutlich wurde sie besonders in diesem Absatz:

        „Zweitens stellt sich die Frage, ob diese Plakataktion uneingeschränkt als pädagogisch ausgeklügelt bezeichnet werden kann. Angesichts der wachsenden Islamophobie, angesichts des Verfassungsschutzskandals und der nicht abreißenden Debatte um Burka- und Beschneidungsverbote und ob der Islam irgendwie und überhaupt zu Deutschland gehöre, fragt es sich, ob es sehr diplomatisch ist, noch Öl ins Feuer zu gießen. Da muss die „Integrationswilligkeit“ eines Moslems ihrerseits schon ans Radikale grenzen, damit jemand einen Verwandten, der „irgendwie komisch“ geworden ist, ausgerechnet bei Herrn Friedrich anschwärzt – dem Politiker des Vertrauens aller Moscheegänger. Die Aktion wird vielmehr einen Solidarisierungseffekt hervorrufen und manch einen „Kulturmoslem“ zu seinem islamischen Coming-Out zu veranlassen.“

      • arprin Says:

        Da muss die „Integrationswilligkeit“ eines Moslems ihrerseits schon ans Radikale grenzen, damit jemand einen Verwandten, der „irgendwie komisch“ geworden ist, ausgerechnet bei Herrn Friedrich anschwärzt – dem Politiker des Vertrauens aller Moscheegänger.

        „irgendwie komisch“ ist gut. Salafisten sind ein bisschen mehr als irgendwie komisch. Die Hotline soll nur bei Härtefällen benutzt werden. Aber für diese Ewigbeleidigten ist jede Kritik an alles, was irgendwie mit dem Islam zu tun hat, pauschalisierend und rassistisch.

      • besucher Says:

        Das wird immer besser. Mal sehen wann die Truppen fordern.

        http://www.jungefreiheit.de/Single-News-Display-mit-Komm.154+M542c594b31c.0.html

      • arprin Says:

        Das erinnert mich an diese Nachricht: Die UNO leugnet, dass sie Pläne hat, Texas zu invadieren

        „It’s absolutely ridiculous,“ said U.N. Secretary-General Ban Ki-moon’s spokesman, Martin Nesirky, when asked if the United Nations had any plans to invade Texas.

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