Sollten wir den Nahen Osten verlassen?

kl

George W.Bush: „Mission accomplished“

Wenn man sich die Nachrichten zum Nahen Osten anhört, könnte man die Ansicht vertreten, dass die Region ein hoffnungsloser und immer blutigerer Ort sei. Kriege wie in Syrien, religiöser Fanatismus, Terroranschläge, importierter Fundamentalismus in Europa, und kein Ende ist in Sicht. Nicht mal die westlichen Militärinterventionen scheinen eine Besserung gebracht zu haben. Dies könnte einem zu folgendem Schluss verleiten: „Das sind doch alles Barbaren und die werden sich auch nicht ändern. Lasst sie sich doch gegenseitig abschlachten, wenn sie wollen. Wenn jemand von ihnen Bock hat, nicht mehr im Mittelalter zu leben, können wir ihn gerne aufnehmen, ansonsten sollten wir uns aus der Gegend komplett raushalten, es hilft doch nichts!“

Wäre es wirklich das Beste, sich komplett aus dem Nahen Osten zurückzuziehen, anstatt weiter umsonst Diktatoren zu stürzen, ohne dass die Bevölkerung Dankbarkeit zeigt? Ein kompletter Rückzug würde schon deshalb keinen Frieden bringen, weil der Westen in der Region Feinde hat, die sich nicht darum scheren, was der Westen tut oder nicht. Vor 9/11 hatte es nur eine amerikanische Intervention im Nahen Osten gegeben: Die Befreiung Kuwaits von Saddams Armee. Ein Rückzug aus dem Nahen Osten würde dem Westen nicht weniger Feinde bringen, sie würden nur freie Hand bekommen. Und im Gegensatz zur verbreiteten Meinung ist der Nahe Osten nicht hoffnungslos und machen Interventionen nicht alles schlimmer.

Gewalt geht zurück, Interventionen waren erfolgreich

Tatsächlich ist der Nahe Osten heute viel weniger gewalttätig als noch vor einigen Jahrzehnten. Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Der Erste Golfkrieg in den 1980ern kostete 1 Million Menschenleben, der dritte Golfkrieg in unserem Jahrtausend 100.000, eine Verringerung um den Faktor 10. Die sowjetische Besatzung Afghanistans war ähnlich blutig wie der erste Golfkrieg, die westliche Besatzung seit 2001 hat bis jetzt rund 30.000 Opfer gefordert, ebenfalls ein immenser Rückgang. In den 1980ern tobte außerdem der Libanonkrieg mit 150.000 Toten und Bashars Vater, Hafez, schlug den Aufstand der Muslimbrüder in der Stadt Hama nieder, was in einem Monat 20-30.000 Menschen das Leben kostete. Bashar und die Rebellen brauchten 18 Monate, um es in ganz Syrien auf 30.000 Tote zu bringen.

Ein statistischer Ausreißer war der Libyenkrieg mit 20-30.000 Opfern. Dennoch ist der Nahe Osten heute viel friedlicher als noch vor einigen Jahrzehnten. Das werden viele nicht glauben wollen. In den USA sind auch viele davon überzeugt, dass die Kriminalität immer schlimmer wird, obwohl nahezu alle Formen von kriminellen Delikten in den letzten Jahrzehnten spektakulär zurückgegangen sind. Und nicht nur, dass die Gewalt zurückgeht: Die westlichen Interventionen waren nicht alle erfolglos. Die einzige wirklich gescheiterte Intervention der letzten Jahrzehnte war die in Somalia. In Afghanistan und dem Irak ist das Ergebnis keinesfalls nur negativ.

Die ISAF-Truppen im Hindukusch haben für einen höheren Lebensstandard, der Rückkehr von 5 Millionen Flüchtlingen und eine im Vergleich zu den Taliban deutlich humanitärere Regierung gesorgt. Das eigentliche Kriegsziel, die Vertreibung von al-Qaida, wurde ebenfalls erreicht. Der Krieg im Irak dagegen löste in den ersten vier Jahren eine humanitäre Katastrophe aus, aber heute geht es den Irakern viel besser als unter Saddam und der Irak stellt für den Westen keine Bedrohung mehr dar. Wer eine Demokratie nach Schweizer Modell erwartet hat, wurde sicher enttäuscht. Wer aber mit realistischeren Erwartungen angetreten ist, sieht die Sache schon etwas positiver. Nun prophezeien einige Pessimisten, dass die Erfolge der letzten Jahre in einigen Jahren wieder verbraucht sein werden. Stimmt das?

Keine Zwangsläufigkeit in der Geschichte

Nachdem der Arabische Frühling seinen Anfang nahm, sagten viele Kommentatoren, dass sie dies schon lange vorausgesehen hatten. Komisch nur, dass sie sich in der Vergangenheit nicht getraut hatten, das auch öffentlich zu sagen. Nach der kurzen Phase der Euphorie wurde der Arabische Frühling plötzlich zum „islamistischen Winter“ umdeklariert- und wieder mal hatten alle es vorausgesehen. Genauso wie der Klimawandel als Schuldiger für jede Naturkatastrophe herhalten muss, wurde der Arabische Frühling nun zum Schuldigen für alle schlechten Nachrichten im Nahen Osten. Die früheren Diktatoren hätten ja immerhin für „Stabilität“ gesorgt (aber komischerweise häuften sie deutlich mehr Leichenberge an).

Niemand kann sagen, was in 10 oder 20 Jahren passieren wird. Vielleicht wird alles schlimmer werden. Vielleicht wird Ägypten ein islamistischer Gottesstaat, vielleicht wird Libyen zum neuen Somalia, vielleicht kommt es zu massiven ethnischen Säuberungen in Syrien, vielleicht wird Afghanistan wieder von den Taliban erobert. Aber zwangsläufig ist das nicht. Wenn man glaubt, dass der Koran die DNA der Muslime ist, ist man natürlich eher geneigt, den Pessimisten zu glauben. Die aktuellen Entwicklungen im Nahen Osten sind aber offen für alle Wendungen. Zwangsläufig ist nur, dass, egal was passiert, Experten sich zu Wort melden und behaupten werden, sie hätten das schon lange vorausgesehen.

Bei all den schlechten Nachrichten gibt es auch Hoffnungsschimmer: In Libyen haben sich Säkulare bei den Wahlen durchgesetzt und die Bürger fordern eine Entwaffnung der Milizen, die seit dem Ende des Bürgerkriegs in vielen Gegenden das Sagen haben. In Tunesien wurde der Einfluss der Scharia auf die Verfassung begrenzt und auch in Ägypten haben die Religiösen einen Rückschlag hinnehmen müssen. Das muss noch gar nichts heißen. Aber es zeigt: Es gibt auch die Möglichkeit, dass in 10 oder 20 Jahren einige muslimische Staaten stabile Demokratien sein werden. Eine Prophezeiung soll das aber nicht sein. Wie Henryk M.Broder sagte: „Nur Narren und Abgeordnete der Linke geben Prognosen ab.“

31 Antworten to “Sollten wir den Nahen Osten verlassen?”

  1. Silem Says:

    Es macht mich so unendlich depressiv wenn ich inzwischen auch nur von Syrien höre. 2 Jahre Bürgerkrieg, 2 Jahre dahinschlachten, 2 Jahre Unsicherheitsrat.

    Ich kann hoffe einfach nur das eine ganze Generation umsonst abgeschlachtet wird.

    • arprin Says:

      Momentan gibt es leider kaum eine Aussicht auf Besserung.

      Der Westen könnte den Rebellen mit Waffenlieferungen helfen und so schnell für eine Wende sorgen, aber solange Obama im Wahlkapmpf steckt, wird wohl nichts geschehen.

      • Silem Says:

        Demokratie – Wahlkampfhema
        Freiheiten – Nette Plakaten
        Völkermord – Lästig & ignorieren

        Wir sind schon so Demokratien. Ein bisschen Gegenwind und wir fallen um. Verteidigung unserer Rechte oder gar offensive Vetretung betreiben wir erst gar nicht. und da schließt sich der Kreis zu deinem Artikel. Egal was wir machen oder sagen. Allein unsere Existenz ist für Terroristen ein Grund zu kämpfen.

      • Besucher Says:

        Laut Elsässer mischt sich „Der Westen“ doch schon viel zu viel dort ein: die Panzer stehen doch gefühlt schon vor Teheran. Da kann man schon mal darüber nachdenken dem Jud präventiv einen auf die Mütze zu geben.

      • Thomas Holm Says:

        „Der Westen könnte den Rebellen mit Waffenlieferungen helfen “ Dann schießen die Assad Leute eine türkische Linienmaschine ab und sagen, die Salfis waren es.*

        Unglaublich was jetzt alles zu Tage gefördert wird über die Machenschaften Assads, aber man weiss ja nie, vielleicht haben einige Sachen doch die Salafis angestellt. Diue arabische Variante von ‚Ambiguität‘ fällt denen jedenfalls ziemlich auf die Füsse.

        *oder ein echter Jihadist kommt dem noch zuvor

        Als Alliierte haben sich alle Araber auf ihre Art disqualifiziert; eine reife Leistung; der Iran profitiert; die Türkei kriegt den Ärger.

      • arprin Says:

        Die saudische Zeitung Al-Arabiya meldete in den letzten Tagen:

        – Die türkischen Piloten, die im Juni beim Flug über Syrien umgekommen waren, wurden gefangen und dann auf russischen Geheiß exekutiert (Die Türken haben jedoch bereits dementiert)
        – Der Selbstmordattentat im Mai mit 55 Toten war eine False Flag Operation (das war schon länger, auch von mir, vermutet worden)
        – Assad soll Gaddafi an die Franzosen ausgeliefert haben

      • Thomas Holm Says:

        Die Frage ist, wer ist so dreist, Putin zu kompromittieren mit dem Hinweis auf ‚russisches Geheiß‘ ?

        Dokumente, die sagen, dass Assad alles manipulieren kann, sind dann konsequenterweise auch so in der Wirkung wie der Satz: Alle Kreter lügen – für die Glaubwürdigkeit der Kreter.

        Assad kann das auch selbst lanciert haben, um zu zeigen, dass die Putin alles tut, um ihn nicht zu verlieren.

        Spannender inzwischen als jeder Spionagethriller.

  2. silver price Says:

    Die massive Ausweitung des militärischen Engagements der USA im Persischen Golf begann 1987, also in der Schlussphase des Ersten Golfkrieges (zwischen Irak und Iran, 1980-88). Die Regierung Kuwaits hatte seit September 1986 Washington um die Entsendung von Marineeinheiten zum Schutz kuwaitischer Schiffe – vorwiegend Tanker – im Persischen Golf gebeten und in diesem Zusammenhang eine „Umflaggung“ kuwaitischer Tanker unter US-Flagge ins Spiel gebracht. In dieser Ausgangslage begannen die USA mit einem groß angelegten militärischen Aufmarsch im Golf, der sich faktisch gegen den Iran richtete: Im Juli 1987 hatten sie bereits 15 oder 16 Kriegsschiffe vor Ort. Im Oktober schließlich lag die Zahl bei mehr als 40 (gelegentlich fast 50) Kriegsschiffen mit etwa 30.000 Soldaten. Dies war die größte und kampfkräftigste Flottenkonzentration eines Staates seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges. Dass diese ausgerechnet im Persischen Golf operierte, demonstrierte, dass die früher geringe Aufmerksamkeit Washingtons für die Region sich inzwischen ins Gegenteil verkehrt hatte.

  3. shaze86 Says:

    Prognosen sind schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen.

    Außerdem ist ein Prognostiker ein Mann, der in lichten Momenten düstere Ahnungen hat.
    😉

  4. aron2201sperber Says:

    „die westliche Besatzung seit 2001 hat bis jetzt rund 30.000 Opfer gefordert, ebenfalls ein immenser Rückgang.“

    lass uns nicht dieselben Fehler wie unsere Gegner machen und ideologische Zahlen verwenden.

    die korrekte Zahl liegt nicht bei 1.000.000 wie uns die Lancet-Studie weimachen wollte, aber wohl auch nicht bei 30.000

    knapp unter 100.000 ist wohl realistisch

    • arprin Says:

      die korrekte Zahl liegt nicht bei 1.000.000 wie uns die Lancet-Studie weimachen wollte

      Es ging dabei um Afghanistan, nicht um Irak. Die sowjetische Besatzung in den 1980ern forderte wahrscheinlich 1 Million Todesopfer:
      http://en.wikipedia.org/wiki/Soviet_war_in_Afghanistan#Destruction_in_Afghanistan

      Die westliche Besatzung in Afghanistan seit 2001 forderte rund 30.000 Tote.

      • aron2201sperber Says:

        ah, verstehe, sorry für mein schlampiges Lesen

        es hätte mich auch gewundert, wenn ausgerechnet hier einmal die Fakten nicht stimmen 😉

      • Thomas Holm Says:

        Und das ist auch nicht die ‚westliche Besatzung‘ die das fordert; die meisten ‚Kollateral’opfer produziert natürlich die Gegenseite* und wenn ein Afghanisches Kind eine Sprengfalle auslöst, dann ist das halt weniger dick eine Meldung, als wenn ein US-Soldat auf eine Mine tritt.

        Bzw. eine der Gegenseiten; da gibt es auch viele kreuz und quer Operierende.

      • arprin Says:

        Das ist mir bekannt. Die Taliban sind für drei Viertel aller zivilen Opfer verantwwortlich, wie UN-Statistiken ergeben haben.

  5. Thomas Holm Says:

    Was jetzt in Syrien auftaktet, ist der Keim zu einer Rückkehr in die Dimensionen des Iranisch-Irakischen Krieges; dieses mal: in der Konstellation Iran vs. Saudis – mit dem Irak aufseiten des Iran.

    Die Irakische Demokratie nimmt, ebenso wie das „Arabische Erwachen“ eine Wendung in die Syrische Konstellation. Der Westen mutiert mit der Reduzierung seiner Angreifbarkeit vor Ort zu einem umbuhlten Faktor für Hilfestellungen vonseiten, bzw. zugunsten der regionalen Konfliktakteure – gegeneinander.

    • arprin Says:

      Es ist keine Rückkehr zu alten Zeiten, die sunnitisch-schiitischen Machtkämpfe haben doch nie aufgehört.

      Und der Irak ist noch nicht zu 100% aufseiten des Iran. Sie haben angekündigt, iranische Flüge über den irakischen Luftraum auf Waffenlieferungen zu durchsuchen.

      • Thomas Holm Says:

        Danke für die Antwort ! Nur etwas in den Hintergrund geraten waren die Sunni-Shia Machtkämpfe; was aber medial etwas ausmacht. Wer heute 20 ist, hat 10 Jahre von ‚Neocons vs. Islam‘ gehört. Wer in 10 Jahren 20 ist, wird die 30-jährigen nicht verstehen; bzw, schärfer umgekehrt.

        Hoschjar Sebari sprach von Stichproben; wie gründlich die ausfallen sollen, wird wohl in Kurdisch-Iranische Händel Eingang finden.

      • Thomas Holm Says:

        Nachtrag noch: Sie haben völlig recht: Der Irak ist (noch) nicht zu 100% aufseiten des Iran. Vertrackter Föderalismus.

        Die Zentrale ist eisern im Griff Malikis, was ihm ja auch als ‚autoritär‘ angekreidet wird. Aber auch er kann auf radikalere Kräfte verweisen, die er so fernhalte, radikalere schiitische Kreise allerdings. Den Umgang mit seiner Kurdischen Autonomie muss Maliki mit Teheran abstimmen; oder: theoretisch (!) mit Ankara, aber mit der Türkei dürfte das Verhältnis wohl kaputt sein. In Istanbul, so melden Sunnni-Medien sollen sich sunnitische Iraker über eine Sezession unterhalten. Und sowas vor Erdogans AK-Parteitag; neben der Geschichte mit den Piloten …

        In der vertrackten Causa Damaskus ist Maliki (im Exil Polizist bei Pappa Assad) – möglicherweise sogar etwas unglücklich verheiratet – mit Teheran.

      • Thomas Holm Says:

        Transportinspektionen bei Iranfliegern:

        „While each aircraft is „subject to random inspections,“ Iraq could not inspect every airplane, a spokesman for Iraq’s Ministry of Transport said.“

        Sowas erzählt lässt man für die Salafisten-fürchtigen US-Christen heraus; den Herrn Morsi oder Erdogan schmiert man es dagegen nicht so aufs Butterbrot:

        http://www.cbn.com/cbnnews/insideisrael/2012/October/Iraq-We-cannot-inspect-all-aircraft/

  6. Thomas Holm Says:

    Extrem blutig waren inner-regionale Machtkämpfe und das Vorgehen der SU. Westliches Eingreifen führte nicht nur zu dem ‚jihadistischen Widerstand‘, der uns 10 Jahre lang medial vor Augen stand, sondern auch dazu, dass sich die regionalen Machtakteure in westlich legitimierten Institutionen etablierten.

    Hiervon profitierte der Iran im Irak und in Afghanistan, während sich Syrien und Libyen gegenüber George W. Bush noch mal gerade so wegducken konnten. Das ‚Arabische Erwachen‘ hat die Sunniten geschieden nach großen Spielplätzen (Libyen) und Armenhäusern (Ägypten) – und es hat sie auf den Schiitischen Machtbogen der Erben Khomeinis von Basra bis Beirut gestoßen.

    Laut Teheran soll der Weg weitergehen über Bahrain und den Jemen zu den Saudis; unter den blutigen Schlägen Assads werden die sunnitischen Islamisten darauf gestoßen, dass zwischen Damaskus und Teheran: Bagdad liegt und sie mit der Hisbollah einen Stachel im Fleisch haben.

  7. Thomas Holm Says:

    Assads Abwehrkrieg gegen – de facto – gegen die Sunniten, ist eine Belastung für Teheran im Werben um die Arabische Straße. Die Hilflosigkeit der Sunniten gegenüber den Ausschreitungen des Syrischen Regimes sind für die GCC-Monarchien aber auch eine Belastung. Wenn der Aufstand stecken bleibt werden sich die Sunnitischen Islamisten gegen ein leichteres Ziel wenden wollen: Jordanien, wo ein Umsturz ihnen eine breitere Aufmarschbasis gegen Israel bescheren würde, als der Iran sie im Libanon hat.

    Zudem dürften für einen Umsturz in Amman auch diskrete Hilfe vom Assadregime – mit Agenten aus der Masse der Flüchtlinge heraus – zu erwarten sein. Während Teheran den Konflikt unmittelbar in einen Krieg mit Israel umlenken würde und hierzu der Hamas einen würdigen Untergang zugedacht hat, müssen die Sunnitischen Islamisten zur Eröffnung eines Konfliktes mit Israel einen Umweg nehmen; und der geht über Jordanien.

    • arprin Says:

      Ich glaube nicht, dass die Sunniten sich so schnell nach Jordanien wenden und eine „Front gegen Israel“ errichten werden.

      Die IDF könnte sie bei einem Angriff locker aufhalten und die USA sind immer noch da.

      • Thomas Holm Says:

        „Die IDF könnte sie bei einem Angriff locker aufhalten“ Ja natürlich; nur dann würde die Welt für die Islamisten wieder stimmen. Jetzt ist sie kosmisch verhext. Für `Links-Sunniten‘ sind die Zustände in den Monarchien die größte Herausforderung, nach Ben Ali und Mubarak. Der Konflikt mit Assad ist für sie eine Katastrophe, die durch die Familien geht und die alles bei ihnen zu zerreißen droht.

        Ein militanter ‚Frühling‘ in Amman, zu denen man die syrischen Flüchtlinge einspannen könnte, würde endlich wieder eine politisch korrekte Frontstellung gegen die unangenehmen Salafisten und die Golfaraber ermöglichen.

        Sich gegen Israel später wenden zu können, wäre eine strategische Perspektive, die einem Aufruhr in Amman zusätzliche Stoßkraft verleihen würde.

        Wer das dann wie schnell machen würde, ist in der Tat nochmal eine andere Frage. Aber schon die Optik wäre eine ganz andere. Im Augenblick bekriegen Hisbollah und Alt-terrormarxistische Kader in den pal. Lagern in Syrien und im Libanon die islamistisch eingefärbte Jugend damit, dass sie alle von Al Kaida seien. PressTV zeigt bin Laden Bilder aus pal. Lagern; das ist schmerzlich.

  8. Thomas Holm Says:

    Aus Sicht des GCC bildet der Aufwuchs Jihadistischer Kräfte vor der Haustür eine Bedrohung. In deren Erfolgsfall wären sie als nächstes an der Reihe; und in deren Nicht-Erfolgsfall sofort – via Jordanien. Daher die Hektik um eine Arabische Eingreiftruppe, die aber nichts an der Hilflosigkeit ändert; nur Tunesien äußerte sich bisher zustimmend.

    Ein Pannenszenario – für das die Akteure stets gut sind, würde darin bestehen, dass salafistisch angehauchte Freiwillige auf dem Weg nach Syrien – in Jordanien in einen links-islamistisch inspirierten Aufstand gegen das Königshaus stolpern.

  9. Thomas Holm Says:

    Bibi’s terminliche Entkrampfung der Iranischen Angelegenheit war ein Schock für die (‚gemäßigten‘) Sunniten, die bereits über eine Ergänzung eines Israelischen Schlages durch die GCC-Luftwaffen mit dem Ziel eines Regime-changes in Teheran sinnierten.

    Die Rehabilitierung der MEK ist in diesen Kreisen bereits positiv in besagte Richtung gedeutet worden – und jetzt diese Enttäuschung aus New York, bzw. aus Israel.

    Ohne Intervention werde sich der Syrienkonflikt noch vier bis fünf Jahre hinziehen und mit Intervention werde alles explodieren – so die lokalen Insider in den Talkrunden. Eine Fortdauer des Konfliktes ist jedoch ohne dessen Ausweitung nicht vorstellbar.

    Aus dem Libanon und dem Irak rollen Ressourcen für beide Seiten nach Syrien, was in den beiden Ländern dortige Machtfragen aktualisiert und radikalisiert. Von den Hintermächten kann der Iran nicht den Sturz Assads dulden und die Saudis nicht ewig seine Ausschreitungen. Mangels befähigter, bzw. motivierter Ordnungsmacht ist ein Zusammenprall der beiden Lager unvermeidlich.

  10. Thomas Holm Says:

    Frau Clinton bat neulich die Iraker etwas aufzupassen, dass der demokratische Irak nicht seinen guten Ruf gefährden solle, durch die Hinnahme Iranischer Lufttransporte nach Syrien. Für solche Fälle hat Maliki einen Kurdischen Außenminister, der sofort verspricht, sich mal ‚drum zu kümmern. Die modernen Sachen für Assad werden eh einfacher über den demokratisch unverdächtigen Irak geshoppt. Niemand von außen kann einen dortigen Akteur daran hindern, etwas zu tun, was dieser als Staat halt so tun mag.

    Dauerausnahme: Die Iranische Bombe – und neu: Assads Chemiebaukasten. Syrien wird nie wieder von Damaskus aus regiert werden; die Frage ist: Mit einer um wie viel reduzierten Kontrolle über das syrische Gebiet können Teheran, Bagdad, Assad und die Hisbollah weiterleben ?

    Die Feststellung solcher Einbusse-Toleranz der schiitischen Machtachse-Akteure kostet sunnitisches Blut – und dessen Vergießen – belastet die Legitimität der GCC-Monarchien.

    Wir sprachen bisher noch nicht von: der Türkei, den Kurden, Pakistan, Russland …

  11. Thomas Holm Says:

    Der Westen ist pleite und unmotiviert. Konfrontiert mit der Aussicht auf einen Krieg mit dem Iran bekunden die klassischen Jihadisten, dass sie immerhin auf sehr raffinierte Art die USA aus dem Spiel gekickt hätten, nachdem sie zuvor die Sowjetunion besiegt haben wollen. Nun ja; jedem seine Einfalt.

    Nur gegen eine offene, plumpe Iranische Aggression würde der Westen einschreiten. Was nicht alles dagegen spricht: von Mali bis Aleppo machen die Salafisten das Sunnitentum unmöglich; bzw. treiben sie die gemäßigt-konservativen Sunniten in das Lager von Assad, Algier und Iran und mindern sie jedenfalls jede Neigung, Teheran als den Oberbösewicht zu sehen. Das ist er zwar; aber die Salafis vergraulen dermaßen plakativ die Optik, dass es bei weitem nicht so krass ‚rüberkommt, wie es ist.

  12. Nichtglauber Says:

    Ich finde, angesichts solcher Erfolgsmeldungen sollte die westliche Wertegemeinschaft den Westen Asiens nicht sich selbst überlassen. Und das Instrumentarium dieses Erfolges möchte ich auch zwingend i unserer Bundeswehr sehen
    http://droneswatch.org/2013/01/20/list-of-children-killed-by-drone-strikes-in-pakistan-and-yemen/

    • arprin Says:

      Es gab ja durchaus Erfolgsmeldungen, denn einige Dschihadisten sind jetzt mit ihren 72 Jungfrauen. Aber es könnte natürlich noch mehr getan werden, um zivile Opfer zu vermeiden.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: