Archive for Dezember 2012

Keine Panzer für die Saudis

Dezember 6, 2012
Abdullah, König von Saudi-Arabien, dem wichtigsten Verbündeten der USA im Nahen Osten

Abdullah, König von Saudi-Arabien, dem Verbündeten der USA im Nahen Osten

Jan Fleischhauer verteidigt in seiner neuesten Kolumne die Panzerlieferungen an die Saudis:

Wer bei der Wahl seiner Verbündeten zu pingelig ist, läuft Gefahr, bald ziemlich alleine dazustehen. Die Wahrheit ist, dass die meisten Menschen auf der Welt andere Weltvorstellungen haben als wir. Das muss uns nicht daran hindern, für unsere zu streiten, aber man sollte auch nicht den Kopf verlieren über das eigene Überlegenheitsgefühl. Dass die Israelis wohl dem Waffengeschäft mit den Saudis zugestimmt haben, kann uns einen Hinweis darauf geben, wie Leute die Situation beurteilen, die mit den Konsequenzen leben müssen, wenn es schief geht.

Ähnlich hatte sich Clemens Wergin im Juli 2011 geäußert:

Jahrelang hat Deutschland mit seinen Verbündeten vergeblich versucht, die Iraner von der Atombombe abzubringen. Nun, da eine iranische Bombe immer wahrscheinlicher wird, ist es deshalb nur logisch, wenn man mit der Aufrüstung Saudi-Arabiens versucht, das Gleichgewicht am Golf nicht gänzlich zugunsten Teherans kippen zu lassen.

Es ist unglaublich, wie naiv Fleischhauer und Wergin in diesem Fall sind. Gerade im Nahen Osten können sich Allianzen schnell verschieben. In den 1980ern galt der Irak als strategischer Partner des Westens. Saddam bekam Massenvernichtungswaffen aus deutscher Produktion geliefert- die er dann gegen die Kurden einsetzte. Auch wenn es in Saudi-Arabien momentan noch sehr ruhig ist und auch wenn der König viele Reformen angestoßen hat, kann man nicht ausschließen, dass diese Panzer eines Tages gegen die eigene Bevölkerung eingesetzt werden.

Die Weisheiten der Stars

Dezember 5, 2012
Die Traumfabrik produziert auch mal Blödsinn

Die Traumfabrik produziert auch mal Blödsinn

Wenn sich Schauspieler, Musiker oder Sportler über Politik äußern, kann man davon ausgehen, dass sie etwas völlig verrücktes und abgedrehtes sagen. Eine Meldung aus den letzten Tagen zeigt das wieder deutlich: Eine Delegation von mehreren Fußballern, darunter Didier Drogba, Papiss Cisse und Demba Ba, hat der UEFA einen Brief überreicht, indem sie dagegen protestieren, dass die U-21-EM in Israel stattfindet (weder Drogba, Cisse noch Ba sind Europäer und Drogba spielt momentan in China).

Man könnte ganze Bibliotheken füllen mit den Weisheiten der Stars. Besonders beliebt sind in den letzten Jahren Verschwörungstheorien zum 11.September, Israelkritik, aber auch der Wunsch nach einer Diktatur. Hier nun eine kleine, unvollständige Auswahl.

„Die offizielle Version von 9/11 ist ein komplettes Märchen, ein absolutes Werk der Fiction- und dazu kein gutes.“ (Charlie Sheen)

„9/11, Lon­don und Mad­rid, jeder weiß dass Al Qaida nur die CIA ist …World Trade Cen­ter Nr. 7, warum ist von dem Ge­bäu­de nichts mehr übrig ge­blie­ben“ (Songtext von Xavier Naidoo aus seinem Album „Alles kann besser werden“)

„Es wäre cool wenn er für ein paar Jahre Diktator sein könnte. Dann könnte er viele gute Sachen schnell erledigen.“ (Woody Allen über Barack Obama) (more…)

Was ist der Kapitalismus?

Dezember 3, 2012
Die "Pyramide des kapitalistischen Systems"

Die „Pyramide des kapitalistischen Systems“

Andreas Unterberger fragt sich, wieso der Kommunismus noch immer so viele Anhänger im Westen hat. Nun, die Kommunisten haben es geschafft, alle kommunistischen Regimes, die versagt haben, als nicht-kommunistisch zu bezeichnen („Es hat noch nie einen echten Kommunismus gegeben“) und alle, die ihnen nicht gefallen, als „kapitalistisch“. Dabei unterscheiden sie nicht zwischen dem, was die Vordenker der freien Marktwirtschaft sich erdacht hatten und dem, was die Politiker, die sich formal zu den Idealen des freien Marktes bekennen, daraus gemacht haben. Oder, anders ausgedrückt: Der Kommunismus ist das Gute, der Kapitalismus ist das Böse.

Das sieht man auch an folgender Definition von Kommunismus:

Was aber ist der Kommunismus? Kein Gulag, keine Stasi, kein Personenkult, kein Arbeitsfetisch, keine Zwangsarbeit, keine Unterdrückung, keine Unterwerfung, kein Proletariat, kein Einheitsdress, kein Herrschaftsprotz und keine alte Leier, keine leeren Regale, keine Rituale. Kommunismus bedeutet … Bedürfnisse befriedigen statt sie auszunutzen, Lebenszeit verschönern statt Arbeitszeit steigern, füreinander produzieren statt gegeneinander konkurrieren, mitentscheiden statt kommandiert werden, mitgestalten statt regiert werden, für Menschen statt Nationen.“

Es gibt natürlich ein paar Probleme mit dieser Definition. Ein Kommunismus ohne Proletariat? Ohne Unterwerfung? Und ohne kommandiert zu werden? Eine abenteuerliche Definition. Tatsache ist, dass die kommunistischen Regimes, die es gegeben, bis auf wenige Ausnahmen wirklich kommunistisch waren. Ephraim Kishon brachte das so auf den Punkt: „Der Kommunismus ist eine großartige Theorie. Das Unglück bestand darin, dass er sich verwirklichen ließ.“ Dem ist nichts hinzuzufügen. Außer vielleicht, wie eine Definition des Kapitalismus klingen würde. (more…)