Zeitreise mit Kim Jong-Un

Ein Satellitenbild der NASA aus dem Oktober 2009 zeigt Nordkorea völlig verdunkelt

Die sowjetischen Konzentrationslager waren lange Zeit über unbekannt. Während die nationalsozialistischen Verbrechen nach dem Zweiten Weltkrieg relativ gut dokumentiert wurden und die Welt Opferzahlen, Bilder und Videoaufnahmen zu sehen bekam, wusste die Welt noch Jahrzehnte nach Stalins Tod nur wenig über die kommunistischen Verbrechen. Eine russische Organisation hat nun die Gulags ausfindig gemacht und bietet eine virtuelle Tour an, sozusagen als virtuelles Museum.

Allerdings gibt es derzeit ein Museum, in dem man ebenfalls gut erleben kann, wie es in der Sowjetunion unter Stalin zuging. Es ist ein Real-Life-Museum: Die Demokratische Volksrepublik Korea, oder einfach Nordkorea. In diesem stalinistischen Museum leben etwa 24 Millionen Menschen, und man kann alles besichtigen: Säuberungen, Gulags, riesige Parteikonferenzen, Anbetung des Führers und Hungersnot. Nach dem Tod Kim Jong-Ils vor fast genau zwei Jahren hat sich unter dem neuen Führer Kim Jong-Un kaum etwas geändert. Hier eine kleine Museumsführung:

– Wer wissen will, wie eine Säuberung vonstattenging, kann das nordkoreanische Fernsehen anschalten. Hier sieht man, welche unverzeihlichen Verbrechen den Verrätern der Partei angelastet werden und wie sie dann aus der Vergangenheit verschwinden, als hätten sie nie existiert: Aus allen Bildern und Dokumentationen werden sie einfach gelöscht, regelrecht vaporisiert. In der Sowjetunion ein gewöhnlicher Vorgang während der „Stalinschen Säuberungen“, an denen täglich 1.000 Menschen ermordet wurden.

– Wer erleben möchte, wie die Gulags aussahen, denen in der Sowjetunion mindestens 5 Millionen Menschen zum Opfer fielen, kann die nordkoreanischen Umerziehungslager besuchen. Hier landen alle „Volksfeinde“. Aktuell befinden sich dort 200.000 Menschen. Flüchtlinge berichten von Hunger, Kälte, Krankheiten, schlimmster Folter und öffentlichen Hinrichtungen. Jedes Jahr sterben vermutlich 10-20% der Insassen an den schrecklichen Bedingungen.

– Wer sich vor Augen führen möchte, wie die riesigen Parteikonferenzen abliefen, kann die Konferenzen der nordkoreanischen Arbeiterpartei besuchen. Jede falsche Bewegung kann tödlich enden, wie der Fall des kürzlich hingerichteten Onkels von Kim Jong-Un zeigt. Einer der Gründe für seine Hinrichtung war: „Als die Wahl Kim Jong-uns zum Vize-Vorsitzenden der Militärkommission der Arbeiterpartei Koreas (…) verkündet wurde und alle Anwesenden enthusiastisch in Jubel ausbrachen, der die Konferenzhalle erzittern ließ, verhielt er sich arrogant und unverschämt, erhob sich nur unwillig und klatschte nur halbherzig.“ Ähnlich ging es unter Stalin zu.

– Wer hautnah erfahren will, wie die sowjetische Propaganda das Leben der Bürger bestimmte, muss sich nur etwas in Nordkorea umsehen: Im Land soll es bis zu 22.000 Statuen von Kim Il-Sung und Kim Jong-Il geben, in jedem Zug, jeder Schule, jedem Krankenhaus hängen Porträts der beiden “großen Führer”. Die meisten Feiertage sind ideologisch ausgerichtet. Antiamerikanismus wird schon den kleinsten Kindern in Fernsehproduktionen eingetrichtert.

– Wer sich über die Nahrungsmittelversorgung zu Stalins Zeiten informieren will, muss das nordkoreanische Agrarsystem studieren: Die Erträge des kollektiv bewirtschafteten Bodens werden über ein staatliches Verteilungssystem an die Bevölkerung ausgegeben, für die wirtschaftlichen Sektoren gibt es staatlich vorgegebene Produktionspläne. Mitte der 1990er führte eine gravierende Hungersnot zum Tod von 600.000 – 3 Millionen Menschen, genaue Angaben gibt es nicht. Heute kann die Bevölkerung nur mit Nahrungsmittellieferungen ernährt werden, die oft vom verhassten Westen kommen.

10 Antworten to “Zeitreise mit Kim Jong-Un”

  1. Asdren Says:

    Schuld daran Arprin ist der Neoliberalismus. Weil sie Nordkorea mit den Konzernen ausbeuten. Ausserdem ist das kein Kommunismus sondern eine Monrachie weil weil sie vererbt werden also der Thron oder Präsident oder Führer, jawohl alles der böse Kapitalisums daür verantwortlich. Ist doch klar.

    • Martin Says:

      Genau! Außerdem fängt Neoliberalismus und Nordkorea beides mit N an! Wie Nazis auch! Das sagt doch alles !

      • Asdren Says:

        Oh mein Gott diese Beweise , diese Weltverschwörung wird jetzt immer eindeutiger wieso haben wir das nicht vorher gesehen.

  2. aron2201sperber Says:

    Nordkorea droht mit einem Atomkrieg.

    Wer verdient den Katajun Aminpur-Preis für die beste Übersetzung?

    Platz 1

    “Atomkriegsdrohung ist verkappte Rückzugserklärung”

    (Torsten Krauel – Die Welt)

    Platz 2

    “Ich sehe überhaupt keinen Grund, ihm die Rationalität abzusprechen. Zumindest hat er sich bislang noch nicht besonders irrational verhalten – er hat möglicherweise einige Fehler gemacht, aber er verfolgt offenbar ein klares Ziel: Es geht ihm um die Verbesserung des Lebensstandards der nordkoreanischen Bevölkerung.”

    (Rüdiger Frank – Spiegel)

    Platz 3

    “Die tatsächlich martialische Rhetorik Pjöngjangs – kann man das überhaupt 1:1 nehmen, oder ist das der schwülstige Sprachbarock einer sehr fremden Zivilisation?”

    (Jürgen Elsässer – Compact)

  3. thysus Says:

    Geschichte kann nur aus einiger Distanz ausgewogen beurteilt werden. Auch zum Regime Stalins & Co. haben wir wahrscheinlich noch zu wenig Distanz.
    So bleibe ich, wie die meisten intellektuellen Zeit-Genossen vorerst lediglich bei einer Verdammung Hitlers, dies aber gründlich!

  4. Mechthild Mühlstein Says:

    »Wer sich über die Nahrungsmittelversorgung zu Stalins Zeiten informieren will, muss das nordkoreanische Agrarsystem studieren«

    Selten liest man in blogs derart hübsche sätze.

    Genau so schön und richtig wäre der satz gewesen, wenn da gestanden hätte »wer sich rüber die Fränkische hopfenproduktion im frühen 20. jahrhundert informieren will, muß nur die maismonokulturen im heutigen Brandenburg ansehen.« Das eine hat zwar mit dem anderen wenig zu tun, dient jedoch beides nicht zur versorgung der bevölkerung mit nützlichem zeug, hat also durchaus was gemeinsam.

    Nordkorrea hat sich bereits in den 70er jahren vom marxismus-leninismus der Sowjetunion gelöst und folgt seitdem der chuch’e, die im gegensatz zum Sowjetischen internationalismus steht und seit einigen jahren son’gun. Son’gun ist eine form von militarismus und der ist bekanntermaßen böse, zumindest wenn er außerhalb der »zivilisierten westlichen welt« vorkommt.

    Vermutlich gibt es keinen staat auf der welt, in dem menschen, die sich nicht an die dort geltenden gesetze halten, inklusive menschen, die den staat als solchen in frage stellen oder die für »staatsfeinde« gehalten werden, nicht dafür bestraft werden. Leute wie Manning oder Snowden haben sich damit in lebensgefahr gebracht, daß sie einige unschöne dinge, die sie über die machenschaften ihres staates wußten, öffentlich machten. Und es gibt unter den mächtigen in den USA bestimmt einige, die diese »verräter« dafür gern teeren, federn, vierteilen und den löwen zum fraße vorwerfen würden. Nur geht das in diesen fällen nicht so einfach, weil die internationale aufmerksamkeit viel zu groß ist. In sofern mutet es seltsam an, wenn man dergleichen einseitig bestimmten staaten vorwirft. Allen kann man das vorwerfen.

    Im vergleich zu obenstehenden artikel erscheint mir der verlinkte BILD-artikel über den »onkelmord« fast noch sachlich. Immerhin wird dort erwähnt, daß Jang drogen konsumiert habe (meines wissens wird das in der KVDR leider häufiger mit der höchststrafe geahndet) und allein im jahr 2009 rund viereinhalb millionen euro verzockt haben soll. Obendrein sind die idioten dann hochmoralisch und werfen ihm »unangemessene weibergeschichten« oder »mangelnden enthusiasmus« für Kim Jong-Un vor. In diesem fall konnte der Kim es aber tatsächlich nur falsch machen: hätte er nichts gemacht, hätte in der nicht minder moralischen BILD gestanden: »Skandal – volk hungert und regierungssippe verpraßt vermögen« oder so ähnlich.

    Wenn ich nun feststelle, daß mir der realsozialismus in Norkorea nicht wahnsinnig gut gefällt, käme es mir dennoch nie in den sinn, stattdessen die lohnknechtschaft der massen im kapitalismus als große »freiheit« zu bejubeln. Im kapitalismus dürfen die lohnarbeiter tatsächlich einen riesigen reichtum erarbeiten, jedoch nicht den eigenen, sondern immer nur den der anderen.

  5. Links der Woche | Freisinnige Zeitung Says:

    […] Jorge Arprin bei arprin: Zeitreise mit Kim Jong-Un […]

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