Sind Kleinstaaten erfolgreicher?

Die Kleinstaaterei im Heiligen Römischen Reich

In einem Kommentar für das Handelsblatt empfahl Wolfram Weimer, die Anzahl der Bundesländer im Osten zu verringern. Frank Schäffler konterte und forderte stattdessen mehr Autonomie für die Bundesländer sowie die Möglichkeit, aus Bundesländern auszutreten oder sich anderen anzuschließen. Klein aber fein sei besser als groß und träge, meint Schäffler, und führt als Beispiel die Tatsache an, dass Hamburg als kleiner Stadtstaat ein deutlich größeres Pro-Kopf-Einkommen hat als Nordrhein-Westfalen.

In dieselbe Kerbe schlägt Domic Frisby, der erklärt, warum ein unabhängiges Schottland (für dieses Jahr ist ein Referendum vorgesehen) zu den reichsten Ländern der Welt gehören könnte. Desto kleiner Staaten sind, desto mehr Reichtum häufen sie an, und zwar für die ganze Bevölkerung. Aber trifft das zu? Auf den ersten Blick kann man uneingeschränkt zustimmen: Katar, Luxemburg und Singapur stehen in der Liste der reichsten Staaten ganz oben. Auf den zweiten Blick sieht man, dass die Sache nicht so einfach ist.

Kleine Staaten wie Moldawien, Haiti und Lesotho gehören zu den Armenhäusern in ihren Regionen. Das größte deutsche Bundesland Bayern ist reicher als die Stadtstaaten Berlin und Bremen. Katar profitierte nicht von seiner kleinen Fläche, sondern vom Öl. Und dann gibt es natürlich noch die USA, das Paradebeispiel, dass ein Riesenland auch zu großem Reichtum kommen kann. Um ein Land reicher zu machen, genügt es also nicht, es einfach kleiner zu machen, es müssen andere Voraussetzungen gegeben sein.

Das wirklich Wichtige ist nämlich nicht die Größe, sondern die institutionellen Rahmenbedingungen. Eine Gated Community kann es zu großem Wohlstand bringen, aber wenn sie nach kommunistischen Prinzipien lebt, kann sie auch in bitterer Armut enden. Gleichzeitig könnte es einen freiheitlichen Weltstaat geben, wenn dieser sich strikt der Marktwirtschaft verpflichtet. Wenn man also einschätzen will, ob ein neuer Staat wirtschaftlich erfolgreich sein wird, sollte man nicht auf die Größe achten, sondern auf den Grad von wirtschaftlicher Freiheit.

Allerdings muss eins eingeräumt werden: Kleinstaaten haben den Vorteil, dass sie in den meisten Fällen nicht so viel Macht konzentrieren wie in einem großen, zentralistisch organisierten Staat. Die italienischen Stadtstaaten in der Renaissance und die Niederlande im 17. Jahrhundert sind historische Beispiele dafür. Ob es mit neuen Bundesländern oder mit Schottland und Katalonien so ablaufen wird, hängt davon ab, ob sich sozialdemokratische oder liberale Wirtschaftspolitik durchsetzen wird. Man sollte sich nicht zu früh freuen.

9 Antworten to “Sind Kleinstaaten erfolgreicher?”

  1. Silem Says:

    Ein freiheitlicher Weltstaat würde aber fast schon wieder dazu gezwungen werden eine Konföderation vieler Kleinstaaten zu sein. Zentralstaaten haben den Hang dazu die „kleinen“ Probleme zu übersehen und undemokratisch zu werden.

    Bei deiner Aussage nicht die Größe macht es sondern das System muss ich dir aber vollkommen zustimmen.

    • arprin Says:

      Ein freiheitlicher Weltstaat würde aber fast schon wieder dazu gezwungen werden eine Konföderation vieler Kleinstaaten zu sein.

      Genauso ist es. Ein freiheitlicher Weltstaat wäre natürlich föderalistisch. Die USA waren lange Zeit ein gutes Beispiel, aber mit der Zeit wurde auch dort vieles zentralisiert.

  2. Molot Says:

    „Das wirklich Wichtige ist nämlich nicht die Größe, sondern die institutionellen Rahmenbedingungen.“
    Das wirklich Wichtige ist der Wettbewerb unter den Staaten, die Konkurrenz um die meisten und tüchtigsten Steuerzahler. Und dieser Wettbewerb ist um so größer, je mehr (kleine) Staaten (Einheiten) es gibt.

    • Carsten Says:

      So ein Quatsch. Es geht den Staat herzlich wenig an, ob seine Bürger tüchtig oder faul sind. Dies ist eine reine Privatangelegenheit
      – mit all seinen Konsequenzen.
      Außerdem ist es die Aufgabe des Staates, das die gegenwärtigen Kunden zufrieden sind und nicht die Aquirierung von Neukunden.

      • arprin Says:

        Der Wettbewerb zwischen den Staaten ist schon etwas Gutes. Man muss verhindern, dass die Bürger in andere Staaten abwandern, wenn sie im eigenen Land zu hohe Abgaben zahlen müssen.
        Allerdings gibt es leider Herrrscher, die Abwanderung wenig interessiert. Sonst hätte die SED ja statt die Mauer zu bauen den Sozialismus abschaffen müssen.

      • Molot Says:

        @arprin
        „Allerdings gibt es leider Herrrscher, die Abwanderung wenig interessiert. Sonst hätte die SED ja statt die Mauer zu bauen den Sozialismus abschaffen müssen.“
        Die Mauer lies die DDR-Führung bauen, weil sie die Abwanderung sehr interessiert(gestört) hat.
        Unterbinden konnte sie diese trotzdem nicht.
        Und es waren nicht Irgendwelche, die gegangen sind. Es war die Elite!
        Letztendlich ist der Staat DDR, unter anderem, an diesem Aderlaß zerbrochen.

      • Carsten Says:

        Der Wettbewerb zwischen den Staaten ist schon etwas Gutes. Man muss verhindern, dass die Bürger in andere Staaten abwandern, wenn sie im eigenen Land zu hohe Abgaben zahlen müssen.

        Ja, es ist nicht schlechtes, aber nicht das wirklich Wichtige. Eher eine mögliche Begleiterscheinung davon, dass der Staat, die richtigen Rahmenbedingungen geschaffenhat.
        Zudem würde ich zum Bsp. Katar und Saudi-Arabien mit all den sicher nciht faulen Gastarbeitern nicht unbedingt als große Vorbilder nehmen.

      • Carsten Says:

        Die Mauer lies die DDR-Führung bauen, weil sie die Abwanderung sehr interessiert(gestört) hat.

        Genau. Aber eben dass ist asu meiner Sicht ein Argument dafür, dass die Konkurrenz der Staaten um die Bürger nicht das Wichtigste sein kann. Die Mauer war nämlich in dieser Hinsicht äußerst effektiv und hat die Auswanderung sehr stark gebremst. Die Rahmenbedingungen – hier Aufrechterhaltung der Freiheit der Bürger – sind eben ein weit höheres gut als die Kontrolle oder „positive“ Beeinflussung der Migrationsströme.

      • Fred Says:

        Für allgemeinen Wohlstand ist ein liberales System von Vorteil, die Kleinstaaterei mit dem stärkeren politischen Wettbewerb sorgt dafür, dass demokratische Staaten ihren Apparat nicht zu weit ausdehnen.

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