Ein Monat für die Toleranz?

Jedes Jahr wird in den USA im Februar der „Black History Month“ gefeiert, an dem man die Beiträge der schwarzen Gemeinschaft in der Geschichte dieser Länder würdigt. Morgan Freeman, bekannt als Gott und für seine wohlklingende Stimme, hat keine gute Meinung zu dieser Tradition:

„WALLACE: Black History Month, you find …
FREEMAN: Ridiculous.
WALLACE: Why?
FREEMAN: You’re going to relegate my history to a month?
WALLACE: Come on.
FREEMAN: What do you do with yours? Which month is White History Month? Come on, tell me.
WALLACE: I’m Jewish.
FREEMAN: OK. Which month is Jewish History Month?
WALLACE: There isn’t one.
FREEMAN: Why not? Do you want one?
WALLACE: No, no.
FREEMAN: I don’t either. I don’t want a Black History Month. Black history is American history.
WALLACE: How are we going to get rid of racism until …?
FREEMAN: Stop talking about it. I’m going to stop calling you a white man. And I’m going to ask you to stop calling me a black man. I know you as Mike Wallace. You know me as Morgan Freeman.“

Was Morgan Freeman hier anspricht, ist eine Form des „humanitären Rassismus“. Der humanitäre Rassismus sieht in Angehörigen ethnischer Minderheiten in erster Linie schwache, unterdrückte Menschen, die sich nicht selbst beschützen können. Deswegen ist Gleichberechtigung nicht genug, es müssen auch allerlei Gleichstellungs- und Antidiskriminierungsmaßnahmen beschlossen werden, die selbst diskriminierend sind. Der Black History Month ist ein gutes Beispiel. Es gibt kein „White“ History Month.

Als Dr. Carter G. Woodson im Jahr 1926 die „Negro History Week“ einführte, hoffte er, dass sie eines Tages obsolet wird, und zwar, wenn schwarze Geschichte als Bestandteil der amerikanischen Geschichte von allen akzeptiert wird. Stattdessen wurde die Woche 50 Jahre später zum Monat ausgebaut, und mittlerweile ist fast jeder Monat Teil einer sektiererischen Geschichtsschreibung geworden: Juden, Iren, Filipinos, Puertoricaner haben alle einen eigenen Monat, und auch Frauen und die LGBT-Gemeinschaft bekamen einen Monat.

Während in den USA Feste erfunden werden, um Minderheiten zu „beschützen“, versuchen in Deutschland einige humanitäre Rassisten, Feste umzubenennen. So wurde schon der Vorschlag gemacht, das Sankt-Martin-Fest in Sonne-Mond-und-Sterne-Fest umzubenennen, weil er nicht-christliche Kinder diskriminiert. Das ist aber nicht alles. Regardo Rose, der Vorsitzende des Forums für Sinti und Roma, will auch das Wort „Zigeunerschnitzel“ streichen lassen, mit der ernstgemeinten Begründung: „Früher hat man uns vergast, heute werden wir gegessen“.

Höflichkeit und Anstand gebieten es, beleidigende und verletzende Wörter zu meiden. Wer Wörter wie Neger oder Zigeuner benutzt, will nur provozieren. Ich finde es deshalb auch gar nicht schlecht, dass Menschen, die diese Wörter verwenden, sozial geächtet werden. Allerdings sollten daraus keine Exzesse werden. Wer im Sankt-Martin-Fest oder dem Zigeunerschnitzel Diskriminierung erkennt und ein ganzes Monat einer ethnischen Minderheit widmen möchte, sollte sich fragen, ob sein Bild von Minderheiten nicht selbst diskriminierend ist.

13 Antworten to “Ein Monat für die Toleranz?”

  1. Silem Says:

    Ridiculous finde ich dann doch eher das hier:

    „FREEMAN: Which month is White History Month? Come on, tell me.
    WALLACE: I’m Jewish.

  2. aron2201sperber Says:

    Hollywood-Stars nerven oft mit ihren „guten“ politischen Ansichten.

    sehr sympathisch von Morgan Freeman, dass er da nicht mitspielt.

  3. qwertzman Says:

    Rassismus und Sexismus wird man nicht los, indem man das umsetzt was sich Herr Rosen oder die Anhänger eines Black History Month oder Frauenmonats wünschen, aber auch nicht indem man nicht mehr von Schwarzen und Weißen und Frauen und Männern spricht, wie es sich Herr Freeman wünscht.

    • Enrico Says:

      Hallo qwertzman,

      hast Du auch eine Begründung für Deine Behauptungen? Ohne Argumente kann man leider schwer darüber diskutieren.

      • qwertzman Says:

        Mit der Begründung von arprin: „Während in den USA Feste erfunden werden, um Minderheiten zu “beschützen”, versuchen in Deutschland einige humanitäre Rassisten, Feste umzubenennen.[…] Allerdings sollten daraus keine Exzesse werden. Wer im Sankt-Martin-Fest oder dem Zigeunerschnitzel Diskriminierung erkennt und ein ganzes Monat einer ethnischen Minderheit widmen möchte, sollte sich fragen, ob sein Bild von Minderheiten nicht selbst diskriminierend ist.“
        Genauso bringt es eben nichts, nichtmehr von Juden oder Schwarzen zu sprechen, und womöglich verhindern zu wollen, dass jemand diese Begriffe in den Mund nimmt, schließlich bezeichnen sich auch viele Mitglieder dieser sozialen Gruppen selbst so, aber wenn nicht, dann eben nicht. 🙂

      • arprin Says:

        @qwertzman:

        Ich finde auch, dass es völlig unbedenklich ist, wenn man von Schwarzen, Weißen oder Juden spricht. Das Wichtige an Morgan Freemans Kommentar war für mich seine Meinung zum Black History Month: „I don’t want a Black History Month. Black history is American history.“

      • qwertzman Says:

        okidoki, dem kann ich zustimmen, wobei mir das auch nicht sooo wichtig ist, und meinetwegen können auch irgendwelche leute einen marsmonat feiern 😀

      • Enrico Says:

        Hallo,

        ok, dann ist die letzte Aussage von Freeman bei mir anders angekommen. Ich hatte ihn so verstanden, daß er sich wünscht, nicht primär als Schwarzer sondern als Mensch angesehen zu werden. Das „Stop talking about it“ bezog sich für mich nicht auf das Reden über Schwarz oder Weiß sondern auf die vorhergehende Aussage von Wallace.

    • Carsten Says:

      Rassismus und Sexismus wird man nicht los, indem man das umsetzt was sich Herr Rosen oder die Anhänger eines Black History Month oder Frauenmonats wünschen,

      Wahrscheinlich nicht, aber die Aussage des Artikels geht ja noch viel weiter. Dass die Schwarzen einen Black History Month feiern, sei (humanitärer) Rassismus, weil es keinen White History Month gäbe.
      Aber warum sollte dass den Schwarzen nicht vollkommen egal sein dürfen. Wenn Sie ihre Wurzeln in Afrika und der Sklaverei und was weiss ich interessieren und sie es für wichtig erachten, dass andere darüber aufgeklärt werden ist es doch Ihr Bier. Wenn Morgan Freeman das nicht für richtig hält, ist es sein Bier.
      Aber es ist ganz sicher nicht Aufgabe der Schwarzen die das organisieren dafür zu sorgen, dass auch alle anderen Farben ihren Monat erhalten.
      Ich interessiere mich auch hauptsächlich für die Geschichte meienr Vorfahren in Europa und nicht was vor x Jahrhunderten in Afrika und China passiert ist. Macht mich dass nun zum Rassisten oder Nationalisten?
      Soweit zur Verbreitung diesesy Black-History-Month kein Zwang ausgeübt wird, ist es für mich auch kein (wie auch immer bezeichneter) Rassismus.

      • arprin Says:

        @Carsten:

        Natürlich darf es den Schwarzen vollkommen egal sein und nirgendwo habe ich gesagt dass die Schwarzen für alle Farben einen Monat organisieren sollen.

      • Carsten Says:

        Von müssen und dürfen hab ich auch nicht geredet. Es war auch überhaupt nicht mein Punkt, darüber zu reden. Dieses andauernde Herumgeschmeisse mit dem Wort Rassismus bei Dingen dioe damit erstaml recht wenig zu tun haben, geht mir auf den Keks.

        Im Absatz nach dem Interview mit Freeman steht, der Black History Month sei ein gutes Beispiel für Diskriminierung und (soweit ich den Kontext verstehe) Rassismus und zwar weil es keinen White History Month gibt.
        Wer ist hier denn der Diskrimierende oder Rassist? Es scheint dass es sich auf niemanden anders beziehen kann, als auf die Schwarzen, die diesen Monat zelebrieren, da laut der Aussage der BHM an sich schon diskrimierend sei.
        Ich sehe immer noch keine Diskrimierung und auch keinen Rassismus.
        Ich interessiere mich – wie fast alle Menschen in meinem Umfeld – nicht besonders für die zigtausendjäheige Geschichte der Chinesen.
        Möglicherweise ist das Ignoranz, aber Diskrimierung und Rassismus ist doch etwas ganz anderes.

  4. Links der Woche | Freisinnige Zeitung Says:

    […] Jorge Arprin bei arprin: Ein Monat für die Toleranz? […]

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