Bitte keine Wehrpflicht

Die Bundeswehr darf jetzt auch die Freiheit in Deutschland verteidigen

Wir brauchen keine Rückkehr zur Wehrpflicht

Nachdem Europa lange Zeit keine Annexion erlebt hat, hat Putin sich nun die Krim geholt. Mit einem sowjetischen Abstimmungsergebnis von 96% wurde der Weg frei gemacht für den Beitritt der Halbinsel in die Russische Föderation. Das hat in Westeuropa viele Ängste ausgelöst. Wird Putin weiter gehen, besetzt er auch andere Teile in seiner Nachbarschaft? Unabhängig davon, ob es diese neue Gefahr wirklich gibt, denken viele schon an Vorbeugemaßnahmen nach. Michael Wolffsohn fordert die Rückkehr zur Wehrpflicht.

Die Abschaffung (oder Aussetzung, wie immer man es auch nennt) der Wehrpflicht war eine der wenigen guten Hinterlassenschaften der schwarz-gelben Koalition, neben der Liberalisierung des Fernbusverkehrs oder dem Verhindern der Vorratsdatenspeicherung. Man kann nur hoffen, dass an dieser Hinterlassenschaft nicht gerüttelt wird. Es gibt weder eine moralische Rechtfertigung für die Wehrpflicht, noch ist sie aufgrund der Bedrohung aus dem Ausland „notwendig“, wie einige behaupten.

Der Begriff „Wehrpflicht“ ist ein Euphemismus. Eigentlich müsste es „Wehrzwang“ heißen. Man kann sagen, dass man diesen Zwang für angebracht hält, aber man kann nicht sagen, dass es keinen Zwang darstellt. Die Gleichsetzung mit der Sklaverei ist wohl übertrieben, da man als Soldat nicht ein Leben lang dienen muss, einen Sold erhält und es Möglichkeiten gibt, den Dienst zu verweigern. Auf jeden Fall ist es aber eine Form von Zwangsarbeit, die mit einer freien Gesellschaft nicht vereinbar ist.

Bei den Begründungen, die benutzt werden, um die Wehrpflicht zu rechtfertigen, handelt es sich überwiegend um inhaltslose Phrasen. Der Militärdienst sei ein „Dienst am Vaterland“, heißt es, und müsste deshalb für alle verpflichtend sein. Man stelle sich mal vor, ein Unternehmen würde solche Argumente benutzen. Die Arbeit bei Amazon sei ein „Dienst am Vaterland“, deshalb muss jeder Jugendliche zwangseingezogen werden. Zurecht würde niemand so eine Argumentation ernst nehmen.

Auch die Behauptung, die Wehrpflicht sei notwendig, wenn ein Land bedroht wird, ist nicht ganz schlüssig. Wichtiger als die Mannesstärke sind Strategie und Motivation. In der Geschichte geschah es oft, dass kleinere Armeen sich gegen größere durchgesetzt haben. Wenn sich im Notfall nicht genug Freiwillige finden, wird eine Wehrpflicht wohl auch nicht viel ändern. Und natürlich ist die Gefahr eines Krieges auf deutschen Boden wegen Putins Annexion der Krim derzeit nicht wirklich akut.

16 Antworten to “Bitte keine Wehrpflicht”

  1. Paul Says:

    Lieber Arprin,
    ich hoffe Du verträgst ein Wort des Widerspruchs.

    Man kann für oder gegen etwas sein. Das ist Bestandteil der Meinungsfreiheit.
    Es ist ist also legitim für oder gegen die Wehrpflicht zu sein. Für beide Standpunkte gibt es gute Gründe. Davon gehe ich jedenfalls aus.
    Es ist aber nicht in Ordnung, den gegenteiligen Standpunkt so zu bezeichnen:
    „Bei den Begründungen, die benutzt werden, um die Wehrpflicht zu rechtfertigen, handelt es sich überwiegend um inhaltslose Phrasen.“

    Man riskiert dann, dass man als Antwort erhält:
    „Bei den Begründungen, die benutzt werden, um die Wehrpflicht abzulehnen, handelt es sich überwiegend um inhaltslose Phrasen.“

    So kann man ein Thema nicht diskutieren.

    Na gut, das wolltest Du auch nicht.
    Du wolltest nur Deinen Standpunkt möglichst deutlich darstellen. Das hast Du getan.

    Ich auch. 😉

    Herzlich, Paul

    • Egoteaist Says:

      Man kann also keine Diskussion führen, wenn man die Dinge als das bezeichnet, was sie sind? Wäre mir irgrndwie neu.

      Anders formuliert:
      Was wären denn gute Gründe für eine Wehrpflicht?

      • Paul Says:

        Wenn ich gelernt habe mich gegen einen Angriff zu wehren, das gilt auch im privaten Bereich, dann kann ich mich und meine Familie besser schützen.

        Für den Fall, dass unser Land angegriffen werden würde, würde ohnehin die allgemeine Mobilmachung ausgerufen werden. In diesem Fall wäre es besser, wenn ich einige Grundregeln beherrsche.
        Das wäre ein Grund für die Wehrpflicht.
        Ob es ein guter Grund ist, weiß ich nicht.

        Jedenfalls hätte ich keine Lust meinen Kopf für einen Wehrdienstverweigerer hin zu halten. Wenn dieser allerdings der Meinung ist, dass es ihm egal ist, unter welcher Fremdherrschaft er lebt, dann wäre das auch eine Haltung, die man respektieren müsste.
        Allerdings, so vermute ich, gehen die Wehrdienstverweigerer davon aus, dass wir sowieso nicht überfallen werden. Dann wäre es aber konsequent die Armee gänzlich abzuschaffen.

        Da ich bisher in meinem Leben noch nicht überfallen worden bin, auch noch nicht ausgeraubt, nicht mal bestohlen wurde, wäre ich dafür, die Polizei abzuschaffen.
        Zu dieser Auffassung komme ich nur, weil ich die Gedanken des Wehrdienstverweigerers konsequent zu ende denke.

      • arprin Says:

        Allerdings, so vermute ich, gehen die Wehrdienstverweigerer davon aus, dass wir sowieso nicht überfallen werden. Dann wäre es aber konsequent die Armee gänzlich abzuschaffen.

        Mir es geht es in erster Linie darum, dass ich Wehrpflicht als Zwangsarbeit ansehe. Die Verteidigung eines Landes funktioniert auch ohne Wehrpflicht.

        Es gibt ja im Grunde drei Möglichkeiten: Armee mit Wehrpflicht, Armee ohne Wehrpflicht und keine Armee. Ich will die zweite Option. Natürlich will ich auch nicht die Polizei abschaffen. Aber ich wäre gegen eine Polizeidienstpflicht.

      • qwertzman Says:

        Das typische Trittbrettfahrerproblem. Während sie nicht für einen Wehrdienstverweigerer ihren Kopf hinhalten wollen, so will der seinen aus irgendwelchen Gründen nicht hinhalten.
        Wie arprin schrieb wird ein Wehrdienstverweigerer auch im Kriegsfall nicht besser kämpfen, nur weil er dazu gezwungen wird.

      • qwertzman Says:

        noch was: das Argument der besseren Verteidigung von Familie, Haus und Hof zählt nicht für die, die das nicht bzw. nur sehr wenig haben. Ein besseres Argument ist die Verteidigung der eigenen Freiheit. Aber jemanden den diese wie gesagt einfach nicht interessiert oder sich seine materiellen Bedingungen wie für die Bürger der Krim unter Fremdherrschaft in Form von besseren Renten und Bezahlung verbessern und dies in seinen Abwägungen die Freiheit überwiegt, wird unter Zwang schon garnicht gut kämpfen 😉
        Zwang zur Verteidigung der Freiheit, dann auch noch in einer freien Marktwirtschaft ist zudem irgendwie widersprüchlich, oder nicht? 😛

    • arprin Says:

      Ich bin natürlich offen für eine Diskussion.

      Mit „inhaltslosen Phrasen“ meinte ich nur die Behauptung, der Wehrdienst sei ein „Dienst am Vaterland“, da das allein kein Grund sein kann, um Menschen zu zwingen, einen Dienst zu absolvieren, selbst wenn sie es nicht wollen. Die Tatsache, dass die Wehrpflicht meiner Meinung nach eine Form von Zwangsarbeit darstellt, ist ein guter Grund, sie abzsuchaffen.

  2. qwertzman Says:

    „Die Wehr- oder Ersatzdienst-Pflicht fällt unter den Ausnahmetatbestand in Art. 4 der Europäischen Menschenrechtskonvention (dort als „militärische Dienstpflicht“), der das Verbot der Sklaverei und der Zwangsarbeit regelt.“ – http://de.wikipedia.org/wiki/Wehrpflicht
    mhhh…

    Sklaven erhielten manchmal auch eine Bezahlung, und konnten sich dann so gegebenenfalls freikaufen.

    Gute Gründe für eine Wehrpflicht wären z.B., dass jeder, auch die Kinder von Frau von der Leyen und nicht nur die von Tanja Frisöse und Günther Bauarbeiter wehrpflichtig wären. Soldat ist eben kein normaler Beruf, oder wo kann man Kugeln in den Kopf kriegen? Ok, mit der Logik kann man auch allgemeine Polizeipflicht einführen, hier sind aber noch andere Fähigkeiten gefragt und ich glaube sicherer ist der Beruf Polizist schon. Wenn ich mich irre, bitte sagen. 🙂

    Ach, und wenn Wehrpflicht, dann bitte richtig. Ich will auch solche Bilder: http://1-ps.googleusercontent.com/h/www.shalomlife.com/img/2013/07/19881/inline/360x288x1297424386194_ORIGINAL.jpg.pagespeed.ic.Gz2ieLGAod.jpg

    http://www.usmilitaryveteran.com/israeliarmygirls.html

    😀

    wobei die hier in Deutschland teilweise wahrscheinlich weit weniger schön wären, fehlende Sonne und so 😦

    klar, gibt auch jetzt schon Frauen in der Bundeswehr, chickenhawk Ursula, die ich übrigens als Verteidigungsministerin garnicht schlecht finde, machts vor. Aber mit allgemeiner Wehrpflicht für Frauen wäre das noch anders, in einer Spiegeldoku über freiwillige soldatische Anfänger und Anfängerinnen waren Frauen stark unterrepräsentiert und der Anteil der Zeitsoldaten liegt bei 10%. Dagegen gibt es in Israel, dem einzigen Land mit Wehrpflicht für beide Geschlechter, 51% weibliche Offiziere. 😉

    • arprin Says:

      Die Wehr- oder Ersatzdienst-Pflicht fällt unter den Ausnahmetatbestand in Art. 4 der Europäischen Menschenrechtskonvention (dort als „militärische Dienstpflicht“), der das Verbot der Sklaverei und der Zwangsarbeit regelt.

      Mit welcher Rechtfertigung wird der Ausnahmetatbestand begründet? Es wird keine genannt.

      Gute Gründe für eine Wehrpflicht wären z.B., dass jeder, auch die Kinder von Frau von der Leyen und nicht nur die von Tanja Frisöse und Günther Bauarbeiter wehrpflichtig wären.

      Wieso wäre das ein guter Grund? von der Leyens Kinder sollten genauso wenig gezwungen werden wie die von Tanja und Günther.

      Soldat ist eben kein normaler Beruf, oder wo kann man Kugeln in den Kopf kriegen? Ok, mit der Logik kann man auch allgemeine Polizeipflicht einführen, hier sind aber noch andere Fähigkeiten gefragt und ich glaube sicherer ist der Beruf Polizist schon. Wenn ich mich irre, bitte sagen.

      Ich sage auch nicht, dass der Beruf normal ist. Aber es gibt keinen Grund, Menschen zu zwingen, ihn auszuüben.

      Ach, und wenn Wehrpflicht, dann bitte richtig. Ich will auch solche Bilder

      Oh ja, bitte.

      • qwertzman Says:

        sorry, das war missverständlich, genau das frage ich mich eben auch…

        Dem stimme ich zu, es gibt aber Leute die sich wünschen, dass Hartz4-Empfänger als Kanonenfutter verwendet werden. Da wäre mir eine allgemeine Wehrpflicht für jeden lieber. sorry, ist wohl aber eine andere Diskussion. Am besten wäre aber keine Wehrpflicht.

        Soweit ich das verstehe, heißt Wehrpflicht nicht automatisch weitere Verpflichtung zum Zeitsoldaten. Es fände also nur Übung statt und keiner würde dauerhaft gezwungen werden diesen Beruf auszuüben. Grundwehrdienstleistende werden zu humanitären Einsätzen nicht gezwungen. Vorteil wäre, dass im Verteidigungsfall genug Ausgebildete zur Verfügung stünden.
        Wobei sich dies auch ohne Wehrpflicht sicherstellen ließe, indem der Anreiz für genug ausgebildete Soldaten gegebenenfalls angepasst wird. Warum das nicht passiert, frage ich mich sowieso. Nicht rumjammern, dass die ja alle so schlecht seien, sondern einfach die Preise anpassen, dann kommen auch welche die besser sind, ohne Zwang. Volkswirtschaftlich ist die jetzige Lösung zudem effzienter, schließlich fallen bei Wehrpflichtigkeit viele Jahre weg bzw. verschieben sich, in denen Steuern, Rente, etc. gezahlt und Ausbildungen gemacht werden oder studiert wird.

        Die Bundeswehr könnte zudem die Ausbildung verbessern und verkürzen, sodass im Verteidigungsfall schnell Freiwillige ausgebildet werden könnten.

        Gegen Wehrpflicht spricht außerdem, dass jetzt iohne der Anreiz für die Forschung an autonomen Waffensystemen steigt, da das Angebot an menschlichen Soldaten tendenziell sinkt bzw. menschliche Soldaten teurer sind, also günstigere Alternativen her müssen. Dies würde in Folge die Kosten für Freiwillige bzw. Berufssoldaten allgemein senken, da eher mehr Soldat werden wöllten, schließlich bekäme man nichtmehr so leicht eine Kugel in den Kopf.
        Wie ist das eigentlich jetzt? Kann man bei der Bundeswehr auch nur den Bürodienst wählen, ohne Gefahr zu laufen in den Einsatz im Feld zu kommen? 😀

  3. Klimax Says:

    Selbstverständlich ist die sog. Wehrpflicht ein Zwang. Ob es gute Gründe für diesen Zwang gibt, kann man getrost dahingestellt sein lassen, solange es bessere dagegen gibt. Und wer meint, er könne und wolle in der Bundeswehr lernen, wie man sich verteidigt (s.o.), der mag doch Wehrdienst leisten; es gibt keinen Grund, warum ich dann auch dazu gezwungen werden soll. Es ist schon gar nicht einzusehen, warum nur junge Männer gezwungen werden sollen. Die Wehrpflicht war schon deswegen abzuschaffen, weil sie fundamental gegen GG Art.3.2 verstößt. Und zuletzt: sie wegen der jetzigen Krimkrise wieder einführen zu wollen, zeigt nur, daß man plant, Deutschland irgendwo in weiter Ferne verteidigen „zu müssen“. Man schätzt dann aber sog. Wehrpflichtige falsch ein: kaum einer von ihnen wird sich wegen geopolitischer Konflikte zwischen den Großmächten von Granaten zerfetzen lassen. Es wird Desertionen von riesigem Ausmaß geben, denen die Kriegsherren nicht mehr so leicht wie früher durch „Dezimieren“ begegnen können. Die Zeiten, zu denen Generationen brav in die Schützengräben marschiert sind und sich haben abschlachten lassen, um derer Putins, Obamas, Merkels Machtspielchen zu stützen, sind vorbei. Das ist nämlich etwas völlig anderes als Haus und Hof zu verteidigen. Die Greuel großer Kriege sind inzwischen allzu bekannt, gerade gegenwärtig, im Gedenkjahr, werden wir wieder ausreichend von ihnen hören. Das Spiel mit der allgemeinen Wehrpflicht wird nicht aufgehen.

  4. qwertzman Says:

    Warum löst Deutschland, das Problem der fehlenden Soldaten nicht mit einer deutschen Fremdenlegion? Jeder der will und entsprechende Fähigkeiten hat, kann dort anfangen, kriegt eine neue Identität, guten Sold, die deutsche Staatsbürgerschaft, letzteres vielleicht auch für die Familie, etc.. 🙂

    • besucher Says:

      Das ist ne gute Idee! Die Gefängnisse sind eh überbelegt und in assymetrischen Kriegen braucht man schlagkräftige Trüppchen die die Drecksarbeit machen.

  5. Links der Woche | Freisinnige Zeitung Says:

    […] Jorge Arprin bei arprin: Bitte keine Wehrpflicht […]

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