Chavez: „Nach mir die Sintflut“

Chavez plant den Sozialismus des 21. Jahrhunderts

Falls er die Wahl verliert, erwartet Hugo Chavez folgendes für Venezuela:

Bei einer eventuellen Niederlage würde das Land in eine Phase der Destabilisierung abdriften. Die Bourgeoisie wird versuchen, unser Gesundheitsprogramm und die Bildungs-und Sozialprogramme für die Armen zu streichen. Dies würde zu einem Bürgerkrieg führen, denn die Menschen würden aufbegehren. Niemand würde mit verschränkten Armen zusehen, wie die wichtigsten Errungenschaften meiner Regierung beseitigt würden.

Trotzdem demonstrierten in der Hauptstadt Hunderttausende gegen Chavez und trotzdem ist Antonio Ledezma, der Bürgermeister von Caracas überzeugt, dass Henrique Capriles mit 1 Million Stimmen Vorsprung gewinnen wird. Auch die Ermordung von Oppositionspolitikern oder die Beschimpfung des Konkurrenten Capriles können nichts daran ändern. Vielleicht wissen die Venezolaner einfach, was Chavez aus ihrem Land gemacht hat. Die Sintflut ist schon da, den meisten Venezolanern dürfte es schwerfallen zu glauben, dass es schlimmer kommen kann.

Das Wahlsystem gilt als zuverlässig und transparent. Insgesamt werden 3.435 nationale und 245 internationale Wahlbeobachter den Abstimmungsprozess überwachen. Eine Abordnung der Union Südamerikanischer Nationen (UNASUR) hat die einwandfreie Funktion der 39.600 elektronischen Wahlmaschinen bestätigt, Wahlbetrug ist also unwahrscheinlich. Außerdem sorgen 139.000 Soldaten vor und innerhalb der Wahllokale für die Sicherheit der Wähler, Einschüchterungen sollen so verhindert werden. Im Klartext: Es gibt keine Ausreden.

Die meisten Meinungsforschungsinstitute sehen tatsächlich einen Sieg Chavez voraus. Im Juli ergab eine Umfrage, dass Chavez mit 17 Prozentpunkte vor Capriles führt. Capriles lässt das kalt: “Die immer schneller aus dem Boden schießenden Wahlprognosen interessieren mich nicht im geringsten. Ich reise durch das Land und sehe mit eigenen Augen, was die Bevölkerung will. Die angeblichen Ergebnisse zahlreicher Meinungsforscher sind unglaubwürdig und werden von der Regierung bezahlt. Das ist nichts Neues und allgemein bekannt.”

Dass der Sozialismus des 21. Jahrhunderts schon nach 12 Jahren endet, wäre für Venezuela eine unendlich gute Nachricht, die endlich wieder Telenovelas statt Chavez‘ Agitpropsendung „Alo Presidente“ im Fernsehen sehen könnten, und ein deutliches Signal an alle sozialistischen Romantiker im Westen. Außerdem wäre es ein herber Rückschlag für die „sozialistische Achse“ in Lateinamerika. Kuba kann sich nur dank Milliardenzahlungen aus Venezuela noch am Leben erhalten. Capriles hat angekündigt, das politische System Kubas nicht mit den Ressourcen seines Landes finanzieren zu wollen. Es könnte also mehr als nur einen Wahlverlierer geben.

11 Antworten to “Chavez: „Nach mir die Sintflut“”

  1. aron2201sperber Says:

    kleiner Fehler:

    „und trotzdem ist Antonio Ledezma, der Bürgermeister von Caracas überzeugt, dass Chavez mit 1 Million Stimmen Vorsprung gewinnen wird.“

    müsste wohl Caprilles heißen

  2. American Viewer Says:

    Das Wahlsystem gilt als zuverlässig und transparent. Insgesamt werden 3.435 nationale und 245 internationale Wahlbeobachter den Abstimmungsprozess überwachen. Eine Abordnung der Union Südamerikanischer Nationen (UNASUR) hat die einwandfreie Funktion der 39.600 elektronischen Wahlmaschinen bestätigt, Wahlbetrug ist also unwahrscheinlich. Außerdem sorgen 139.000 Soldaten vor und innerhalb der Wahllokale für die Sicherheit der Wähler, Einschüchterungen sollen so verhindert werden. Im Klartext: Es gibt keine Ausreden.

    Ich weiß zum Teil nicht, wann etwas ironisch gemeint ist und wann nicht. Aber das hört sich jetzt schon sehr ironisch an.

    • arprin Says:

      Wenn du andere Quellen hast, kannst du sie ja nennen.

      Es wäre schon ziemlich dumm, wenn die Chavez-Gegner von Wahlfälschungen ausgehen, während sie in ihren Verlautbarungen gleichzeitig vom fairen Ablauf überzeugt sind.

      Es gibt allerdings einige, die sind genauso skeptisch wie du: http://latina-press.com/news/136364-live-aus-caracas-venezuela-waehlt-seinen-praesidenten

      „Jorge Mario Pedro Vargas Llosa, peruanisch-spanischer Schriftsteller und Träger des Nobelpreise für Literatur (2010), hat sich aus Spanien zu Wort gemeldet. Nach seiner Meinung besteht eine hohe Gefahr, dass der amtierende Präsident Hugo Chávez das Wahlergebnis zu seinen Gunsten fälschen wird. Llosa geht davon aus, dass Capriles die Wahlen gewinnen wird und bezeichnete den 40-jährigen Herausforderer von Chávez als potenziellen Nachfolger. “Das Problem von Capriles ist natürlich, dass, wenn sein Sieg mit einer geringen Marge ausfällt, die Chancen der regierenden Partei auf Manipulation des Ergebnisses sehr hoch sind. Capriles wird allerdings früher oder später eh Präsident von Venezuela”, so Llosa in einem Interview mit “El Pais”.“

      Wir werden es morgen erfahren.

      • American Viewer Says:

        Die zitierte Stelle kam mir ironisch vor. Das war meine Meinung.

        Aber scheinbar meinst du die Sätze ernst. Ohne Ironie. Dann ist das ein Zeichen dafür wie unkritisch du bist.

        Mal wieder. 😀

      • arprin Says:

        Aber scheinbar meinst du die Sätze ernst. Ohne Ironie. Dann ist das ein Zeichen dafür wie unkritisch du bist.

        Mal wieder. 😀

        Lol.

  3. American Viewer Says:

    Ist doch so. Die nationalen „Wahlbeobachter“ gehen in die Tausend, ausländische Beobachter gibt es dagegen kaum. Die Soldaten von Chavez sorgen dafür, dass sich jeder „sicher“ fühlt. Und wenn alles schief geht, zählen die elektronischen Wahlmaschinen von Chavez noch einmal „richtig“ nach.

    Das wäre die kritische Version gewesen.

    • arprin Says:

      Das Lachen galt dem „Mal wieder. :-D“. Das fand ich lustig.

      Die Opposition war völlig selbstbewusst, sie hatten im Vorfeld keine Beschwerden geäußert. In jeder Wahl gibt es mehr nationale Wahlbeobachter, dass es überhaupt internationale gab, ist ein Zeichen für Transparenz. Keinem ist was aufgefallen und die Wahlmaschinen wurden zuvor im Ausland getestet.

      Es wäre unehrlich von der Opposition, zuerst einen einwandfreien Wahlprozess zu bestätigen und dann bei einem Ergebnis, was ihnen nicht gefällt, Wahlbetrug zu vermuten. Das tun sie auch nicht. Es mag schwer zu glauben sein, aber die Venezolaner haben ihren Metzger selbst gewählt.

  4. besucher Says:

    Der leidensdruck scheint in Venezuela noch nicht hoch genug zu sein. Das Votum war ziemlich eindeutig, auch die Opposition hat es anerkannt.

    • arprin Says:

      Ja, die Venezolaner haben eindeutig ihren Hugo das Vertrauen geschenkt. Traurig, traurig.

      • besucher Says:

        Aber er wird wohl nicht machen können was er will. 45% für Capriles sind doch recht ordentlich. Und ob Großfresse Hugo die nächsten sechs Jahre gesundheitlich durchhält steht noch in den Sternen. Und Capriles ist gerade mal 40.

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