Der Stand der Freiheit

Die Weltkarte der Freiheit

Die Weltkarte der Freiheit (grün: frei, gelb: teilweise frei, lila: unfrei)

Die Menschenrechtsorganisation “Freedom House” hat am 23. Januar ihren jährlichen Bericht zur Freiheit in der Welt veröffentlicht. Die Ergebnisse: Im Jahr 2013 wurden 88 Länder (letztes Jahr waren es 90), in denen 40% der Weltbevölkerung leben, von Freedom House als “frei” eingestuft. 59 Länder, in denen 25% der Weltbevölkerung leben, waren “teilweise frei”, 48 Länder, in denen 35% der Weltbevölkerung leben, waren “unfrei”. 122 Länder wurden als “Wahldemokratien” eingestuft, woraus man schließen kann, dass fast ein Drittel der demokratischen Staaten nicht frei sind. Gleichzeitig gibt es kein freies Land, das nicht auch demokratisch ist.

Laut Freedom House hat die Freiheit im achten Jahr hintereinander mehr ab- als zugenommen. Zwar wurden in 40 Staaten Fortschritte gemessen, allerdings gab es in 54 Staaten Rückschritte. Ägypten, dass die Rückkehr der Militärdiktatur erlebte, und die Zentralafrikanische Republik, wo Milizen dieses Jahr die Regierung stürzten, fielen von „teilweise frei“ zu „unfrei“. Mali wurde nach der erfolgreichen französischen Intervention gegen die islamistischen Terrorgruppen im Norden und der Wiedereinsetzung der zivilen Regierung von “unfrei” zu “teilweise frei” aufgewertet (diese Veränderungen sind in der obigen Karte noch nicht aufgezeichnet).

Am besten lebt es sich in Westeuropa und Amerika, in diesen beiden Erdteilen gibt es nur ein unfreies Land (Kuba). Mittelmäßig schneiden Osteuropa und der asiatisch-pazifische Raum ab, Russland und China sind die beiden größten und mächtigsten unfreien Staaten. Am schlimmsten ist es in Schwarzafrika, wo die unfreien Länder die freien um das doppelte überwiegen, und natürlich im Nahen Osten, wo es nur ein freies Land gibt (Israel). In den letzten 10 Jahren hat sich der Freiheitsindex kaum verändert, große Veränderungen gab es zuletzt in den 1990er Jahren. Immerhin: 1972, beim ersten Jahresbericht, galten nur 44 Länder als frei, also nur die Hälfte des derzeitigen Standes.

Zehn Staaten und zwei weitere politische Entitäten bekamen sowohl im Ranking der politischen Rechte als auch in den bürgerlichen Freiheiten die niedrigste Bewertung. Während das von Folter, Giftgas und Hunger geplagte Bürgerkriegsland Syrien, die stalinistische Diktatur Nordkorea, der Failed State Somalia, die absolutistische Monarchie Saudi-Arabien, die Despotien im Sudan, in Eritrea, Äquatorialguinea, Usbekistan und Turkmenistan sowie Tibet und Westsahara schon im letzten Jahr dazugehörten, gesellte sich die Zentralafrikanische Republik dieses Jahr in diesen Club der „worst of worst“.

Das Ranking von Freedom House eignet sich gut zur Einschätzung der weltweiten Lage des Liberalismus. Es zeigt, wo man als Liberaler ungestört reisen kann und welche Orte man lieber meiden sollte. Wir sehen z.B., dass nur ein einziges islamisches Land als frei eingestuft wird (Senegal), 7 der 10 schlimmsten Länder islamisch sind und mit Ausnahme von Mexiko und Südsudan alle größeren bewaffneten Konflikte in islamischen Ländern stattfinden: Syrien, Irak, Afghanistan, Pakistan, Nigeria und Somalia. Der politische Islam bleibt die größte Bedrohung für die Freiheit. Die Entwicklung in Tunesien gibt eine leise Hoffnung auf Besserung.

Im Vergleich zum Kommunismus in den 1970ern ist die Bedrohung durch den Islamismus jedoch wesentlich kleiner. Von größter Wichtigkeit wird auch sein, in welche Richtung sich China und Russland entwickeln. Die Chinesen scheinen an weiteren liberalen Reformen interessiert zu sein, zuletzt wurden die Arbeitslager abgeschafft und die Ein-Kind-Politik gelockert, doch ob die KPCh in naher Zeit ihre Macht abgeben wird, ist stark zu bezweifeln. Putins Russland macht keine Anzeichen auf Besserung. In Westeuropa und Amerika hält sich die Freiheit noch wacker, doch die interventionistische Politik lässt eine vollständige Freiheit noch immer in weite Ferne rücken.

4 Antworten to “Der Stand der Freiheit”

  1. Timo Ollech Says:

    So lange da noch Staaten sind, die ihre „staatliche Ordnung“ mit Waffengewalt durchsetzen und sich gegen andere Staaten abgrenzen, ist es mit der Freiheit nicht weit…
    In meiner Sicht ist der gesamte Planet zur Zeit gelb, was hoffentlich irgendwann mal auf grün umschlägt. Das einzige Mittel dafür ist Bewusstsein.

    • arprin Says:

      Es macht aber dennoch Sinn, die Fort- oder Rückschritte zur Kenntnis zu nehmen, solange das liberale Utopia noch nicht eingezogen ist.

  2. thomas geisler Says:

    Der eine kolportiert tabellarisch gefasste Mythen, der andere nimmt Berichte von Menschen aus aller Welt zur Kenntnis. Das ist mein dritter und letzter Kommentar hier, ich bin auch nur ein Mensch.

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