Konkurrenz für den Euro?

Der Bitcoin ist nun in Deutschland als Rechnungseinheit anerkannt

Der Bitcoin ist nun in Deutschland als Rechnungseinheit anerkannt

Vor einer Woche wurde die Internetwährung „Bitcoin“ von der Bundesregierung als „Rechnungseinheit“ anerkannt. Frank Schäffler, einer der wenigen FDP-ler, der für ein Ende des staatlichen Geldmonopols eintritt, kommentierte diesen Schritt so: „Hayek hätte seine helle Freude daran. Die Geldprivatisierung beginnt.“ Der Bitcoin ist jedoch nicht als E-Geld oder gesetzliches Zahlungsmittel zulässig. Dennoch könnte es ein erster, kleiner Schritt in Richtung Entnationalisierung des Geldes sein, die Hayek, nach Mises der bedeutendste Vertreter der Österreichischen Schule der Nationalökonomie, für dringend notwendig hielt, um das Zeitalter von Zentralbanken und ungedecktem Papiergeld und der damit einhergehenden Inflationen und Depressionen zu beenden.

Der Bitcoin (Kürzel: BTC) wurde im Jahr 2009 von Satoshi Nakamoto erfunden und ist die erste dezentrale („Peer-to-Peer„), digitale Währung. Ein Bitcoin besteht aus kryptographischen Algorithmen, also aus einer Kette von Ziffern und Schriftzeichen, die zuvor von Computern berechnet werden („Bitcoin-Mining“). Sie gelten als fälschungs- und inflationssicher, da ihr Wachstum begrenzt ist: Es kann nur 21 Millionen Bitcoins geben (momentan gibt es 11,2 Millionen). Jeder kann sich eine Bitcoin-Adresse zulegen und genießt völlige Anonymität. Da es keine Zentralverwaltungsstelle gibt, können Guthaben nicht gesperrt werden. Zahlungen können weltweit und gebührenfrei direkt von Person zu Person, ohne Beteiligung von Finanzinstituten, abgewickelt werden, allerdings kann man sie nicht mehr rückgängig machen.

Während ein US-Richter Bitcoins als „eine Form von Geld“ bezeichnete, sind sie in Thailand verboten worden. Viele Stellen akzeptieren Bitcoins als Zahlungsmittel, sogar einige Läden in der „realen Welt“. Bitcoins können in Börsen, die größte ist Mt.Gox, gegen andere Währungen wie Euros und Dollars getauscht werden. Der Wechselkurs schwankte bereits gewaltig, Während der Zypernkrise stieg der Wert zeitweise rasant an, von 20 auf bis zu 266 Dollar, fiel dann aber auf 78. Der aktuelle Wechselkurs liegt bei 118 Dollar. Die Zukunft wird zeigen, ob der Bitcoin der erste Weg zur Geldprivatisierung war oder nur ein vorübergehender Hype. Sollte es mal zu einer „österreichischen“ Geldreform kommen, würde es wohl erstmal eine Rückkehr zum Goldstandard geben und erst dann die Geldprivatisierung.

Dieses Thema sprach Philipp Bagus in einer vom Verband der Berliner Kaufleute und Industriellen (VBKI) organisierte Diskussionsrunde zur Eurokrise am 18. Juni im Ludwig-Erhard-Haus in Berlin an. Bagus ist Professor für Volkswirtschaft an der Universidad Rey Juan Carlos in Madrid und wie Schäffler ein lebender Vertreter der Österreichischen Schule. Teilnehmer waren neben Bagus Thilo Sarrazin, der als Moderator fungierte, der AfD-Vorsitzende Bernd Lucke, Jürgen Stark, Ex-Chefvolkswirt der EZB, Holger Schmieding, Chefvolkswirt der Berenberg Bank. Von der Diskussion sind keine Videos verfügbar, nur das Handelsblatt berichtete. Bagus hat auf seiner Facebook-Seite einen Ausschnitt wiedergegeben. Wie zu erwarten, sind Sarrazin, Lucke und Stark in Geld- und Konjunkturtheorie blutige Amateure.

Bagus: „Ob die EZB Zinsen erhöhen und senken soll, ist nicht die wichtige Frage. Wir müssen uns die grundlegende Frage stellen, ob ein ungedecktes Papiergeldsystem das richtige ist. In so einem System kann Geld am Computer aus dem Nichts geschaffen werden. Das hat bedeutende Konsequenzen…“

Sarrazin (unterbrechend): „Aber wo ist denn die Inflation?“

Bagus: „Einen Moment. Ein solches System führt zur Überschuldung, weil sich sparen in Bargeld nicht lohnt, man verleiht das Geld. Die Verschuldungsanreize sind so groß, da die Schulden sich laufend entwerten. Die Verschuldungsanreize sind besonders groß für diejenigen, die damit rechnen können, dass sie mit neu geschaffenem Geld im Notfall gerettet werden. Banken und auch Staaten. Im Goldstandard hätte man nicht einfach aus dem Nichts neues Gold schaffen können, um griechische Rentner, spanische Beamte oder zypriotische Banken zu retten. Im Eurosystem ging es. Außerdem…“

Sarrazin (schon wieder unterbrechend): „Aber Herr Bagus wir sehen doch keine Inflation. Wo ist die?“

Bagus: „Die Österreichische Schule definiert Inflation als Geldmengenanstieg. M2 stieg 2007 um 10%. M2 steigt derzeit um etwa 5%, da verdoppelt sich die Geldmenge etwa alle 14 Jahre. Auch wenn man auf die Preise schaut, geht es nur nach oben. Es gibt Blasen auf den Anleihemärkten und bei Aktien. Und auch wenn die offiziellen Inflationsstatistiken das nicht anzeigen, die Waren, die ich im Supermarkt kaufe, steigen deutlich im Preis.“

Jürgen Stark (Ex-Chefvolkswirt der EZB) schüttelt beim letzten Satz den Kopf.

Dann spricht Bernd Lucke: „Ich muss die EZB loben, die Inflation ist unter Kontrolle.“ „Danke für das Lob“ sagt Jürgen Stark.
Bernd Lucke: „Ein Goldstandard ist keine Lösung. Wir wissen ja, der Nutzwert von Gold ist begrenzt.“

(Ich (leise zu Sarrazin): „Darf ich darauf antworten?“. Sarrazin: „Nein.“)

Letzte Frage von Sarrazin an alle Teilnehmer: „Nennen Sie drei Dinge, die Sie machen würden, würden Sie zum Bundeskanzler gewählt hinsichtlich der Währung.“

Bagus: „Ich würde zu den Südeuropäern gehen und sagen: Lasst uns einen Goldeuro einführen, und dafür das Gold der nationalen Notenbanken nehmen. Da die Notenbanken unterschiedlich viel Gold haben, müssten Ausgleichskredite in Gold gegeben werden. Auch die TARGET2-Kredite würden dann in Gold zurückgezahlt, womit diese Problematik auch gelöst wäre. Wenn…“

Sarrazin (wieder unterbrechend. Die anderen Teilnehmer mit immer längeren Redebeiträgen als die meinigen wurden nie unterbrochen): „Das können Sie nicht machen. Das ist die Bundesbankzuständigkeit“

Bagus: „Ich dachte es ginge um Währungsfragen.“

Sarrazin: „Aber das kann der Kanzler nicht.“

Bagus: „Kann ich dann wenigstens Währungsfreiheit einführen? Mehrwertsteuer auf Silber abschaffen.“

Sarrazin: „Ja.“

Bagus: „Ok, das würde ich machen. Kann ich die Zentralbank denn schließen?“

Sarrazin: „Nein.“

Stark (Ex-Zentralbanker) wirft ein: „Ich dachte, die Diskussion sei bis jetzt seriös gewesen.“

Unruhe im Saal. „Wir wollen das nicht hören.“ Andere: „Doch, wollen wir.“

Bagus: „Dann würde ich noch das gesetzliche Zahlungsmittel abschaffen. Dann haben wir Währungswettbewerb. Und schließlich zurücktreten.“

Beim Stichwort „Währungswettbewerb“ sagt Stark: „Das ist Chaos.“

5 Antworten to “Konkurrenz für den Euro?”

  1. blub Says:

    Welche Vor- und Nachteile hätte man, wenn Währungen privatisiert und Zentralbanken abgeschafft würden?

    Zur Geldmenge: Ich habe das bisher immer so verstanden, dass die Geldmenge im Bezug auf die größer werdende Wirtschaft steigt. Jeder einzelne Euro seinen Wert also ungefähr beibehält bzw. einem leichten Wertverlust durch gesteuerte Inflation ausgesetzt ist.

    • arprin Says:

      Welche Vor- und Nachteile hätte man, wenn Währungen privatisiert und Zentralbanken abgeschafft würden?

      Wenn es konkurrierende Währungen gäbe und die Zentralbanken abgeschafft wären, könnten die Bürger selbst entscheiden, welche Währungen sie als Zahlungsmittel gebrauchen, und der Staat könnte sich nicht mehr einfach mit der Notenpresse finanzieren.

      Zur Geldmenge: Ich habe das bisher immer so verstanden, dass die Geldmenge im Bezug auf die größer werdende Wirtschaft steigt.

      Nein, die Geldmenge kann auch bei Wirtschaftswachstum konstant bleiben, da Geld in erster Linie nur ein Tauschmittel ist. Es gibt kein ökonomisches Gesetz, das besagt, dass die Geldmenge wachsen muss, damit die Wirtschaft wächst.

      • blub Says:

        Mit der Notenpresse wird der Staat finanziert, aber mit dem Staat werden auch andere Ausgaben finanziert. Ok, ich gebe dir recht, die sind nicht immer in meinem Interesse. Aber die Enteignung von Grundstückseigentümern zum Straßenbau mit einem demokratischen Leviathan ist häufig effizienter, als auf anderem Weg. Oder liege ich da falsch? 🙂

        und zum Zweiten: Klar, die Geldmenge kann gleich bleiben. Dann trifft aber der gleiche Währungsteil bei Wirtschaftswachstum auf ein größeres BIP. Es kommt also zu Deflation (die nicht aus Produktivitätszuwächsen herrührt). Ich habe auch nicht gesagt, dass die Geldmenge wachsen muss, damit die Wirtschaft wächst. Sondern dass die Zentralbank die Geldmenge dem Wirtschaftswachstum entsprechend anpasst, damit es einerseits zu keiner Inflation (ok, ein bisschen halt schon) und andererseits zu keiner Deflation kommt. Oder laber ich gerade Blödsinn? 😀 Und könnte man diesen Zustand vielleicht auch mit privaten Währungen erreichen? Oder sind Deflation und Inflation egal?

      • arprin Says:

        Der Staat kann sich durch Steuern und Abgaben bereits zur Genüge finanzieren. Die Notenpresse ist nicht notwendig, stattdessen sollte man den Staat zurückdrängen und die Abgabenlast drastisch senken.

        Deflation und Inflation kann es natürlich auch bei privaten Währungen geben (wobei Deflation das kleinere Problem ist). Die stabilsten Währungen würden sich durchsetzen.

  2. Martin Hark Says:

    Ein wirklich sehr interessanter Artikel. Ich habe mich jüngst mit demselben Thema beschäftig. Es stellte sich mir die Frage ob eine hohe Inflation (Hyperinflation) oder eine Deflation schlimmer ist. Betrachtet man die Inflation, so wird man schnell feststellen, dass ein gewisses Maß für die Wirtschaft gesund ist. Steigt diese jedoch über eine gewisse Höhe (Hyperinflation) so ist sie immens bedrohlich. In einer gesunden Wirtschaft wird es immer Konjunkturzyklen geben. Je nach Zyklus herrscht entweder eine Inflation oder Deflation vor. Erst der Eingriff seitens der Staaten / Zentralbanken mithilfe der Geldpolitik führt zum ausufern beider Seiten. Die Ursache für eine hohe Inflation (Hyperinflation) wird immer in der Geldpolitik gelegt. Eine normale und gesunde Deflationsphase (Wirtschaftsabschwung) wird in der Regel nicht zugelassen. Die Zentralbanken versuchen diese Phase mit der Geldpolitik zu umgehen. Die daraus resultierende expansive Geldpolitik stellt die Grundlage für eine Hyperinflation dar. Einer sehr hohen Inflationsphase geht somit meist eine Deflationsphase voraus, auch wenn diese durch die expansive Geldpolitik oftmals nicht zu sehen ist. Ob eine jetzt Deflationsphase oder eine hohe Inflationsphase schlimmer ist, kann meiner Meinung nicht eindeutig beantwortet werden. Bei einer Hyperinflation kann ein Neustart (in der Regel ein Währungsneustart) schneller vonstattengehen. Die Auswirkungen finden hierbei in einem sehr kurzen Zeitfenster statt. Das Endergebnis einer Deflation ist meist nichts anderes … jedoch wird der Crash in der Regel nach hinten verschoben …

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