Kapitalisten in Afrika

Die Flagge der Afrikanischen Union

Die Flagge der Afrikanischen Union

Es gibt viele wichtige Nachrichten, die in den Medien ignoriert werden oder nicht die Aufmerksamkeit bekommen, die sie eigentlich verdient hätten. Eine dieser Nachrichten, die nur nebenbei erwähnt werden, ist der wirtschaftliche Aufschwung in Afrika. Während die meisten Europäer Afrika immer noch für einen hoffnungslosen Hungerkontinent halten, befindet sich Afrika seit Jahren in einem Aufschwung, der mit dem in Asien vor 20 oder 25 Jahren vergleichbar ist. Auch wenn es große regionale Unterschiede gibt, hat sich der Lebensstandard der meisten Afrikaner in den letzten Jahren enorm verbessert.

Die Kindersterblichkeit geht immer weiter zurück. Der Anteil von Kindern, die Grundschulen besuchen, ist von 2000 auf 2008 um 48% gestiegen, in Sekundarschulen um 65% und in Universitäten um 80%. Die Mittelklasse ist gewachsen, der Zugang zu Elektrizität hat sich fast verdreifacht, viele Afrikaner kaufen sich nun Kühlschränke, Autos und Fernseher. Es gibt 400 Millionen Handys in Afrika, in den afrikanischen Städten findet man kaum eine Person, die kein Handy am Ohr hat. Die afrikanische Wirtschaft wächst jedes Jahr, für 2012 und 2013 wird ein Wachstum von 5% erwartet. Ausländische Direktinvestitionen sind von 9 Milliarden Dollar im Jahr 2000 auf 62 Milliarden im Jahr 2009 gestiegen.

Wem ist dieser Aufschwung zu verdanken? Sicher nicht weißen Rockstars auf Egotrip. In Afrika gibt es 2 Schulen, die die intellektuellen Debatten bestimmen. Die „Externalisten“ machen das Ausland für die Rückständigkeit des Kontinents verantwortlich, also den westlichen Kolonialismus, die Sklaverei und den Neokolonialismus. Im Gegensatz dazu suchen die „Internalisten“ die Schuld für Afrikas Probleme bei den Afrikanern und lehnen die Entwicklungshilfe ab, da diese ihrer Meinung nach nur die Staatsbürokratie und eine absurde Planwirtschaft fördert. Die Internalisten waren anfänglich noch in der Minderheit, mittlerweile haben sie aber einen großen Einfluss.

Axelle Kabou machte den Anfang. Im Jahr 1991 las die aus Kamerun stammende Journalistin in der senegalesischen Hauptstadt Dakar aus ihrem Buch „Und wenn Afrika die Entwicklung ablehnte?“ vor und löste damit einen Sturm der Entrüstung aus, man beschimpfte sie als Verräterin. 2 Jahre später legte sie mit dem Buch „Weder arm noch ohnmächtig. Eine Streitschrift gegen schwarze Eliten und weiße Helfer“ nach. Dort schrieb Kabou: „Die Afrikaner sind die einzigen Menschen auf der Welt, die noch meinen, dass sich andere als sie selbst um ihre Entwicklung kümmern müssen. Sie müssen endlich erwachen.“

George Ayittey ist ein Professor der American University und Gründer der „Free Africa Foundation“ in Washington DC. Seiner Ansicht nach ist Afrika arm, weil es nicht frei ist. In seinem 1993 erschienenen Buch „Africa betrayed“ (betrogenes Afrika) stellte er fest: „Eine Welle des Sozialismus überschwemmte den Kontinent, als nahezu alle neuen afrikanischen Führer der ansteckenden Ideologie anheimfielen … Viele afrikanische Nationalisten empfanden tiefes Misstrauen und Ekel gegenüber dem Kapitalismus, den sie mit Lenin als Erweiterung des Kolonialismus und Imperialismus betrachteten.“ Er verfasste weitere Bücher und erwarb sich den Ruf eines Kritikers von Entwicklungshilfe, die seiner Meinung nach von „Rührseligkeit, Hyperkorrektheit und postkolonialen Schuldgefühlen“ statt von Vernunft und Effizienz geprägt ist.

2007 schrieb er in einem Kommentar in der WELT: „Die Menschen in Afrika brauchen folgende institutionelle Werkzeuge: freie und unabhängige Medien (um den freien Informationsfluss zu gewährleisten); eine unabhängige Justiz (als Garantie der Rechtsstaatlichkeit); unabhängige Wahlkommissionen; unabhängige Zentralbanken (um monetäre Stabilität sicherzustellen und die Kapitalflucht einzudämmen); effiziente und professionelle öffentliche Verwaltungen; sowie neutrale und professionell ausgerüstete Sicherheitskräfte. Weder machen Wahlen allein ein Land zur Demokratie noch gedeihen Demokratien im luftleeren Raum. Not tut ein politischer Raum, in dem die Menschen selbst ihre Meinung äußern können, ohne von Sicherheitskräften beschossen zu werden, wo sie entscheiden können, wer sie regieren soll.“

James Shikwati ist Gründer der Wirtschaftsförderungsgesellschaft „Inter Region Economic Network“ in Kenia und der Wirtschaftszeitung „African Executive„, die sich für Globalisierung und Freihandel einsetzt. Im Spiegel sagte er 2005 über die Entwicklungshilfe: „Es werden riesige Bürokratien finanziert, Korruption und Selbstgefälligkeit gefördert, Afrikaner zu Bettlern erzogen und zur Unselbständigkeit. Zudem schwächt die Entwicklungshilfe überall die lokalen Märkte und den Unternehmergeist, den wir so dringend brauchen. Sie ist einer der Gründe für Afrikas Probleme, so absurd das klingen mag. Wenn sie abgeschafft würde, bekäme das der kleine Mann gar nicht mit. Nur die Funktionäre wären schockiert. Darum behaupten sie, die Welt ginge unter ohne diese Entwicklungshilfe.“

Im Jahr 2007 in der FAZ: „Kein afrikanischer Bürger würde einen korrupten Politiker unterhalten, wenn er selbst dafür bezahlen muss. Wenn ein Dieb in Nairobi vom Mob erwischt wird, bevor die Polizei kommt, kann er tot sein. Die Menschenmenge nimmt den Diebstahl persönlichen Eigentums nicht hin. Vergleichen Sie das mit den großen Korruptionsskandalen in diesem Land, in denen Politiker Millionen Dollar beiseite geschafft haben. Wie viele Menschen steinigen Politiker oder regen sich über die Korruption auf? Niemand, weil es nicht ihr Geld ist. In gewisser Weise hat der korrupte Politiker ja die Steuerzahler in Europa oder Amerika bestohlen. Wenn unsere Regierungen aber auf unser Steuergeld angewiesen sind, wird kein Afrikaner mehr akzeptieren, dass die Politiker unser Geld stehlen.“

Andrew Mwenda ist ein ugandischer Journalist, der eine eigene Zeitung betreibt (Independent) und zu den schärfsten Kritikern der westlichen Hilfsindustrie gehört. 2010 sagte er in der Süddeutschen Zeitung: „Stellt alle finanzielle Hilfe ein. Sorgt dafür, dass alle Länder ihre Schulden auf Heller und Pfennig zahlen. Und ignoriert Afrika. Alle Hilfe verschleiert nur die Inkompetenz unserer Despoten … Die Länder südlich der Sahara erhalten im Durchschnitt 13 Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts. Das ist der größte Geldtransfer in der Geschichte. Unser Staatshaushalt wird zu 50 Prozent vom Ausland finanziert. … Als die Briten Uganda 1962 verlassen haben, gab es 70 Verwaltungsbeamte. Heute arbeiten hier mehr als 5000 Hilfsexperten. Man könnte fast meinen, dass wir als Kolonie unabhängiger waren als heute.“

In einem Interview mit der schweizerischen Weltwoche fragte Mwenda leicht ironisch: „Wieso kommt ihr nicht und rekolonialisiert unsere Länder, stürzt unsere Politiker und bringt Schweizer Regierungsstandards nach Afrika? … Glauben Sie denn im Ernst, die Briten seien schlimmer gewesen als Idi Amin? Mit Ausnahme des Apartheid-Regimes in Südafrika, des belgischen Königs Leopold II. im Kongo und einiger Exzesse waren die meisten Kolonialregierungen gütiger als die afrikanischen Diktatoren. … Wenn heute in einem afrikanischen Land eine Kolonialregierung etabliert würde, müsste sie sich vor der Welt und vor den Bürgern für ihre Tätigkeit verantworten. Ein afrikanischer Diktator kann aber stehlen und töten, weil er als schwarzer Afrikaner offenbar dazu legitimiert ist.“

Dambisa Moyo ist die wohl bekannteste aller „Internalisten“. Die aus Sambia stammende Ökonomin studierte in Harvard, promotivierte in Oxford und verfasste mehrere Bücher, darunter den Bestseller „Dead Aid“. Sie hat sogar schon einige afrikanische Staatschefs beraten und wurde von der New York Times zu den 100 einflussreichsten Personen der Welt gezählt. In einem Interview mit der FAZ sagte sie: „Wenn Sie ein Land abhängig machen von Hilfen, dann nehmen sie die Karotte weg und den Prügel: Niemand wird bestraft, wenn er nicht innovativ ist, denn die Hilfen fließen trotzdem. Und niemand wird belohnt, wenn er sich anstrengt. Es gibt in Afrika viele sehr smarte Leute, aber die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen ermutigen sie nicht dazu, ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen.“

Über die Entwicklungshilfe meint sie: „Die Menschen erwarten von Regierungen, dass sie Straßen und Schulen bauen und für die öffentliche Sicherheit sorgen. Wir Ökonomen nennen das ‚öffentliche Aufgaben‘. In Afrika aber werden diese öffentlichen Aufgaben von der internationalen Gemeinschaft übernommen. Die GTZ baut Schulen, die US-AID errichtet Krankenhäuser, die Britische Difid sorgt zum Beispiel für neue Straßen. Und die afrikanischen Regierungen haben keine Aufgabe mehr. Überlegen Sie mal, wie Demokratie überhaupt funktioniert. In der Demokratie dürfen Menschen wählen, um zu zeigen, ob sie zufrieden mit ihrer Regierung sind. Wenn aber eine Regierung bedeutungslos ist, wie in vielen afrikanischen Staaten, dann können die Bürger sie auch nicht mehr zur Rechenschaft ziehen.“

Stattdessen fordert sie mehr Kapitalismus und lobt das chinesische Investment in Afrika: „Es ist ganz egal, ob man die Märkte und den Kapitalismus liebt oder nicht. Fakt ist: Er ist ein Erfolgsmodell. Er hat unseren Lebensstandard verbessert. Alles, was Europa und Amerika bis heute erreicht haben, verdanken sie nun mal dem Kapitalismus. … Die Chinesen sind nicht perfekt. Sie bringen auch Probleme nach Afrika. Doch es ist nicht ihre Aufgabe, unsere Diktatoren zum Teufel zu jagen. Die westlichen Länder haben damit ein Problem. Sie dachten, sie müssten den Afrikanern Religion oder Demokratie bringen. Sie glauben, sie müssten die inneren Angelegenheiten der afrikanischen Staaten regeln. Natürlich müssen wir uns bewusst machen: Die Chinesen sind nicht da für Afrika, sie sind da für die Chinesen.“

2 Antworten to “Kapitalisten in Afrika”

  1. aron2201sperber Says:

    ich finde es lustig, dass Linke überall gern relativieren, insbesondere natürlich bei linken Diktatoren.

    nur nicht bei der Geschichte des Kolonialismus.

    die war einfach böse und basta

  2. besucher Says:

    Die neuen afrikanischen Eliten sollten sich endlich mal um das Elend vor ihrer Haustür kümmern:

    http://www.welt.de/finanzen/article113127818/Praesidententochter-ist-erste-Milliardaerin-Afrikas.html

    Als Tochter des ewigen Dos Santos hat sie dazu eine Verpflichtung!

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