Apocalypse? No

Prometheus bringt der Menschheit das Feuer

Ist die Menschheit schon erleuchtet worden?

Mein erster Artikel dieses Jahres rief zu optimistischem Realismus auf. Im Jahr 2012 hatte es zwar viele Krisen gegeben, aber für die Menschheit hatte sich sehr vieles gebessert: Der Anteil der unterernährten Menschen war gesunken, die Lebenserwartung gestiegen und die Menschheit genoss einen immer höheren Lebensstandard. Anstatt zu denken: „Alles wird schlimmer und wir können es nicht verhindern“, plädierte ich dafür, uns mehr Mut zu machen, in etwa so: „Wir haben ein Haufen Probleme, aber wir können sie lösen und haben bereits viele erfolgreich gelöst“.

Auch das Jahr 2013 war von vielen Krisen geprägt – die syrische Tragödie, die Gewalt in Ägypten, der Terror im Irak, der andauernde Drogenkrieg in Mexiko, die Wirtschaftskrise in Venezuela, die Instabilität in Südsudan und vieles mehr – und dennoch war es für die Menschheit ein gutes Jahr, wenn es um die Bekämpfung von Armut, Hunger und Krankheiten ging. Für jeden, dem das Wohl unserer Spezies am Herzen liegt, ist das eine gute Nachricht. Es scheint, als würde Prometheus, der große Kulturbringer, die Menschheit erleuchten. Schauen wir uns mal einige gute Nachrichten an.

Die Anzahl und Intensivität der Kriege hat seit 1988 merklich abgenommen. Leider werden verhärtete Konflikte wie in Syrien oder Mexiko wohl nicht so schnell gelöst werden. Allerdings sollten wir uns in Erinnerung rufen, dass es in früheren Jahrzehnten viel blutiger zuging. Wir befinden uns nachweislich in der friedlichsten Zeit der Menschheitsgeschichte. Steven Pinker nennt es den „Neuen Frieden“. Bryan Caplan fragt sich, was wir zuerst erleben werden: Weltfrieden oder fahrerlose Autos. Nun gut, fahrerlose Autos sind sicher im Vorteil, aber dass wir überhaupt diese Frage stellen, ist etwas Sensationelles.

Die weltweite Armut hat sich von 1990 bis 2012 halbiert. Und damit ist nicht nur das Einkommen gemeint, sondern wirklich aussagekräftige Indikatoren wie Kalorienaufnahme pro Tag, medizinische Versorgung oder der Zugang zu sanitären Anlagen. Wenn Länder wie China oder Indien ihre Wirtschaft weiter öffnen, wird sich dieser Trend fortsetzen. Es gibt auch andere gute Nachrichten, die kaum einer zur Kenntnis nimmt. Die Alphabetisierungsrate hat einen Rekordstand erreicht: 84% der Weltbevölkerung können lesen und schreiben. Rassistische Einstellungen sind seit den 1950ern deutlich gesunken, die Jugend von heute ist die toleranteste, die wir je hatten.

Dennoch sollte man nicht den Realismus vergessen. Die Probleme bleiben immens. Wenn wir nach Deutschland schauen, gibt die Große Koalition kaum einen Grund für Optimismus. Aber wir sollten bedenken, dass in naher Zukunft wahrscheinlich viele Probleme nicht wegen, sondern trotz der GroKo gelöst werden. Manchmal sind die Erfinder schneller als die Bürokraten. Und einige vernünftige Entscheidungen, die unser Leben verbessern, traue ich der GroKo auch zu. Schwarz-Gelb hat z.B. die Liberalisierung des Fernbusverkehrs durchgesetzt, vielleicht wird die GroKo ja die Energiewende begraben. Das jüngste Freihandelsabkommen wird der ganzen Welt weiterhelfen.

Was ich vor 12 Monaten geschrieben habe, gilt immer noch: „Es gibt keinen Grund, die schlimmsten aller Prognosen als die einzig möglichen zu bezeichnen. Anstatt in Fatalismus zu verfallen sollte man einen optimistischen Realismus pflegen: Vorbereitet sein auf das Schlimmste, hoffen auf das Beste. Eine fatalistische Sicht auf die Dinge hilft niemandem weiter, und wenn man sowieso glaubt, dass alles in einer Katastrophe enden wird, ist man weniger geneigt, sie abzuwehren, wenn sie denn wirklich droht. Kein Zweifel: Um eine Katastrophe abzuwenden, muss man erst mal daran glauben, dass man sie abwenden kann.“

28 Antworten to “Apocalypse? No”

  1. shaze86 Says:

    Ich bin Optimist. Die Zukunft wird schöner als wir es uns erträumen können.
    Aus meiner Sicht wichtigste Ziele:
    1. kein Krieg mehr
    2. kein Hunger
    3. globaler wirtschaftlicher Aufschwung
    4. Strom, Internet, Gas, Kommunikation, Mobilität für alle Menschen zugänglich machen.
    5. Bildung

    Zu Punkt 1. fällt mir noch Afghanistan, Nigeria und Somalia ein.
    2. Wird durch Punkt aktuell durch Punkt 4, also durch Anbau von Energiepflanzen, untergraben, könnte aber durch Punkt 3 trotzdem gelöst werden.
    3. Die Zahlen sehen aber nicht zu düster aus.
    4. Kann man mittelfristig mit fossiler Energie lösen. Besonders schwierig ist die Mobilität. Die Engstelle ist die Ölproduktion. Lösungen sind dann vielleicht: Produktion von viel sparsameren Autos, Kohleverflüssigung, Fracking und Energiepflanzen.
    5. ergibt sich durch Punkt 3 praktisch von alleine.

    • arprin Says:

      Guter Kommentar.

      Man darf auch nicht den technischen Fortschritt vergessen. Fahrerlose Autos sind das eine, aber bald könnten wir auch fliegende Autos erleben. Die Zukunft wird aufregend werden.

      • shaze86 Says:

        Danke. Klar den technischen Fortschritt darf man nicht außer acht lassen. Dabei Tippe ich auf sehr effiziente Autos, so dass die Weltbevölkerung mobil wird. Alles andere kann ich mir nicht so wirklich vorstellen, bzw. hat sich als Flop herausgestellt (z.B. Elektroautos). Vielleicht schießt man die Waren in der Zukunft mit Schallgeschwindigkeit durch tausend Kilometer lange Röhren. Wer weiß.

  2. Mimbel Says:

    Ich finde, der Artikel könnte auch eine sehr gute Satire sein. Bin mir noch nicht ganz im Klaren darüber.

    Die USA töteten mit Drohnen im nahen Osten mehr Menschen, als Islamisten das bisher in Europa oder den USA selbst vermocht hätten.

    Die Klimakonferenz ist katastrophal gescheitert, weil der globale Wirtschaftsmotor nur noch auf Wachstum fixiert ist.

    Die WTO beschließt, dass Schwellenländer ihre Märkte weiter öffnen, während westlicher Protektionismus (z.B. Agrarsubventionen) weiter unangetastet bleibt.

    Die Berichterstattung um die NSA-Affäre eröffnet uns, dass wir (natürlich nicht nur durch die USA) praktisch allumfassend überwacht und quantifiziert werden. Dennoch erhält ein Edward Snowden nirgendwo im Westen Asyl, während das für hochkriminelle Putingegner selbstverständlich ist. Putin=böse, deswegen Gegner Putins=gut. Umgekehrte Logik bei den Variablen „USA“ und „Snowden“. Der „liberale“ Außenminister Deutschlands ist der Meinung, dass selbst bei der Annahme massiver Wirtschaftsspionage durch die USA kein diplomatisches Vorgehen gerechtfertigt ist, erst recht nicht die Aussetzung der Verhandlungen über die Freihandelszone.

    Was gab es noch so? Ach ja. Europa hat seine Sozialsysteme so weit gekürzt, dass die Straßen sich mit Radikalen füllen. Der Nahostkonflikt wird dadurch aufgeladen, dass Israel völkerrechtswidrig Land besetzt. Die Schere zwischen Arm und Reich öffnet sich nicht nur in Industrieländern, sondern auch in Schwellenländern. In Deutschland wird eine Kanzlerin, die ohne erkennbares Programm „Wahlkampf“ führt und Vertreterin einer „marktkonformen Demokratie“ ist, mit überwältigender Mehrheit wiedergewählt. Eine genuin bürgerrechtsliberale Partei geht bei der selben Wahl sang- und klanglos unter.

    Aber Moment, ich geh das ja völlig falsch an hier. Wie der werte Autor vollkommen richtig feststellt, ist ja nur Optimismus realistisch. Eine „kritische Sicht“ ist linke Propaganda, das ist nämlich eigentlich nur pessimistische Schwarzmalerei.

    Oder wie es unsere Kanzlerin ausdrücken würde:

    „Man sollte nicht immer alles schlecht reden. Und jetzt wünsche ich Ihnen eine gute Nacht!“

    • arprin Says:

      Die USA töteten mit Drohnen im nahen Osten mehr Menschen, als Islamisten das bisher in Europa oder den USA selbst vermocht hätten.

      Falsch.

      Die Klimakonferenz ist katastrophal gescheitert, weil der globale Wirtschaftsmotor nur noch auf Wachstum fixiert ist.

      Richtig, aber das ist doch eine wundervolle Nachricht.

      Die WTO beschließt, dass Schwellenländer ihre Märkte weiter öffnen, während westlicher Protektionismus (z.B. Agrarsubventionen) weiter unangetastet bleibt.

      Haben Sie Belege, dass es so ist? Soweit ich weiß, wird Indien seinen Protektionismus behalten.

      Die Berichterstattung um die NSA-Affäre eröffnet uns, dass wir (natürlich nicht nur durch die USA) praktisch allumfassend überwacht und quantifiziert werden. Dennoch erhält ein Edward Snowden nirgendwo im Westen Asyl, während das für hochkriminelle Putingegner selbstverständlich ist. Putin=böse, deswegen Gegner Putins=gut. Umgekehrte Logik bei den Variablen “USA” und “Snowden”. Der “liberale” Außenminister Deutschlands ist der Meinung, dass selbst bei der Annahme massiver Wirtschaftsspionage durch die USA kein diplomatisches Vorgehen gerechtfertigt ist, erst recht nicht die Aussetzung der Verhandlungen über die Freihandelszone.

      Überwachung ist ein Problem, da gebe ich dir Recht. Aber Chodorkowski verdient Asyl.

      Europa hat seine Sozialsysteme so weit gekürzt, dass die Straßen sich mit Radikalen füllen.

      Die Sozialsysteme sind auf Dauer nicht mehr haltbar, ohne massive Verschuldung und Bankrott (der dann die Radikalen nach oben spült). Man muss sie grundlegend reformieren.

      Der Nahostkonflikt wird dadurch aufgeladen, dass Israel völkerrechtswidrig Land besetzt.

      lol.

      Die Schere zwischen Arm und Reich öffnet sich nicht nur in Industrieländern, sondern auch in Schwellenländern.

      Ein immer wiederkehrender Satz, aber so gut wie nie mit Belegen gefüllt.

      In Deutschland wird eine Kanzlerin, die ohne erkennbares Programm “Wahlkampf” führt und Vertreterin einer “marktkonformen Demokratie” ist, mit überwältigender Mehrheit wiedergewählt. Eine genuin bürgerrechtsliberale Partei geht bei der selben Wahl sang- und klanglos unter.

      Merkels Wahl ist keine gute Nachricht, da hast du Recht. Ob die FDP-Niederlage mehr Schlechtes als Gutes hatte, werden wir später sehen.

      Aber Moment, ich geh das ja völlig falsch an hier. Wie der werte Autor vollkommen richtig feststellt, ist ja nur Optimismus realistisch. Eine “kritische Sicht” ist linke Propaganda, das ist nämlich eigentlich nur pessimistische Schwarzmalerei.

      Oder wie es unsere Kanzlerin ausdrücken würde:

      “Man sollte nicht immer alles schlecht reden. Und jetzt wünsche ich Ihnen eine gute Nacht!”

      Es gibt ein Mittelweg zwischen naivem Optimismus und totaler Schwarzmalerei.

      • Mimbel Says:

        Erstmal: Schön, dass Du (lass uns doch duzen) so detailliert antwortest, ich werd mir Mühe geben. Ok, dann mal los.

        1) Drohnen. Zwischen 2292 und 2863 Menschen wurden allein in Pakistan getötet. Das behauptet das „Bureau of Investigative Journalism“ nach Auswertung von ca. 2000 Medienberichten im AUGUST 2011. Da man davon ausgehen kann, dass seit diesem Zeitpunkt das Programm nicht eingestellt wurde (mir wäre solches nicht bekannt), wird die Zahl inzwischen deutlich höher liegen. Da ich aber das aufwiegen von Menschenleben in Zahlen gegenüber anderen für zynisch halte, ziehe ich meine Behauptung oben zurück. Stattdessen würde ich von einer ähnlichen Zahl sprechen.

        Über die Opferzahlen aus den Kriegen in Afghanistan (was ja auch nach Darstellung der intervenierenden Nationen eine Reaktion auf den 11.9. war) und Irak (wo bis heute kein klarer Grund zu erkennen ist) müssen wir hier, denke ich, nicht diskutieren.

        2) Klimakonferenz. Das würde ich kurz zurückstellen.

        3) WTO. Es gab einen Kompromiss, welcher Entwicklungsländern „wenn es um die Sicherung der Nahrungsmittelversorgung für große Teile ihrer Bevölkerung geht“, Agrar-Beihilfen gestattet. Das entsprechende Land ist dabei aber natürlich in der Beweislast. Da ich eine detaillierte Quelle, die ich damals zu dem Thema gelesen habe, leider nicht mehr finden kann, verweise ich dich auf diesen Artikel der SZ:

        http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/welthandelskonferenz-in-bali-staaten-beschliessen-historisches-wto-abkommen-1.1838088

        Im Gegenzug ändert sich nichts an der Subventionspolitik der EU.

        4) Asyl. Ob Chodorkowski Asyl verdient oder nicht, kann ich nicht beurteilen, da ich die Situation kaum kenne. Auffällig ist jedoch, dass Snowden keines gewährt wurde, weil es sich nach Auffassung einiger der Bundesregierung und ebenso des Bundespräsidenten um einen Kriminellen handelt. Hier wird mit zweierlei Maß gemessen. Ich schätze Dich und Deinen Blog als tendenziell ziemlich liberal ein, insofern müsste die ganze NSA-Affäre, aber noch viel mehr die Reaktionen unserer Regierung und namentlich der FDP für Dich ja eigentlich ein Desaster gewesen sein.

        5) Europas Sozialsysteme. Ok, das eröffnet eine Endlosdiskussion. Die Frage, ob hier gekürzt wurde, weil die Finanzkrise eine enorme Staatsverschuldung nach sich zog (linke Lesart) oder ob die Eurokrise deswegen besteht, weil die europäischen Länder vollkommen aufgeblähte Sozialapparate aufgebaut haben (marktliberale Lesart), lässt sich leider wirklich nicht in der Kommentarspalte eines Blogs klären. Wie Du Dir aber sicherlich denken kannst, neige ich eher in Richtung der ersten Interpretation. Wenn du willst, können wir da gern nochmal detailliert darauf eingehen.

        Dass Verschuldung Radikalität schürt, will mir allerdings überhaupt nicht einleuchten. Das müsstest Du mir nochmal erklären.

        6) Israel. Ich weiß nicht genau, was daran zum Lachen ist, vermutlich einfach der Themensprung? Ich habe in diesem letzten Absatz einfach Themen aufgezählt, die mir spontan in den Sinn kamen, welche mir das Gefühl nahmen, es handele sich um ein so großartiges Jahr, wie du es beschrieben hattest. Zur Sache: Völkerrechtlich gilt meinen Informationen nach die Grenze von 1967 (natürlich nach dem 6-Tage-Krieg). Ich beziehe mich nun natürlich auf das berühmte Siedlungsgebiet E1, welches außerhalb dieser Grenzen definiert und somit völkerrechtswidrig ist (natürlich neben anderen bereits besiedelten Gebieten). Dass dieses Gebiet E1 essentiell ist, um einen palästinensischen Staat überhaupt zu denken, spielt natürlich die wichtigste Rolle.

        7) Arm-Reich-Schere. Du hast recht, es mangelt hier oft an Belegen. Nehmen wir zum Beispiel den Gini-Koeffizient. Da er an folgender Grafik:

        http://www.laenderdaten.de/wirtschaft/gini-index.aspx

        für DE merkwürdigerweise nur bis zur Mitte der 90er Jahre abgetragen ist, brauchen wir noch mehr Material, wie z.B. folgenden Artikel aus der APuZ:

        http://www.bpb.de/apuz/155705/einkommens-und-vermoegensverteilung-in-deutschland?p=all

        oder eine Studie des DIW:

        http://www.diw.de/documents/publikationen/73/diw_01.c.357505.de/10-24-1.pdf

        oder tausend andere Quellen. Wenn ich da noch mehr liefern soll, dann sag Bescheid.

        8) Wahl. Hier kann ich deinen Worten zu 100% zustimmen, vermutlich aber aus komplett anderen Gründen. Aber was solls, das stimmt doch versöhnlich.

        9) Optimismus vs. Pessimismus. Auch hier stimme ich dir zu. Das Stichwort lautet sicherlich Wahrnehmung, und die unterscheidet sich bekanntlich enorm.

        Nun aber nochmal zurück zu 2) Klimakonferenz. Könntest Du mich aufklären, warum du das für eine großartige Entwicklung hältst?

      • arprin Says:

        1.) Ich denke, die Opferzahlen durch Drohnenangriffe in Pakistan sind nicht gleich, sondern deutlich geringer als in früheren Kriegen.
        3.) Woher hast du die Behauptung, dass sich nichts an der Subventionspolitik der EU ändert?
        4.) Ich habe die NSA-Überwachung und die Reaktionen der deutschen Politiker (wobei die FDP jetzt nicht heraussticht) kritisiert:
        https://arprin.wordpress.com/2013/12/12/von-linken-heuchlern-und-nsa-appeasern/
        5.) Wenn ein Land Bankrott geht, bekommen Radikale oft Aufschwung.
        6.) Der Israel-Palästina-Konflikt wird vor allem durch die Weigerung der Hamas, das Existenzrecht Israels zu akzeptieren, die Weigerung der PLO/Fatah, die Grenzen von 1967 neu zu verhandeln und der gemeinsamen Forderung des „Rückkehrrechts“ nicht gelöst, Israles Siedlungsbau ist bei weitem kein so großes Problem. Und außerdem besteht der Nahe Osten nicht nur aus Israel und Palästina.
        7.) Naja, ich kenne auch andere Daten:
        https://arprin.wordpress.com/2011/12/18/zur-ungleichheit-in-deutschland/
        Und frage mich auch, warum ökonomische Ungleichheit per se ein Problem sein muss. Es kommt doch nur darauf an, ob diese ökonomische Ungleichheit durch rechtliche Ungleichheit entstand.
        2.) Mit freier Marktwirtschaft lassen sich die eventuellen Probleme, die sich durch die Globale Erwärumg ergeben werden, besser bekämpfen als durch eine Öko-Planwirtschaft.

      • aron2201sperber Says:

        der Krieg mit den Taliban in Pakistan gäbe es auch ohne Drohnen

        ohne Drohnen wäre er wahrscheinlich sogar wesentlich verlustreicher:

        http://bazonline.ch/ausland/amerika/Dramatischer-Rabatt-bei-den-humanen-Kosten-/story/27656964

        von den 3000 durch Drohnen getöteten Menschen waren etwa 300 Zivilisten, der Rest Taliban-Kämpfer.

      • Eitan Einoch Says:

        Interessant, dass Mimbel den Krieg in Syrien und die dortigen Massaker nicht erwähnt. Wohl keine Amerikaner, Europäer oder Israelis dort am Werk, nach denen man mit Scheiße werfen könnte…

  3. aron2201sperber Says:

    ich habe im Sommer-Urlaub auch Pinkers Buch „Gewalt“ gelesen.

    darin werden landläufige Meinungen und Ansichten, wie sie Mimbel vertritt, mit einer Menge Zahlen und Fakten widerlegt

    • Mimbel Says:

      Das, was Münkler sagt, leuchtet mir nicht so ganz ein.

      Der Mann am Joystick mag länger nachdenken als ein Infanterist, aber führt eine Nation, die keine Truppen schicken muss, nicht leichteren Herzens Krieg?

      Das mag so sein, wenn wir annehmen, dass Gesellschaften geil darauf sind, Kriege zu führen. Doch müssen wir auch bedenken, dass die Länder des Westens postheroische Gesellschaften sind. Ehre und Opfer sind für uns keine zentralen Begriffe mehr; diese haben wir durch andere Werte wie Wohlstand, Arbeit und Freizeit ersetzt. Also vermeiden wir es, uns auf Gefechtsfelder zu begeben, wo wir hohe Verluste erleiden könnten.

      Gerade der letzte Satz ist quatsch, da bei einem Drohnenkrieg die Verluste ja minimal sind. Ebenfalls behauptet niemand, dass Gesellschaften „geil“ darauf sind, Kriege zu führen. Aber Kriege können (erst recht, wenn man keine eigenen Soldaten hinschicken muss) eben immer wieder opportun sein. Ich würde sogar sagen: Erst recht wenn man keine eigenen Infanteristen mehr hinschicken muss.

      • aron2201sperber Says:

        als Alternative zu klassischen Bombardements ist die Drohne ein Fortschritt, da viel weniger Kollateralschaden entsteht

        Kriege wird es weiterhin geben – solange es keinen funktionierenden Einheits-Weltstaat gibt.

        wenn niemand den Welt-Sheriff spielt, fallen die Kriege tendenziell sogar länger und blutiger aus

      • Mimbel Says:

        Und genau das ist der Grund, warum ich das sinnieren, ob zuerst fahrerlose Autos oder der Weltfrieden kommen werden, für puren Zynismus halte.

    • arprin Says:

      Ja, stimmt, Pinkers Buch war auch für mich wirklich ein Highlight und hat meine Sicht auf die Welt klarer gemacht.

  4. Molot Says:

    @arprin
    „Aber Chodorkowski verdient Asyl.“
    Womit, bitte schön, verdient er solches denn?
    Und wieso muß „Asyl“ verdient werden?
    Ich dachte bisher, das sei so eine Art Nothilfe, das „Asyl“.

    • arprin Says:

      Chodorkowski hat sich nicht entschieden, ein politisch Verfolgter zu werden, es war Putins „Verdienst“. Er sollte wie jeder politisch Verfolgter das Recht bekommen, von einem anderen Land aufgenommen zu werden, wo ihm keine Verfolgung droht.

      • Molot Says:

        @arprin
        Chodorkowski hat sich nicht entschieden, ein politisch Verfolgter zu werden….
        Naja, er ja auch keiner geworden, insofern war diese Entscheidung wohl richtig und gut.

  5. Molot Says:

    @aron2201sperber
    „Kriege wird es weiterhin geben – solange es keinen funktionierenden Einheits-Weltstaat gibt.“
    Wenn das die Alternativen sind, dann gebe Gott, daß uns die Kriege erhalten bleiben!

    • aron2201sperber Says:

      die Entwicklung geht im Moment eher in Richtung Einheits-Staat – mit dem Ergebnis, dass es viel weniger Gewalt gibt.

      der vielgescholtene Kapitalismus ist eine der Haupttriebfedern jener Entwicklung.

      wenn das System zusammenbrechen würde, würden Russen, Araber, Chinesen genauso ihr Geld verlieren.

      die (gemeinsame) Sorge um das Geld motiviert uns, Konflikten möglichst aus dem Weg zu gehen

      • Molot Says:

        @aron2201sperber
        „die Entwicklung geht im Moment eher in Richtung Einheits-Staat – mit dem Ergebnis, dass es viel weniger Gewalt gibt.“
        Sie meinen , so eine Art UdssR in groß?
        Dort gab es ja auch relativ selten Krieg zwischen den Republiken.

    • arprin Says:

      Natürlich meint Aron keine Weltdiktatur, sondern eine internationale Organisation, die sich wirklich für Frieden und Freihandel einsetzt. Dagegen wäre ja auch nichts einzuwenden.

      • Molot Says:

        @arprin
        „Natürlich meint Aron keine Weltdiktatur…“
        Jeder Staat ist letzten Endes eine Diktatur!
        Und ein „Weltstaat“ wäre die absolute Diktatur.
        „Macht korrumpiert, absolute Macht korrumpiert absolut.“
        (Lord Acton)

      • salamshalom Says:

        Gibt es denn im Kleinen eine dominante internationale Organisation, die sich für Frieden und Freihandel einsetzt?
        Wie soll das denn global laufen? Keine noch so große, fähige, realexistierende Organisation schaffte es bisher, sich für Frieden und Freihandel zwischen Palästina und israel einzusetzen, und global-geographisch gesehen sprechen hier von einem Fliegenfurz!

      • arprin Says:

        Wie du sicher weißt, besteht die Welt nicht nur aus Israel und Palästina.

        Und mir ist es egal, ob eine internationale Organisation Freihandel durchsetzt oder nicht. Aber mit der WTO geht es wohl schneller.
        Für Frieden dagegen braucht es eher einen kulturellen Wandel. Dieser findet wohl statt, wie u.a. Steven Pinker dokumentierte. Siehe auch diese Grafik:

        (aus diesem lesenswerten Artikel: http://blogs.spectator.co.uk/coffeehouse/2013/12/we-dont-want-to-believe-it-but-things-really-are-getting-better/)

      • salamshalom Says:

        Eine „Weltorganisation/-macht“ müsste aber imstande sein auch diesen Fliegenfurz zu neutralisieren. Denn, und da gebe ich dir absolut recht, besteht die Welt nicht nur aus Palästina und Israel sondern aus vielen anderen kleinen und großen Fürzen.
        S. Pinkers Buch habe ich nur in Fragmenten erfahren, inklusive aller Befürwortungen und Kritiken. Eine Sache habe ich noch im Kopf: Den Genozid an uns Juden soll er gar nicht erst bearbeitet haben. Was die Grundthese des Buches stark ins Wanken bringen dürfte.

      • arprin Says:

        Okay, hier nochmal die Grafik, die zeigt, wie viele der Fliegenfürze neutralisiert wurden (gerade im Vergleich zu den 60ern, 70ern und 80ern):

        Regionen wie Mittelamerika und Südostasien sind heute friedlich, früher tobten dort Kriege mit Hunderttausenden oder Millionen Toten. Sogar der Nahe Osten ist heute friedlicher als in den 80ern.
        Der Israel-Palästina-Konflikt ist trotz der spektakulären medialen Präsenz wirklich nur ein regionaler Konflikt, mit weniger als 1.000 Toten pro Jahr wird er nicht als „Krieg“ definiert, sondern als „low-intensity-conflict“. Israels Existenz wird heute von keinem arabischen Land bedroht (nur das iranische Atomprogramm stellt noch eine Gefahr dar), das war früher auch ganz anders.

        Eine Sache habe ich noch im Kopf: Den Genozid an uns Juden soll er gar nicht erst bearbeitet haben. Was die Grundthese des Buches stark ins Wanken bringen dürfte.

        Völlig falsch. Natürlich behandelt Pinker den Holocaust, und seine Grundthese geht von einem Langen Frieden nach 1945 (keine Kriege zwischen zwei Großmächten) und einem Neuen Frieden seit 1988 (deutlich weniger Kriege als je zuvor in der Menschheitsgeschichte) aus und ist mit einer ganzen Reihe von Fakten untermauert (da verweise ich wieder auf die Grafik).

  6. Links der Woche | Freisinnige Zeitung Says:

    […] Jorge Arprin bei arprin: Apocalypse? No […]

  7. thomas geisler Says:

    Das Denken liefert die für Regelvorgänge nötige negative Rückkopplung. Das Positive gehört ins Handeln. So halte ich es. Das Verhalten der Mehrheit lässt vermuten, dass wir es nicht so lange aushalten werden wie die Saurier, denn sie „denkt“ „positiv“ und handelt unterlassend bis egoistisch.

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