It’s easy to protest when you’re not hungry

Norman Borlaug wird von Gentechnik-Gegnern gehasst, weil er neue, gentechnisch veränderte Pflanzenarten entwickelt hat. Diese ertragreichen Pflanzenarten haben 1 Milliarde Menschen das Leben gerettet.

Borlaug, der 2009 im Alter von 95 Jahren starb, gilt als der Vater der “Grünen Revolution“. Ihm gelang es zusammen mit seinen Assistenten in einer Zeit, in der sich die Menschheit so schnell vermehrte wie nie zuvor, bessere Weizen-, Mais- und Bohnensorten zu entwickeln, die kurz darauf die Hälfte der Menschheit ernährten. Obwohl er damit vielleicht die wichtigste Person ist, die je gelebt hat, ist sein Name heute kaum bekannt, während vermeintliche Engel wie Gandhi und Mutter Teresa noch immer verehrt werden. Immerhin bekam Borlaug 1970 den Friedensnobelpreis und 2007 die höchste zivile Auszeichnung der USA, die goldene Ehrenmedaille des Kongresses.

Der Kampf gegen Hunger ist noch immer im vollen Gang. Anfang Oktober veröffentlichte die UNO einen Bericht, indem eine Zwischenbilanz über die sogenannten Milleniumsziele (Bekämpfung von Armut, Hunger, Krankheiten, Analphabetismus usw.) gezogen wurde. Noch immer leiden 842 Millionen Menschen an Unterernährung, der Anteil an der Weltbevölkerung ist von 23,2% zwischen 1990 und 1992 auf 14% im Jahr 2013 gesunken. Das Ziel war es gewesen, den Anteil bis 2015 zu halbieren. In Afrika wird der Kampf gegen Hunger ausgerechnet von grünen Aktivisten sabotiert.

Der kenianische Professor Calestous Juma warnte, dass afrikanische Länder aufgrund von gentechnik-feindlichen Gesetzen, die europäische Umweltaktivisten beschwichtigen sollen, davon abgehalten werden, wichtige Fortschritte in der Nahrungsmittelproduktion zu machen. Von den 28 Staaten auf der Welt, die den kommerziellen Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen erlauben, liegen nur vier in Afrika (Ägypten, Sudan, Burkina Faso und Südafrika). In einigen afrikanischen Staaten sind sogar Feldversuche verboten.

Die Europäer rekrutieren afrikanische Regierungen außerdem als Verbündete für ihren Handelskrieg gegen die USA. In Europa will man nicht nur kein „Gen-Dreck“ aus den USA, sondern auch nicht aus Afrika und droht, keine Agrarprodukte mehr aus Afrika abzunehmen, als ob die derzeitige protektionistische Politik nicht schon schlimm genug wäre. Dabei sind die Sorgen um Schäden in der Umwelt und der menschlichen Gesundheit weitgehend unbegründet. Die Nutzen dagegen sind real: Eine Studie aus dem Jahr 2010 zeigte, dass Bauern aus Burkina Faso, die gentechnisch veränderte Baumwolle nutzten, ihre Ernte so sehr steigerten, dass sie ihr Einkommen um 31% erhöhen konnten.

Borlaug meinte über die Gentechnik-Gegner: „It’s pretty easy to protest when you’re not hungry“. Der “Feldbefreier” Michael Grolm, der die Initiative “Gendreck weg” betreibt, wurde von Vince Ebert gefragt, wie er reagieren würde, wenn wissenschaftlich absolut sicher nachgewiesen würde, dass Gentechnik ungefährlich für den Menschen sei. Er antwortete, dass ihm dies egal wäre, denn das sei nicht sein Hauptanliegen. Stattdessen gehe es ihm darum, “der Natur nicht ins Handwerk zu pfuschen.” Die Ideologie der Gentechnik-Gegner wird hier deutlich erkennbar: Der vermeintliche „Erhalt der Natur“ wird über das Wohl des Menschen gestellt. Lieber keine Gentechnik als kein Hunger.

13 Antworten to “It’s easy to protest when you’re not hungry”

  1. Timo Ollech Says:

    It IS possible to protest when you’re hungry: http://www.huffingtonpost.com/vandana-shiva/from-seeds-of-suicide-to_b_192419.html

    • arprin Says:

      Zum Glück hat Michael Miersch diesen Mythos von „250.000 indische Bauern begehen Selbstmord, weil ihnen Gentechnik-Baumwolle aufgezwungen wird“ schon widerlegt:

      http://www.welt.de/politik/article3583627/Zehn-populaere-Irrtuemer-ueber-die-Gentechnik.html
      „Diese Behauptung wurde von der Anti-Gentechnik-Aktivistin Vandana Shiva verbreitet, die in Europa und Amerika sehr prominent ist. Sie empfiehlt Indien ein Zurück zu kleinbäuerlichen Selbstversorgung. Richtig ist: Es gibt in Indien Tausende von Bauern-Selbstmorden. Die Ursache ist häufig Überschuldung, weil die Kleinbauern um Pestizide, Saatgut oder Geräte zu erwerben zu Kredithändlern gehen, die Wucherzinsen nehmen. Das war schon vor der Zulassung der Gentechnik-Baumwolle so. Die Zahl der Selbstmorde blieb konstant. Der durchschnittliche Ertrag auf den Baumwollfeldern stieg jedoch von 300 auf 550 Kilogramm pro Hektar. Nach Angaben der indischen Regierung benötigten die Bauern dadurch deutlich weniger Pestizide.“

  2. Bohumil Řeřicha Says:

    Sehr interessantes,

    im Jahr 2007 hatte Herr Prof.Norman Borlaug in NZZ letzte Interwiev, wo er habe gerade über Genetechnik-Gegner gesprochen. Vorallem er hat auf euröpäische Grüne hinweist.

    • arprin Says:

      Ich konnte kein Interview bei der NZZ finden, aber in der WELT findet man ein lesenswertes Interview von Borlaug aus dem Jahr 2007, indem er auch auf die europäischen Gentechnik-Gegner zu sprechen kommt:

      http://www.welt.de/wissenschaft/article1319608/Gruene-Gentechnik-ist-keine-Hexerei.html
      „Der unnötige Kampf gegen Grüne Gentechnik in Europa und anderswo hätte vielleicht vermieden werden können, wenn mehr Menschen besseren Biologieunterricht gehabt hätten. Es gibt eine große Bildungslücke, eine wachsende und beunruhigende Ignoranz über die Zusammenhänge und Probleme der Landwirtschaft und der Lebensmittelerzeugung. Dieser Bildungsmangel sollte unverzüglich behoben werden.“

      • Martin Says:

        Man sieht ja auch an dem erwähnten Grolm sehr schön, das es sich eben bei der Gegnerschaft eher um Religion handelt.
        Vielleicht sollte man die Ankündigungen von „freiwilligen Feldbefreiungen“ mal aufmerksam verfolgen.
        Meine Bereitschaft da auch freiwillig aufzulaufen und ganz freiwillig selbstherrliche „Feldbefreier“ zum Krüppel zu dreschen wird jedenfalls immer größer.

      • arprin Says:

        Ich finde auch, dass man gegen diese Leute mit Gewalt vorgehen sollte, immerhin handelt es sich bei diesen Aktionen um nichts weiter als Öko-Terror.

        Zettel hatte vor zwei Jahren über diese „Feldbefreier“ berichtet und angemerkt, dass der Satz „Verbrechen zahlt sich nicht aus“ bei Ökoterrorismus nicht zutrifft, da sie kaum mit Strafen rechnen müssen:
        http://zettelsraum.blogspot.de/2011/07/deutschland-im-oko-wurgegriff-27.html

  3. Links der Woche | Freisinnige Zeitung Says:

    […] Arprin bei arprin: It’s easy to protest when you’re not hungry – BESTER ARTIKEL DER […]

  4. besucher Says:

    Wenn man dass Pferd von der anderen Seite aufzäumt dann wird erkennen dass bessere Nahrungsmittelversorgung und bessere Medizin die Bevölkerungsexplosion in Afrika in den letzten 30 Jahren erst möglich gemacht haben. Es hätte sich auch die Mentalität der Menschen ändern müssen nicht soviel Kinder in die Welt zu setzen.

  5. Links des Jahres | Freisinnige Zeitung Says:

    […] Jorge Arprin bei arprin: It’s easy to protest when you’re not hungry […]

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