Marx in den Köpfen

Karl Marx

Zur marxistischen Ideologie gehört eine Konflikttheorie, die man kurz zusammenfassen kann: Alle Konflikte auf der Welt sind ökonomisch bedingt. Es handelt sich um einen Kampf zwischen „the haves and the have-nots„. Als die Ursache für den Klassenkampf sehen die Marxisten „der Besitz bzw. Ausschluss von Besitz an Produktionsmitteln (Kapital) sowie der daraus resultierende Gegensatz (Antagonismus) zwischen der besitzlosen und der besitzenden Klasse“ an. Diese Theorie ist heute Allgemeingut, wenn es um die Erklärung von Konflikten geht.

Als Hauptursache für den internationalen Terrorismus sehen viele Politiker und Intellektuelle die Armut, Ungleichheit und Hunger in der Dritten Welt an, während für alle Kriege wirtschaftliche Gründe vermutet werden (vor allem Öl). Aber es gibt natürlich ein paar Probleme mit dieser Theorie. Es waren keine hungernden Afrikaner oder arbeitslosen Mexikaner, die das World Trade Center zerstörten, sondern die Clique eines Multimillionärs, die ihre Taten nicht im Namen der Armen, sondern im Namen des Dschihad begangen.

Nicht nur das: Zwei Drittel der Terroristen der RAF und der IRA hatten Universitätsabschlüsse, Mitglieder der Hisbollah oder palästinensische Selbstmordattentäter stammen genauso oft aus wohlhabenden Familien wie aus ärmeren. Und obwohl Somalia und Kosovo keine wertvollen Rohstoffe haben, wurden diese Länder trotzdem von den USA bombardiert. Es muss also auch einen anderen Grund für die Konflikte in der Welt geben als Klassenkampf. Bei diesen Gründen handelt es sich meistens um ethnische, religiöse oder historisch begründete Spannungen, oder um eine Ideologie, in deren Namen Massenmorde rechtfertigt werden.

Es gibt natürlich auch Kriege, die wirtschaftlich bedingt sind. Bei den Konflikten zwischen dem Sudan und Südsudan vor einigen Monaten ging es durchaus um Öl. Und auch in vielen anderen Kriegen spielten wirtschaftliche Überlegungen eine Rolle. Aber man muss beachten, dass immer zuvor ideologische Konflikte eine Rolle spielten. Im Sudan waren es 5 Jahrzehnte Krieg mit dem Süden. Beim Irankonflikt spielen sicher auch wirtschaftliche Gründe eine Rolle. Das eigentliche Problem ist jedoch die islamistisch-apokalyptische Ideologie der Mullahs und ihrer Verbündeten.

Es ging auch beim Irakkrieg nicht um Öl. Die Hintergründe lagen wohl in strategischen Überlegungen gepaart mit falschen Geheimdienstinformationen. Die Feindschaft zwischen den USA und dem Irak begann mit der irakischen Invasion von Kuwait (was das erste Mal war, dass ein UN-Mitglied ein anderes Mitglied annektierte). Selbst wenn Öl eine Rolle spielte, wurde das Ziel kaum erreicht: Bis 2008 gab es nicht mal einen einzigen ausländischen Ölkonzern, der im Irak aktiv war. Danach waren es vor allem französische und russische Konzerne, die im Irak tätig sind. Sogar der Spiegel musste die “Blut für Öl”-Lüge eingestehen:

“Kein Blut für Öl” – so lautete einst der Slogan der internationalen Proteste gegen Amerikas Irak-Krieg. “Blut für Öl” hieß ein SPIEGEL-Titel im Januar 2003, der die Rolle des Irak als Ölmacht analysierte. … Es kam anders: Viel Blut ist seit dem Einmarsch der US-Truppen im Irak geflossen, aber wenig Öl für Amerika. Mit einer Förderung von 2,5 Millionen Barrel Rohöl pro Tag läuft die Produktion ungefähr wieder auf Vorkriegsniveau. Schätzungen gehen jetzt davon aus, dass sich dieser Betrag erst in 20 Jahren verdoppelt oder verdreifacht haben wird. Die USA haben mehr als 700 Milliarden Dollar im Irak ausgegeben – Erträge aus der Ölförderung streichen vor allem andere ein.

Hinter den Mythen, dass Osama bin Laden aus Protest gegen die Armut der Dritten Welt die World Trade Center zerstören ließ und George Bush den Irak besetzte, um an deren Öl ranzukommen, steckt eine krude Weltsicht. Die meisten Ideologien haben ihre eigene Konflikttheorie (die nationalsozialistische Ideologie ging von einem „Rassenkampf“ aus), auf die sie alle Konflikte reduzierten. Folglich müsse nur ein Problem – notfalls mit Gewalt – gelöst werden, dann gäbe es Frieden. Die marxistische Konflikttheorie sagt: Um alle Konflikte zu lösen, müssen wir nur umverteilen.

Nehmen wir mal an, wir würden über Nacht in einer völlig konfliktfreien Welt leben. Alle Länder der Welt hätten ihre Streitigkeiten vergessen und würden keine Nation einer anderen bevorzugen. In so einer Welt würden „Schurkenstaaten“ keine Probleme damit haben, Öl in die USA zu exportieren, und die USA hätten keinen Grund, andere Länder zu bombardieren, um an deren Öl ranzukommen. Die Konflikte werden erst durch Ideologien in die Welt gebracht, nicht durch Armut, Ungleichheit oder der Gier nach Rohstoffen.

10 Antworten to “Marx in den Köpfen”

  1. vonhaeften Says:

    Ich habe eine ziemlich schlaue Zusammenfassung aller Gründe, warum der Irak-Krieg nicht ums Öl ging, aus einer Diskussion im damaligen Politikforum (www.politikforum.de, gibt es nicht mehr, wird nach http://www.politik.de migriert), in der der User „Deist“ entscheidende Argumente geliefert hat. Ich könnte dir diese Zusammenfassung als E-Mail im ASCII-Format schicken, wenn ich deine E-Mail Adresse hätte…

  2. Gutartiges Geschwulst Says:

    Mich beschäftigt die Frage, warum Marxisten, statt zu theoretisieren und revolutionieren, nicht vordringlich eigene Betriebe gegründet haben, frei von profit-orientierter Ausbeutung, mit gerechter Bezahlung.
    Mit Sicherheit, wären die geknechteten Lohnsklaven, in unübersehbaren Scharen, ihren blutgierigen Unterdrückern davon gelaufen, um in solchen Proletarier-Paradiesen reich und glücklich zu werden.
    Damit wären der Kapitalismus, und der Kampf zwischen “the haves and the have-nots“ erledigt gewesen.
    Dem Sozialismus gehörte zeitweise die halbe Welt, mit mehr als der Hälfte der Menschheit, was doch wohl ausgereicht hätte, um das glücksbringende sozialistische Geschäftsmodell erfolgreich zu etablieren.

    • Alreech Says:

      Das war doch kein richtiger Sozialismus.
      Gut, diese Staaten haben sich als Sozialistisch bezeichnet, in den Schulen und Hochschulen wurde Marx gelehrt und die Linken im Westen haben sie auch als bessere Alternative zu dem kapitalistischen System bezeichnet in den sie Leben mussten (obwohl sie keiner daran gehindert hat rüberzumachen ).
      Aber dennoch sind sich die Mehrzahl der übrig gebliebenen Sozialisten / Marxisten der Meinung das diese Staaten keinesfalls Sozialistisch gewesen sind.

      Und weil das kein richtiger Sozialismus war, gibt es auch keinen Grund diese Utopie aufzugeben…
      Die meisten Sozialisten träumen auch nicht davon im real-existierenden Sozialismus an der Werkbank zu stehen oder am Schreibtisch die Produktion zu organisieren. Aufgrund ihrer Funktion als Elite werden sie natürlich den Wohlstand verteilen, oder als Künstler oder Politiker die Massen führen.

      Warum also sollen sie Betriebe gründen ?

      • Gutartiges Geschwulst Says:

        „Das war doch kein richtiger Sozialismus.“
        Sehr feinsinig, Alreech. 😉

      • besucher Says:

        Dieses apologetische Geplapper der Linken und Islamversteher wende ich einfach mal auf die Nazis an um es zu entlarven.

        „Hitler war gar kein richtiger Nationalsozialist, er hat das Konzept des Nationalsozialismus falsch verstanden und war geistig gar nicht in der Lage die Theorie des nationalen Sozialismus im Willen des Volkes umzusetzen.“

        „Die Nazis haben den Rassenkampf falsch verstanden und interpretiert: Es geht (zuerst) einmal darum seinen inneren Kampf zu bestehen ob man sich der Zugehörigkeit zur höheren Rasse sicher sein kann.“ (innerer Dschihad vs. äußerer Dschihad)

      • arprin Says:

        Sehr geil. 😉

        Wobei Hitler als Erfinder des Rassenkampfs und Autor von Mein Kampf eigentlich nichts falsch verstanden haben kann. Aber vielleicht war der Zweite Weltkrieg auch ganz anders als es uns die moderne Geschichtsschreibung wahrmachen will:
        https://arprin.wordpress.com/2011/12/03/ein-antiimperialist-zum-kriegsende-1945/

        Jetzt brauchen wir nur noch eine neue, zeitgemäße Auslegung von Mein Kampf.

  3. Alreech Says:

    Mit dem Clash of Civilizations bietet Samuel Huntington ein Alternativkonzept zum Klassenkampf.

    Gerade beim Thema Iran-Irak Konflikt passt das ganze sehr gut, da das Gebiet des heutigen Iraks eigentlich immer eine Konfliktzone gewesen ist.
    Um diese Gegend haben schon Byzanz und die Perser gekämpft, später kamen die Araber dazu, und noch später die Osmanen.
    Bei den Durcheinander wird’s schwierig das ganze als Klassenkampf zu definieren. 😉

    • arprin Says:

      Die Kultur spielt sicher eine Rolle bei den Konflikten. Aber es gibt auch viele Länder, die zwar aus völlig verschiedenen Kulturkreisen stammen, aber dennoch keine gewaltsamen Konflikte ausfechten. Ich denke, wir erleben momentan keinen Kampf der Kulturen, sondern eine Aggression des islamischen Kulturkreises gegen alle anderen.

      • Alreech Says:

        Ein Clash ist nicht unbedingt ein Kampf, es kann auch ein Zusammenprall sein.

        Und IMHO prallt die westliche Kultur massiv auf alle anderen Kulturen ein.
        Ein Großteil der Medieninhalte die weltweit konsumiert werden wird im Westen produziert und verbreiten deswegen westliche Werte.

        Und Konflikte müssen auch nicht immer gewaltsam sein. Westliche Werte können eben auch in Konflikt zu traditionellen Indischen oder Chinesischen Werten stehen.

        Wobei man auch sagen kann das der Islamismus versucht einen übergreifendes Wertesystem für verschiedenen islamische Länder zu schaffen.

        Wenn man will, kann man auch den kalten Krieg als Clash of Civilizations betrachten, immerhin stellte der real existierende Sozialismus auch so etwas wie ein eigenständige Kultur da.

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