Das Beste vom Kommunismus

In den kommunistischen Ländern war nicht alles schlecht. Es gab etwas, in dem man sich mit dem Westen messen konnte: Der Humor. Ben Lewis’ Buch “Das komische Manifest” ist eine Zusammenstellung der besten Witze über den Kommunismus.

Lewis ist überzeugt davon, dass der Kommunismus das „komischste politische System“ war. Die von ARTE ausgestrahlte Fernsehdokumentation „Totgelacht! Eine Geschichte des Kommunismus“, die 2007 zum ersten Mal ausgestrahlt wurde, gibt ebenfalls einen Einblick in den komischen Kommunismus.

Ein Witz beschäftigt sich z.B. mit den „sieben Wundern des Kommunismus“: 1. Unter dem Kommunismus gibt es keine Arbeitslosigkeit, 2. Obwohl es keine Arbeitslosigkeit gibt, hat nur die Hälfte der Bevölkerung Arbeit, 3. Obwohl nur die Hälfte der Bevölkerung Arbeit hat, werden die Fünfjahrespläne immer erfüllt, 4. Obwohl die Fünfjahrespläne immer erfüllt werden, gibt es nie etwas zu kaufen, 5. Obwohl es nie etwas zu kaufen gibt, ist jeder glücklich und zufrieden, 6. Obwohl jeder glücklich und zufrieden ist, gibt es ständig Demonstrationen, 7. Obwohl es ständig Demonstrationen gibt, wird die Regierung immer mit 99,9 Prozent der Stimmen wieder gewählt.

Die Humoristen machten sich auch Gedanken, was mit ihren Führern passiert, wenn sie tot sind: Stalin stirbt und weiß nicht recht, ob er in den Himmel oder in die Hölle will. Er bittet um einen Rundgang. Im Himmel sieht er Menschen, die im stillen Gebet oder in der Meditation vertieft sind. In der Hölle essen, trinken, tanzen und vergnügen sie sich. Stalin entscheidet sich für die Hölle. Man führt ihn durch mehrere Labyrinthe in einen Bereich mit kochenden Kesseln. Mehrere Teufel packen ihn beim Schlafittchen. Stalin beklagt sich, man habe ihm auf seinem Rundgang doch Leute gezeigt, die sich amüsiert hätten. „Ach was“, erwidert der Teufel, „das war doch nur Propaganda.“

Eine andere Version dieses Witzes geht so, dass sich ein Parteifunktionär nach seinem Tod entscheiden soll, ob er in der kommunistischen oder in der kapitalistischen Hölle wandern soll. Er entscheidet sich für die kommunistische, weil er davon ausgeht, dass die Folterinstrumente mit der Zeit knapp werden. Über den Totenkult machte sich folgender Witz lustig: Ein Museumsgast geht an Lenins Grab vorbei. Ein Wärter sagt ihm: “Lenin ist tot, aber seine Ideen werden auf ewig weiterleben.” Der Gast erwidert genervt: “Warum kann es nicht anders herum sein?”

Man machte sogar Witze über den Gulag. Einer ging so: In Sibirien sitzen drei Gefangene beieinander. Sie sprechen über die Gründe für ihre Deportation. „Ich bin hier, weil ich immer fünf Minuten zu spät in die Fabrik gekommen bin. Man hat mir Sabotage vorgeworfen“, sagt der erste. „Das ist ja merkwürdig“, sagt der zweite. „Ich bin hier, weil ich immer fünf Minuten zu früh dagewesen bin. Sie haben mich wegen Spionage verurteilt.“ „Ach ja?“ fragt der dritte überrascht. „Ich bin hier, weil ich jeden Tag pünktlich war. Da haben sie herausgefunden, dass ich eine Uhr aus dem Westen hatte.“

Während des Prager Frühlings kursierte folgender Witz: Welches ist das neutralste Land der Welt? Die Tschechoslowakei. Sie mischen sich nicht mal in ihre eigenen inneren Angelegenheiten an. Auch über russische Auswanderer riss man Witze. Eine amerikanische Emigrationsbeamte fragt einen russischen Auswanderer: „Sagen Sie mir, wie ist die politische Situation in ihrem Land?“ „Ich kann mich nicht beklagen“ antwortet er. „Und wie ist die Menschenrechtssituation in Ihrem Land?“ „Ich kann mich nicht beklagen.“ „Und wie steht es mit der wirtschaftlichen Situation?“ „Ich kann mich nicht beklagen.“ „Aber warum wollen Sie die Sowjetunion überhaupt verlassen?“ „Ich kann mich nicht beklagen!“

Man machte sich auch über den Umgang der Partei mit dem Humor lustig: Was ist der Unterschied zwischen Roosevelt und Stalin? Roosevelt sammelt die Witze, die man über ihn erzählt, und Stalin sammelt die Leute, die Witze über ihn erzählen. Ein Richter kriegt sich ein nicht vor Lachen. Ein anderer Witz handelt von einem Richter, der sich nicht vor Lachen einkriegen kann. Ein Gerichtsdiener kommt und fragt ihn, worüber er denn so lache. Der Richter sagt: “Ich kann’s dir nicht erzählen.” Der Diener sagt: “Bitte, erzählen sie es mir!” Da sagt ihm der Richter: “Ich kann ihn dir nicht erzählen, ich habe dafür gerade jemanden für 25 Jahre ins Gefängnis geschickt!”

Über jeden einzelnen Aspekt des politischen Systems gab es Witze, die man sich natürlich nur im Geheimen erzählen konnte. Zum Abschluss noch mal der Witz, der im Trailer des Buchs vorkommt: „Es war einmal in einem weit entfernten Land, ein Volk, das lebte unter einem politischen System, das mittlerweile im Dunst der Vergangenheit entschwunden ist. Es nannte sich Kommunismus. Die Kommunisten sagten, unter dem Kommunismus werde es von allem mehr geben, und sie hatten Recht. Die Parteitage waren größer, die Schlangen vor den Geschäften waren länger, es gab zehnmal so viele Geheimpolizisten, und statt einem Deutschland gab es zwei.“

11 Antworten to “Das Beste vom Kommunismus”

  1. Hans Says:

    Tja, vielleicht war das für Unzählige die einzige Möglichkeit ihr Leid und ihr Schmerz erträglicher zu machen. „Das Leben ist schön“ handelt ja auch von dieser kreativen Art des Überlebens.

    Ein anderer Ansatz hat mal der heilige Philipp Neri, der Patron der Komiker, gebracht: „Verachte, dass man dich verachtet.“

    • arprin Says:

      Die Witze haben die, die in diesem System leben mussten, sicher zusammengeschweißt und aufgemuntert.

      Aber Lewis‘ These, dass die Witze zum Untergang des Kommunismus beigetragen haben, ist doch weit hergeholt und wird von den meisten Historikern nicht geteilt.

  2. arprin Says:

    Es gibt noch 2 weitere Bücher zum Thema:

    Proletarier aller Länder, entschuldigt mich. Das Ende des Ostblockwitzes

    und

    Radio Eriwan antwortet

    Darunter der Klassiker:

    Frage an Radio Eriwan: „Ist es wahr, das der Kosmonaut Juri Gagarin eine Reise in die USA gewonnen hat?“
    Antwort: „Im Prinzip ja, aber es war nicht der Kosmonaut Juri Gagarin, sonder ein Rentner, und er hieß nicht Juri, sondern Oleg, und auch nicht Gagarin, sondern Gaganoff und es war nicht in die USA sondern in Kiew und er hat keine Reise gewonnen, sondern ein Fahrrad und er hat es auch nicht gewonnen, sondern es wurde ihm gestohlen!“

  3. besucher Says:

    Ich kenne es eher so dass es in der kommunistischen Hölle eiskalt ist weil das Brennmaterial ständig ausgeht.

    Einer noch:
    Was passiert wenn die Sahara sozialistisch wird?
    Zehn Jahre lang nichts, aber dann wird der Sand knapp 😉

  4. Paul Says:

    Na, dann noch der:

    Anfrage an den Sender Eriwan: „Wo steht der Kapitalismus?“
    Antwort: „Vor dem Abgrund.“
    Zusatzfrage: „Warum versuchen wir dann ihn zu überholen?“

    Aus der selben Tüte:
    Ein Sowjetbürger kommt von einer Dienstreise aus den USA zurück.
    Zu hause wird er gfragt, ob denn stimme, dass der Kapitalismus stirbt?
    Er antwortet: „Ja, das stimmt. Aber es ist ein schöner Tod.“

  5. Nichtglauber Says:

    Ich mag diesen allgemeingültigen Witz sehr gern:

    Was ist der Unterschied zwischen Kapitalismus und Sozialismus?

    Im Kapitalismus gibt es die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen. Im Sozialismus ist es genau umgekehrt.

    • arprin Says:

      “Die wahren Herrscher im kapitalistischen System der Marktwirtschaft sind die Verbraucher. Sie entscheiden- indem sie kaufen oder von einem Kauf absehen- wer das Kapital besitzen und wer die Fabriken leiten soll. Sie legen fest, was und in welcher Menge und Qualität produziert werden soll. Ihre Ansichten bestimmen Gewinn oder Verlust des Unternehmers. Sie machen Reiche arm und Arme reich … Aufgrund des Gewinnmotivs ist der Unternehmer gezwungen, die Verbraucher mit den Gütern zu versorgen, die sie am dringendsten benötigen.”

      “Das kapitalistische Produktionssystem ist eine wirtschaftliche Demokratie, in der jeder Pfennig das Recht hat, eine Stimme abzugeben. Die Verbraucher sind das souveräne Volk. Kapitalisten, Unternehmer und Landwirte sind die Bevollmächtigten der Bürger. Wenn sie nicht Folge leisten, wenn sie es nicht schaffen, zu den niedrigst möglichen Kosten das herzustellen, was der Verbraucher nachfragt, verlieren sie ihr Amt. Ihre Aufgabe ist es, dem Verbraucher zu dienen. Gewinn und Verlust sind die Werkzeuge, mittels derer die Verbraucher die Geschäftsaktivitäten straff im Zügel halten.”

      (Ludwig von Mises, „Die Bürokratie“)

  6. Thomas Holm Says:

    Der böseste Witz ist die Weltgeschichte selbst:

    Eine von Marx für Russland und den Orient ausdrücklich ausgeschlossene Verheißung von einem Schlaraffenland-Paradies kommt ausgerechnet in Russland zum Zuge, weil eine von Deutschland finanzierte Sekte mit dem Trick des ‚revolutionären Defaitismus‘ tatsächlich das Land aus einen Weltkrieg herausbrechen konnte …

    Einen Krieg, den die Proletarier aller Länder (wo es sie gab) im August ’14 spannender fanden, als die Marx’sche Verheißung, für die sie ansonsten durchaus etwas übrig hatten.

    Aus dem Defaitismusprojekt wurde dann eine böse Missgeburt-Karikatur eines ‚Vaterlandes für die Werktätigen‘, das bis China und Äthiopien alle unmöglichen Gegenden erreichte, für die es nie gedacht war.

    The Chekist (1992) Aleksandr Rogozhkin’s hard-to-find masterpiece

    Kann man unter: Chekist / Чекист – фильм режиссёра Александра Рогожкина auch als 90-Minuten-Version zu finden; mit gefühlten 70% nur Massaker. Aber so war es.

    • arprin Says:

      Das war sicher die dümmste kurzfristige Allianz, die es je gab.

      Der Spiegel berichtete 2007 darüber:
      „Die beiden ideologischen Todfeinde verband seit 1914 ein gemeinsames Interesse – das Ende des Weltkriegs im Osten. Bislang unbekannte Dokumente belegen nun das Ausmaß der geheimen Kooperation: Jahrelang unterstützte das Kaiserreich die Bolschewiki mit Geld, Waffen und Logistik. … Es war die Komplizenschaft ideologischer Todfeinde, betrieben voller Hinterlist und intriganter Raffinesse. Mit Folgen von welthistorischer Bedeutung: Ohne die Hilfe Wilhelms II. für Lenin hätte es die Oktoberrevolution vor nunmehr 90 Jahren so nicht gegeben. Mehr noch: Ohne deutsche Unterstützung hätten Lenins Bolschewiki das erste Jahr an der Macht wohl kaum überstanden. Vermutlich wäre keine Sowjetunion entstanden, den Aufstieg des Kommunismus hätte es dann nicht gegeben, keine Millionen Gulag-Tote.“
      http://www.spiegel.de/spiegel/spiegelspecialgeschichte/d-54841257.html

      • Thomas Holm Says:

        Man wollte weder Franzosen noch Kosaken in Berlin haben; und – hat man beim Ersten mal auch noch nicht bekommen.

        Sich einen Leninschen ‚Marxismus‘ an Russland austoben zu lassen und dem Rest vom ‚Klassenfeind‘ die Niederlage als Republik vor die Füsse zu schmeißen; das war wohl die Vorlage für Assad im ganz großen.

        Dessen Giftspritze ist heute ein Zweikomponenten-Serum aus Islamismus und der PKK um als eine gescheiterte Militärkaste, bzw. Regime über die Runden zu kommen, indem man weitermacht als eine im Inneren marodierende Miliz – der Gedanke kam beim schreiben – vulgo: ‚Ordnungsmacht‘; sowas wird historisch auch nur recyclet.

        Die Analogie ist natürlich sehr begrenzt; eine ‚Weimarer Republik‘ wird es bei den Arabern nicht geben.

        Als eine ganz brillante Kriegslist galt es – auf beiden Seiten – schon vorher, sich gegenseitig die Muslime verrückt zu machen und in Aufstände gegen die Imperien zu treiben, britischerseits gelang das ja recht folgenreich.

        Heute sucht das UK an die Treue seiner Kolonialtruppen zu erinnern, auch um wieder ein wenig in Sachen Social Cohesion zuzulegen:

        “During the Great War Jewish servicemen ate kosher, … Muslims ate halal; Hindus did not eat beef; the Brahmin were vegetarian.”

        http://hurryupharry.org/2012/11/04/lack-of-knowledge-of-indian-soldiers-in-wwi-must-change/

        In einer großen Dramaturgie will das UK von 2014-2018 die Erinnerung an den Einsatz der Commonwealth-Truppen mobilisieren.

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