Ein Fels in der Brandung

Die Flagge von Gibraltar

Die Flagge von Gibraltar

Was haben Spanien und Großbritannien gemeinsam? Beide haben eine lange Kolonialgeschichte, aus der sich die weite Verbreitung ihrer Sprache erklärt. Aber während die Spanier ihr Kolonialreich schon 1898 weitgehend räumen mussten und nach der Unabhängigkeit Marokkos nur Ceute und Melilla übrig geblieben sind, haben die Briten noch viele ihrer Außenposten behalten. Die meisten liegen in der Karibik, aber es gibt sie auch im Atlantik (u.a. die berüchtigten Falklandinseln), im Indischen Ozean und im Pazifik gehört den Briten jeweils eine kleine Inselgruppe und sogar im europäischen Festland weht an einem kleinen Ort die britische Flagge: Gibraltar.

Die Kronkolonie Gibraltar ist vor allem bekannt für den gleichnamigen Felsen, der sich dort befindet, und weil es der einzige Ort in Europa ist, wo Affen in freier Wildbahn vorkommen. Deswegen wird das Gebiet auch „Affenfelsen“ genannt. Gibraltar hat eine Fläche von nur 6,5 Quadratkilometern und 28.000 Einwohner. Damit hat es nicht unbedingt eine große Bedeutung für den europäischen Kontinent, könnte man meinen. Vor drei Tagen war der Name jedoch in aller Munde, denn Gibraltar ist als jüngstes und kleinstes UEFA-Mitglied in der EM-Qualifikation in eine Gruppe mit Deutschland zugelost worden.

Gibraltar kam jedoch auch aus politischen Gründen ins Blickfeld der Öffentlichkeit, und zwar als Opfer des spanischen Imperialismus. Seit fast genau 300 Jahren, als nach dem Spanischen Erbfolgekrieg der Friede von Utrecht geschlossen wurde, ist der „Affenfelsen“ Teil des britischen Territoriums. Für die Einwohner, ein bunter Mix aus Briten, Spaniern, Italienern und Portugiesen, stellt dies keine Unterdrückung dar. Im Gegenteil: 99% der Wahlberechtigten stimmten im Jahr 2002 für den Verbleib bei Großbritannien. Die Spanier wollen jedoch trotzdem die Hoheit über das Gebiet wiedererlangen und greifen dabei auch zu schmutzigen Maßnahmen.

Nachdem die Regierung Gibraltars im Juli 2013 einige Betonblöcke versenken ließ, um ein künstliches Riff auszubauen, warfen die spanischen Behörden den Gibraltarern vor, spanische Fischer behindern zu wollen. Sie reagierten mit der Verschärfung der Grenzkontrollen, so dass eine Reise nach Gibraltar bis zu vier Stunden dauern konnte. Die Spanier erwogen noch härtere Maßnahmen als die Grenzschikanen. Es hatte schon zuvor Konflikte zwischen den Spaniern und Briten gegeben, von 1969 bis 1985 hatte Spanien die Grenze sogar komplett geschlossen. Man fühlt sich an die argentinische Politik gegenüber den Falklandinseln erinnert.

Die Frage stellt sich: Was ist für die Spanier so wichtig an Gibraltar? Wahrscheinlich handelt es sich um puren Neid. Denn während in Spanien hohe Arbeitslosigkeit herrscht, boomt Gibraltar. Die Gründe dafür liegen in den niedrigen Steuern und dem Wettbewerb. Es gibt in Gibraltar keine Mehrwertsteuer, keine Vermögenssteuer und keine Kapitalertragssteuer. Die Einkommensteuer ist deutlich niedriger als in Spanien, was natürlich viele spanische Steuerflüchtlinge anlockt. Arbeitslosigkeit ist praktisch nicht existent, das Pro-Kopf-Einkommen doppelt so hoch wie in Spanien, die Schuldenquote niedrig. Gibraltar ist ein Fels in der Brandung.

Wenn Deutschland gegen Gibraltar aufläuft, das seine Heimspiele im portugiesischen Faro austragen wird, ist alles andere als ein zweistelliger Sieg eine Enttäuschung (obwohl die Gibraltarer in ihrem bisher einzigen Länderspiel der Slowakei immerhin ein 0:0 abtrotzten). Aber dennoch habe ich eine Sympathie für diesen bewundernswerten Felsen. Anstatt neidisch auf sie zu sein, sollten die Spanier sich ein Beispiel an Gibraltar nehmen und ihre imperialistischen Gefühle abstellen. Eine Erfolgsgeschichte sollte man nicht zerstören, sondern aus ihr lernen. Von Gibraltar lernen heißt siegen lernen!

3 Antworten to “Ein Fels in der Brandung”

  1. shaze86 Says:

    Naja, so kleine Staaten wie Liechtenstein, Luxemburg, Schweiz und Gibraltar haben ein und das selbe Wirtschaftsmodell. Ich fürchte es ist auf die großen Länder nicht übertragbar, da es auf Steuerflüchtlinge setzt.

  2. Links der Woche | Freisinnige Zeitung Says:

    […] Jorge Arprin bei arprin: Ein Fels in der Brandung […]

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