Die „junge Welt“ am Abgrund

Die junge Welt zu DDR-Zeiten

Die junge Welt zu DDR-Zeiten

Die „junge Welt“ wendet sich heute in einem offenen Brief an ihre Leser:

das weitere Erscheinen der jungen Welt ist akut bedroht. … trotz Verzicht auf eine bescheidene Lohnanpassung in diesem Jahr fällt allein für den Zeitraum Januar bis September 2012 ein Verlust von über 100000 Euro an. Voraussichtlich wird dieser bis zum Jahresende auf etwa 140000 Euro anwachsen. Damit ist die Existenz der Zeitung gefährdet.

(…)

Unsere technische Arbeitsgrundlage ist veraltet. Wir arbeiten ohne technisches Redaktionssystem, der Onlineauftritt bedarf einer Neustrukturierung. Eine Umstellung würde auch eine Erneuerung der Hardware erfordern. Da wir aber alle verfügbaren Mittel, also auch Spenden und Genossenschaftseinlagen, vorrangig für die Aufrechterhaltung des Tagesbetriebes benötigen, stehen für diese und andere Schritte notwendige Investitionsmittel nicht zur Verfügung.

Mal wieder ein grandioses Beispiel dafür, wie gut Sozialisten mit Geld umgehen können. Nachdem schon das rote Kampfblatt „Il Manifesto“ in Italien dieses Jahr dichtmachen musste, da die Berlusconi-Regierung und deren Nachfolger die jährlichen 3 Millionen Euro Subventionen minimiert hatten, trifft es nun das stalinistische, aus DDR-Zeiten stammende Blatt. Die „junge Welt“ sieht sich selbst als eine marxistische Tageszeitung, strikt antikapitalistisch und antifaschistisch, die gegen Xenophobie und Antisemitismus kämpft und neoliberale Sozialpolitik ablehnt. Ihr Ziel ist die Errichtung einer sozialistischen Gesellschaft. Die historische Legitimität der DDR wird verteidigt.

Auch Antiimperialismus und Antizionismus gehören zu den Ansichten der Zeitung. Israel wird ausschließlich als kriegslüsterner, rassistischer Kolonialstaat dargestellt. Der Hamas-Chef Chaled Maschaal zählte zu den Gastautoren der Zeitung. Über den Antrag auf UN-Vollmitgliedschaft und die Ziele der PLO schrieb die junge Welt in einer orwellschen Verkehrung der Wahrheit: „Juden, die seit Jahrtausenden in Hebron leben, sind von den Palästinensern immer als Palästinenser (jüdischen Glaubens) angesehen worden. So ging die ursprüngliche PLO-Charta von der Zielvorstellung eines demokratischen Palästina aus, in dem Muslime, Juden und Christen in Frieden zusammenleben.“

Der sogenannte „irakische Widerstand“ wurde sogar mit Spenden unterstützt und ihre Berichterstattung über Terrororganisationen wie die Hamas, Hisbollah, PKK, ETA, FARC und anderen unterscheidet sich kaum von DDR-Zeiten, als die FDJ die Zeitung besaß. Vor einem Jahr wurde der Mauerbau mit der Überschrift „Wir sagen an dieser Stelle einfach mal: Danke“ gelobt und 9/11 als „bemannte fliegende Architekturkritik“ verharmlost. Die Zeitung  ist auch ein wichtiges Sprachrohr der Linkspartei, obwohl einige Politiker aus der Partei, darunter Gregor Gysi, sich kritisch über die Zeitung geäußert und einen Anzeigestopp gefordert hatten.

Ich sage an dieser Stelle einfach mal: Auf Wiedersehen!

10 Antworten to “Die „junge Welt“ am Abgrund”

  1. Paul Says:

    Lieber arprin, ich stimme Dir zu 99,9999% zu.
    Du kannst daraus 100% machen, wenn Du bereit bist das „Auf Wiedersehen“ in ein „Auf Nimmerwiedersehen“ umzuwandeln.
    Du musst Dich auch für diesen Schreibfehler nicht entschuldigen: „Kann jedem mal passieren“ 🙂 🙂 🙂

    • arprin Says:

      Danke für das Lob!

      Ich denke, dass durch den Artikel klar wird, dass die Aussage „Auf Wiedersehen!“ ein Abschied für immer bedeutet, also ist es eigentlich dasselbe wie die Aussage „Auf Nimmerwiedersehen!“.

  2. aron2201sperber Says:

    andere stellen sich bei der Sponsorensuche schlauer an:

    https://aron2201sperber.wordpress.com/2012/07/31/wer-bezahlt-compact/

    und werden das Vakuum leider mit noch schlimmerem und gefährlicherem Blödsinn ausfüllen.

  3. American Viewer Says:

    Eine sehr schöne Nachricht.

    Beim „Auf Wiedersehen!“ stimme ich Paul zu.

    Aber vielleicht passt es ja auch. Der Marxismus ist kaum totzukriegen. Notfalls kommt wieder der Augstein daher und übernimmt die Zeitung.

  4. besucher Says:

    Ich sag nur ein Wort: Vielen Dank! (Horst Hrubesch)

    Danke! und ab in den Orkus, Alte Welt…

  5. Gutartiges Geschwulst Says:

    Gute Nachrichten sollten gefeiert werden:

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