Argumente statt Keulen

Die letzte Gleichschaltung erfolgte unter ihm

Wer zuerst Hitler sagt, hat gewonnen!

Vor zwei Wochen wurde Bernd Lucke in der Talkshow „hart aber fair“ die Frage gestellt, was er davon hält, dass die NPD die AfD für ihren eurokritischen Kurs lobt. Lucke reagierte souverän. Kurz darauf merkte Henryk M. Broder an, niemand würde auf gedeckten Apfelkuchen verzichten, wenn ein NDP-Funktionär öffentlich erklären würde, dass er gedeckten Apfelkuchen mag. Tatsächlich gibt es seitens der NPD nicht nur Überschneidungen mit der AfD, sondern auch mit den meisten anderen Parteien.

Die NPD setzt sich gegen Atomkraft und Gentechnik ein (wie die Grünen), demonstriert gegen Hartz IV, Globalisierung und „für Palästina“, teilweise gemeinsam mit Angehörigen der Linkspartei, bekämpft wie die CDU erbittert die Legalisierung von Drogen, Abtreibung und der Homo-Ehe und in Sachen Mindestlohn unterscheidet sich der Kurs der NPD nur um 30 Cent von dem der SPD – nämlich 8,80 Euro statt 8,50. Nur mit der FDP findet man schwer irgendwelche Gemeinsamkeiten.

Es gibt zwischen allen politischen Lagern Überschneidungen. Vor allem dann, wenn es sich um Parteien mit einem kollektivistischen Programm handelt (wie allen Parteien im Bundestag und auch der AfD). Die Nazi-Keule wird auch gerne von Libertären benutzt, wenn es z.B. um das Waffenrecht geht. Dabei war das Waffenrecht unter Hitler liberaler als in der Weimarer Republik. Das „What would Hitler do?“ eignet sich also nicht, um eine Diskussion für sich zu entscheiden, es müssen schon auch Argumente her.

In politischen Diskussionen gibt es aber nicht nur die Nazi-Keule. Jedes politische Spektrum hat seine eigene Keule, die von ihren Gegnern benutzt wird, wenn sie keine Lust mehr haben, sich mit ihren Argumenten auseinanderzusetzen. Wenn es um konservative oder rechte Parteien geht, ist die Nazi-Keule der Standard. Diese Keule hat jedoch mittlerweile universelle Verwendbarkeit gewonnen – man kann sie also gegen jeden einsetzen, den man möchte (s. auch Godwins Gesetz).

Wenn von sozialdemokratischen oder sozialistischen Parteien die Rede ist, kommt man mit „100 Millionen Toten“, Nordkorea oder der DDR. Bei islamischen Organisationen wird sofort das Schreckensszenario Saudi-Arabien an die Wand gemalt (oder auch der Iran). Liberale müssen sich immer wieder anhören, dass Chiles Diktator Pinochet sich von Friedmans Jüngern beraten ließ. Wer eine Diskussion mit einem Anarchisten mit einem Wort für sich entscheiden will, sagt „Somalia“. Für einen Libertären reicht ebenfalls ein Wort („Sozialist“ oder „Staazi“), um eine Diskussion zu gewinnen.

Keulen sollten keine Argumente ersetzen. Nicht nur, weil Argumente die bessere Methode sind, um sich mit Andersdenkenden auseinanderzusetzen, sondern weil sie in den meisten Fällen auch falsch sind. Ich glaube nicht, dass Gabriel oder Trittin sich nordkoreanische Zustände in Deutschland wünschen, Ayman Mayzek will aus Deutschland keine Islamische Republik machen, die FDP plant keine Militärdiktatur und wer der Meinung ist, dass Behinderte eine staatliche Rente erhalten sollten, muss nicht zwangsläufig ein Sozialist sein.

Eine Antwort to “Argumente statt Keulen”

  1. Links der Woche | Freisinnige Zeitung Says:

    […] Jorge Arprin auf Arprin: Argumente statt Keulen […]

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