Welche Wörter sollen gestrichen werden?

Der Erfinder des Neusprechs: George Orwell

Die Nationale Armutskonferenz hat vor ein paar Tagen angekündigt, eine Liste von insgesamt 23 „sozialen Unwörtern“ aus dem Sprachgebrauch verbannen zu wollen. Zu diesen Wörtern zählen u.a. die Wörter „arbeitslos“ (das neue Wort soll „erwerbslos“ heißen), „bildungsferne Schichten“ (besser sei „fern vom Bildungswesen“ oder „vom Bildungswesen nicht erreichte“), „Illegale“ (kein Mensch ist illegal), „Person mit Migrationshintergrund“ (kein Ersatz vorgeschlagen) oder „sozial Schwache“ (lieber „ökonomisch schwach“).

Christoph Schäfer merkte in einem Kommentar in der FAZ zynisch an: „Korrekterweise sei darauf hingewiesen, dass auch vom Bildungswesen Erreichte bisweilen an geistiger Armut leiden.“ Angeblich diskriminierende Wörter zu verbannen zu wollen ist natürlich nichts Neues für linke Organisationen. Aber wie wäre es mal andersrum? Wie wäre es, wenn man ein paar linke Schlagwörter aus dem Sprachgebrauch verbannen würde? An dieser Stelle mache ich mal ein paar Vorschläge: Wörter, die ich nicht vermissen würde.

Menschenwürde

Da sich niemand auf eine genaue Definition von Menschenwürde einigen kann, lässt sich mit diesem Begriff alles ächten, was einem gefällt. So musste der Hartz IV-Regelsatz aufgestockt werden, weil er „menschenunwürdig“ war. Steven Pinker brachte es auf den Punkt: „Würde ist ein schwammiger, subjektiver Begriff, der seinem schwerwiegenden moralischen Anspruch nicht gerecht wird.“ Der Satz „Die Würde des Menschen ist unantastbar“ gehört aus dem Grundgesetz gestrichen. Jede Verletzung der Menschenwürde, die nicht auch eine Verletzung der Menschenrechte darstellt, ist sowieso nicht von Bedeutung. Also weg mit diesem Wort!

Menschenverachtung

Jeder, der etwas unterstützt, was nach der subjektiven Meinung einer Person anderen Menschen schadet, kann von dieser Person als „menschenverachtend“ diffamiert werden. Man ist für Atomkraft? Atomkraft schadet Menschen. Atomkraftbefürworter sind menschenverachtend! Man ist für die freie Marktwirtschaft? Die freie Marktwirtschaft macht Menschen arm. Kapitalisten sind menschenverachtend! Michael Klonovsky sagte: „Wie trefflich sich doch ein Mensch verachten lässt, nachdem man ihm unterstellt hat, seine Ansichten seien menschenverachtend!“ Warum machen wir nicht Schluss mit diesem Spiel?

Faschismus

Die Gleichsetzung von Faschismus und Nationalsozialismus ist historisch nicht korrekt. Die Komintern hat das 1925 einfach beschlossen und seither folgen ihr fast alle, auch die meisten Kommunismusgegner. Mit der Zeit wandten die “Antifaschisten” ihre oppositionelle Grundhaltung auf Nationalismus, Rassismus, Antisemitismus, Sexismus und Homophobie aus. Alles Böse hatte fortan nur einen Namen: Faschismus. Und später haben auch die Gegner der Antifas den Begriff für sich entdeckt und erfanden die polemischen Bezeichnungen „Linksfaschismus“, „Islamfaschismus“ und „Ökofaschismus“. Die braucht kein Mensch.

Soziale Gerechtigkeit

„Der vorherrschende Glaube an „soziale Gerechtigkeit“ ist gegenwärtig wahrscheinlich die schwerste Bedrohung der meisten anderen Werte einer freien Zivilisation“ sagte der Jahrhundertökonom Friedrich August von Hayek, „ein quasi-religiöser Aberglaube von der Art, dass wir ihn respektvoll in Frieden lassen sollten, solange er lediglich seine Anhänger glücklich macht, den wir aber bekämpfen müssen, wenn er zum Vorwand wird, gegen andere Menschen Zwang anzuwenden.“ Mehr muss man zu diesem inhaltslosen Totschlagbegriff zur Durchsetzung von Sonderinteressen eigentlich nicht sagen.

7 Antworten to “Welche Wörter sollen gestrichen werden?”

  1. besucher Says:

    Als ich neulich im Hochsauerland in der Nähe von Winterberg (dort ist auch die Ruhrquelle) unterwegs war hab ich gelesen dass ein Fluss namens Neger ein linker Nebenfluss der Ruhr dort ist. Ob man die Neger bald aus den Karten ausradiert?

    • arprin Says:

      Bei geographischen Bezeichnungen zeigen die Politisch Korrekten mehr Toleranz glaube ich.

      • Areopagitos Says:

        Falsch. Jedendfalls gehen sie rigoros gegen „politisch-inkorrekte“ Straßen- und Plätzenamen vor. Das ist schon eine richtige Neben- bis Hauptbeschäftigung von den Kulturmarxisten geworden.

  2. shaze86 Says:

    großartiger artikel. Dafür müsste es ein Ober-like geben.

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