Die Spielzeuge der Reichen

Die Mondkolonisation könnte in naher Zukunft beginnen

Als Yuri Gagarin 1957 der erste Mensch im Weltraum wurde und John F. Kennedy vier Jahre später ankündigte, bis zum Ende des Jahrzehnts einen Menschen zum Mond und wieder zurück zu fliegen, machte das weltweit große Schlagzeilen. Der Wettlauf zum Mond wurde zu einem prestigeträchtigen Duell im Kalten Krieg, die USA traten gegen die Sowjetunion an. Allerdings wurden beide Weltraumprogramme von staatlichen Organisationen geleitet, und so eignete sich der Sieg der USA nicht unbedingt als Werbung für den Kapitalismus. Dennoch war es natürlich eine großartige Leistung der Menschheit.

Heute erleben wir einen neuen Wettlauf: Den Wettlauf zum Mars. Er macht aber nur wenige Schlagzeilen, denn es handelt sich um zwei private Institutionen. Die Non-Profit-Organisation „Inspiration Mars“ von Dennis Tito, dem ersten Weltraumtouristen, plant, bis zum Jahr 2018 einen Mann und eine Frau um den Mars vorbeifliegen zu lassen. Ein sehr ehrgeiziges Ziel, dass jedoch von der niederländischen Stiftung „Mars One“ übertroffen wird: Diese plant, bis zum Jahr 2025 vier Menschen in den Mars zu schicken, für die keine Rückkehr geplant ist. Das Geld dafür soll u.a. durch die TV-Rechte kommen, denn die Kandidatenauswahl soll durch eine Reality-Show erfolgen.

Nicht nur Flüge zum Mars, auch kleinere Weltraumflüge sollen bald von privaten Organisationen angeboten werden. Die erste Frage, die vielen Menschen dabei in den Kopf kommt, lautet: „Warum?“ Diese Frage kontert man am besten mit der Gegenfrage: „Warum nicht?“ Jeder soll mit seinem Geld machen was er will, und wenn dazu Weltraumflüge gehören, ist das eben so. Leider denken nicht alle so. Günter Verheugen von der EU-Kommission äußerte sich zum Thema wie folgt: „Mir gefällt das Thema nicht. Es verdient keine Unterstützung. Das ist ausschließlich eine Sache für die Superreichen und damit gegen meine soziale Überzeugung“.

Diese Argumentation hat natürlich ein paar Schwächen. Jede neue Technik war am Anfang zu teuer für die Menschen, deren Einkommen unter denen der berühmten 1% lag. Das Auto, der Fernseher, der Computer, all das war zuerst nur das Spielzeug der Reichen. Nur die Oberschicht konnte sich die neuesten Kommunikationsgeräte leisten, die die Welt so revolutioniert haben, ob den Telegrafen, das Telefon oder das Handy. Hat Verheugen das etwa vergessen? Man stelle sich vor, jede neue Technik wäre verworfen worden, nur weil sie nicht dem „Allgemeinwohl“ dient, sondern nur der Oberschicht.

Natürlich werden sich am Anfang nur die Superreichen einen Weltraumflug leisten können. Eine Reise kostete bis jetzt 20-35 Millionen Dollar und konnten sich nur sieben Menschen leisten. Aber die Preise werden mit der Zeit sinken, das wird schon heute von den Raumfahrtunternehmen prophezeit. Langfristig könnte der Preis bei 10.000 Dollar liegen und das Passagieraufkommen bei 500.000 jährlich – so lauten zumindest die optimistischen Prognosen. Vielleicht werden in 100 Jahren Arbeiterfamilien ihren Kindern zum Geburtstag einen Weltraumspaziergang schenken.

Wenn es soweit ist, wird sich die Politik mit Sicherheit einmischen. Das optimale Szenario wäre: Alle Staaten einigen sich, keinerlei Ansprüche auf den Weltraum zu stellen (sowie im „Weltraumvertrag“ von 1967 beschlossen), dafür bekommen die Kolonisten natürlich das Recht, Eigentum zu erwerben. Staaten dürfen gegründet und Steuern erhoben werden, wenn sich die Mitglieder einer Gemeinschaft freiwillig dafür entscheiden (nicht demokratisch, sondern jeder individuell). Also ein liberales Utopia. So wäre es im Mars möglich, dass ein schwules Ehepaar seine Cannabis-Felder mit Kalaschnikows bewacht die er steuerfrei mit Bitcoins gekauft hat.

12 Antworten to “Die Spielzeuge der Reichen”

  1. Carsten Says:

    Auch wenn Verheugens Argumentation über die soziale Schiene nicht schlüssig ist, bleibt seine Hauptaussage dennoch korrekt. Tourismus (ob nun auf Malle oder im „Weltraum“) verdient nun wirklich keine UNterstützung seitens der EU.
    Entweder die privaten Firmen können diesen Spass stemmen, weil es die Nachfrage dafür gibt oder eben nicht.
    Und bei der staatlichen Unterstützung ist die Frage nach dem Warum wohl kaum durch die Gegenfrage „warum nicht?“ geklärt.

    • arprin Says:

      Es ging gar nicht um Unterstützung durch die EU. Verheugen hat mit seiner Aussage die Pläne des Privatunternehmens EADS kritisiert:
      http://www.der-orion.com/index.php/index.php?option=com_content&task=view&id=52&Itemid=9
      Er lehnt Weltraumtourismus grundsätzlich ab, weil er es nur als Hobby für die Reichen sieht.

      • Carsten Says:

        Im Link fehlt der Kontext ebenso wie hier im Artikel.

        Wenn allerdings der Mann, der zu diesem Zeitpunkt für die europäische Raumfahrt zuständig ist (die wiederum milliardenschwere Unterstützung für Raumfahrtprojekte auszahlt) sagt, es verdiene keine Unterstützung, so gibt es meines Erachtens kaum einen anderen Weg als dies als Aussage in seiner Funktion zu verstehen. Zumal er auch noch für die EU-Kommission gesprochen hat.
        Was soll er denn sonst mit Unterstützung meinen? (dass er keine Aktien von EADS kaufen willl? Selber nicht in den Weltraum fliegen wird?)

        Er lehnt Weltraumtourismus grundsätzlich ab, weil er es nur als Hobby für die Reichen sieht.

        Das ist die Frage, ob er es grundsätzlich ablehnt. Normalerweise werden die Aussagen von Politikern jedoch zunächst innerhalb ihrer Rolle verstanden. Da die Weltraumsparte des „Privatunternehmens“ EADS bisher recht wenig ohne Verwendung von Steuergeldern hinbekommen hat, liegt auch hier die Vermutung zunächst nahe, dass es eben darum ging.

  2. Timo Ollech Says:

    Das klingt ja fast so, als ob die Realität diese Filmidee überholt: http://keimform.de/2014/wer-macht-aus-dieser-idee-einen-film/

  3. Martin Says:

    2 Kommentare:

    1: EADS gibt es nicht mehr. Das Unternehmen heißt inzwischen Airbus Group (da ich fast 10 Jahre als Externer für Airbus gearbeitet habe, weiß ich das 😉 )

    2: EADS war und Airbus ist *kein* rein privates Unternehmen, was sich aus der Gründungsgeschichte, „Subventionen“ in Form von Krediten und der Struktur der Anteilseigner (bis etwa Anfang 2013 waren 50% der Aktien in staatlichem Besitz, inzwischen noch 30%

    • arprin Says:

      Das erste wusste ich (Verheugens Aussage stammt aus 2007, damals hieß es noch EADS), das zweite nicht ganz. Mit Subventionen hatte ich gerechnet, aber nicht mit einem so hohen Anteil. Danke für die Info.

  4. besucher Says:

    Was passiert eigentlich wenn das schwule Ehepaar Vertragsarbeiter auf seine Cannabisplantage anheuert und ihnen dann unter dem Vorwurf sie hätten ihre lokalen Gesetze missachtet unentgeltlich dort Strafarbeit abverlangt? Greift dann die Raumpatrouille ein?

    • Martin Says:

      Nicht notwendig. Wenn die nicht grade selbstmörderisch sind, feuert keines der Mitglieder des schwulen Ehepaares in einer auf dem Mars notwendigen Überlebens-Biosphäre eine Kalaschnikow ab. Dann sind nämlich nicht nur Löcher in den Vertragsarbeitern, sondern auch in der Biosphäre 😉

      • arprin Says:

        Dafür gibt es bestimmt Sicherheitsmaßnahmen. Und wenn der Mars terraformiert wird (vielleicht im 22. Jahrhundert), braucht es keine Biosphäre mehr.

    • Carsten Says:

      Greift dann die Raumpatrouille ein?

      Natürlich. Irgendjemand muss ja aufpassen dass die Vertragsarbeiter vor Erfüllung ihrer vertraglichen Verpflichtungen einfach abhauen.
      Die hier gewählten Begriffe sind natürlich nichts als antikapitalistische Propaganda. Auf die Gültigkeit lokalen Gesetze wurde in §117 der den Arbeitsverträgen zugrundeliegenden AGB hingewiesen. Dass die Konventialstrafe – hier durch körperliche Arbeit zu erbringen – durch die Plantagenbesitzer fallweise festgelegt wird wurde durch die Arbeiter ebenfalls durch akzetieren der AGB ebenfalls einwandfrei festgelegt.

    • arprin Says:

      Es wird natürlich auch Mars-Gerichte und Patrouillen geben, die für Recht und Ordnung sorgen. Wie diese genau aussehen sollen, können wir uns fragen, wenn es ein paar Kolonien im Mars gibt.

  5. Yadgar Says:

    „Vielleicht werden in 100 Jahren Arbeiterfamilien ihren Kindern zum Geburtstag einen Weltraumspaziergang schenken.“

    In 100 Jahren wird es keine Arbeiter mehr geben – dann werden Computer und Roboter, genauer, die sie steuernde Software alle algorithmisch beschreibbaren, nicht-kreativen Arbeiten übernommen haben und kein Mensch mehr im Dreck wühlen oder stumpfsinnige Routinetätigkeiten ausführen müssen, um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. 95 % der Bevölkerung werden für das Funktionieren der Wirtschaft entbehrlich sein und folglich ähnlich wie im Film „Matrix“ im künstlichen Koma in glibberiger Nährlösung schweben, während ihnen per Bioelektronik perfekt simulierte virtuelle Welten ins Gehirn eingespeist werden. Die Manipulation der Gehirne wird umfassend genug sein, dass die Menschen diese virtuellen Welten für völlig real halten, zumal sie in diesen Welten auch miteinander interagieren können. In der Realwelt lebt und arbeitet dann nur noch eine kleine Elite aus Wissenschaftlern, Künstlern und Softwaredesignern, die sowohl die physische Infrastruktur aufrechterhalten als auch die Matrixwelten gestalten. Raumfahrt wird im Wesentlichen unbemannt stattfinden, für die überflüssigen 95 % in der Matrix wird es allerdings auf den Erkenntnissen der Astronomen in der Realwelt beruhende Weltraum-Simulationen geben. Die (selbst zum großen Teil automatisierte) Programmierung der Matrixwelten wird derart effizient sein, dass die „Überflüssigen“ nach persönlichem Geschmack zwischen zahllosen Welten werden wählen können, es wird für (fast) jeden das Richtige dabei sein – historische Welten von der Steinzeit bis zum Spätfordismus, ethnische Welten, die Utopien der klassischen Ideologien und Religionen, dystopische Welten für Sadisten und Masochisten, völlig fiktive Welten, Welten, die von Mensch-Tier-Mischwesen bevölkert werden (ich fände es z. B. interessant, als mit menschlicher Intelligenz ausgestatteter Luchs zu leben… Shelter 2 für Fortgeschrittene!)…

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