Die Methoden der Abschreckung

Die Muslimbrüder wollen die Folterstrafen einführen

Die Muslimbrüder wollen die Folterstrafen einführen

Vor einem Monat kritisierte ich in einem Artikel ein die Todesstrafe. Ich hatte argumentiert, dass die Gefahr, dass ein Unschuldiger hingerichtet wird, Grund genug ist, um die Todesstrafe abzulehnen. Dass es immer Fehlurteile geben kann, stimmt zwar, aber wenn ein unschuldig Verurteilter hingerichtet wird, kann er nicht mehr freigelassen werden. Der Kommentator Alreech meinte jedoch:

Wenn man mal zynisch ist, trägt die Hinrichtung von Unschuldigen zur abschreckenden Wirkung der Todesstrafe bei. Die wenigsten “unschuldig” verurteilten sind Engel die sich noch nie etwas zu schulden haben kommen lassen, sondern Kriminelle die durchaus begründet in Verdacht gekommen sind und verurteilt worden. … Das man als Krimineller auch damit rechen muß für eine Tat bestraft zu werden die man nicht begangen hat (wenn ich illegal eine Waffe kaufe, und die Polizei findet sie bei mir und stellt fest das es eine Tatwaffe ist…) wird man weniger riskant vorgehen.

Dieses Argument hört man oft: Die Todesstrafe hat eine abschreckende Wirkung. Tatsächlich gibt es keinen Hinweis, dass es einen Zusammenhang zwischen der Todesstrafe und der Mordrate gibt. In den USA liegt die Mordrate bei 5,0, in Deutschland bei 0,8 pro 100.000 Einwohner. Und obwohl in den USA immer weniger Menschen hingerichtet werden, geht die Mordrate seit 2 Jahrzehnten zurück. Das Argument mit der Abschreckung findet sich aber nicht nur, wenn es um die Todesstrafe geht. Der Islamgelehrte Samir al-Sheikh meinte kürzlich im Tagesanzeiger, dass die Scharia-Folterstrafen eine abschreckende Wirkung haben.

Wir wünschten, dass die Leute im Westen verstehen, dass die Strafen vor allem abschreckende Wirkung haben. Sie lassen die Menschen nachdenken, bevor sie zur Tat schreiten. … bei den Muslimen müssen wir sie nur in drei bis vier Fällen anwenden – dann kennt die ganze Gemeinschaft deren abschreckende Wirkung, und das Leben der Gemeinschaft ist stabilisiert. Wir brauchen diese abschreckende Wirkung in Ägypten, weil wir auch mangels Ordnungskräften sehr wenig Sicherheit haben.

Dass Misshandlungen oder Tötungen von Menschen abschreckender sein sollen als Haftstrafen, ist ein Mythos. Die Misshandlung von Menschen kann nie gerechtfertigt sein. Einen Menschen zu töten, kann nur dann gerechtfertigt sein, wenn es aus Notwehr geschieht. Die Todesstrafe wird über Menschen verhängt, die im Gefängnis sitzen und keine Waffe an der Hand halten, also handelt es sich um staatlich sanktionierten Mord. Die Argumentation mit der Abschreckung hört man auch oft, wenn es um die „Züchtigung“ von Kindern geht. Es ist unmoralisch, einen Menschen zu misshandeln, und es ist unmoralisch, einen Menschen zu töten.

9 Antworten to “Die Methoden der Abschreckung”

  1. Martin Says:

    Nur der Form halber: Damit es sich bei der Tötung eines Häftlings um Mord handelt,müsste diese aus niedrigen Beweggründen geschehen.
    Ich halte das Irrtums-Argument für das Einzige (und ausreichende) Argument gegen die Todesstrafe. Es gibt aber m.E. auch einige gute dafür. Eines davon z.B., das der lebenslang Einsitzende konstant -solange er eben lebt- konstant weiter Schaden anrichtet,indem er Bewachung,Versorgung etc. braucht. Von anderen Schäden bei Wachpersonaloder Mitgefangenen ganz zu schweigen.

  2. Besucher Says:

    „Bestrafe einen, erziehe Hunderte“ Mao

  3. Martin Says:

    Weiter sollte man bei der Argumentation nicht vergessen, das nicht nur die Durchführung der Todesstrafe Unschuldige gefährdet,sondern auch die Nichtdurchführung. Unterweger wäre dafür z.B. ein sehr illustratives Beispiel. Töten durch Unterlassen scheint mir nicht wesentlich weniger moralisch verwerflich, als das selber töten.

    • arprin Says:

      Es gibt aber nicht nur die Alternative zwischen der Todesstrafe und Freilassung. Viele Täter werden ja schändlicherweise freigelassen, obwohl man ihnen ein „Rückfallrisiko“ bescheinigt.

  4. bernard Says:

    Ok, steinigt mich, aber ich finde öffentliche Auspeitschungen und ähnliches als Strafe durchaus angemessen. Nicht hier in Deutschland, aber in anderen Ländern unter anderen Umständen. Schaut‘ euch doch mal die Situation in Südafrika an:
    http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/missbrauch-in-suedafrika-alle-zehn-minuten-eine-vergewaltigung-a-632612.html:
    „Einer Studie zufolge hat in einigen Regionen Südafrikas jeder vierte Mann schon einmal eine Frau zum Sex gezwungen. […] Rund 30 Prozent der heranwachsenden Südafrikaner gaben im Rahmen einer Studie an, ihre ersten sexuellen Erfahrungen basierten auf einer Vergewaltigung. “

    Solchen Zuständen bekommt man nicht mit Gerichtsverfahren und Gefängnisstrafe unter Kontrolle. Man kann unmöglich jeden vierten Mann ins Gefängnis stecken und tausende Richter und Wärter anstellen, die das ganze organisieren. Die Delinquenten öffentlich auszupeitschen, das wäre dagegen machbar. Und es wird sehr wohl eine abschreckende Wirkung haben. Auspeitschen tut verdammt weh; und dann die Schmach, weil das ganze öffentlich geschieht. Wenn man das Problem dann irgendwann einigermaßen unter Kontrolle hat und halbwegs geordnete Zustände einkehren, kann man ja zu anderen Strafmaßnahmen übergehen.

    Auch aus liberaler Sicht haben Auspeitschungen einen nicht zu leugnenden Vorteil: Gewöhnliche Gefängnisstrafen sind mit enormen Kosten verbunden (Unterhalt von Gefängnissen, Wachpersonal, usw. ). Die wenigsten Verbrecher sind so vermögend, dass sie das aus eigener Tasche zahlen können. Letztlich zahlt der Steuerzahler dafür. Der Verbrecher vergeht sich also nicht nur an einem Opfer (der vergewaltigten Frau,…), sondern bestiehlt auch noch die Gemeinschaft. Körperstrafen würden die Kosten erheblich reduzieren.

    • Besucher Says:

      In Südafrika herrscht eine ziemlich verkommene Sexualmoral die auf dem Recht des Stärkeren basiert. Öffentliche Debatten darüber scheint es eher wenig zu geben, man sucht im Zweifel wahrscheinlich die Schuld wieder irgendwo beim weißen Mann.

  5. gold price Says:

    Dass die Erhöhung des Strafrahmens kaum eine Auswirkung auf die Verbrechenshäufigkeit hat, und dass zB die Todesstrafe keine Verringerung der Mordrate bewirkt, sehr wohl aber die Tötung unschuldig Verurteilter, ist eines der ersten Dinge, die man im Jusstudium im ersten Semester vermittelt kriegt.

  6. gold price Says:

    Wenn ein Täter zum Tode verurteilt wird, hat er keine Chance, seine Taten wieder gut zu machen oder dafür zu büßen. Selbst wenn er die Tat so sehr bereut, dass er ab diesem Zeitpunkt ein wohltätiger Mensch wird, kann er dies nicht tun. Die Todesstrafe ist endgültig. Man nimmt einem Menschen damit die Möglichkeit, über seine Taten nachzudenken und sich zu ändern.

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