Die Aufregung um Hamed Abdel-Samad und den Imam Idriz

Am 31. Juli zeigte „Report München“ einen Bericht über die zwei Mordaufrufe an den deutsch-ägyptischen Islamkritiker Hamed Abdel-Samad:

Einen Tag zuvor berichtete Michael Stürzenberger bei PI News, dass der Imam Bajrambejamin Idriz auf einer Kundgebung der Partei „Die Freiheit“ aufgetaucht war und dort mit den Teilnehmern diskutiert hatte. Die koptische Christin Nawal behauptete, Idriz hätte auf die Frage, was er von Hamed Abdel-Samad halte, geantwortet: “Der steht auf unserer schwarzen Liste. Er wird es bereuen, was er gesagt hat.” Laut Stürzenberger hatte Nawal „keinen Zweifel“, dass Idriz das gesagt hatte. Allerdings ist die Äußerung nirgendwo auf Video oder Ton dokumentiert.

Da sich Abdel-Samad momentan mit zwei realen Mordaufrufen rumschlagen muss, wollte er sich verständlicherweise Klarheit über den Vorfall verschaffen. Er telefonierte mit Idriz und dieser vergewisserte ihm, dass „er sowas nicht einmal annähernd gesagt hat“. Nun ist das kein Beweis, doch in einem Rechtsstaat gilt die Unschuldsvermutung. Nach eigenen Angaben schätzt Abdel-Samad Idriz, auch wenn sie oft unterschiedliche Ansichten vertreten, außerdem soll sich Idriz öffentlich vom Mordaufruf an Abdel-Samad distanziert haben.

Die Reaktionen auf den Vorfall sind bedenklich und teilweise entlarvend. In der Kommentarspalte im Artikel bei der Achse des Guten wurde Abdel-Samad scharf kritisiert, einige gingen soweit, die Parole „Einmal Moslem, immer Moslem“ auszurufen. Bei PI News wurde ein Artikel von Gudrun Eussner veröffentlicht, in der Eussner behauptete, Abdel-Samad würde die „Sache des Islams“ verteidigen. Alles nur, weil er den Aussagen von PI/Freiheit nicht bedingungslos Glauben geschenkt hat. In Windeseile wurde aus einem Islamkritiker ein angeblicher Islamistenverharmloser.

Der Dokumentarfilm-Regisseur Felix Benneckenstein hat Ausschnitte des Gesprächs zwischen Idriz und dem PI/Freiheit-Netzwerk aufgezeichnet, in der die von PI verbreiteten Aussagen nicht zu hören sind. Auf seiner Facebook-Seite sagte Abdel-Samad, Benneckenstein hätte in einer eidesstattlichen Versicherung bestätigt, dass Idriz weder sagte, Abdel-Samad würde „auf seiner schwarzen Liste stehen“ noch dass er „bereuen wird, was er gesagt hat“. Er sei außerdem bereit, das gesamte Gespräch (die längere Fassung des Videos soll Abdel-Samad vorlegen) der Staatsanwaltschaft zur Verfügung zu stellen.

Bei dieser Debatte geht es nicht um die Gesinnung von Idriz noch darum, dass Idriz eine dubiose Person ist, sondern nur um die Frage, ob die von PI/Freiheit verbreiteten Aussagen wirklich so vorgefallen sind. Warum das in seiner Situation wichtig ist, hat Abdel-Samad noch mal klargestellt: „Ich reagiere genervt auf diese Geschichte, weil ich unter einer ernsthaften Bedrohung lebe, und weil die Polizei jeden Hinweis über eine Bedrohung ernst nimmt. Die Behauptungen von PI sehe ich deshalb als eine Ablenkung, die die Arbeit der Polizei erschwert und in die falsche Richtung lenkt!“

6 Antworten to “Die Aufregung um Hamed Abdel-Samad und den Imam Idriz”

  1. shaze86 Says:

    Entlarvend ist das richtige Wort.

    • shaze86 Says:

      Ich persönlich würde weder Idriz noch irgendwelchen PI-Leuten glauben. Aber gerade das macht den Fall doch spannend, oder etwa nicht?

      • arprin Says:

        Ja, ich würde auch weder Idriz noch PI/Freiheit glauben. Abdel-Samad sagt aber, dass das Gespräch zwischen beiden aufgezeichnet worden ist, ohne dass die von PI/Freiheit verbreiteten Aussagen dort zu hören sind.

  2. Herbert Says:

    Ich würde dem Lügen- Imam Idriz der noch nicht einmal seinen richtigen Vornamen trägt, glauben. Idriz wurde schon vor Jahren vom Spiegel als Extremist überführt. Bisher hat sich was auf PI geschrieben steht, alles bewahrheitet. Leider.

    • arprin Says:

      Natürlich ist Idriz keine ehrliche Person, aber offenbar wurde das Gespräch von ihm mit PI/Freiheit aufgenommen und es findet sich dort keine Drohung gegen Abdel-Samad.

      Bisher hat sich was auf PI geschrieben steht, alles bewahrheitet. Leider.

      Wovon sprichst du genau?

  3. Thomas Holm Says:

    Sich auf ein ja wohl nicht von unabhängiger Seite dokumentiertes Gespräch zu beziehen, ist immer heikel. Ein Damaskus*-gedrillter Imam Idriz hätte jedenfalls allen Grund zur Zurückhaltung. Andere weniger:

    Ab Min. 0.40 haben wir alles beisammen.

    *Islamisch-Theologisches Gymnasium (Al-Furqan Institute for Islamic Law and Arabic Literature) zwischen 1987-1994 in Damaskus/Syrien; Privatunterricht zwischen 1990-1994 in den Fächern: Islamische Theologie, Hadithwissenschaft und Koran-Exegese bei verschiedenen Islam-Gelehrten in Damaskus.

    http://www.islam-penzberg.de/179801.html

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