Roboter statt Einwanderer

Einwanderer in Ellis Island, 1902. Der enorme Zuzug von Migranten trug maßgeblich zur wachsenden Stärke der USA bei

Braucht Deutschland noch mehr Einwanderer?

Einer der größten Zukunftsängste in Deutschland neben der Globalen Erwärmung ist das Schrumpfen der Bevölkerung. Die sinkende Geburtenrate sowie die steigende Lebenserwartung werden dazu führen, dass es in Deutschland in einigen Jahrzehnten einen Mangel an Arbeitskräften und einen erhöhten Anteil an pflegebedürftiger Bevölkerung geben wird. Um diesem Trend entgegenzuwirken, empfehlen die einen (vorwiegend aus dem linken Lager) verstärkte Einwanderung, die anderen (vorwiegend aus dem konservativen Lager) fordern, dass der Staat die Geburtenrate regulieren soll. Beide Vorschläge werden Deutschland nicht retten können.

Zwar ist aus liberaler Sicht für freie Zuwanderung zu plädieren, doch die Erfahrungen der Vergangenheit zeigen, dass vor allem Geringqualifizierte kommen. Und die Regulierung der Geburtenrate wird, wie jede andere Regulierung auch, das Problem nur verschlimmern (man denke nur an Sarrazins verrücktem Vorschlag, den intelligenten Frauen unter 30 eine 50.000 Euro-Prämie für jedes Kind zu zahlen). Einen Alternativvorschlag hat Gérard Bökenkamp vor einiger Zeit formuliert: Die verstärkte Rationalisierung durch den Ersatz von Arbeitskraft durch Kapital und Technologie, wie es in Japan bereits üblich ist:

Alle Möglichkeiten, der so oft gegeißelten Rationalisierung können in den nächsten Jahrzehnten ausgeschöpft werden. Wo immer eine Arbeitskraft durch einen Computer; Automaten oder einen Roboterarm ersetzt werden kann, kann die Produktivität noch gesteigert werden, wenn die entsprechenden Arbeitskräfte aus demographischen Gründen nicht mehr zur Verfügung stehen. In absehbarer Zeit gibt es kaum eine körperlich fordernde Tätigkeit, die nicht effizienter von einer Maschine übernommen werden kann.

In Japan, wo die Bevölkerung voraussichtlich noch deutlicher schrumpfen wird als in Deutschland, ist es schon seit langer Zeit üblich, dass Roboter in Altenpflegheimen arbeiten. Allerdings haben die Roboter aufgrund der Landeskultur einen leichteren Stand bei den Japanern. Aber auch im Westen werden immer menschenähnlichere Roboter entwickelt, wie der Roboy. Eine große Zukunftsangst wäre damit vom Tisch: Roboter als Ersatz für die fehlenden Enkel. Und in Zukunft wird es dafür mehr Parkplätze und weniger Staus geben. Bökenkamps Vorschlag, den man allen Politikern ans Herz legen sollte, lässt sich kurz zusammenfassen:

Statt auf Teufel komm heraus zu versuchen, die Bevölkerungszahl zu stabilisieren, ist innovative Anpassung an das Unvermeidliche gefragt. Es gilt dasselbe wie in der Klimapolitik: Der Wandel ist die Normalität und lässt sich nicht verhindern, die Gesellschaft kann sich lediglich an die neuen Rahmenbedingungen anpassen. Diese Anpassung erfolgt am besten über die Reform der Altersvorsorge hin zu kapitalgedeckten Systemen, Sicherung der Geldwertstabilität und die Aufhebung der Technik und Forschung behindernden Regulierungen.

8 Antworten to “Roboter statt Einwanderer”

  1. besucher Says:

    Ein Kardinalfehler der linken Einwanderungsfreunde: Durch Ihren Ruf nach Zuwanderung ziehen sie die Ungelernten an, das ist korrekt, aber dann schreien sie als Erste wenn die Ungelernten hier als Billiglöhner ausgebeutet werden.

    Desweiteren würde die „Integrationsindustrie“ (siehe Inititiativgruppe aus München) die Vorschläge von Bökenkamp als MENSCHENVERACHTEND zurückweisen, das ist ja wohl klar.
    Die brauchen Zuwanderer für ihre Daseinsberechtigung.

  2. bohu reri Says:

    Lieber Arprin,

    ich danke vielmals.

    Mit herzlichen Gruss

    Bohumil Rericha

  3. Silem Says:

    Roboter und, primitive, künstliche Intelligenzen sind für Moderne Volkswirtschaften sogar überaus wichtig. Sie stellen einen Vorteil gegenüber den bevölkerungsreichen Staaten dar. Wir in Deutschland müssen nur 80 Millionen Menschen mit Arbeit versorgen, und diese Zahl sinkt, während in Schwellenländern mehr und mehr Menschen mit Arbeit versorgt werden müssen. Der Wohlstand wird auf mehr Schultern verteilt. Rationalisierung und Robotisierung können aber sogar bedeuten das mehr Wohlstand auf weniger Personen verteilt wird. Rationalisierung ist nicht nur Wohlstandssicherung sondern sogar Wohlstandssteigerung!

  4. Thomas Holm Says:

    In einem anderen Zusammenhang habe ich einen Vorschlag entwickelt, der auch eine bevölkerungspolitische Komponente hat:

    „Die Griechen nötigen, dass sie den Chinesen ein paar Inseln andienen, die dann von der EU bei den Chinesen zurückgeleast werden zur Verwahrung bedrohter Nahost-Minderheiten.

    Und dort das Chaldäer- und Aramäertum, etc. neu gründen, frei von baathistische Verstirckungen. Und dann auf Lesbos mit den Fittesten Französische Abiturprüfungen abhalten.“

    Etwas launig formuliert, aber ein paar mehr gut motivierte junge Leute könnten Europa nicht schaden. Auch als Ausgleich zu denen, die wir haben. – Ich glaube, das war jetzt gemein.

    http://blog.zeit.de/joerglau/2013/01/28/another-brick-in-the-wall-antisemitismus-und-pop-kultur_5870/comment-page-52#comment-345139 #409

  5. Thomas Holm Says:

    Um meine Gemeinheit zu erklären:

    „Egal, ob ihr Europäer uns Türken mögt, egal, ob ihr uns in der EU haben wollt oder nicht: Unser Einfluss in Europa wächst. Wir sind mehr. Wir sind jünger. Wir sind ehrgeiziger. Unsere Wirtschaft wächst schneller. Wir sind stärker.“

    Der Autor dieser richtungweisenden Zeilen wird von dem Autor des Artikels, dem Kolumnisten Burat Bekdil gründlich in die Pfanne gehauen … um das alles hier auch korrekt auszugestalten.

    http://diepresse.com/home/meinung/diesedeutschen/743226/Diese-Tuerken-von-Burak-Bekdil

    Bekdil schreibt sehr vernünftig unter ‚Opinion‘ in Hürriyet english und wurde natürlich auch schon verknackt. Ehrensache, finde ich.

  6. Thomas Holm Says:

    Hier einmal aktuell das neueste aus der Klischee-Perspektive: ‚altern ist doof‘, zu meiner großen Enttäuschung von Statfor, deren Nahost-Stress Analystin Reva Bhalla ich sehr schätze.

    Germany’s Demographic Challenge (sie meinen schon Behinderung)

  7. Tante Lilly Says:

    Rentner haben in der Regel in Kassen einbezahlt. Sie essen ihr Geld nicht auf, sondern es fließt wieder in den Wirtschaftskreislauf zurück. Rentmer und Ruheständler sind ein sehr großer Wirtschaftsfaktor. Altenheime, Ärzte, Pflegekräfte usw. leben davon. Auch Rentner zahlen immer noch Steuern und Kassenbeiträge.
    Die Migration mit einem Arbeitskräftemangel zu begründen halte ich für falsch und irreführend. Es gibt genug einheimische Arbeitslose. Ein sehr großer Teil der Migranten lebt von sozialen Zuwendungen. Überschüsse werden in die jeweiligen Heimatländer verbracht. Bis jetzt sind Migranten erst mal ein Kostenfaktor. Natürlich nicht alle. Ich habe Freunde aus arabischen Ländern zu 100 % in die einheimische Wirtschaft integriert sind. Das ungebremste hereinschaufeln von Menschen, die zu kaum was zu gebrauchen sind und sich hauptsächlich in der Kriminal-Statistik bemerkbar machen stellt keine Alternative dar.
    Parallel zur Migration wird das Leiarbeiter-Wesen vorangetrieben, genauso wie Lohn-Dumping. Die Gewerkschaften reissen zwar ihr Maul weit auf und geben markige Sprüche von sich—Bewirken tun sie nichts.
    Hier werden andere Ziele verfolgt als zugegeben wird.
    L.G.TL.

  8. Alreech Says:

    Und wer baut und wartet die Roboter ?
    Industrie und Handwerk klagen das sie immer weniger ausbildungsfähige Jugendliche finden.

    Ein Großteil der Schüler geht nach dem Schulabschluß studieren, eine Ausbildung macht nur noch wer keine Alternative dazu hat.
    Daran trägt zum einen die Bildungsdebatte bei, die sich ausschließlich um das Studium dreht, aber auch die Geringschätzung der betrieblichen Ausbildung in Deutschland.

    Eine moderne technologische Gesellschaft braucht aber nicht nur Akademiker, sondern auch einen Unterbau aus Facharbeitern.
    Der Herr Ingenieur ist nämlich für Wartungsaufgabe zu teuer, und ungelernte Arbeitskräfte für solche Aufgaben nicht geeignet.

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