Die Motive des Terrors

Patty Hearst wurde vom Entführungsopfer zur Terroristin

Im Jahr 1974 sorgte in den USA ein spektakulärer Entführungsfall für Aufruhr. Die aus einer wohlhabenden Familie stammende 19-jährige Patty Hearst wurde von der linksextremen Terrororganisation „Symbionese Liberation Army“ entführt, schloss sich dann in einem extrem Fall vom Stockholm-Syndrom den Terroristen an, legte sich den Kampfnamen „Tania“ (nach einer Gefährtin von Che Guevara) an und nahm an einigen Banküberfällen teil. Später wurde sie festgenommen und gab an, unter LSD gesetzt und missbraucht worden zu sein.

Die Geschichte von Patty Hearst erinnert an den Lebensweg von Tanja Nijmeijer. Sie studierte an der Universität von Groningen Romanistik, war dort in linken Studentengruppen aktiv und ging später nach Kolumbien, wo sie sich den FARC-Terroristen anschloss. Zwischenzeitlich verlor sie aber die Lust am Terror und beklagte sich in öffentlich gewordenen Tagebucheinträgen über das Machogehabe bei ihren Kollegen. Nun soll sie als Vermittlerin zwischen der Regierung und den Guerilleros behilflich sein.

In beiden Fällen schloss sich eine aus wohlhabenden Kreisen stammende Frau Terroristen an, und bei beiden Fällen stellt sich die Frage: Warum haben sie das getan? Der Feuerbringer hat sich mit der Ideologie der RAF-Terroristen, von denen zwei Drittel Universitätsabschlüsse hatten, auseinandergesetzt, und kommt zu dem Schluss:

Im Grunde ist das alles nur Gerede. Die RAF hat willkürlich linke “Theorien” und linke Begriffe zusammengewürfelt, um ihren irrationalen Spaß am Töten und an der Machtausübung “rational” zu begründen für die Idioten, die auf so etwas hereinfallen. So ähnlich war es auch im Falle Anders Breivik.

Zu ähnlichen Schlüssen gelangte auch der Anthropologe Scott Atran, der sich mit der Motivation von Selbstmordterroristen beschäftigte und seine Forschungsergebnisse in einer Aussage vor einem Unterausschuss des US-Senats so zusammenfasste:

Betrachtet man junge Menschen wie die, die heranwuchsen, um 2004 die Züge in Madrid in die Luft zu sprengen, die 2005 das Massaker in der Londoner U-Bahn verübten … und die weite Reisen unternahmen, um bei der Tötung Ungläubiger im Irak, Afghanistan, in Pakistan, im Jemen oder in Somalia zu sterben; wenn man sich ansieht, wer ihre Idole sind, wie sie sich organisieren, was sie zusammenhält und was sie antreibt; dann erkennt man, dass die Triebkraft für die glücklichsten Terroristen in der Welt heute weniger der Koran oder religiöse Lehren sind als vielmehr ein spannendes Anliegen und eine Handlungsaufforderung, die Ruhm und Ansehen in den Augen von Freunden verspricht und über diese Freunde auch ewigen Respekt und Erinnerung in der größten Welt, in der sie nie mehr leben und sich freuen werden … Dschihad ist ein Arbeitgeber, der die Gleichberechtigung beachtet: … brüderlich, unasketisch, spannend, ruhmreich und cool.

(zitiert von Steven Pinker, „Gewalt„, S. 531-532)

Diese Beobachtungen zeigen, dass die ideologische Komponente des Terrorismus wohl in einigen Fällen überschätzt wird. Manchmal ist das alles nur Gerede. Es geht den Terroristen vielfach nur darum, ihren Spaß am Töten auszuleben, eine Gruppe zu finden, die sie aufnimmt, oder ihren Namen in die Geschichtsbücher einzutragen, wie Herostratos im alten Griechenland.

Dies mag einzelne Morde erklären, aber es erklärt nicht, wieso in der Geschichte Millionen Menschen systematisch umgebracht worden sind. Hierfür gibt es nur eine Erklärung. Solschenizyn fasste es in seinem Buch „Archipel Gulag“ so zusammen: „Phantasie und Geistesstärke von Shakespeares Bösewichtern reichten nur bis zu einigen Dutzend Leichen. Weil sie keine Ideologie hatten.“

9 Antworten to “Die Motive des Terrors”

  1. Olaf Says:

    Patty Hearst ist nach ihrem Abenteuer aber schon lange wieder in den Hamptons am Sekt schlürfen.
    Ihre Mittäter, die nicht aus reichen Familien stammten, sitzen noch im Knast.

  2. aron2201sperber Says:

    Terroristen sind meistens Romantiker, die vom großen Abenteuer träumen.

    dass ihre Abenteuer viel Leid verursachen, muss mit Welterlösungs-Theorien gerechtfertigt werden.

    sobald sie wie Stalin an die Macht kommen, sind sie die ersten die alle romantischen Träumer gnadenlos verfolgen lassen.

    oft enden die edlen Revolutionäre jedoch einfach als banale kleine Killer:

    http://aron2201sperber.wordpress.com/2012/09/21/carlos-deutsche-feierabendterroristen/

  3. Besucher Says:

    Gemäß des öfters schon erwähnten ankereffekts lassen die Sprengstoffdschihadisten die schreibtischislamisten moderater aussehen. So können die etwas ungestörter weitermachen.

  4. American Viewer Says:

    Patty Hearst sehe ich nicht als gutes Beispiel. Sie wurde entführt. Dadurch erklärt sich auch ihre milde Strafe.

  5. Gutartiges Geschwulst Says:

    Kann es sein, dass all diese Analysen zu weit gehen?
    Was ist anderes passiert, als dass eine junge Frau von jungen Männern entführt wurde, mit diesen auf engem Raum lebte und dem Zwang der Natur folgte – sich verliebte?
    Das wäre die eine Erklärung.

    Die zweite Erklärung ist nicht ganz so romantisch:
    Verwöhnte Wohlstandsgören wollen ALLES haben, wozu selbstverständlich auch ein Status gehört, der sich etwas erotischer ausnimmt, als der einer frisch gepamperten Raupe; am Besten irgendwas Soziales.
    Hilfloses Opfer und Täterin gleichzeitig sein zu können, ist natürlich der absolute Hauptgewinn, in diesem ekelerregenden Spiel. Unschuldig blinzelnde Kuhaugen auf Lebenszeit.
    Die Wärmflasche eines Revolutionärs gewesen zu sein, ersetzt beinahe das erste Facelifting.

    • arprin Says:

      Terroristen versuchen ihre Taten immer ideologisch zu rechtfertigen. Sie brauchen eine „Ausrede“ für ihre Taten. Dann gibt es viele nützliche Idioten, die sich mit diesen Rechtfertigungen auseinandersetzen und meinen „Also, eigentlich hat er Recht.“

      Doch Fälle wie Patyy Hearst zeigen, dass es manchmal ganz unpolitische Motive wie Abenteuerlust oder was auch immer sind, die eine Person dazu treiben, ein Terrorist zu werden.

  6. Thomas Holm Says:

    This ad shows the connection between Barrack Obama and a Domestic Terrorist who bombed the Pentagon and the Capital and is still proud of it.

    Ist schon ein paar Jährchen her und kaum mehr bekannt.

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