Bitte kein Schundkino mehr!

Die Traumfabrik produziert auch mal Blödsinn

Kreative Filmemacher brauchen keine Filmförderung

Wolfgang Röhl nimmt sich in der Achse den vom Spiegel als „erfolgreichen Regisseur“ bezeichneten Christian Petzold vor, der zu den größten Profiteuren der deutschen Filmförderung zählt. Jedes Jahr schütten diverse Filmförderungsanstalten (FFA) 290 Millionen Steuergelder für meist schlechte Filme aus, die kaum irgendjemanden interessieren (tragischerweise soll auch bei einem möglichen Freihandelsabkommen zwischen der EU und den USA die Kultur ausgenommen werden). Röhls Artikel erinnerte mich an ein Interview mit dem Filmemacher Klaus Lemke, den er im Mai anlässlich der Filmfestspiele von Cannes dem Magazin „liberal“ gab.

Hier ein paar lesenswerte Ausschnitte:

Ich versuche seit 40 Jahren den Leuten zu erklären, dass jede Form von Subventionen aus Steuermitteln für Film ein Tritt in die eigene Kreativität ist.

Nur ein Einziger ist der deutsche Film: Til Schweiger. Wenn’s Til Schweiger nicht gäbe, gäbe es keinen deutschen Film mehr. Man müsste nur Til Schweiger davon überzeugen, drei Jahre keinen Film mehr zu machen. Dann würde der deutsche Film nicht mehr da sein.

Meine Kollegen sind durch die Subventionen totgemacht. Das ist so wie Hamlet. Hamlet ist gelähmt durch das untergründige Einverständnis mit seinem Vater. Und hier ist es das untergründige Einverständnis, dass ein Staat etwas so kapitalistisches, urkapitalistisches wie Film, wie Entertainment fördert. Wenn man einmal damit einverstanden ist, kann man sich auch umbringen, was Film angeht.

Klare Worte. Til Schweiger wird übrigens auch von Röhl angesprochen, der anmerkt, dass Kinos in Deutschland nur aufgrund der von den Kritikern geschmähten Komödien-Macher wie Til Schweiger wirtschaftlich überleben können. Es ist leider nichts Ungewöhnliches, das gerade über die, die eine Branche am Leben erhalten, am meisten hergezogen wird. Lemke stellt fest, dass eine staatliche Filmförderung in den USA unmöglich wäre und amerikanische Filmemacher erkannt haben, wie die europäische Filmförderung eher ihre Filme bevorteilt (derzeit befindet sich jedoch nicht das Kino, sondern das amerikanische Fernsehen in einem goldenen Zeitalter).

Innovation statt Subvention

Ende September 2010 verfasste Lemke das provokant geschriebene und von einigen Zeitungen beachtete „Hamburger Manifest“, indem er das Ende jedweder Filmförderung aus Steuermitteln fordert. Er klagt „Papa Staatskino“ an, von Hitler bis zur FFA, und prophezeit, wohl mit reichlicher Übertreibung, die deutsche Filmindustrie könnte ohne die Filmförderung in zwei Jahren mit Hollywood mithalten. In Großbritannien ist die Filmförderung 2010 gestrichen worden, nach Lemkes Meinung war sie „die einzig erfolgreiche in Europa, aber eben auch vollkommen unnötig“.

Ein paar Ausschnitte aus dem Manifest (im liberal-Interview kann man es komplett lesen):

Unsere Filme sind wie Grabsteine … Film ist keine aussterbende Tierart. Film ist auch kein Intelligenzbeschleuniger. Film muss noch nicht mal gut sein. Film muss nur wirken. Das tut der deutsche Film schon lange nicht mehr. … Nur für das eigene Geld lohnt es sich nachzudenken – wenn es in Gefahr ist. Und Geld beim Film ist immer in Gefahr. Ohne das wirds nichts. Geld vom Staat ist immer ein Tritt gegen die eigene Kreativität. Der deutsche Film gehört endlich befreit aus den Gefängnissen der FFA.

Das ist alles wie Musik in meinen Ohren. Der Staat hat nur als äußerster Retter in der Not eine Existenzberechtigung. Ein sicheres Einkommen für Nahrung, Kleidung und Unterkunft, mehr nicht. Wozu sollte die Kultur gefördert werden? Fernsehen, Kinos, Theatern, Opern und Museen (die Gesamtausgaben für Kultur liegen bei 9 Milliarden, wenn man GEZ mitrechnet sogar 16 Milliarden) sind nicht lebensnotwendig für Menschen, und viele interessieren sich gar nicht dafür. Es ist wirklich ein Unding, dass so viele Menschen trotzdem gezwungen werden, Künstler zu subventionieren. Der Kunstmarkt kann problemlos durch Angebot und Nachfrage funktionieren.

Das ist übrigens kein so unbedeutendes Thema, wie es auf den ersten Blick erscheint. Ludwig von Mises hatte in seinem Buch „Die Wurzeln des Antikapitalismus“ dargelegt, dass viele Künstler gegen den freien Markt sind, weil sie in ihm keinen Erfolg haben und dafür den Konsumenten die Schuld geben, die keine Ahnung von Kultur hätten. Nicht die Wünsche der Konsumenten sollen also im Mittelpunkt stehen, sondern die Förderung ihrer als überlegen empfundenen Kulturproduktionen. Es ist also die Verachtung für den kleinen Mann, gepaart mit dem Neid auf die erfolgreichen Künstler, der viele Künstler nach dem Staat rufen lässt.

Wie üblich heißt es dann, Kulturförderung sei „im Interesse der Gesellschaft“, es wird irrwitzigerweise ein „(Menschen-)Recht auf kulturelle Teilhabe“ proklamiert, obwohl sich natürlich selten ein Proletarier in eine Oper verirrt, auch wenn der Eintritt kostenlos ist. Zu allem Überfluss gelten diese subventionierten Künstler dann als große Experten in Wirtschafts- und Gesellschaftsfragen. Dabei haben sie etwa so viel Ahnung von der Lebenswelt einer Arbeiterfamilie wie Tiger Woods und Kachelmann von Keuschheit. Sie beuten nicht nur den kleinen Mann aus, sondern auch die Künstler, die sich am freien Markt bewährt haben.

Damit will ich natürlich nicht sagen, dass Bushido, Mario Barth und Paris Hilton großartige Künstler oder scheußliche Filme wie Twilight Meisterwerke sind. Der Geschmack der Menschen ist subjektiv und fehlbar, viele Filme, die im Kino gefloppt sind, finde ich klasse. Ich will lediglich sagen, dass niemand das Recht hat, den Konsumenten vorzuschreiben, womit er sich unterhalten soll. Wer Twilight nicht mag, muss es sich nicht ansehen (es sei denn, er hat eine Freundin). Genauso muss sich niemand einen geförderten Film ansehen – aber man sollte auch nicht gezwungen werden, dafür zu bezahlen. Jeder nach seinem Geschmack, leben und leben lassen. Warum sollte es nicht so sein?

6 Antworten to “Bitte kein Schundkino mehr!”

  1. asdren02 Says:

    Ich arbeite in einem Landesmuseum in Niederösterreich. Was da Geld verbrannt wird. Ein Punkt hast du sicherlich recht die meisten wissen innerlich das sie „Versager“ sind. Darum hetzen sie auch gegen den Markt sprich den Konsumenten.

    • arprin Says:

      Das Geld von anderen Leuten verschwendet man halt schneller und bedenkenloser als sein eigenes.
      Und es ist immer einfacher, den anderen für seine Erfolglosigkeit die Schuld zu geben.

  2. Egoteaist Says:

    Ein Beispiel für einen m.E. verdammt guten Film, der an den Kassen gefloppt ist, wäre „Revolver“ – der einzige Film, in dem Jason Statham.wirklich spielt, aber das dafür verdammt gut.

  3. Widder Says:

    Super, arprin! Genau meine Meinung! Das perveseste an den Filmförderung ist es, dass in deren Rahmen auch erfolgreiche Hollywood-Streifen mitfinanziert werden, die auch ohne der Förderung gedreht worden wären. Klassischer Fall von Mitnahme.
    Man sollte sich übrigens mal die Künstlersozialversicherung vorknüpfen. Auch eine ungerechte Privilegierung von Künstlern. Die KSV wird noch durch die Künstlersozialabgabe finanziert, die höchst kompliziert und bürokratisch ist.
    Kultursubventionen sind allerdings heilige Kühe. Das Finanzministerium hat keine Chance, sie zu streichen. Gegen Kunstpolitiker und damit die Kunstlobby erscheinen sogar Umweltpolitiker und Klimaschützer harmlos.

    • arprin Says:

      Stimmt leider, es wird selbst mit echten Sparprogrammen schwer werden, die sinnlose Kulturförderung in den nächsten Jahren komplett zu streichen, vor allem da es Ländersdache ist („Kulturhoheit der Länder“). Da müsste man wohl das Grundgesetz ändern.

  4. Links der Woche | Freisinnige Zeitung Says:

    […] Jorge Arprin bei arprin: Bitte kein Schundkino mehr! […]

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