Lincoln und Assad

Ist Abraham Lincoln der amerikanische Assad des 19. Jahrhunderts?

Lincoln hatte Glück, dass er nicht in unserer Zeit lebte. Twitter, Facebook, Al Jazeera, die NATO und die UNO würden dafür sorgen, dass er als brutaler Diktator wahrgenommen wird. Man würde Druck auf ihn ausüben, die Sezession der Konföderierten Staaten zu respektieren. Heute gilt Lincoln ein amerikanischer Nationalheld, er gilt als Freiheitskämpfer und Märtyrer. Was Lincoln damals tat, ist das, was Assad heute tut, wenn er versucht, zu verhindern, dass sein Land von Rebellen auseinandergerissen wird. Assad ist ein besorgter Landesvater, und es ist möglich, dass man ihn in Zukunft anders beurteilen wird als heute. Die Geschichte ist voller Überraschungen.

Das sage natürlich nicht ich. Das sagt Yevgeny Satanovsky, der Präsident des russischen Instituts für den Mittleren Osten.

Es gibt tatsächlich einige Parallelen zwischen Lincoln und Assad. Lincoln ist der amerikanische Präsident, der einen Krieg führte, indem mehr Amerikaner starben als unter Bush, Johnson, Nixon und Roosevelt zusammengerechnet. Der Krieg gegen die Konföderierten wurde äußerst brutal geführt, einige Unionsgeneräle verfolgten eine Politik der „verbrannten Erde“ und verwüsteten ganze Städte. Murray N. Rothbard behauptet sogar, dass Lincoln den „totalen Krieg“ erfunden hat. Außerdem führte Lincoln die Wehrpflicht ein, ließ Aufstände von Kriegsunwilligen blutig niederschlagen (Draft Riots) und schränkte die Bürgerrechte ein (Pressefreiheit, Schutz vor willkürlicher Verhaftung).

Aber dennoch ist der Vergleich unzulässig, denn es gibt große Unterschiede zwischen den beiden Präsidenten.

Es waren die Konföderierten, die mit der Bombardierung von Fort Sumter den Krieg anfingen. In Syrien war es Assad, der mit den Massakern an friedlichen Demonstranten die Gewalt im Land entfachte, die sich dann zum Bürgerkrieg entwickelte. Die Unterdrückung von Spionen oder Saboteuren- von denen es im Norden viele gab- war viel geringer als die von Regimegegnern im baathistischen Syrien (und selbst unter Wilson und Roosevelt). Und bei all der berechtigten Kritik an seiner Politik, muss man doch anerkennen, dass durch Lincolns Einsatz 4 Millionen Menschen aus der Sklaverei befreit wurden. Assad hat während seiner Herrschaft in keinster Weise die Bürgerrechte in seinem Land gestärkt.

Bis heute leugnet Assad, dass es in Syrien einen Bürgerkrieg gibt. Für ihn sind ausländische Verschwörer Schuld an der Krise in seinem Land. Alle Regimegegner werden in den Staatsmedien als „Terroristen“ oder „bewaffnete Aufständische“ bezeichnet. Lincoln dagegen sagte in seiner Antrittsrede: „Wir sind keine Feinde, sondern Freunde. Wir dürfen keine Feinde sein. Leidenschaft mag die Bande unserer Zuneigung anspannen, aber zerreißen darf sie sie nicht. Die mystischen Klänge der Erinnerung werden ertönen, wenn- und das ist sicher- die besseren Engel unserer Natur sie wieder berühren.“ Werden die Syrer jemals so etwas von ihrem (Noch-)Präsidenten hören?

8 Antworten to “Lincoln und Assad”

  1. Martin Says:

    Der Mensch,der bei den Russen für den mittleren Osten zuständig ist, heißt tatsächlich Satanovsky? Ich dachte, die Amis seien der große Satan 😉

  2. Thomas Holm Says:

    Von mir aus können die Salafisten dieses Fressen finden:

    Presidents of RJC 2003-2004 Yevgeny Satanovsky

    http://en.wikipedia.org/wiki/Russian_Jewish_Congress

  3. Thomas Holm Says:

    Der Artikel schlägt schon Wellen in den Sanddünen:

    http://www.saudiwave.com/International/is-bashar-al-assad-syrias-abraham-lincoln.html

    Unter dem Hause Assad waren, bzw. sind die Syrer eine Art Jubelsklaven eines bizarren panarabischen Wiege-der-Weltkulturen-Kultes, der mit ostzonaler Geheimdienstdichte und ungehemmtem Gebrauch von Kriminellen, Folter und Terrorismus – unter anderem: die Herzen wohl einer Mehrheit von SPON und ZON Kommentatoren erobert hat.

    Ein Phänomen von atemberaubender Obszönität; Assad als Projektionsfläche linksnationalistischer, neo-autoritärer Neu-Spießer und Altlinken-Rachephantasien. Rache an was – an der Weltgeltung des Westens und der Macht der Freiheit ?

    Die Golf-arabischen Gönner des syrischen Aufstandes mit den Sklavenhaltern des Konföderierten Südens zu vergleichen, bietet sich natürlich propagandistisch an – zwischen einer Folterorgie an Schwerstverletzten und einem Streubombenangriff auf Spielplätze.

    Dennoch fällt jeder Vergleich mit der unproduktiven und asozialen Bediensklaverei am Golf zulasten der Ehre des damit Verglichenen aus: Die Arbeit in den Plantagen war auf Freiheits-problematische Art: ‚produktiv‘; das schikaniert- geschunden- und missbraucht werden in den Palästen ist nicht mal das.

    Die Golf-arabischen und die syrischen Verhältnisse sind – auf entgegengesetzte aber nicht unverbundene Art* – ‚unter aller Kritik‘. Mithin auch fernab jeder produktiven sozialen Transformationsperspektive.

    Aus beidem kann nur ein Bastard aus Afghanistan und Somalia werden, vermittelt über einen Ersten Weltkrieg der Dritten Welt zwischen dem Iran und den Saudis.

    *Was sie verbindet, ist das, um was wir uns in Europa mit dem Islam bereichert fühlen sollen

    • arprin Says:

      Unter dem Hause Assad waren, bzw. sind die Syrer eine Art Jubelsklaven eines bizarren panarabischen Wiege-der-Weltkulturen-Kultes, der mit ostzonaler Geheimdienstdichte und ungehemmtem Gebrauch von Kriminellen, Folter und Terrorismus – unter anderem: die Herzen wohl einer Mehrheit von SPON und ZON Kommentatoren erobert hat.

      Ein Phänomen von atemberaubender Obszönität; Assad als Projektionsfläche linksnationalistischer, neo-autoritärer Neu-Spießer und Altlinken-Rachephantasien. Rache an was – an der Weltgeltung des Westens und der Macht der Freiheit ?

      Benny Peiser nennt das in der Achse des Guten die „linke Liebe zu Massenmördern“.

      „Syrian President Bashar Al Assad’s government doesn’t have many allies left in the world, but it’s been enjoying support in Latin America this week from leftist leaders who see a fellow challenger to US power in their Middle Eastern counterpart. During trips to Ecuador, Venezuela, Cuba and Nicaragua, Syria’s deputy foreign minister, Faisal Al Mokdad, received mostly symbolic backing for his government’s 20-month battle against rebels.“

      http://gulfnews.com/news/region/syria/syria-finds-rare-friends-in-latin-america-1.1111819

  4. aron2201sperber Says:

    wie immer sehr interessant!

    das Foto erinnert mich jedoch schwer an das „Planet der Affen“-Epos.

    ein schöner Vollbart ist ok, gewisse Bartmoden sind einfach gräßlich, unabhängig von der Ideologie 😉

    • Thomas Holm Says:

      Den Vorhalt, er hätte ein zweites, oder doppeltes Gesicht hat Lincoln mal mit dem Hinweis gekontert, dass er dann ja wohl kaum dasjenige aufgesetzt hätte, was er nun einmal zu tragen habe.

  5. Thomas Holm Says:

    Al Jazeera staunt nicht schlecht, dass es doch noch gelungen ist, Sklaverei in moderner Zeit produktiv zu machen; gut dass Lincoln das nicht mehr mitkriegen muss.

    „Thousands of foreign workers have died in Malaysia in recent years from accidents, illnesses and suicide. They work in so-called ‚3D‘ conditions – dirty, dangerous and difficult. Critics say the death rate is a result of slack safety standards, poor housing conditions and weak enforcement of laws to protect them. Last year, more than 1,000 foreign workers died from accidents, illnesses and suicide. Malaysia is the largest importer of labour in Asia. Migrant workers provide cheap labour in construction, manufacturing and plantation industries. There are more than three million foreign workers, of which nearly a third is undocumented. Most of the migrant workers come from Bangladesh, India, Indonesia and Nepal. Desperate to repay debts from the high recruitment agency fees and under financial pressure from their families back home, migrant workers are vulnerable to exploitation. Many suffer non-payment of wages, abuse, serious injuries and even death. “

    101 East – Worked to death

    Eine zwar auch mit diesem Thema verbundene Problematik, aber doch anders, als in der hitzigen Levante, bzw. am unproduktiven Golf. Die ’normalen‘ Anti-Assad Aufständischen beklagen sich zunehmend wegen Übergriffen von Islamisten auf ihre Leute*, was eine interessante Facette zu dem Rätselraten darüber ist, wer die Bomben in Damaskus hochgehen lässt.

    *kann man mit auf-dieser-Seite such-Stichwort: ’nusrat‘ bei
    http://yallasouriya.wordpress.com/ ganz gut verfolgen.

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