Es gibt keine Grenzen des Wachstums

Der Club of Rome prophezeite das Ende des Wachstums

Der Club of Rome prophezeite das Ende des Wachstums

Der Club of Rome hat wieder zugeschlagen: Nachdem man 1972 ein „Ende des Wachstums“ und Hungersnöte mit Milliarden Toten prophezeit hatte, heißt es heute, der Menschheit drohe ein „Rückfall in vorindustrielle Zeiten“. Und Jakob Augstein blast in seiner neuen Kolumne in dasselbe Horn: „Was muss geschehen, damit die Wachstumsprediger dazulernen?“, „Aber Paqué … predigt unverdrossen Wachstum, Wachstum, Wachstum“, „Die Wachstumsprediger und die Klimaleugner tappen in die Falle des Vulgär-Liberalismus: Sie verwechseln Freiheit mit Verantwortungslosigkeit“.

Der amerikanische Journalist und Ökonom Henry Hazlitt hat in seinem 1946 erschienen und bis heute bekannten Klassiker “Economics in one lesson” mit dem Märchen vom „begrenzten Wachstum“ (einer der Lieblingsargumente der Antikapitalisten und Grünen, die sich eine „wachstumslose Gesellschaft“ wünschen) aufgeräumt. In wenigen Sätzen, die, wie für ihn typisch, einfach und leicht verständlich geschrieben sind, erklärt Hazlitt, warum es keine Grenzen für Wirtschaftswachstum gibt.

“(…) Kapital besteht zum einen aus zahllosen Gegenständen, die wir vielleicht besser dauerhafte Verbrauchsgüter nennen sollten – Automobile, Kühlschränke, Möbel, Schulen, Universitäten, Kirchen, Bibliotheken, Krankenhäuser und insbesondere Wohnungen. Noch nie seit Bestehen der Erde hat es von letzteren genug gegeben. Und selbst wenn es rein zahlenmäßig genug gäbe, wären unbegrenzte qualitative Verbesserungen möglich und wünschenswert, wovon vielleicht lediglich die allerbesten Wohnungen ausgenommen wären.

Den anderen Teil des Kapitals könnten wir das eigentliche Kapital nennen. Es besteht aus den Produktionswerkzeugen, zu denen alles gehört, von der Axt, dem Messer oder dem Pflug bis zu den kompliziertesten Werkzeugmaschinen, den größten Stromgeneratoren oder Zyklotronen oder den raffiniertest ausgestatteten Fabriken. Auch hier gibt es weder quantitative noch qualitative Grenzen für eine Erweiterung, die möglich und wünschenswertwäre. Es wird keinen “Überschuss” an Kapital geben, solange das rückständigste Land technologisch nicht genauso gut ausgestattet ist wie das fortschrittlichste, solange nicht das unrentabelste Unternehmen des Landes gleichgezogen hat mit dem technisch bestausgerüsteten und solange die modernsten Produktionseinrichtungen nicht einen Punkt erreicht haben, an dem der menschliche Erfindungsgeist an seine Grenzen stößt und nicht mehr verbessern kann. Solange nur eine dieser Bedingungen noch nicht erfüllt ist, bleibt unbegrenzt Raum für mehr Kapital.“

(Aus „Economics! Über Wirtschaft und Misswirtschaft„, S. 223-224)

15 Antworten to “Es gibt keine Grenzen des Wachstums”

  1. Paul Says:

    Ich habe ein Paradoxon entdeckt:

    Obwohl Logik so einfach zu verstehen ist, wird sie von vielen (den Meisten?) nicht verstanden!! 😦

    Noch etwas zu Augstein:
    Auf seinem Foto sieht er doch eigentlich ganz intelligent aus. Ob das wohl ein Double ist ? 🙂

    • arprin Says:

      Auf seinem Foto sieht er doch eigentlich ganz intelligent aus. Ob das wohl ein Double ist ? 🙂

      Dann müsste dieser Double aber auch bei Talkshows auftreten. Das wär wohl zu aufwendig 😉

  2. blub Says:

    Das Problem am Ökofaschisten Augstein ist, dass er nicht versteht, dass die Befriedigung von Bedürfnissen automatisch zu einem Wirtschaftswachstum führt. Es geht ihm nämlich garnicht darum Bedürfnisse zu befriedigen, sondern einfach Wachstumshass als Selbstzweck zu predigen.
    Außerdem lassen sich Alternativen zur Rohstoffbeschaffung finden. Wie es z.B. Planetary Resources zeigt, die im Weltraum auf die Suche gehen wollen. Das führt dann trotzdem zum bösen Wirtschaftswachstum, aber betrifft auf der Erde keinen Menschen mehr. Man verlagert sozusagen zum ersten Mal in der Geschichte die Grenze des Imperiums soweit nach außen, sodass es keine in der Peripherie lebenden Menschen mehr gibt, die davon betroffen sein könnten.

    • arprin Says:

      Michael Miersch hat diesen Wachstumskritikern mal einen Text gewidmet:
      http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/wachstumskritik_ein_evergreen/
      „Grüne Vordenker wie Carl Amery forderten schon in den 80er Jahren Nullwachstum. Kürzlich las ich in der BILD-Zeitung die Rezension eines Buches, in dem eine deutsche Autorin argumentiert, Kinder seien der größte Schaden für das Klima. Jedes Kind bedeute 9441 Tonnen zusätzliches CO2. Da sei der Ver-zicht auf Kinder die vernünftigste Klimaschutzmaßnahme. … Wachstumskritiker haben ein Patentrezept für dieses Dilemma: Verzicht! Sie empfehlen dem Fortschritt strenge Grenzen zu setzen und uns in Demut zu üben. Rousseau war übrigens der Ansicht, das Erdbeben von Lissabon 1755 habe nur deshalb so schlimme Folgen gehabt, weil der Mensch in seiner Hybris es gewagt hatte, mehrstöckige Häuser zu bauen.“

      • blub Says:

        Danke, hab ich mir durchgelesen, und bestätigt mich nur noch mehr 😀 Wobei mein Vorwurf des Ökofaschismus vielleicht ein bisschen hochgegriffen war.
        Zusätzlich zu der von mir erwähnten Rohstoffbeschaffung im All, werden zudem Dinge wie das u.a. von Michael Braungart propagierte Upcycling und die Idee der Verbreitung der Idee des exponentiellen Wachstums im Zusammenhang mit Technological Singularity und Teilen des Transhumanismus immer interessanter und wichtiger. Aber das findet der Deutsche mit seiner German Technoangst bestimmt auch alles ganz furchtbar und unnatürlich…
        Interessanterweise nennt Ralf Fücks (ehemals KBW, heute Die Grünen) den Zweifel an der Wachstumsökonomie „Weltflucht“:
        http://green.wiwo.de/debatte-green-economy-vs-verzicht-auf-wachstum/
        Ich hab mal eine andere Frage, die vielleicht indirekt was mit diesem Thema zu tun hat. Was denken (westlich-amerikanische) Neokonservative über das heutige China? Nicht nur im Bezug auf das starke Wirtschaftswachstum, sondern auch über die politischen Verhältnisse, Tibet, chinesisches Engagement in Afrika etc.? Mir ist bekannt dass man sich Ende der 90er Jahre gegen China gestellt hat. Nach dem 11. September hat sich China aber für den War on Terror etc. eingesetzt und die Spannungen der 90er lösten sich daraufhin teilweise. Weiterhin ist verschiedenen chinesischen Intellektuellen sehr bewusst, dass China nur überleben kann, wenn es sich langsam dem westlichen Demokratiemodell annähern wird.

      • arprin Says:

        Danke für den Wiwo-Link. „Weltflucht“ trifft es ganz gut.

        Über das, was die Neocons über das heutige China denken, weiß ich leider wenig. Ich denke aber nicht, dass sich ihre Position in den letzten Jahren gewandelt hat.

  3. aron2201sperber Says:

    gefällt mir (Funktion geht bei mir gerade nicht)

  4. shaze86 Says:

    Habe mir gerade das Buch bei Amazon bestellt. Suche länger schon nach so etwas.

  5. shaze86 Says:

    Es gibt aber dennoch Grenzen: Und zwar rein Physikalische. Die Welt kann garantiert keine 100 Mrd Menschen mit Nahrung versorgen ( OK vllt. in 50 Jahren ). Oder Rohstoffe sind begrenzt vorhanden. z.B. kann es keine 5 Mrd. Autofahrer geben.

    • blub Says:

      ja, es gibt physikalische Grenzen. Die haben wir aber noch lange nicht erreicht. Auf die Erdoberfläche fällt jeden Tag das 10000fache an Sonnenenergie, was wir pro Tag an Energie brauchen. Wir könnten leicht mit Solarkraftwerken in der Sahara ganz Europa mit Energie versorgen. Edward Teller erkannte den Vorteil von Solarenergie schon in den 1970ern. Zusätzlich ergäbe das weitere Wohlstandspotenziale für diese Länder, durch Belebung des dortigen Wirtschaftlebens, wovon auch wir wiederum profitieren könnten.
      Wir könnten auch heute schon 10 Milliarden Menschen ernähren. Die reine Nahrungsproduktion würde dies ermöglichen. Wir verwerten die Nahrungsmittel im Moment einfach noch zu wenig, und schmeißen sie stattdessen weg. Und nein, ich will nicht wie Ilse Aigner
      Klar, Rohstoffe sind begrenzt vorhanden. Deshalb gibt es doch Recycling, und wenn dabei die Rohstoffe in min. ursprünglicher Qualität herauskommen würden, hätten wir dieses Problem nicht mehr (siehe Upcycling und Michael Braungart). Zusätzlich lassen sich Rohstoffe aus dem Weltall importieren. Den 5 Mrd. Autofahrern steht also nichts im Weg. Dazu braucht nichtmal jeder ein eigenes Auto. Über den Tag verteilt stehen die meisten Autos leer herum. Deshalb gab es ja auch die Idee des Carsharings, die im Moment stark an Fahrt aufnimmt.

      • shaze86 Says:

        Die 10.000 fache Energie: x Wirkungsgrad 0,15 x Landfläche 0,3 x Anbaufläche ( – Naturschutz ) 0,05 x Erneuerungen ( alle 20 Jahre ) 0,95 x Erzeugungsverbrauch bei der Herstellung x 0,9 = 19. Und dann sind immer noch viele Fragen ( Speicherung, Umwandlung, Transport ) offen. Die unglaubliche Fläche von etwa Australien wäre zugebaut. Außerdem wird sich der Energieverbrauch weltweit mindestens verdoppeln.

        Carsharung ist für mich kein Wachstum, sondern eine Einschränkung oder Rationalisierung.

  6. kreisel Says:

    Die Effizienz liegt heute schon bei 44%:
    http://www.golem.de/news/sharp-hocheffiziente-solarzelle-mit-44-prozent-wirkungsgrad-1306-99846.html
    Und in naher Zukunft in bestimmten Gebieten günstiger als Kohle:
    http://green.wiwo.de/intersolar-kleine-lupen-machen-solarzellen-billiger-als-kohle/
    Jetzt sind die Kosten noch sehr hoch. Aber warum sollte die Entwicklung nicht weitergehen? Ist sie doch bis heute auch. Hier liegt auch einer der größten Denkfehler der Wachstumskritiker, sie ignorieren den Fortschritt, die Weiterentwicklung, im Grunde das, was sie so kritisieren, das Wachstum.
    Bei Extrapolierung, kann man feststellen, dass es sich bis jetzt um eine exponentielle Entwicklung handelte. Wenn man diese Entwicklung weiterführt, kann man mit hoher Wahrscheinlichkeit vermuten/davon ausgehen, dass wir in Zukunft, auch wenn der Energieverbrauch steigt, genug Solarenergie zur Verfügung haben werden.
    http://bigthink.com/think-tank/ray-kurzweil-solar-will-power-the-world-in-16-years
    Vielleicht hat Ray Kurzweil auch nicht recht. Auf jedenfall hat er mit manchen Vorraussagen recht behalten. Mit manchen auch nicht, vollautonome Autos hat er für das Jahr 2000 vorrausgesagt. Erst jetzt, ca. 10 Jahre später gibt sie. Die Markteinführung ist in spätestens 15 Jahren (BMWs Vorhersage). Google ist mit fahrerlosen Autos bisher 500000 Kilometer unfallfrei gefahren. Das schaffen sonst vielleicht Taxi- und LKW-Fahrer. Versicherbar sind sie somit praktisch jetzt schon, und das wahrscheinlich weitaus günstiger als heutige Autos. Deshalb denke ich persönlich das es max. noch 8 Jahre bis zur Markteinführung sein werden.
    Wenn Solarzellen statt 16 Jahre nun 40 Jahre brauchen, ist das trotzdem kein Argument gegen Wirtschaftswachstum.
    Mit intelligenten Ideen lässt sich zudem der Flächenverbrauch reduzieren oder rationalisieren:
    http://green.wiwo.de/mobilitat-strasen-aus-solarmodulen/
    Akkumulatoren werden auch immer besser.
    Was meinst du mit Umwandlung und Transport?

    Zum Carsharing und vollautonomen Autos: Mit der freigestellten Arbeitskraft kann aber anderes produziert werden, wie weitgehend immaterielle Güter wie z.B. Musik, Filme oder allgemein Kulturgüter. Carsharing führt also indirekt zu einem Wirtschaftswachstum. In der Autobranche wird dies langfristig wahrscheinlich zu einer Wachstumsabschwächung führen, wobei im Moment noch riesiges Potenzial in Entwicklungsländern besteht und in anderen Branchen wird es dafür zu stärkerem Wachstum kommen.
    Deshalb zeigen Wachstumskritiker so mit dem Finger auf Rationalisierungen, weil diese zu Rebound-Effekten führen, am Ende also vielleicht sogar mehr Ressourcen verwendet werden, da dann der Zugriff für mehr Leute besteht. Beim Carsharing hieße das: Mobilität wird soweit vergünstigt, dass sie für mehr Leute bezahlbar wird. (Es kommt also sogar zum Gegenteil einer Einschränkung.) Soweit ich weiß nennt man die Effekte die dazu führen, auch Skaleneffekte. Typischerweise kennt man die aus dem Vergleich industrieller Massenproduktion zu Manufaktur. Also eine Form der Rationalisierung, durch die Produkte soviel günstiger werden, dass sie sich mehr Leute leisten können, und deshalb am Ende, trotzdem die einzelne Ware günstiger ist, mehr Umsatz und Gewinn erwirtschaftet wird. Eines der bekanntesten Beispiele der Geschichte ist Tin Lizzy von Ford.

    Soft-Anti-Wachstumskritiker fordern auch nicht Wachstum um des Wachstums willen, sondern sagen, dass eine durch den Staat zwangsverordnete Einschränkung des Wachstums heute falsch wäre, da noch lange nicht die Bedürfnisse aller Menschen befriedigt sind. Wenn dies erreicht ist, hört die Wirtschaft halt auf zu wachsen. Daran dürfte sich niemand stören, schließlich werden alle Bedürfnisse befriedigt.

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