Der mit den Vögeln spricht

Venezuela im Würgegriff des Sozialismus

Venezuela im Würgegriff des Sozialismus

Hugo Chavez ist tot, aber seine Ideen leben weiter. Wenn es doch nur andersrum sein könnte. Sein Nachfolger Nicolas Maduro, für sechs Jahre gewählt, ist vielleicht nicht mit demselben messianischen Erlöserimage ausgestattet wie Chavez, hat aber die gleiche Ideologie. Der Klassenkampf wird fortgesetzt, im wahrsten Sinne des Wortes. Geschäfte werden vom Militär besetzt und geplündert, es wird Jagd auf die „Bourgeoise“ gemacht, „bürgerliche“ Medien werden drangsaliert und schikaniert und der Vorsitzende der sozialistischen Partei (PSUV) ernennt sich zum unantastbaren Führer. Aber fangen wir von vorne an.

Nachdem Maduro im April die Wahl gegen den Oppositionsführer Capriles gewann, wurden sofort Vorwürfe laut, die Wahl sei gefälscht worden. Tatsächlich wurden viele weggeworfene Wahlurnen gefunden, Mitglieder der Wahlkommission zweifelten das Ergebnis an, Capriles ernannte sich zum Wahlsieger. Es kam zu Demonstrationen mit Toten, im Parlament prügelten „Chavistas“ Oppositionelle nieder. Maduro sprach von einer „faschistischen“ CIA-Verschwörung zur Destabilisierung des Landes und saß die Proteste aus. Später sagte er öffentlich, die Namen von 900.000 ehemaligen Chavez-Wählern „identifiziert“ zu haben, die nicht für ihn abgestimmt haben.

Anschließend begann er, Chavez‘ Werk fortzusetzen. Dafür holte er sich eigenhändig den Segen des „unsterblichen Kommandanten des Volkes“. Nach eigenen Angaben sprach er im März und nochmal im Juni mit Chavez, der in der Gestalt von Vögeln auf die Erde zurückgekehrt war. Wie er die von ihm ausgelösten Probleme des Landes – hohe Inflation, eine exorbitante Kriminalitätsrate (17.000 Morde pro Jahr), Zusammenbruch der Infrastruktur und der Stromversorgung – lösen kann, teilte Chavez ihm offenbar nicht mit. Stattdessen setzte Maduro auf die übrige Taktik: Den Kapitalisten, Faschisten und Amerika die Schuld geben und mehr heilsbringende Planwirtschaft einführen.

Die Inflation wurde nicht in den Griff gekriegt und liegt nun bei 54%, noch immer werden jeden Tag 50 Venezolaner ermordet, die Versorgungskrise verschärfte sich. Sogar das Klopapier wurde knapp, Maduro bezichtigte die Opposition, Klopapier zu horten und importierte 50 Millionen Rollen. So wie die DDR sich nur mit Krediten vom Klassenfeind aus dem Westen über Wasser halten konnte, vereinbarte Maduro mit dem kolumbianischen Präsidenten Juan Manuel Santos, den er ein paar Monate zuvor noch beschimpft hatte, Lieferungen von Lebensmitteln im Wert von 600 Millionen Dollar.

Im Kampf gegen den Kapitalismus wendet Maduro auch barbarische Methoden an. Er warf der Elektroladen-Kette „Daka“ vor, überteuerte Preise anzubieten, und nahm das zum Anlass, um ab dem 8. November die Daka-Geschäfte von der Nationalgarde und Preis-Inspektoren besetzen zu lassen. Kunden, aber auch Beamte der Nationalgarde stürmten Läden, Fensterscheiben wurden eingeschlagen und Regale leergeräumt. Videos auf Youtube zeigen die schlimmen, von der Regierung sanktionierten Plünderungen. Damit nicht genug, über 100 Manager, die Maduro „Bourgeois“ nannte, wurden verhaftet. „Sie sind barbarisch, diese kapitalistischen Parasiten“, kommentierte er.

Nach den Plünderungen erließ Maduro schließlich ein Gesetz, der Unternehmern eine Gewinnspanne von über 30% verbietet. Es sollten „gerechte Preise“ angeboten werden, die von Preis-Inspektoren kontrolliert werden. Es ist natürlich nicht davon auszugehen, dass die Inflation damit in den Griff gekriegt wird. Und auch nicht mit seinem Plan, Internetseiten und Twitterkonten zu schließen, in denen der reale Wechselkurs des Bolivars zum Dollar angegeben wird. Man muss nur auf Ayn Rand hören: „Es ist möglich, die Realität zu ignorieren, aber nicht die Folgen, die sich daraus ergeben“. Selbst wenn die Inflation per Gesetz verboten wird, ist sie nicht weg.

Solch banales Wissen sollte man aber bei Maduro nicht voraussetzen. Der venezolanische Ökonom Jose Guerra erklärte: “Wirklich, seine Unwissenheit ist ganz erstaunlich. Er ist der Präsident mit der geringsten Menge an Wissen in wirtschaftlichen Angelegenheiten in der Geschichte Venezuelas. Maduro ist ein Mann, der das ABC der Wirtschaft nicht beherrscht und nicht einmal weiß, wie eine Wirtschaft funktioniert”. Leider werden wohl auch in Zukunft nicht die Verstaatlichungen, Preiskontrollen und feste Wechselkurse für Venezuelas Misere verantwortlich gemacht werden, sondern die parasitäre Bourgeoise. Denn Maduros Macht ist zurzeit unantastbar.

Die Wahlbehörde und der Oberste Gerichtshof werden faktisch von den Chavistas kontrolliert. Die regierungskritischen Medien sehen sich immer stärkeren Repressionen ausgesetzt. Der letzte oppositionsnahe TV-Sender, Globovision, wurde von den Chavistas übernommen, auch die Zeitungen werden nicht verschont, jüngst wurde Omar Lugo, der Direktor der Zeitung „El Mundo“ nach Kritik am Rückgang der Reserven der Zentralbank gefeuert. Capriles und seinen Anhängern, die Maduro noch vor Chavez‘ Tod als „Snobs, Schwuchteln und Faschisten“ beschimpfte, bleibt nur noch das Internet als Medium übrig.

Nun hat sich Maduro mit einem Ermächtigungsgesetz diktator-ähnliche Vollmachten gegeben. Die Venezolaner haben nun einen Herrscher, der sich Antifaschist, Antiimperialist und Sozialist nennt und in der freien Wirtschaft höchstens als professioneller Verschwörungstheoretiker à la Meyssan oder Wisnewski eine Anstellung finden könnte. Ständig wittert er faschistische Verschwörungen, ob Mordpläne gegen ihn, die Klopapier-Verschwörung oder eine unmittelbar bevorstehende ausländische Intervention (in den Slums von Caracas wurde bereits ein Flugabwehr-System aufgestellt). Leider ist Maduro kein Schreiber im Kopp-Verlag, sondern der Präsident eines 30-Millionen-Landes.

3 Antworten to “Der mit den Vögeln spricht”

  1. aron2201sperber Says:

    vielleicht war es ein dicker, roter Papagei, der sich als Chavez ausgegeben hat?

  2. Bohumil Řeřicha Says:

    Es ist sehr traurig, dass die Menschen in Venezuela mit solchen Trottel leiden müssen !!!

  3. Thomas Holm Says:

    in den Slums von Caracas wurde bereits ein Flugabwehr-System aufgestellt … davon aber nicht ins Bockshorn jagen lassen …

    Mit Flak-Feuer auf die Turnschuh-Jugend begann die Gaddafi-Phase des Arabischen Erwachen. Diese Tyrannen sind alle Rommel-Fans: und der hatte die Flak im großen Stil zur Bekämpfung von Bodenzielen eingesetzt. Damals eher Hartziele, heute eher Weichziele. Aber so ist das mit Fans. Alles bringen sie auf den Hund.

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