Die Medien, das sind immer die anderen

kl

Feindbild aller Ideologen: Der Journalist

Es ist meiner Meinung nach ein Fehler vieler Liberaler, sich als Opfer einer angeblich „politisch korrekten Meinungsdiktatur“ oder „Tabubrecher“ aufzuspielen. In Deutschland herrscht Meinungsfreiheit, was viele Menschen unter „Zensur“ verstehen, ist in den meisten Fällen lediglich Kritik an ihrer Meinung. Wenn behauptet wird, dass es in Deutschland keine Meinungsfreiheit gibt, will man damit eigentlich sagen, dass bestimmte Meinungen in der deutschen Medienlandschaft unterrepräsentiert sind. Dies steht jedoch nicht im Widerspruch zur Meinungsfreiheit und ist außerdem eine grobe Verharmlosung von Zuständen in streng autoritären Ländern.

Wenn ich als Beispiel für fehlende Meinungsfreiheit höre, dass Menschen mit politisch inkorrekten Ansichten verleumdet und diffamiert werden, frage ich mich, was diese Leute unter „Meinungsfreiheit“ verstehen. Sollte es verboten sein, andere Menschen „Rechtspopulisten“ zu nennen? Wäre das ein Fortschritt für die Meinungsfreiheit? Der Journalist ist ein gern genommenes Feindbild. Er kann es niemandem Recht machen. Denn jeder hat eine Meinung darüber, was wahr und was falsch ist. Keinem Journalisten, der sich mit politischen Themen beschäftigt, bleibt es verschont, von irgendeiner Person als “Propagandist” bezeichnet zu werden.

Welche Meinung Deutschland wie ein Diktator beherrscht, darüber gehen die Ansichten auseinander. Einige Aussagen zeigen das deutlich. „Die Medien“, das sind immer die anderen

– Michael Miersch spricht von einer linken Meinungsdiktatur:

„Der allergrößte Teil der deutschen Journalisten liest morgen erst mal die Süddeutsche und orientiert sich an den dort vertretenen Meinungen. Und wenn man aus diesem Meinungskanon ausbricht, kann es schwierig werden mit den Kollegen.“ (zitiert von Vince Ebert, „Machen sie sich frei! Sonst macht es keiner für Sie“, S. 129)

– Eva Herman spricht von einer pro-amerikanischen Meinungsdiktatur:

„Es gibt in Deutschland zu gewissen Themen eine politisch korrekte Haltung, gegen die kein Journalist, der in den Mainstream-Medien arbeitet, verstoßen darf, andernfalls ist er weg vom Fenster. Dazu gehört auch die Gesinnung, dass Russland immer böse und Amerika immer lieb ist.“ (in einem Interview mit „Stimme Russlands“)

– Harald Martenstein spricht einfach von fehlender Demokratie:

„Falls man unter „Demokratie“ einen offenen, freien Meinungskampf versteht, ein Ringen um den richtigen Weg, dann haben wir nicht allzu viel davon. Und dazu ist nicht einmal ein Unterdrückungsapparat erforderlich, es hat sich einfach so ergeben.“ (in einem Artikel in der ZEIT)

Dass es keinen freien, offenen Meinungskampf gibt, aber gleichzeitig auch kein Unterdrückungsapparat, ist ein Widerspruch in sich. Wenn es keinen Unterdrückungsapparat gibt, gibt es sehr wohl einen freien und offenen Meinungskampf. Sollte sich daraus ein Mainstream ergeben, ist das kein Widerspruch zur Demokratie. Ludwig von Mises sagte, dass der einzige Weg des Liberalen der ist, Überzeugungsarbeit zu leisten. Wer ernsthaft von einer „Meinungsdiktatur“ spricht, richtet Schaden an, da er damit schon eine Ausrede für sein Scheitern bereithält: Ich kann ja nichts dafür, die Medien unterdrücken meine Ansichten. Man kapituliert, bevor der Kampf angefangen hat. Und überlässt damit den anderen die Bühne.

17 Antworten to “Die Medien, das sind immer die anderen”

  1. Gutartiges Geschwulst Says:

    Heißen Sie mit bürgerlichem Namen Aprin? Wenn ja, vergessen Sie bitte den Rest meines Kommentars.
    Wenn nicht, würde mich interessieren, weshalb Sie, trotz fehlender äußerer Druckmittel, einen Kunstnamen verwenden.
    Meine Frage ist ernsthaft gemeint, nicht spitzfindig.

    • arprin Says:

      Nein, das ist nicht mein bürgerlicher Name, aber man kann ihn daraus ableiten.

      Wenn nicht, würde mich interessieren, weshalb Sie, trotz fehlender äußerer Druckmittel, einen Kunstnamen verwenden.

      Das ist doch ein falsches Dilemma. Wieso muss man entweder mit seinem richtigen Namen schreiben oder Angst vor Druckmitteln haben? Ich will einfach nicht, dass jeder meinen Namen kennt. Aber ich habe keine Angst, irgendwann von der Polizei abgeholt zu werden und zu verschwinden.

  2. Gutartiges Geschwulst Says:

    Verzeihen Sie Arprin, sogar Ihr Pseudonym habe ich falsch geschrieben.

  3. Silem Says:

    Es ist doch ganz einfach. Unser System hat 2 Säulen. Demokratie und Kapitalismus. Diese 2 Säulen werden fast auf alle Bereiche unserer Gesellschaft übertragen auch auf die Medien. Das bedeutet das die Menschen eine Plattform bekommen deren Meinung die meisten interessieren und deren Meinung am meisten Geld einbringt. Das ist eine ganz einfache Rechnung. Jeder Versuch Meinungen gleichberechtigt zu verbreiten würde im Ansatz scheitern oder in eine Diktatur der Gleichheit führen.

    Man muss das akzeptieren, ganz einfach. Und ich werde meine Meinung sicher nicht mit meinem bürgerlichen Namen verbreiten. Denn der Staat ist neutral, der Internetpöbel nicht. Danke für das schöne Beispiel an „Gutartiges Geschwulst“

    • Olaf Says:

      GEZ Zwangsgebühren sind das Gegenteil von Kapitalismus, deshalb nennt man sie auch Diktaturabgabe, in kritischen Kreisen.

      • Silem Says:

        Die GEZ dient aber dazu ein paar Staatssender zu finanzieren und nicht die gesamte Medienlandschaft. Der Rest der Medienlandschaft, die auch noch die überragende Mehrheit stellen, muss sich einfach über Werbung und Leser finanzieren und da folgen die streng kapitalistischen Ideen. Auf die GEZ sollte man sich nicht zu sehr versteifen.

  4. Gutartiges Geschwulst Says:

    arprin: „Wenn ich als Beispiel für fehlende Meinungsfreiheit höre, dass Menschen mit politisch inkorrekten Ansichten verleumdet und diffamiert werden, frage ich mich, was diese Leute unter “Meinungsfreiheit” verstehen.“

    Hallo Arprin, Meinungsfreiheit, so wie ich sie verstehe, schließt aus, dass Menschen Rufmord und Sachbeschädigungen ertragen müssen, nur weil sie tatsächlich ihre Meinung äußern:
    http://www.sh.diefreiheit.org/?p=909
    https://linksunten.indymedia.org/de/node/81956
    Den Meisten von uns ist wohl noch erinnerlich, wie sich die Folgen der “Meinungsfreiheit” auf Eva Herman sowie Ursula und Thilo Sarrazin auswirkten. Ein aktuelleres Beispiel:
    http://www.focus.de/panorama/boulevard/bombenalarm-bei-barefoot-in-berlin-unbekannte-drohen-til-schweigers-produktionsfirma-_aid_959772.html

    arprin sagt: „Aber ich habe keine Angst, irgendwann von der Polizei abgeholt zu werden und zu verschwinden.“

    Diese Angst habe ich derzeit auch nicht. Die Gefahr der sozialen und materiellen Zerstörung ist jedoch groß genug, dass ich es vorziehe ein Pseudonym zu verwenden.
    Ihr
    G.G.

    • arprin Says:

      Was sollen denn diese Beispiele aussagen? Weder Claus Schaffer noch Til Schweiger wurden vom Staat in ihrer Meinung beschnitten. Und ich sehe in den von dir genannten Beispielen auch keinen „Rufmord“. Ist es Rufmord, Schaffer einen „Rechtspopulisten“ zu nennen? Darf Broder dann Augstein auch nicht mehr Antisemit nennen, wenn Augstein das als Rufmord empfindet? Und Sarrazin wurde in seiner Meinungsfreiheit beschnitten, weil er nur 1,5 Millionen Bücher verkaufen konnte und nur von der BILD verteidigt wurde und nicht auch von der Süddeutschen und in den Talkshows?

      • Olaf Says:

        Sarrazin hat seinen Job verloren, auf Geheiß der Kanzlerin, aber das hatten wir schon mal. Liberale Traumwelten sind hartnäckig.

      • arprin Says:

        Sarrazin hat seinen Job verloren

        Eine Kündigung hat was mit fehlender Meinungsfreiheit zu tun? Hat er nicht 1,5 Millionen Bücher verkauft und wurde er nicht von der BILD unterstützt? Habe ich das falsch in Erinnerung? Dass er gegen den von ihm unterschriebenen Arbeitsvertrag verstoßen hat und deshalb entlassen wurde hat doch nichts mit fehlender Meinungsfreiheit zu tun.

        auf Geheiß der Kanzlerin

        Hast du auch Beweise dafür, dass es so war? Das wäre eine Sensation.

        aber das hatten wir schon mal. Liberale Traumwelten sind hartnäckig.

        Nein, Olaf, deine Traumwelt ist hartnäckig.

  5. Molot Says:

    In Deutschland herrscht Meinungsfreiheit, was viele Menschen unter “Zensur” verstehen, ist in den meisten Fällen lediglich Kritik an ihrer Meinung.

    Lesen Sie sich mal den Paragraphen 130 des deutschen Strafgesetzbuches durch, bevor Sie solche Behauptungen aufstellen.

    • arprin Says:

      Lesen Sie sich mal meinen Artikel durch, bevor Sie solche Kritik üben. Ich sagte, dass es keine Einschränkung der Meinungsfreiheit ist, wenn man einen anderen Menschen „Rechtspopulisten“ nennt. Und ja, es gibt leider auch echte Zensur in Deutschland, nur sind diese Fälle nicht gemeint, wenn man von „Meinungsdiktatur“ spricht.

  6. Molot Says:

    @arprin
    Was ich kritisiert habe war eine ganz konkrete Behauptung Ihrerseits, welche ich auch zitiert hatte.

  7. Torsten Werner Says:

    Hier wird aber manches überinterpretiert. Auch in einer echten Diktatur gibt es nicht ausschließlich Zustimmung zum Diktator sondern auch Ablehnung. Nur wird letzterer eben auf mehr oder weniger große Probleme stoßen.
    Herr Miersch benutzt den Begriff „linke Meinungsdiktatur“ als Gleichnis. Ein Journalist mit einer Anti-Mainstream-Meinung stößt wohl im Kollegenkreis nicht gerade auf Unterstützung. Natürlich landet er deswegen nicht im echten Gefängnis, aber in einer Art „Meinungsgefängnis“.

    • arprin Says:

      Auch in einer echten Diktatur gibt es nicht ausschließlich Zustimmung zum Diktator sondern auch Ablehnung. Nur wird letzterer eben auf mehr oder weniger große Probleme stoßen.

      In Diktaturen ist Kritik an der Regierung in den meisten Fällen komplett verboten, es sei denn, sie wird mit der Regierung abgesprochen.

      Ein Journalist mit einer Anti-Mainstream-Meinung stößt wohl im Kollegenkreis nicht gerade auf Unterstützung. Natürlich landet er deswegen nicht im echten Gefängnis, aber in einer Art “Meinungsgefängnis”.

      Auf Ablehnung zu stoßen, hat nichts mit Einschränkung der Meinungsfreiheit zu tun. Im Gegenteil: Jeder darf jede andere Meinung ablehnen, wenn er will.

      • Torsten Werner Says:

        Ich meine, man muss 2 Sachen auseinanderhalten: 1) irgendeine diktatorische Gesellschaft. Selbstverständlich gibt es dort trotz Verbots Kritik im privaten Umfeld unter Leuten, die sich vertrauen. Die kritische Auseinandersetzung mit der Gesellschaft kann sogar höher sein als in einer eher freien Gesellschaft.

        2) Die von Journalisten veröffentlichte Meinung in unserer Gesellschaft, die nur ein kleiner Teil ist. Herr Miersch bezieht sich m.E. nur auf diesen Teil. Sein Gleichnis halte ich für diesen Teil unserer Gesellschaft für passend. Natürlich gilt der nicht für die gesamte Gesellschaft, aber das behauptet er auch gar nicht.

  8. Rechtspopulistisches Leserkommentarspalten-Arschloch Says:

    Meinungsfreiheit ist genau und nur dann erreicht, wenn alle mit MIR! MIR!! MIR!!! einer Meinung sind! Wer das nicht ist, der sollte sich schleunigst aus Däutschland verpissen, denn wenn isch erst mal Führer und Bundeskanzler bin, dann steht das Blut hüfttief in den Gutmenschenvierteln, dann brennen die Hipsterbärte, dann werden die Genderfotzen zu Gulasch geschreddert! Mit Zigeunersauce! Das wird man doch wohl noch mal sagen dürfen, wird man das!

    Rülps!

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