Zum Friedensnobelpreis

Obama mit dem Friedensnobelpreis, 2009

Die Nobelpreis-Jury ist in seiner Geschichte schon durch die ein oder andere fragwürdige Entscheidung aufgefallen. Erst letztes Jahr ist mit Tawakkul Karman zum ersten Mal eine arabische Frau ausgezeichnet worden, die jedoch im jemenitischen Zweig der Muslimbrüder aktiv ist. Nicht zu vergessen Arafat und Le Duc Tho. Dagegen ist sogar die Auszeichnung von Obama oder der Bambi für Bushido recht harmlos. Was ist von der jüngsten Entscheidung zu halten, die EU auszuzeichnen, mal abgesehen von der Feststellung, dass das Preisgeld wohl nicht unter allen EU-Bürgern verteilt wird?

1. Der Preis sollte eigentlich an Personen und nicht an Institutionen verliehen werden. Für Organisationen, die direkt dem Frieden dienten, wie dem Roten Kreuz, dem UN-Flüchtlingskommissariat, dem UN-Kinderhilfswerk oder der Internationalen Kampagne für das Verbot von Landminen wurden Ausnahmen gemacht. Die Auszeichnungen für die Internationale Organisation für Arbeit (1965) und dem Weltklimarat (2007) dienten jedoch nicht direkt dem Frieden dienten, was die Entscheidungen eher unverständlich macht.

2. Der Zeitpunkt ist nicht gut gewählt. In Griechenland werden momentan so oft Nazi-Flaggen verbrannt wie es in Pakistan mit US-Flaggen der Fall ist. Die Eurozone steckt in einer schweren Krise, und man kann die EU nun mal nicht von der Gemeinschaftswährung getrennt betrachten. Um es mal so zu formulieren: Die EZB dürfte wohl kaum unter den Favoriten für den Wirtschaftsnobelpreis sein.

3. Hat die EU überhaupt zum Frieden beigetragen? Man kann vielleicht sagen, dass die NATO zum Frieden in Europa beigetragen hat, da sie die Armeen der europäischen Staaten in einem Bündnis zusammenschloss. Und es war auch die NATO, die in Kosovo, Afghanistan und Libyen interveniert hat. Aber die EU hat nicht wirklich für mehr Frieden gesorgt. Als 1993 die Maastrichter Verträge beschlossen wurden, gab es in den Mitgliedsstaaten der Union schon lange keine Kriegsgefahr mehr.

Nicht nur das, die EU nicht für mehr Frieden in Europa gesorgt hat- wie es momentan aussieht, hat sie auch nicht für mehr Demokratie und Gemeinschaftsgefühl gesorgt. Der ESM ist eine Finanzdiktatur, und anstatt Europäer zu sein liebäugeln einige Regionen wie Schottland, Katalonien, Baskenland und Flandern so stark wie seit Jahren nicht mehr mit Sezession. Die Auszeichnung für die EU ist also kaum zu rechtfertigen. Dabei gab es im letzten Jahr viele Bürgerrechtler, die sich aktiv für den Frieden eingesetzt haben und die den Preis wirklich verdient hätten.

18 Antworten to “Zum Friedensnobelpreis”

  1. American Viewer Says:

    Die EZB dürfte wohl kaum unter den Favoriten für den Wirtschaftsnobelpreis sein.

    Die EZB und Draghi machen was sie können. Die europäischen Politiker macht die Fehler. Vorne dran Frau Merkel.

    Um es mal anschaulich zu machen: Im Vergleich zu einem Merkel-Nobelpreis wäre selbst der Krugman-Nobelpreis verdienter.

  2. Thomas Holm Says:

    Ein FNP-Zuerkannter mit erwähnenswertem Charakter war Ho Tschi Minhs:

    http://de.wikipedia.org/wiki/L%C3%AA_%C4%90%E1%BB%A9c_Th%E1%BB%8D (Lê Đức Thọ)

    „Im selben Jahr wurde ihm und Henry Kissinger der Friedensnobelpreis verliehen. Lê Đức Thọ lehnte die Annahme des Preises jedoch mit der Begründung ab, dass in seinem Land noch immer kein Frieden herrsche.“

    Er kannte die Offensivpläne der Nordvietnamesischen Panzerdivisonen und ein Rest von Selbstachtung ließ ihn den FNP verschmähen; allerdings natürlich nur mit einer zeitgemäß unkoscher-verlogenen Begründung.

  3. American Viewer Says:

    Ich sehe den Nobelpreis als gutes Omen. Das aktuelle Brüsseler System braucht augenscheinlich immer massivere Propaganda, um sich am Leben zu erhalten. Das ist Punkt eins.

    Punkt zwei: Viele Friedensnobelpreise gingen ja furchtbar daneben. Das ist so eine Art Fluch. Kaum war der Preis vergeben, ging es mit so einigen der ausgezeichneten Personen und Institutionen abwärts. Und wenn eine Befriedigung ausgezeichnet wurde, war es oft der Anfang der Trennung.

  4. Fred Says:

    Ich glaube man muss unterscheiden. Die Idee eines europäischen Staatenbundes der die Freiheit von Menschen zwischen den Staaten gewährt und zu einer besseren Zusammenarbeit zwischen den Staaten führt ist richtig und verdient auch einen Friedensnobelpreis.

    Die konkrete Umsetzung und die Bestrebung zu einem europäischen Zentralstaat ist allerdings falsch. Man sollte allerdings nicht die Idee komplett verurteilen.

    • arprin Says:

      Natürlich ist die Idee an sich gut. Wie Kant schon ausdrückte, können internationale Staatenbunde zum Frieden beitragen. Doch die Nobelpreisjury hat ja nicht die Idee, sondern die konkrete Umsetzung ausgezeichnet.

  5. Thomas Holm Says:

    Der geographisch zur EU nächstgelegene Staatenbund von vergleichbarer Größe ist die:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Arabische_Liga

    Obzwar diese: ethnopolitisch-identitär klarer konturiert ist und sich in ethischen Fragen sogar auf die aktuellsten* Sakral-Verschriftlichungen bezieht, könnte man doch spontan dazu neigen, die EU etwas besser wegkommen zu lassen.

    *Mormonen und Ahmadiyya mal außen vor gelassen

    Allerdings wäre die Stiftung eines Preises für das Dümmste Glückskind der modernen Wirtschaftsgeschichte für die Arabische Liga zu erwägen.

  6. Thomas Holm Says:

    „anstatt Europäer zu sein liebäugeln einige Regionen wie Schottland, Katalonien, Baskenland und Flandern so stark wie seit Jahren nicht mehr mit Sezession“

    Mit „Sezession“ aus der EU ? Ich will nicht ausschließen, dass ich etwas verpasst haben könnte, aber als angespannt im weitesten Sinne kenne ich das Verhältnis der Regionen – bisher nur zu ihren Nationalstaaten. Als „Region“ kann man sich unter Umgehung einer ungeliebten Hauptstadt direkt an Brüssel wenden, was alles nicht gerade billig ist; aber friedensmäßig half es aber doch wohl – grosso modo – über die Runden zu kommen.

    Mein Stand ist noch: Die Regionen wollen nicht aus der EU ‚raus, sondern: einen möglichst unmittelbaren Zugang zur EU Zentrale.

  7. arprin Says:

    After Ironically Winning the Nobel Peace Prize, EU Delegation Seeks to Do Business With Iran…
    http://www.policymic.com/articles/16467/after-ironically-winning-the-nobel-peace-prize-eu-delegation-seeks-to-do-business-with-iran%3E

    • besucher Says:

      Tja, Wandel durch Anbiederung (wie es jemand in Uwe Tellkamps Roman „Der Turm“ ausdrückte)

      Mich würde interessieren ob die Todesraten im Iran (von 1979 bis jetzt) per annum und auf die Einwohner gerechnet) an die Stalinzeit in der SU (hätte fast EU geschrieben, ups 😉 ) herankommen.

      • arprin Says:

        Wohl kaum, Stalins Opferzahlen lagen im achtstelligen Bereich. Die Mullahs sind da 2-3 Stellen im Verzug.

        btw: Sarkozy legt jetzt nochmal nach

        „Wenn Deutschland und Frankreich sich nicht annähern, werden sie sich bekämpfen“: Mit deutlichen Worten hat der französische Ex-Präsident Nicolas Sarkozy vor einem Untergang der EU gewarnt. In diesem Fall werde es einen Krieg geben.
        http://www.tagesspiegel.de/politik/drastische-warnung-sarkozy-wenn-die-europaeische-union-zerbricht-droht-ein-krieg/7246106.html

      • besucher Says:

        Interessant: Ist das eine Warnung oder eine Drohung?
        Die gleiche Frage könnte man Mazyek stellen als vor Straßenkämpfen wegen des Mohammedfilms gewarnt hat.

        Ich weiß nicht Recht was ich von Frankreich halten soll. Ich weiß nur dass sie im 19. und 20. Jh. immer eher gegen Deutschland agitiert haben und deswegen erst vom UK zu Bismarcks Zeiten (1860-1871) und später von den USA an die Kandarre genommen worden sind.

        Es wäre interessant zu erfahren ob die französischen Eliten immer noch Großmachtträume hegen.

      • Olaf Says:

        Die Franzosen und Deutschen werden keinen Krieg gegeneinander führen, auch wenn Sarkozy das wünscht, die Zeiten sind vorbei.
        Übrigens vor dem Euro 2001 gab es auch keinen Krieg in Europa, auch wenn die Politclowns das ständig behaupten.

  8. Thomas Holm Says:

    http://www.tagesspiegel.de/politik/drastische-warnung-sarkozy-wenn-die-europaeische-union-zerbricht-droht-ein-krieg/7246106.html

    Sarko sagt, wie es ist; vorher musste das immer Helmut Kohl machen.

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