Schmeat statt Veggie-Day

Kommt die Zukunft des Burgers aus dem Labor?

Kommt die Zukunft des Burgers aus dem Labor?

Mit dem Vorschlag, einen „Veggie-Day“ einzuführen, haben die Grünen mal wieder einen Mediencoup gelandet, inklusive Nazi-Vergleiche. Als Gründe gegen übermäßigen Fleischkonsum werden u.a. aufgeführt:

– Es werden Tiere getötet.
– Es ist umweltschädlich.
– Es schadet der Dritten Welt.

Das erste Argument ist zwar richtig, allerdings werden bei z.B. n Australien der Getreideproduktion mehr Tiere getötet als bei der Fleischproduktion. Das zweite und dritte Argument treffen zu: Schafe, Schweine und Geflügel verursachen mehr Treibhausgasemissionen als der gesamte Transportverkehr, etwa 70% der landwirtschaftlichen Flächen wird für Fleischproduktion verwendet, ein Drittel der Getreideernte wandert in den Futtertrog (diese Fläche fehlt dann zum Anbau von Getreide, Gemüse und Früchten), dazu kommt noch ein gewaltiger Wasserverbrauch.

Wie lassen sich diese Probleme lösen? Winston Churchill sagte 1931: “Fifty years hence, we shall escape the absurdity of growing a whole chicken in order to eat the breast or wing by growing these parts separately under a suitable medium.” Auch wenn nun 82 Jahre vergangen sind ohne dass sich Churchills Wunsch erfüllte, haben niederländische Forscher vor 10 Tagen in London erstmals eine Alternative vorgestellt: Das Fleisch aus dem Labor, auch „Schmeat“ oder „Labburger“ genannt.

Es gibt aber noch viele Hürden, die das Laborfleisch wohl erst in 10 oder 20 Jahren meistern werden kann: Die Qualität des Labburgers kann noch nicht mit dem Bio-Fleisch mithalten und die Kosten sind sehr hoch (250.000 Euro für einen Burger), außerdem gehören die Grünen bekanntlich zu den größten Gegnern von Lebensmittel aus dem Labor – auch, wenn man damit der Umwelt und der Dritten Welt helfen kann. Dirk Maxeiner und Michael Miersch haben schon im Februar 2012 einen kommenden Kulturkampf prophezeit:

Es wäre ein Traum, diesen historischen Sprung in eine Welt ohne Schlachthäuser mitzuerleben. Vorher dürfte aber eine neue Front in der deutschen Moralschlacht aufgemacht werden. Auf der einen Seite die Fortschrittsoptimisten gemeinsam mit den Tierfreunden und einem Teil der Umweltschützer. Auf der anderen die Technophoben, Bio-Gläubige und Gourmets die nach blutigem Fleisch aus echten Tieren verlangen. Könnte spannend werden.

Es gibt aber gute Nachrichten aus der Front: Die Jugend von heute steht der Gentechnik aufgeschlossener gegenüber.

11 Antworten to “Schmeat statt Veggie-Day”

  1. Brutha Says:

    Hallo Arprin,
    So Gewinnbringend ich deine Ausführungen immer lese, liegt bei diesem Text doch einiges wohl unbeabsichtigt im argen.
    Zum einen werden 70% der Landwirtschaftlichen Fläche nicht aus der Gier nach Fleisch für die Fleischproduktion verwendet sondern ist schlicht der Tatsache geschuldet das bei ca. 5 Milliarden km^2 Landwirtschaftlicher Fläche nur ca. 1,5 Milliarden km^2 für Ackerfläche genutzt werden. Der Rest ist Weideland und sonstige Grünflächen bzw. Stilllegungsflächen.
    Erkläre mir bitte wie der Mensch sich vom Gras ernähren soll?
    Dies ist schlicht und einfach so, da sich das Weideland nicht für Ackerbau eignet.
    Zum Thema Wasserverbrauch?
    Wassernutzung, ja Verbrauch, was passiert denn danach damit?
    In Gegenden mit einem gemäßigtem Klima ist die Wasserdebatte kein Problem, hier wird auch mit Abstand am meisten Fleisch produziert.
    In Gegenden wo der Wasserverbrauch eine Rolle spielt, sollte darauf geachtet werden das man die Ressource Grundwasser nicht zu sehr ausbeutet. Ein klarer Fall von Management und Globalisierung (Dort erzeugen wo es Sinn macht).
    Zu den Argument zwei,
    Umweltschädlich ist ein Totschlagargument, alles kann als Umweltschädlich definiert werden.
    Hier wird auf eine zusätzliche Belastung des AGW angespielt,
    was man hierbei nicht vergessen sollte, es ist eine Klimaveränderung, die bis jetzt noch nichts aussagt ob sie Umweltschädlich ist oder nicht. Allen Unkenrufen zum Trotz ist es eine Theorie und noch kein Axiom. Auch hier werden sicher noch spannende Endeckungen gemacht ob CO2 & andere Treibhausgase die alleinigen Treiber der Erwärmung sind!

    Zu drei,
    inwiefern schadet Fleischproduktion der dritten Welt?
    Wenn du darauf anspielst, dass durch die Fleischproduktion andere Flächen nicht mehr für Getreide- oder sonstwelcher Produkiton zur Verfügung stehen, siehe erste Ausführung von mir!
    Falls nicht, würde mich dein Argument interessieren.

    Zu dem Thema Fleisch aus dem Reaktor,
    ist durchaus eine spannende Entwicklung, die sicher irgendwann kommen wird und somit sicher auch einen Absatzmarkt findet.
    Doch was machen wir mit anderen tierischen Produkten, Stichwort Milch und Eier,
    diese sind durch züchterische Fortschritte so weit vorangebracht, dass es sicher schwer wird preislich mit einem Verfahren aus dem Fermenter zu konkurieren.

    Aber es wird sicher eine spannende Sache ob sich die Lebensmittelproduktion der Zukunft in die Fabrik begibt und wenn wird es sicher zu der Aufspaltung in der von dir beschriebenen Lager kommen.

    Herzlich
    Brutha

    • arprin Says:

      Zum einen werden 70% der Landwirtschaftlichen Fläche nicht aus der Gier nach Fleisch für die Fleischproduktion verwendet sondern ist schlicht der Tatsache geschuldet das bei ca. 5 Milliarden km^2 Landwirtschaftlicher Fläche nur ca. 1,5 Milliarden km^2 für Ackerfläche genutzt werden. Der Rest ist Weideland und sonstige Grünflächen bzw. Stilllegungsflächen.
      Erkläre mir bitte wie der Mensch sich vom Gras ernähren soll?
      Dies ist schlicht und einfach so, da sich das Weideland nicht für Ackerbau eignet.
      Zum Thema Wasserverbrauch?
      Wassernutzung, ja Verbrauch, was passiert denn danach damit?
      In Gegenden mit einem gemäßigtem Klima ist die Wasserdebatte kein Problem, hier wird auch mit Abstand am meisten Fleisch produziert.
      In Gegenden wo der Wasserverbrauch eine Rolle spielt, sollte darauf geachtet werden das man die Ressource Grundwasser nicht zu sehr ausbeutet. Ein klarer Fall von Management und Globalisierung (Dort erzeugen wo es Sinn macht).

      Durch den steigenden Fleischkonsum werden sich auch die landwirtschaftlichen Flächen weiter ausbreiten, das könnte nach Ansicht von vielen Experten und der FAO zum Problem werden. Auch wäre es besser, den Wasserverbrauch einzuschränken, hier könnten, wie du sagst, Management und Globalisierung helfen.

      Ich bin übrigens kein Vegetarier, aber ich erkenne an, dass der wachsende Fleischkonsum auch negative Auswirkungen hat.

      was man hierbei nicht vergessen sollte, es ist eine Klimaveränderung, die bis jetzt noch nichts aussagt ob sie Umweltschädlich ist oder nicht. Allen Unkenrufen zum Trotz ist es eine Theorie und noch kein Axiom. Auch hier werden sicher noch spannende Endeckungen gemacht ob CO2 & andere Treibhausgase die alleinigen Treiber der Erwärmung sind!

      Ich sage gar nicht, dass CO2 für die Erwärmung verantwortlich ist, ich habe nur die Agenda der Grünen übernommen.

      Wenn du darauf anspielst, dass durch die Fleischproduktion andere Flächen nicht mehr für Getreide- oder sonstwelcher Produkiton zur Verfügung stehen, siehe erste Ausführung von mir!
      Falls nicht, würde mich dein Argument interessieren.

      Es war so gemeint wie du vermutet hast, aber auch hier hatte ich bloß die Agenda der Grünen übernommen. Wir haben ja dieses Jahr Rekordernten zu verzeichnen:
      http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/genug_brot_fuer_die_welt

      Aber es wird sicher eine spannende Sache ob sich die Lebensmittelproduktion der Zukunft in die Fabrik begibt und wenn wird es sicher zu der Aufspaltung in der von dir beschriebenen Lager kommen.

      Finde ich auch, wird sehr spannend zu sehen wie sich die Labburger entwickeln.

  2. adhoc Says:

    Bei den Zahlen zur Treibhausgasemission die du benutzt sind vermutlich auch CO2-Emissionen einbezogen die durch Rodung entstehen mit einbezogen. Außerdem besteht auch ein großer Unterschied zwischen den CO2-Emmissionen/kg-Fleisch in Industrieländern und Entwicklungs- bzw. Schwellenländern.

  3. blub Says:

    „When I see a piece of meat that smells like a burger and tastes like a burger and looks like a burger, I call that piece of meat a burger“
    Solange das nicht erfüllt wird, kann ich die Gourmets verstehen. Wenn es aber erfüllt wird, womit ich stark rechne, spricht für mich nichts dagegen, diese Labburger Burger zu nennen.
    Im Bezug auf Biofleisch muss man den Gourmets übrigens sogar recht geben. Fleisch aus Mastschweinen hat nicht die selbe Qualität, was an der Maserung des Fleisches und am Geschmack deutlich wird.
    Trotzdem denke ich, dass es in Zukunft mit Hilfe von neuen Technologien sogar möglich sein wird, weitaus günstiger, weitaus hochwertigeres Fleisch im Reaktor herzustellen.
    Ich bin übrigens Vegetarier, aber mehr weil ich den Geschmack von Fleisch und Wurst nicht mag. 😀 Wobei ich trotzdem sehr davon fasziniert bin, dass es in Zukunft ohne das Schlachten von Tieren möglich sein wird, den Bedarf nach Fleisch zu befriedigen.

  4. shaze86 Says:

    Eine Interessante Technologie. Doch ich glaube nicht, dass sich das Laborfleisch heutzutage, falls es marktreif wäre, durchsetzen würde. Außerdem bekommt man nur so eine Art Zellenhackfleisch. Das reicht höchstens als Ergänzung.

    Doch das Laborfleisch profitiert von mehreren Faktoren. Es wird die Weltbevölkerung, der Lebensstandart und damit der Fleischkonsum steigen. Gleichzeitig werden aber auch mehr und mehr Kraftstoffe aus Pflanzen gewonnen. Mal sehen wohin das führt. Wahrscheinlich werden Fleisch und Kraftstoff mehr und mehr globalisiert und rationiert.

    • Enrico Says:

      „Eine Interessante Technologie. Doch ich glaube nicht, dass sich das Laborfleisch heutzutage, falls es marktreif wäre, durchsetzen würde. Außerdem bekommt man nur so eine Art Zellenhackfleisch. Das reicht höchstens als Ergänzung.“

      Die ersten Mobiltelefone wogen ein knappes Kilogramm und kosteten fast 4000 Dollar (Motorola DynaTAC) und fast alle fragten sich, wer denn sowas brauch 🙂 Wenn ich das mit den heutigen Telefonen vergleiche gab es einen gewaltigen Fortschritt. Und daher habe ich auch große Zuversicht, daß es bald keine Unterschiede mehr zwischen dem Fleisch aus den verschiedenen Herstellungsmethoden gibt.

      „Wahrscheinlich werden Fleisch und Kraftstoff mehr und mehr globalisiert und rationiert.“

      Wie soll denn globale Rationierung aussehen? Außerdem dachte ich bisher, daß unter anderem ein Sinn des Laborfleiches darin besteht, Engpässe und Mangel zu beseitigen. Warum also überhaupt rationieren?

      • shaze86 Says:

        Der Vergleich hinkt leider total. Mobiltelefone brachten den Benutzern Vorteile gegenüber normalen Telefonen, das Laborfleisch bringt keinen neuen Nutzen, ist kompliziert herzustellen und von zweifelhafter Qualität.

        Die Rationierung wird so aus sehen: Die reichsten 10% der Weltbevölkerung können sich alles erlauben, der Rest wird sich einschränken müssen. Bei Fleisch wird noch der Wohnort entscheidend sein. In Deutschland wird man sich eher weniger sorgen um den Fleischpreis machen müssen, weil hier viel Fleisch produziert wird.

        Ich glaube noch nicht so recht an das Laborfleisch. Das wird man höchstens in Würsten, Döner und Lasagnen wieder finden, falls es irgendwann günstig hergestellt werden kann. Die Platzeinsparungen bei der Produktion werden, aber sowieso anderweitig verbraucht werden z.B. für Energiepflanzen.

      • blub Says:

        @shaze86
        Wie schmeckt Laborfleisch denn? Die Qualität kennen nämlich soweit ich weiß nur der Spender Sergey Brin und die Wissenschaftler die an dem Projekt beteiligt waren.
        Beides ist zudem sehr gut vergleichbar, es handelt sich in beiden Fällen um Erfindungen, die wiederum langfristig verbessert wurden und werden und schließlich zu Innovationen wurden. Im Transportwesen ist dies mit dem Auto und der Eisenbahn passiert, und wird wahrscheinlich auch mit dem Hyperloop so werden (Kühe hören übrigens auf Milch zu geben, wenn die Tschtschubahn vorbeifährt ;)); Sprachübertragung war zuerst auch nur per Kabel möglich, nun per Funk, hier war die Sprachqulität zuerst miserabel, heute ist sie teilweise nahezu wie bei einem Vieraugengespräch; PCs waren in den 80ern stark im kommen, heute hat so gut wie jeder einen (Wahlprogramm Die Grünen in den 80ern: sie werden NUR zur Überwachung genutzt werden, obwohl damals schon andere Anwendungsbereiche bekannt waren); Nahrungsbeschaffung: früher ist man auf die Jagd gegangen, heute kauft man sein Steak im Supermarkt, und morgen schmeißt man am Abend vorher seinen Schmeatgenerator an, und am nächsten Tag gibt’s bestes Luxussteak … naja, gut, bisher ist das noch Zellpampe, aber wir schauen dann nochmal in 50 Jahren oder so 🙂

        Mensch, das klingt ja wie der Status quo 😀 Als könnten sich jetzt Slumbewohner Steak leisten. Der Wohnort ist übrigens egal, wir haben schließlich einen Weltmarkt, oder wird der dann für die eigene nationalistische Wurst geopfert? Oder ist uns bis dahin das Öl ausgegangen, und wir haben noch keine Alternativen gefunden? Bisher hat die technische und wirtschaftliche Entwicklung zu einem immer weiter steigenden Wohlstand geführt. Warum sollte sich das nicht so fortsetzen?

  5. Links der Woche | Freisinnige Zeitung Says:

    […] Jorge Arprin auf seinem Blog arprin: Schmeat statt Veggie-Day […]

  6. Enrico Says:

    Hallo,

    @blub: Danke für die Klarstellung. Sie ist genau in meinem Sinne 🙂

    • blub Says:

      Dachte ich mir, ich hatte vor einen Kommentar zu schreiben, aber da warst du mir schon zuvor gekommen, und deiner war auch genau in meinem Sinne 😀

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