Warum ich dir keinen Arbeitsplatz gebe

Ist Ungarn noch zu retten?

Ist Ungarn noch zu retten?

Im Januar 2012 veröffentlichte der ungarische Blogger Jakab Andor auf seiner Seite einen Text, in dem er mit viel Wut im Bauch seinen Landsleuten versuchte zu erklären, warum sie keinen Arbeitsplatz bekommen. Während der Text in vielen englischsprachigen Seiten verbreitet wurde, gab es im deutschsprachigen Raum nur eine Seite, die den Text übersetzte: Mises-Media. Die Seite ist jedoch mittlerweile offline, so dass man Jakab Andors wunderbaren Text nirgendwo mehr auf Deutsch finden kann. Das soll sich jetzt ändern. In Ungarn hat sich seit Januar 2012 wenig geändert, also ist der Text noch immer aktuell.

Warum ich dir keinen Arbeitsplatz gebe

Ich könnte 12 Personen mit €760 Nettogehalt einstellen, aber ich mache es nicht. Ich sage dir auch warum. Du könntest für mein Dienstleistungsunternehmen in einem schönen Büro arbeiten. Es ist kein Telefonverkauf, es ist kein Betrug. Du würdest ernsthafte Arbeit machen die hohe Qualifikationen erfordern, 8 Stunden pro Tag, nur an Wochentagen. Ich würde dich legal einstellen, ich würde deine Steuern und Sozialversicherung bezahlen. Ich könnte so eine Stelle an ein Dutzend Personen vergeben, aber ich werde es nicht, und hier erkläre ich warum.

Ich würde keine Frau einstellen.

Der Grund ist einfach: Frauen gebären Kinder. Ich habe kein Recht Sie zu fragen ob sie eines will. Wenn ich das Recht dazu hätte, und Sie würde mir antworten, könnte Sie mich absichtlich täuschen oder Sie könnte ihre Meinung ändern.

Verstehe mich nicht falsch, ich habe kein Problem damit, dass Frauen Kinder gebären. So wurde ich geboren und so wurde mein Kind geboren. Ich würde keine Frau einstellen, da Sie, wenn Sie schwanger wird, auf einen 3 Jahre langen Mutterschaftsurlaub geht, währenddessen ich Sie nicht entlassen kann. Wenn Sie zwei Kinder will, ist der Urlaub 6 Jahre lang.

Natürlich muss die Arbeit getan werden, also müsste ich jemanden einstellen, der an ihrer Stelle arbeitet während Sie in ihren langen Urlaubsjahren verweilt. Aber ich könnte Sie nicht nur nicht feuern während Sie weg ist, ich könnte Sie auch nicht feuern wenn Sie zurückkommt. Also müsste ich denjenigen feuern, der die ganze Zeit an ihrer Stelle gearbeitet hat. Wenn eine Frau vom Mutterschaftsurlaub zurückkehrt, wäre ich gesetzlich gezwungen ihr Gehalt auf das derzeitige Niveau in ihrer Position anzuheben. Auch müsste ich ihr ihre normalen Urlaubstage geben, die Sie während ihres Mutterschaftsurlaubs angesammelt hat. Wenn Sie zurück zur Arbeit kommt, würde Sie mit 2-4 Monaten voll bezahltem Urlaub beginnen.

Ich würde auch keine Personen über 50 einstellen.

Nicht dass ich irgendein Problem mit den erfahrensten Fachmännern habe. Ich würde sie nicht einstellen, da sie bald im geschütztem Alter sein werden. Und dann würde ich mit ihnen in der Falle sitzen, ähnlich wie bei der Einstellung von Frauen. Du kannst Personen im geschützten Alter nicht entlassen, also müsste ich ihr Gehalt und ihre Gesamtkosten bezahlen, selbst wenn er oder sie nicht gut oder nur auf dem niedrigsten akzeptierbaren Standard arbeitet. Ich könnte den geschützten Angestellten nicht feuern, aber jemand müsste die Arbeit richtig machen; also müsste ich eine andere Person einstellen. Es ist für mich in Ordnung, dass sie geschützt sind, aber ich würde sie dann nicht einstellen.

Ich würde nur Männer einstellen, die 25-50 Jahre alt sind.

Sie sind auch riskant. Weil ich nicht das Recht habe, sie aus jedem Grund zu entlassen (ich habe nicht genug Einnahmen, ich mag nicht wie sie arbeiten) den ich will. Es gibt ein hohes Risiko, dass sie vor Gericht gehen werden, und die Chancen sind groß, dass sie gewinnen würden. Aber mit diesem Risiko wäre ich bereit umzugehen.

Du würdest mich €1572 kosten.

Dein                 Dein                 Summe               Staatl.
Nettogehalt:    Bruttogehalt:   meiner Kosten:  Zuschlag:

€ 185                € 238               € 306                165%
€ 227                € 306               € 393                173%
€ 322                € 458               € 589                183%
€ 408                € 612               € 786                193%
€ 479                € 765               € 982                205%
€ 570                € 917               € 1178              207%
€ 760               € 1223              € 1572              207%
€ 950                € 1529             € 1965              207%

Das sind aktuelle Daten vom www.netober.com Gehalts-Rechner. Wie du sehen kannst, würde dein €760 Gehalt meinem Unternehmen €1572 kosten. Der einzige Weg diesen 2x Staat Multiplikator zu reduzieren ist, dir einen niedrigeren Lohn zu zahlen. Aber ich würde dich nicht für weniger Geld einstellen, weil ich denke dass du dir für weniger als €760 kein anständiges Leben leiten könntest. Du würdest depressiv werden, dein Leben zerstören, mein Unternehmen und sogar mich. Also bin ich nicht bereit jemanden für weniger als diese Summe einzustellen.

Es ist nur Ungarn das so beschissen ist:

Diese Tabelle ist von einer Deloitte Studie (Anm.: Link dazu nicht mehr verfügbar). Wie du sehen kannst, nimmt der Staat sonst überall weniger als die Hälfte deines Gehalts weg. Es ist ärgerlich, dass ich dir mehr als € 1500 bezahle, aber du nur ein bisschen mehr als die Hälfte davon erhältst. Besonders weil du keine bessere Gesundheitsversorgung bekommen wirst als irgendjemand der mit einem Grundeinkommen gemeldet ist.

Ich müsste auch berücksichtigen, dass eine 35-jährige Person einen Anspruch auf 25 Tage Urlaub pro Jahr hat. Das bedeutet 1 Extra-Monat, für den jemand anderes einspringen muss. Wenn ich die Arbeit von 12 Personen bräuchte, müsste ich 13 einstellen, um denjenigen zu verrechnen, der auf Urlaub ist.

Aber ich würde dir immer noch einen Arbeitsplatz geben, trotz allem zuvor genannten.

Ich bin ein mutiger Unternehmer. Unternehmer tragen Risiko, also würde ich mein Apartment verkaufen und in eine gemietete Wohnung ziehen. Ich würde mein Apartment verkaufen und ich würde in eine Mietwohnung umziehen. Ich würde hoffen, dass die €90,000 vom Verkauf genug sein werden. Ich würde mein Geschäft mutig gründen und wenn es nicht erfolgreich ist (ziemlich wahrscheinlich bei Startups) würde ich keine Heulsuse sein.

Mein Unternehmen würde einen exzellenten Service anbieten, und das ist unmöglich ohne anständige Arbeitsbedingungen anzubieten. Ich würde 13 Leute anstellen. Ich würde ständig die Arbeit von 12 Personen brauchen, plus den einen der anstelle von dem arbeitet, gerade auf Urlaub ist. 14 Personen, mich eingeschlossen, würden in dem 158 m² großen, schön eingerichteten und bequemen Büro arbeiten. Das würde 10 €/m² Miete im Monat kosten und 3,5 €/m² Monat an Benutzungsgebühren, mit Gesamtkosten von 2133 € pro Monat.

Das wären meine monatlichen Ausgaben:

Büro: € 2,133
Gehälter: 13 x €1572 = € 20,436
Andere Ausgaben (Buchhaltung, Marketing, etc.): € 3,058
Gesamt: € 25,627

Ganz schön erschreckend für Monatsausgaben, oder? Das ist wie viel ich jeden Monat bezahlen müsste, ungeachtet meiner Einnahmen. In den guten Monaten, und in den schlechten Monaten auch. In der Sommer-Nebensaison, und auch vor Weihnachten, wenn wir viel weniger Arbeit erledigen.

Dieses Unternehmen könnte möglicherweise nicht mehr als 1000 Stunden im Monat an gebührenpflichtigen Dienstleistungen im Durchschnittsmonat verkaufen. Um genug Einnahmen zu haben, um meine Kosten zu decken, müsste ich meine Preisgestaltung auf €25,627 / 1000 = €25 pro Stunde setzen. Aber Kostendeckung ist nicht genug, ich müsste auch Profit machen.

Ich bin nicht gierig aber der Markt ist auch hart. Ich würde auf meine Preise einen 20% Aufschlagen machen um Profit zu machen. Das würde meine stündliche Rate auf 30 € erhöhen, das sind dreißig Euro plus MwSt, €37,5. Ich würde diese Summe (ab)runden, damit unsere Kunden €37 pro Stunde für unsere Dienste bezahlen würden.

Von diesen €37, würden 7 direkt an den Staat gehen, 30 wären Einnahmen des Unternehmens. Ich bin eine optimistische Person. Unser Marketing wäre ausgezeichnet, meine Pläne würden perfekt funktionieren, wir würden erfolgreich einen Durchschnitt von 1000 Stunden Service pro Monat verkaufen. Das Geschäft würde gut laufen, ich wäre glücklich mit all meinen Angestellten, alles würde wunderbar klappen.

Das würde 1000 x €30 = €30,000 Einnahmen für das Unternehmen generieren.

€4,373 wären Profit. Ich könnte 2,446 Euro Bruttogehalt an mich selbst bezahlen, das würde meinem Unternehmen €3,144 kosten. Davon wären €1,521 mein Nettogehalt, fast das doppelte von dem was meine Angestellten bekommen, und das Unternehmen würde vor Steuerabzug €1,299 Profit machen. Davon würde ich €122 an Körperschaftssteuer zahlen, und die örtliche Betriebssteuer von 2% der Einnahmen, also €600. Am Ende hätte das Unternehmen €507 pro Monat in seinem Bankkonto zum Behalten übrig.

Also würde ich €1,521 pro Monat machen, aber vergiss nicht dass ich mein €90,000 Apartment verkauft und in das Unternehmen investiert habe. Also müsste ich eine Wohnung für mindestens €300 mieten, ansonsten würde ich obdachlos werden. Ich würde ein bescheidenes Leben führen, würde nicht viel ausgeben, und meine Frau würde auch Geld machen. Ich hätte nicht mal die Zeit um viel auszugeben, weil ich anders als meine Angestellten jeden Tag 12 Stunden arbeiten würde, sogar am Wochenende.

Auf diesem Weg könnte ich €900 pro Monat zusammen sparen, so dass meine €90,000-Investition in 100 Monaten wiederkommen würde. Ich würde 9 Jahre benötigen um das Geld wiederzuerlangen, das ich in das Unternehmen investiert habe, so dass ich mir ein neues Apartment kaufen könnte. Von da an würde ich nicht mehr mit einem kleinen Budget leben müssen, ich müsste keine Miete bezahlen und müsste auch nicht mehr sparen. Ich würde wie ein Europäer leben.

Unter diesen Umständen – ich hoffe es ist verständlich – fühle ich keine Not meine Wohnung zu verkaufen und das Geld in einem neuen Unternehmen zu finanzieren.

Aber aus vier Gründen werde ich es definitiv nicht machen.

1. Die Konkurrenz verkauft denselben Dienst, illegal, unter schlechten Bedingungen und verlangt nur €9 pro Stunde. Sie behalten einfach das Geld, ohne eine Rechnung zu stellen; sie beinhaltet gar nicht die MwSt. Sie müssen keine Verantwortung übernehmen, es gibt keine Garantien, sie machen offiziell gar nichts, es gibt nicht mal eine offizielle, legale Spur für ihre Existenz. Sie müssen kein Büro mieten, einen Buchalter anstellen. Wenn sie das 5 Stunden am Tag machen, können sie locker €1,000 machen. Sie würden meinem €760 Stellenangebot ihren Mittelfinger zeigen, wo sie keine schlechte Arbeit machen dürften, aber jeden Tag pünktlich erscheinen und professionelle Standards erfüllen müssten. Es wäre ihnen nicht erlaubt die Kunden zu betrügen, und wenn sie es tun, würden sie gefeuert werden.
2. Die Konkurrenz würde Schmierkampagnen gegen meinen Betrieb starten. Ich müsste anti-kapitalistischer Propaganda begegnen, ich würde als ein gieriges Arschloch gesehen werden der €37 für etwas verlangt wofür andere €9 verlangen, ich wäre ein Feind des freundlichen ungarischen Volkes, während andere für einen Bruchteil meines Preises ehrlich arbeiten würden …
3. Viele meiner Angestellten würden nur zur Arbeit kommen um meine Geschäftsgeheimnisse zu erlernen und meine Kunden zu stehlen. Sie würden sie wegködern mit der Lüge, dass sie denselben Betrag und dieselbe Qualität an Service zu einem Bruchteil des Preises bekommen werden. Nachdem sie mir genug Kunden gestohlen haben, würden sie meinem Unternehmen absichtlich viel Schaden zufügen um gefeuert zu werden. Dann würden sie vor Gericht gehen und behaupten ich hätte sie illegal entlassen, und sie würden den Fall gewinnen. In der Zwischenzeit würden sie fröhlich für die gestohlenen Kunden arbeiten, die zu finden mich ein Vermögen gekostet haben. Und natürlich würden sie beleidigt sein. Sie würden auf allen möglichen Foren heraus posaunen, dass sie für mein Unternehmen gearbeitet haben, sie wissen wovon sie reden. Nicht nur dass mein Dienst sehr teuer ist, die Qualität ist auch ein Stück Scheiße.
4. Sich über all das aufzuregen würde nicht helfen, niemand würde einen Scheiß drauf geben.

Das ist also hauptsächlich warum ich dir keinen Arbeitsplatz gebe. Und ich denke viele andere Unternehmer die versucht haben ein Unternehmer zu gründen, würden dir aus diesen Gründen keinen Arbeitsplatz geben. Und das ist der Grund warum immer mehr Leute arbeitslos sind und immer weniger kaufen, was bedeutet dass sie weniger MwSt zahlen. Und das ist der Grund wieso es immer weniger anständige Unternehmen gibt, die keine Arbeitslose einstellen, die weniger Steuern zahlen, so dass es weniger staatliches Geld für Sozialhilfe gibt, und das ist warum Sozialhilfe bald in Form von Konzentrationslagern kommen wird.

Ich würde dir nur einen Arbeitsplatz geben falls:

1. Ich dich entlassen kann, wann und wenn ich will.
2. Wenn die MwSt auf 20% gesenkt wird, besser wäre 15%.
3. Wenn der Staat “nur” 30% deines Geldes wegnimmt.
4. Wenn höher verdienende nicht exponentiell bestraft werden.
5. Wenn der Staat Korruption bestraft statt anständigen Unternehmen.

Solange sich diese Dinge nicht ändern, gebe ich dir keinen Arbeitsplatz. Solange der Staat Korruption in jedem möglichen Aspekt aufspürt, gründe ich kein Unternehmen und biete dir keinen Arbeitsplatz an

3 Antworten to “Warum ich dir keinen Arbeitsplatz gebe”

  1. shaze86 Says:

    Seine Forderungen würden die Dienstleistung 25 € Kosten, 4€ Davon wäre Profit. Und er könnte sich ein Monatsgehalt von 2000€ gönnen.

    Allerdings scheint sein Geschäft ein bisschen mysteriös. Warum braucht er gerade 13 Leute obwohl er durchschnittlich eh nur 1000 verkaufen kann? Das erscheint sehr unproduktiv, wobei er selber 12 Stunden pro Tag „arbeiten“ möchte. Das klingt sehr paradox. Auch ist nicht klar wofür er die 90.000 € Startkapital genau benötigt. Auch ist nicht klar warum eine hoch qualifizierte Person für nur 760€ zu haben ist.
    Würde er nur 7 Leute einstellen hätte er 160*7*11/12 1000 + seine eigene Arbeitszeit. Mit geringeren Arbeitskosten und kleinerem Büro könnte er nun den Nettopreis auf 22€ drücken.

    Trotzdem ist Ungarn ganz schön krass bei der staatlichen Abzocke.

    • asdf Says:

      Ganz einfach: Wenn es ein Unternehmen ist, welches Dienstleistungen anbietet, sei es nun Pizzeria, Friseursalon oder Reinigungsunternehmen, dann gibt es immer Leerlauf, Stunden in denen die Arbeitnehmer bereit stehen, bezahlt werden, aber Stunden die nicht verkauft werden.
      Auch Unternehmen, welche maßgeschneiderte Produkte verkaufen, sei es zB. Software oder Maschinen, haben nicht immer Kunden Schlange stehen.
      Ebenso gibt es Stunden, die nicht verkauft werden, weil sie Buchhaltung/sonstige Verwaltung/Reinigung des Unternehmen/… sind.

  2. Links der Woche | Freisinnige Zeitung Says:

    […] Jorge Arprin auf seinem Blog: Warum ich dir keinen Arbeitsplatz gebe […]

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