Multikulti-Schüler glauben nicht an Multikulti

Multikulti in New York: Little Itlay um 1900

Multikulti in New York: Little Itlay um 1900

Der Neuköllner Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky hat ein neues Buch („Neukölln ist überall“) geschrieben, in dem er mit dem deutschen Sozialstaat abrechnet. Das Buch hat natürlich schon Kritik geerntet. Die Neuköllner Bloggerin Nadiah Shehadeh hat das Buch als „offen rassistisch“ bezeichnet, die Berliner Morgenpost hat Teile ihres Artikels abgedruckt. Sie berichtet über rassistische Erfahrungen, die sie während ihrer ganzen Schulzeit und darüber hinaus durchmachen musste. An einer Stelle heißt es:

Ich saß in einem sozialanthropologischen Seminar zu Multikulturalismus-Theorien, und die Jahrgangsbeste, die bisher alle Prüfungen mit Bestnoten abgelegt hatte, meldete sich und sagte, dass sie auf der Straße „selbstverständlich“ Angst habe wenn sie dort „so einen richtigen Araber mit Bart“ sähe. „Das ist doch ganz normal.“ Wir hatten gerade das Grundstudium abgeschlossen. Ich saß im Seminarraum und dachte zum ersten Mal bewusst über die Qualität des deutschen Bildungssystems nach.

Diese kleine Anekdote zeigt, was für eine Pseudowissenschaft Multikulturalismus ist, vergleichbar mit den Gender Studies oder Animal Studies. Eine Jahrgangsbeste, die alle Prüfungen mit Bestnoten absolviert hat, hat immer noch Angst vor Arabern in Neukölln. Es dürfte Türken in Zwickau wohl kaum anders ergehen. Man kann solange Multikulti studieren wie man will, aber den Nonsense, den man in der Uni gelernt hat, wendet man nicht an, wenn man weiß, in welchem Stadtviertel man sich aufhält.

Der strikt politisch korrekt geschriebene Beitrag von Shehadeh beschäftigt sich kein Stück mit Buschkowskys Buch. Es reicht offenbar schon, zu sagen, dass Teile des Buches bei der BILD abgedruckt wurden. Wie Gideon Böss einst sagte: „Die Bild ist die wichtigste Zeitung Deutschlands, denn sie ist die einzige, die Identität stiftet. Nicht bei ihren Lesern, sondern bei denen, die sie nicht lesen, weil sie Bild-Gegner sind. Bild ist da, wo das Gute, Edle und Aufrechte nicht ist, das alles ist wiederum da, wo die Bild-Gegner sind.“

Der Text wärmt dann die üblichen Geschichten auf von den Deutschen, die ständig kulturelle Stereotypen bedienen, Witze über sie reißen und ihren Namen nicht buchstabieren können. Natürlich ist es nicht in Ordnung, wenn ein 10-jähriges Kind von einem Lehrer aufgefordert wird, ihre Meinung über Saddam Hussein zu sagen. Aber dies ist sicherlich nicht die Regel. Das meiste, was Shehadeh beschreibt, ist typische Migrantensentimentalität ohne jegliche Selbstkritik.

Ich teile Shehadehs Migrationshintergrund und auch die Tatsache, dass ich immer, wenn ich mit “Bio-Deutschen” zusammen bin, gefragt werde, aus welchem Land ich komme. Das finde ich aber nicht rassistisch. Es ist nun mal so, dass jemand, der mich zum ersten Mal sieht, nicht wissen kann, ob ich einen deutschen Pass habe oder mich als Deutscher fühle. Das ist nicht Rassismus, das ist Taktgefühl. Man sieht eine Person, die nicht eindeutig als Deutsche/r identifizierbar ist, also fragt man: “Welcher Landsmann bist du?”

Jetzt wird vermutlich eingewendet: Allein schon die Tatsache, dass man von “typischen Merkmalen” spricht, die ein Deutsche/r hat, ist ein Zeichen von Rassismus. Aber das ist doch Heuchelei. Wenn man in Moskau einen Schwarzen sieht, geht man nicht automatisch davon aus, dass er Russe ist. Wenn man in der Türkei eine Person mit spanischem Namen trifft, geht man nicht automatisch davon aus, dass er ein Türke ist. Der Durchschnittsdeutsche hat keinen arabischen Namen und spricht nicht Arabisch. Da ist es ganz normal und nicht rassistisch, dass man erst mal fragt, welcher Landsmann er ist.

Für Multikulti-Theoretiker ist das aber schon „struktureller Rassismus“. Genauso wie das berüchtigte „schief angucken“ in der U-Bahn. Dabei wird angenommen, dass jeder, der in der U-Bahn einen Migranten schief anguckt, ein Rassist ist. Dass er schlechte Laune hat oder einfach immer so guckt, wird nicht als Erklärung in Betracht gezogen. Und diese „strukturelle Gewalt“ ist dann wohl der Grund für die physische Gewalt von Migranten: Ohne das schiefe Angucken würde es kein „Was guckst du so?“ und den darauffolgenden Fausthieb des durch den schiefen Blick erniedrigten Migranten geben. Nur gut, dass Multikulti-Schüler nicht an Multikulti glauben.

15 Antworten to “Multikulti-Schüler glauben nicht an Multikulti”

  1. aron2201sperber Says:

    Großartiger Beitrag!

    ich hatte eine ähnliche Diskussion mit einer Bekannten, die sich über den Rassismus der Landbewohner beklagt hatte:

    bei einem Besuch in ihrer Heimatstadt hatte sie ihren schwarzen Freund mitgebracht und ihre alten Freunde hatten es gewagt, ihn die „blöde Frage “ zu stellen, aus welchem Land er komme.

    • besucher Says:

      Das Problem ließe sich ganz einfach lösen wenn er sagen würde: „Ich bin Deutscher und meine Eltern kommen aus Ghana oder so.“
      Da würde keiner was sagen, außer diejenigen denen das arische Reinheitsgebot von 1935 wichtig ist.

    • Martin Says:

      Sind eigentlich die Afrikaner, Australier, Spanier etc. die mich, wenn ich beruflich oder zum Urlaub dort bin, nach meiner herkunft fragen, auch Rassisten?
      Oder sind sie Rassisten, wenn sie mich nicht fragen und meine Herkunft aus Persönlichkeitsmerkmalen zu schließen versuchen?
      Oder ist jeder immer ein Rassist, wenns denn dem Rassismusbeschuldiger in den Kram paßt? Yep…so wirds wohl sein.

      • arprin Says:

        Für Multikulti-Theoretiker ist jede Bezeichnung für Nation, Ethnie oder Religion „strukturelle Gewalt“. Die wollen am liebsten eine Gemeinschaft von antirassistischen Mensch_innen.

      • Besucher Says:

        Da in ihren Augen alles „strukturelle Gewalt“ ist wäre ihnen wahrscheinlich ein Zusammenleben welches über die tatsächliche ausübung von Gewalt geregelt wird, lieber.

  2. Arthur Says:

    Kurz, knapp und auf den Punkt gebracht. Der Artikel hat mir gezeigt, wie weit wir uns in Deutschland schon von den selbstverständlichsten Dingen entfernt haben.

  3. besucher Says:

    Ich habe den Artikel der Dame gelesen und muss allerdings zugeben dass sie in vielerlei Hinsicht Recht hat. Was mich allerdings wundert ist dass diese Vorfälle gerade bei ihr so gehäuft vorkommen.
    Was mich allerdings nicht wundert ist dass die Leute im „Diversity-Management“ mal wieder die Kopftuchfrage stellen: Weil, alle im Orient tragen ja Kopftuch. Das ist ziemlich peinlich.

    • besucher Says:

      Habe mal den Blog der Dame überflogen: Integriert ist sie definitiv 😉

      • arprin Says:

        Ich habe auch gar nicht gesagt, dass sie nicht integriert ist. Es ging mir nur um dieses doch recht übertriebene Gejammer, dass man ihren Namen nicht buchstabieren kann, dass man sie immer nach ihrer Herkunft fragt usw. Und mit Buschkowskys Buch, dass sie als „offen rassistisch“ bezeichnete, hat sie sich gar nicht auseinandergesetzt.

  4. geurten Says:

    Bravo,arprin! Ausgezeichneter Beitrag!Dieses Selbstmitleid und das sich Ewig-als -Opfer-Fühlen als Reaktion auf das Buch von Buschkowski sind vollkommen unangebracht.Warum fühlt sich die Autorin Es geht hier um integrationsunwillige in Paralelwelten lebende Problemgruppen die ihren Kindern Bildungschancen verbauen und die gibt es nun einmal! Die Probleme die durch diese Verhaltensweisen entstehen aus „political correctness“ totzuschweigen bringt uns auch nicht weiter! Ein Mann der jahrzehntelang in Neukölln gelebt und sich beruflich mit diesen Themen auseinandersetzen mußte sollte auch mal unbequeme Wahrheiten aussprechen und Lösungen anregen dürfen ohne direkt als Rassist angeprangert zu werden. Diese naive Schwartz -Weißmalerei ist wirklich nervend!I

    • arprin Says:

      Genauso ist es. Diese Menschen pauschalisieren sich ständig selbst. Wenn jemand Kritik an einige Gruppen von Türken oder Arabern übt, wird das gleich als Angriff auf die gesamte türkische oder arabische Gemeinschaft verstanden und die Kritiker werden alle als Rassisten abgestempelt. Eine echte Diskussion wird somit massiv erschwert. Sie beschweren sich über Pauschalisierung, aber sie pauschalisieren selbst am meisten.

  5. Charles Atlas Says:

    Integration beginnt bereits in der Schule! Hier eine kleine Episode aus dem deutschen Schulalltag:

    Lehrer: „Wie du sicher schon gehört hast, Hualing, sollt ihr jetzt auf dem Schulhof nur noch Deutsch sprechen. Ich find’s ja auch bekloppt, aber ich muss euch das mitteilen…“

    Schülerin Hualing: „Ach wissen Sie, Herr Schulze, das brauchen Sie mir gar nicht zu sagen. Ich spreche Chinesisch höchstens zu Hause mit meinen Eltern, in der Schule spreche ich ausschließlich Deutsch.“

    Lehrer: „Ach, Achmed, es tut mir ja sooo leid, aber ich soll euch sagen, dass ihr von jetzt an nur noch Deutsch…“

    Schüler Achmed: „Värpissdisch duschwulejudensau sonsgippswasaufsmaul!“

    Lehrer (später im Kollegenkreis): „Ich weiß nicht… diese Chinesen… immer so angepasst… das gefällt mir nicht. Die Araber dagegen – die lassen sich nicht alles einfach so gefallen, die wehren sich noch, genau wie wir damals, 1968. Das find ich gut!“

  6. silver price Says:

    Bade: Soziale Brennpunkte entstehen aber nicht automatisch da, wo Einwanderer zusammenkommen, sondern wo Einwanderungsprobleme oder ethnische Probleme mit sozialen Problemen zusammentreffen. Parallelgesellschaften im klassischen Sinne gibt es in Deutschland gar nicht. Dafür müssten mehrere Punkte zusammenkommen: eine monokulturelle Identität, ein freiwilliger und bewusster sozialer Rückzug auch in Siedlung und Lebensalltag, eine weitgehende wirtschaftliche Abgrenzung, eine Doppelung der Institutionen des Staates. Bei uns sind die Einwandererviertel meist ethnisch gemischt, der Rückzug ist sozial bedingt, eine Doppelung von Institutionen fehlt. Die Parallelgesellschaften gibt es in den Köpfen derer, die Angst davor haben: Ich habe Angst, und glaube, dass der andere daran Schuld ist. Wenn das ebenso simple wie gefährliche Gerede über Parallelgesellschaften so weitergeht, wird sich die Situation verschärfen. Dieses Gerede ist also nicht Teil der Lösung, sondern Teil des Problems.

  7. geurten Says:

    Du scheinst wohl nicht in Berlin zu wohnen (eher wohl in einem Elfenbeinturm …) Alle Punkte .die Du so brav aufgezählt hast sind in Neukölln schon seit Jahren Realität! Menschen wie die verstorbene (?) Richterin Heisig und Herr Buschkowski, die jahrzehntelange berufliche Ehrfahrung vor Ort sammeln konnten und viele lösungsorientierte Projekte entwickelt haben, können die Situation wohl realistischer einschätzen! Ausserdem geht es hier nicht um Schuldzuweisung, sondern darum Kritik an Verhaltensweisen bestimmter Gruppierungen üben zu dürfen, die massive Probleme für die Gesellschaft und ihre eigenen Nachkommen verursachen. Was Du als „Gerede“ bezeichnest sind Auseinandersetzungen über Erfahrungen im eigenen unmittelbaren Umfeld und die Abneigung über die Verunglimpfung von Leuten die es wagen dieses Tabuthema öffentlich zu diskutieren!

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