Der Krieg in Mali

Ein Tuareg-Rebell in Nordmali

Ein Tuareg-Rebell in Nordmali mit der Flagge von Azawad

Nun ist es passiert: Frankreich hat in den Bürgerkrieg in Mali interveniert, um „einen Terrorstaat vor den Toren Europas zu verhindern“. Mali galt noch Anfang letzten Jahres als Vorzeigedemokratie in Afrika und wurde von der Menschenrechtsorganisation Freedom House als „Wahldemokratie“ und „frei“ eingestuft. Im Januar begann jedoch eine neue Rebellion der Tuareg, die von der Rebellengruppe MNLA angeführt wurde. Im März putschte das Militär gegen den Präsidenten Traore, weil dieser zu lasch gegen die Rebellen vorging. Die MNLA nutzte das Chaos und übernahm die Kontrolle über den Norden, wo sie im April einen neuen Staat mit dem klangvollen Namen „Azawad“ ausriefen.

Der Staat bekam keine internationale Anerkennung, die internationale Gemeinschaft beharrte auf die territoriale Integrität Malis. Ab dem April wurde die MNLA dann von islamistischen Rebellengruppen vertrieben, die nun einen Gottesstaat errichtet haben. Die Islamisten in Nordmali setzen sich überwiegend aus 3 Gruppen zusammen: Die Ansar Dine, die MUJAO und der al-Qaida im Maghreb (AQIM). Schariakonforme Folterstrafen, Verbot von Alkohol, Musik und Fußball, Zerstörung von Kulturerbe und eine neue Basis für Dschihadtouristen aus aller Welt- Libyen, Algerien, Nigeria, Somalia, Afghanistan, Pakistan usw.- waren die Folge. Es ist ein wahr gewordener Alptraum für die Malier.

Viele geben der NATO-Intervention in Libyen die Schuld für das Chaos in Mali, da die MNLA für Gaddafi gekämpft hatten, bevor sie nach Mali zurückkehrten. Doch diese Ansicht ist nicht gerechtfertigt. Nicht nur, dass es ohne den Militärputsch wohl nicht zu dem Chaos in Nordmali gekommen wäre, die islamistischen Rebellen wurden wahrscheinlich vom algerischen Geheimdienst DRS geschickt, die gute Beziehungen zu Ansar Dine und AQIM haben sollen. Außerdem war Gaddafi in Westafrika alles andere als ein „Garant für Stabilität“- er bildete etliche Diktatoren und Terrorgruppen aus, die an mehreren Kriegen und Aufständen beteiligt waren.

Antiimperialisten sollte es auch zu denken geben, dass die Malier selbst eine Intervention befürworten und sich geradezu in Kriegsstimmung befinden. Nachdem bekannt geworden war, dass die Franzosen gegen die Islamisten vorgehen, haben Einwohner in der Hauptstadt Bamako in den Straßen Flaggen ihrer alten Kolonialmacht geweht. Obwohl die Vorgänge in Azawad so manche Illusionen vom „edlen (Tuareg-)Wilden“ zerstört hat, genießen die Islamisten nicht den Rückhalt des Volkes. Im August war ein Fall bekannt geworden, bei dem aufgebrachte Einwohner verhindern konnten, dass einem Mann die Hand abgehackt wurde, wie es die Scharia bei Diebstahl vorschreibt.

Ob sich auch andere Länder an dem Einsatz gegen die Islamisten in Nordmali beteiligen werden, ist noch ungewiss. Großbritannien und die USA stehen bereit, und auch andere westafrikanische Staaten wie Senegal und Nigeria könnten aushelfen. Im letzten Jahr konnten Truppen der Afrikanischen Union bereits die al-Shabaab in Somalia in die Knie zwingen. Die Bundeskanzlerin Merkel hat im Oktober zugestimmt, den Kampf malischer Regierungstruppen gegen die Islamisten im Norden zu unterstützen, allerdings nur in Form von Ausbildungshilfe, technischer und finanzieller Unterstützung. Vielleicht könnte es also bald heißen: „Deutschlands Freiheit wird auch in Timbuktu verteidigt.“

15 Antworten to “Der Krieg in Mali”

  1. Ulrich J. Becker Says:

    Wo sind eigentlich die ganz dringenden und besorgten Anrufe der EU, der USA und der UN, sofort zu einem Waffenstillstand mit den Islamisten zu kommen. Wenn Israel gegen die Hamas kaempft sind die Herren und Damen um Islamisten besorgten sofort auf dem Teppich…

  2. besucher Says:

    Eigentlich wäre den Tuareg ein eigener Staat zu gönnen, dummerweise haben sie sich mit dem Teufel verbündet und werden die Zeche an beide Seiten zahlen: Den Al-Qaida-Ablegern und den wütenden schwarzen Malinesiern.

  3. W. Caldonazzi Says:

    Die Tuareg sind Opportunisten. Man muss sich nur ihre Geschichte anschauen. Ich mache ihnen das nicht zum Vorwurf. Aber auf ihre Bündnistreue würde ich nicht setzen. Wer ihnen mehr verspricht, erhält auch ihre Unterstützung. Irgendwie erinnern sie mich an das kurdische Desaster.

    Das alles geht mich aber eigentlich nichts an. Es ist ein innerislamisches Lehrstück. Mich interessiert der Vormarsch des fundamentalistischen Islam in West- und Ostafrika in Richtung Süden. Und mich interessieren die Finanziers dieses Djihad. Und genau da wird es kompliziert.

    Wir Westler unterstützen politisch und waffentechnisch die Saudis und die Golfstaaten. Die kaufen sich mit ihren Petrodollars in westliche Konzerne ein und beeinflussen mit ihren Aktienpaketen unsere Politik. Dabei tun wir so, als ob wir den Vormarsch islamischer Ideologie stoppen wollten. Aber gerade dieser kämpferische islamische Djihad wird von Saudiarabien und den Golfstaaten finanziert.

    Gleichzeitig wird von den Gutmeinenden Israel dämonisiert und zum Übel der Welt erklärt.

    Igendwo ist da der Hund begraben.

  4. Thomas Holm Says:

    Jubelndes ‚locals‘, die sich über ihre Befreiung freuen; den Franzosen gelingt, was George Bush und den Neocons versagt blieb.

    Und das bewerkstelligt ein Sozialist, wohingegen man in den USA – wegen der Haltung von „Jaques Iraq“ – die Pommes zu ‚freedom fries‘ umtaufte.

    Ironie bleibt der Schlüssel zum Verständnis von Geschichte.

    Die alten Schlachtrösser von CNN können es noch kaum fassen:

    • arprin Says:

      Danke für das Video.

      Die Befreiung Malis ist Stand heute perfekt gelungen, im Gegensatz zum Irak. Hoffentlich kehren die Islamisten nicht mehr zurück, der Sieg war verdächtig schnell.

  5. Nichtglauber Says:

    Und ich habe einen neuen Freund im belgischen Parlament… mit sehr viel Chuzpe:

    Dieses Video könnte ich unter jedem zweiten Leitartikel verlinken, so allgemeingültig ist es.

    • arprin Says:

      Zu jedem politischen Konflikt gibt es eine anti-westliche Position. Man muss nichts über Mali wissen, es reicht, jemanden zu finden, der den Westen die Schuld gibt, der überhaupt dem Westen für alles die Schuld gibt.

      Hier ein paar Gegendarstellungen:

      – Es gibt in Mali keine nachgewiesenen Öl-, Gas- oder Uranvorräte.
      – In Nordmali herrschte die totale Scharia und die Terroristen hatten Basen errichtet, sowie in Afghanistan in den 1990ern, von denen aus auch Anschläge in Europa geplant werden konnten.
      – Die Malier sind froh über die französische Intervention, dieser Belgier leidet mehr für Mali als alle Malier zusammen.
      – Der Westen hat nicht geholfen, in Tunesien und Ägypten Islamisten an die Macht zu bringen. Die tunesischen und ägyptischen Wähler haben es getan.
      – Die Intervention in Libyen diente nicht, um Islamisten an die Macht zu bringen, sondern dem Schutz der Zivilbevölkerung.
      – Der Westen unterstützt keine Dschihadisten in Syrien. Die Jabhat al-Nusra wurde von den USA als Terrororganisation eingestuft.
      – Der Iran bewaffnet Terrororganisationen (Hisbollah, Hamas), baut an der Atombombe und droht Israel mit Vernichtung.
      – 9/11 war kein Inside-Job. Einige Selbstmordattentate in Damaskus waren Inside-Jobs.

      Es wäre nett, wenn du zumindest ein paar Fakten akzeptieren könntest, damit die Diskussionen fruchtbarer werden.

      • Nichtglauber Says:

        Was bedeutet eigentlich die Definitionsallzweckwaffe „antiwestlich“ genau?
        Strömungen, die per se gegen den Westen (Kultur, Religion, Lebensweise) gerichtet sind? Dann muss es zwangsläufig auch „antiöstlich“ geben!
        Strömungen, die gegen spezifische Charakteristika (politische Ausrichtung, globales Verhalten) des Westens gerichtet sind? Hier kämen wir der Sache schon näher…
        Menschen, die spezifische Verhaltensweisen des „Westens“ kritikwürdig finden, solltren diese durchaus ansprechen dürfen, ohne einen „Davidsstern“ ans Reverse, im übertragenen Sinne, angeheftet zu bekommen. Das Gleiche gilt übrigens für Verbalisierer der kritikwürdigen Spezifika der israelischen politik. Hier befindet sich nämlich die zweite Allzweckwaffe, der „Antisemitismus“.

        Nun aber zu deinen Ausführungen:

        – erstens gibt es „westliche (französische) Firmen“, die mit der derzeitigen malischen Regierung Erschließungs- (Ausbeutungs-) verträge ausgehandelt haben (und da frage ich mich, was wollen sie erschließen, wenn es da nicht zu geben scheint?), und zweitens komplettiert man mit dieser Intervention die Schlacht gegen die Tuareq, ehemals Gaddafifreundliches Völkchen.

        – Wie absurd ist denn bitte die augenblickliche Situation, dass „Islamisten und Shariaausrufer“ in Nordmali bombardiert werden, aber deren Cousins und Brüder in Syrien unterstützt werden?

        – Selbstredend haben die westlichen Staaten (NATO) in Afrika und Asien die Islamisten an die Macht gebracht. Direkt (Afghanistan, Irak, Libyen, Jemen) und indirekt (Ägypten, Tunesien, Mali). Die geplante Agenda ist den feinen Herren nur leider komplett aus den Händen geglitten. Was jubelten die Massen hier vor 2 Jahren ob dieser Arabellion. Und was flennen diese gleichen Massen nun ob des „verratenen Frühlings“.

        – Die syrische Bevölkerung hat in ihrer Mehrheit zu keiner Zeit eine militärische Intervention oder die ausländische Unterstützung von Söldnern zur Zerstörung ihres Landes erbeten… wo ist das Pochen der westlichen Wertegemeinschaft auf die Erfüllung von „Genf II“, jenem Abkommen, welches auch die USA unterzeichnet haben, zur Förderung des innersyrischen Dialogs und Bildung einer Übergangsregierung OHNE Vorbedingungen?
        Wo bleibt die Abschwur der vollumfänglichen „Dienstleistungen“ an diese Söldner? arum begehen die Amerikaner Vertragsbruch?

        – selbstredend unterstützt der Westen in Syrien die
        Jihadisten. Dabei ist es völlig belanglos, auf welche Liste die Al Nusrafront US-seits steht oder auf welcher nicht. da die Türkei NATO-Mitglied ist und eben diese Türkei aktivst finanziell, strategisch, personell und waffentechnisch diese Vollidioten unterstützt, unterstützt somit die gesamte NATO diese Jihadisten. Ansonsten müsste Gutmensch Obama und Killary die Türkei schon längst zurückgepfiffen haben – absolute Fehlanzeige.

        – Israel HAT Atombomben und droht Iran seit Jahren mit Angriff und zerstörung. Israel flog bereits Bombenangriffe und Israel sprengte bereits iranische Wissenschaftler in die Luft. So what?

      • arprin Says:

        Nichtglauber: Es geht hier um Mali. Also lass uns versuchen, beim Thema zu bleiben. Das Video dieses Belgiers hat neben Mali andere Länder angesprochen, also war ich bereit, diese auch kurz anzusprechen. Aber wir eröffnen jetzt nicht noch mehr Diskussionen zu anderen Ländern, okay?

        Was bedeutet eigentlich die Definitionsallzweckwaffe “antiwestlich” genau? Strömungen, die per se gegen den Westen (Kultur, Religion, Lebensweise) gerichtet sind?

        Wenn man an den westlichen Ländern andere Maßstäbe anlegt als an alle anderen, egal ob in der Politik, der Kultur oder anderem.

        Dann muss es zwangsläufig auch “antiöstlich” geben!

        Natürlich, gibt es auch.

        Menschen, die spezifische Verhaltensweisen des “Westens” kritikwürdig finden, solltren diese durchaus ansprechen dürfen, ohne einen “Davidsstern” ans Reverse, im übertragenen Sinne, angeheftet zu bekommen. Das Gleiche gilt übrigens für Verbalisierer der kritikwürdigen Spezifika der israelischen politik. Hier befindet sich nämlich die zweite Allzweckwaffe, der “Antisemitismus”.

        Ich kritisiere auch den Westen und Israel, ohne anti-westlich und antisemitisch zu sein. Es ist also möglich.

        erstens gibt es “westliche (französische) Firmen”, die mit der derzeitigen malischen Regierung Erschließungs- (Ausbeutungs-) verträge ausgehandelt haben (und da frage ich mich, was wollen sie erschließen, wenn es da nicht zu geben scheint?)

        Ich habe wirklich keine Lust, mich mit deinem Rohstoffdeterminismus auseinanderzusetzen. Wir haben da zwei verschiedene Meinungen und es gibt nichts, was dies ändern könnte.

        und zweitens komplettiert man mit dieser Intervention die Schlacht gegen die Tuareq, ehemals Gaddafifreundliches Völkchen.

        Ja klar, die Tuareg waren auch ganz heilfroh, als die Islamisten kamen und Azawad übernommen haben und die größte Tuareg-Rebellenorganisation hat auch nicht angekündigt, mit den Franzosen zusammenzuarbeiten…

        Wie absurd ist denn bitte die augenblickliche Situation, dass “Islamisten und Shariaausrufer” in Nordmali bombardiert werden, aber deren Cousins und Brüder in Syrien unterstützt werden?

        Es wäre absurd, wenn es so wäre, wenn in Syrien wirklich Dschihadisten unterstützt werden. Und selbst dann: Es ist immer noch besser, in Syrien Dschihadisten zu unterstützen und sie in Mali zu bekämpfen, als sie in beiden Ländern zu unterstützen oder sie einfach gewähren zu lassen.

        Selbstredend haben die westlichen Staaten (NATO) in Afrika und Asien die Islamisten an die Macht gebracht. Direkt (Afghanistan, Irak, Libyen, Jemen) und indirekt (Ägypten, Tunesien, Mali). Die geplante Agenda ist den feinen Herren nur leider komplett aus den Händen geglitten. Was jubelten die Massen hier vor 2 Jahren ob dieser Arabellion. Und was flennen diese gleichen Massen nun ob des “verratenen Frühlings”.

        Der Westen hat weder in Afghanistan, Irak, Libyen, Jemen, Ägypten, Tunesien noch in Mali Islamisten an die Macht gebracht. Etwas 100-mal zu sagen macht es nicht wahr, Nichtglauber.

        Die syrische Bevölkerung hat in ihrer Mehrheit zu keiner Zeit eine militärische Intervention oder die ausländische Unterstützung von Söldnern zur Zerstörung ihres Landes erbeten… wo ist das Pochen der westlichen Wertegemeinschaft auf die Erfüllung von “Genf II”, jenem Abkommen, welches auch die USA unterzeichnet haben, zur Förderung des innersyrischen Dialogs und Bildung einer Übergangsregierung OHNE Vorbedingungen?
        Wo bleibt die Abschwur der vollumfänglichen “Dienstleistungen” an diese Söldner? arum begehen die Amerikaner Vertragsbruch?

        Ich verstehe nicht, worauf das eine Antwort sein soll. Es ist eher der erneute Versuch, eine Off-Topic-Diskussion zu starten.

        selbstredend unterstützt der Westen in Syrien die
        Jihadisten. Dabei ist es völlig belanglos, auf welche Liste die Al Nusrafront US-seits steht oder auf welcher nicht. da die Türkei NATO-Mitglied ist und eben diese Türkei aktivst finanziell, strategisch, personell und waffentechnisch diese Vollidioten unterstützt, unterstützt somit die gesamte NATO diese Jihadisten. Ansonsten müsste Gutmensch Obama und Killary die Türkei schon längst zurückgepfiffen haben – absolute Fehlanzeige.

        Ein weiterer Versuch, eine Off-Topic-Diskussion zu starten.

        Israel HAT Atombomben und droht Iran seit Jahren mit Angriff und zerstörung. Israel flog bereits Bombenangriffe und Israel sprengte bereits iranische Wissenschaftler in die Luft. So what?

        https://arprin.wordpress.com/2013/01/26/atomare-doppelmoral/

  6. Was ist eine Restauration? « silemsmind Says:

    […] so ist die Restauration auch wünschenswert. War Mali doch vor dem Aufstand der Tuareg doch eine Demokratie. Und das selbst nach […]

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