Mindestlohn gegen Einwanderer

Freihandel und Protektionismus

Wollen Linke wirklich gleiche Chancen für alle?

Es gibt zwei linke Parolen, die weitverbreitet sind, obwohl sie bei genauerem Hinsehen widersprüchlich sind. Die eine Parole lautet „Kein Mensch ist illegal“. Dahinter steckt die Forderung nach offenen Grenzen. Die Festung Europa muss endlich ein Ende haben, jeder Afrikaner der nach Europa will soll herkommen dürfen. Ein löbliches Ziel. Die andere Parole lautet „Kein Lohn unter 8,50“. Die ohnehin schon ramponierte Vertragsfreiheit soll endgültig beendet und Arbeitsverträge mit einem Stundenlohn unter 8,50 Euro verboten werden.

Ausländische Arbeitnehmer haben in der Regel ein wesentlich niedrigeres Lohnniveau als deutsche. In den osteuropäischen Ländern gibt es Mindestlöhne, die teilweise bei unter 1 Euro liegen. Für Osteuropäer sind deshalb auch sehr niedrig entlohnte Tätigkeiten in Deutschland so attraktiv, dass sie sich auf den Weg machen. Ein Rumäne, der als Spargelstecher in Deutschland arbeitete, gab an, in Deutschland in einem Monat soviel zu verdienen wie in drei Monaten in Rumänien.

Noch viel deutlicher sind die Unterschiede zu den schwarzafrikanischen Ländern wie Senegal, Mali, Eritrea oder Äthiopien. Einwanderer aus diesen Ländern können hier selbst im Niedriglohnsektor so viel verdienen, dass sie mit Geldüberweisungen ihre Familien in ihrer Heimat vor dem Verhungern retten können. Ein flächendeckender Mindestlohn von 8,50 Euro, wie die Linken ihn fordern, würde viele der niedrig entlohnten Tätigkeiten von osteuropäischen oder schwarzafrikanischen Einwanderern in die Illegalität verbannen.

Warum fällt den Linken dieser offensichtliche Widerspruch nicht auf? Wie können sie gleichzeitig für offene Grenzen und für einen Mindestlohn sein, der viele Einwanderer aus dem legalen Arbeitsmarkt verdrängt? Ist es einfach nur Ignoranz, oder steckt System dahinter? Wenn Einwanderer herkommen und keine legale Arbeit finden, müssen sie Sozialhilfe beziehen. Mit offenen Grenzen würden mehr Einwanderer kommen, die das Sozialsystem überlasten würden. Egal wie man es dreht und wendet, die Forderungen der Linken machen keinen Sinn.

Es ist kein Geheimnis, dass in der Vergangenheit viele Befürworter des Mindestlohns rassistische Motive hatten. In den USA wollten die Nordstaaten keine Konkurrenz von den Schwarzen aus den Südstaaten. Das Apartheid-Regime in Südafrika benachteiligte mit dem Mindestlohn die schwarzen Südafrikaner. Natürlich heißt das nicht, dass jeder Mindestlohnbefürworter ein Rassist ist (das wäre eine bösartige Unterstellung). Aber es zeigt, wie der Mindestlohn Menschen mit geringer Qualifikation diskriminiert und ihnen ihre Aufstiegsmöglichkeiten verwehrt.

Wenn die Linken es also ernst meinen würden mit ihrer Forderung nach offenen Grenzen, sollten sie sich vom Mindestlohn verabschieden. Anstatt „Kein Lohn unter 8,50“ zu rufen, sollten sie sich lieber folgende Parole zu Herzen nehmen: „Kein Lohn ist illegal!“. Vertragsfreiheit sollte als Menschenrecht anerkannt werden, dann würde jeder staatliche Eingriff in den Arbeitsmarkt (ob Mindestlohn oder Arbeitsverbot für Asylanten) eine Grundrechtsverletzung darstellen.

15 Antworten to “Mindestlohn gegen Einwanderer”

  1. Eloman Says:

    Also im aktuellen Europawahlkampf fordert die Linke sogar einen Mindestlohn von 10,– Euro!

  2. Thomas Leske Says:

    Guter Artikel! Er würde sehr gut in das Blog Offene-Grenzen passen, wenn Sie erlauben, dass er dort als Kopie erscheint:
    http://www.offene-grenzen.net

  3. Silem Says:

    >>In den osteuropäischen Ländern gibt es Mindestlöhne, die teilweise bei unter 1 Euro liegen. Für Osteuropäer sind deshalb auch sehr niedrig entlohnte Tätigkeiten in Deutschland so attraktiv, dass sie sich auf den Weg machen.<<

    Die netten Osteuropäer leben dann aber von deutschem Essen und wohnen in deutschen Wohnungen.

    Ich bin im Vergleich zu einem Afrikaner auch unglaublich reich, was mir aber nichts bringt weil hier ganz andere Lebenshaltungskosten sind. Das ist wie Mindestlohn 18€ in der Schweiz. Für Pendler mag das ja ganz nett sein. Wenn man aber mitten in der Schweiz wohnt hebt sich das ganz schnell auf. Außer man wohnt in der Brücke.

    Das ist ja wohl ein Nicht-Argument.

    • Sven Says:

      Nein, ist es nicht. Denn „deutsches Essen und deutsche Wohnungen“ kann man sich nicht erst ab dem Mindestlohn leisten. Der Einwanderer hat dadurch nur einen bedürfnisabhängigen Aspekt, den er einberechnen muss.

      • Silem Says:

        Wer spricht den vom Mindestlohn? Das Argument das es für die Rumänen toll wäre in Deutschland für 3€ zu arbeiten während sie in Rumänien 2€ bekommen ist ein Nicht-Argument. Nur weil in Kanada Bären laufen brauchen wir im Kamerun keine Schrotflinten zur Bärenjagd.

        Es besteht einfach keine logische Verknüpfung.

      • Sven Says:

        „Das Argument das es für die Rumänen toll wäre in Deutschland für 3€ zu arbeiten während sie in Rumänien 2€ bekommen ist ein Nicht-Argument.“

        Dieses Argument wurde ja auch so von Arprin nicht vorgebracht, Sie machen es durch Ihre Zahlen, die nicht aus dem Text hervorgehen, zu einem Nichtargument. Die Differenz muss natürlich einen Mehrwert für den Einwanderer ergeben.

  4. shaze86 Says:

    Wer spricht den vom Mindestlohn? Das Argument das es für die Rumänen toll wäre in Deutschland für 3€ zu arbeiten während sie in Rumänien 2€

    Es sind 3 x so viel wie in Rumänien also 6€ statt 2€. Außerdem gibt es in D auch sehr günstiges Essen. Außerdem kann man mit Euros auch in vielen Ländern zahlen oder notfalls umtauschen. Also ist auch Dein Bärenjagd Beispiel falsch. Warum arbeiten die Osteuropäer sonst als Spargelstecher?

    Und natürlich geht es einen Schweizer mit 18€ Mindestlohn besser als einem Deutschen mit Vergleichsweise 14€ Mindestlohn oder von mir aus dem Rumänen mit 1 € Mindestlohn. Aus dem ganz einfachen Grund, dass die Schweizer Importe billiger einkaufen können, während der Rumäne keine Chance hat diese zu erwerben.

    Warum musst Du alles durch die rote Brille sehen?

  5. aron2201sperber Says:

    solange man als Asylwerber Anspruch auf Sozialleistungen hat, ist man auf Lohn gar nicht angewiesen.

    wenn die Sozialleistungen höher als der Lebensstandard im Heimatland sind, werden Leute die Leistungen in Anspruch nehmen, zumal sich Menschen rational verhalten:

    http://aron2201sperber.wordpress.com/2014/03/20/irrationale-professoren-rationale-migranten/

    an einer geregelten Zuwanderung führt daher kein Weg vorbei.

    nicht einmal die USA, die weit weniger Sozialleistungen bietet, kann sich offene Grenzen erlauben.

    • arprin Says:

      Die Grenzen können ja offen bleiben, während die Sozialkassen zu gemacht und die faktischen Arbeitsverbote abgeschafft werden.

      • aron2201sperber Says:

        es ist halt nicht so einfach, die Sozialkassen pauschal zuzuschließen.

        manchen steht ja wohl ein Anspruch zu – im Rahmen eines rechtsstaatlichen Verfahren, dies zu überprüfen, ist mühselig – und solange nicht das Gegenteil festgestellt wird, zahlt der Staat.

        die Aufhebung der Arbeitsverbote würden an der Situation von Asylwerbern wenig ändern, da es für niedrig Qualifizierte ohne Sprachkenntnisse wenig Jobs gibt, zumal sich Europa immer stärker de-industrialisiert.

      • arprin Says:

        Es geht nicht darum, die Sozialkassen pauschal für alle zu schließen, sondern nur für Einwanderer. Damit kann man verhindern, dass sie nur wegen den Sozialleistungen herkommen.

        Für niedrig Qualifizierte ohne Sprachkenntnisse gibt es sicher keine Jobs im IT-Bereich, aber in einem freien Arbeitsmarkt würden sie viel besser an einem Job kommen.

  6. American Viewer Says:

    So einen Artikel wolle ich schon lange mal auf deutsch schreiben.
    Schön, dass du es gemacht hast.

    In den USA wollten die Nordstaaten keine Konkurrenz von den Schwarzen aus den Südstaaten.

    Das ist eine weit verbreitete Theorie in libertären Kreisen, aber leider nur dort. Die Southern Strategy der Republikaner wird immer nur aus einer Richtung erzählt und bevorzugt so: Die Demokraten sind eben auf die „gute Seite“ gewechselt, deshalb haben die „bösen“ Menschen aus dem Süden keine Demokraten mehr gewählt. (In Wahrheit stimmten weit mehr Republikaner für die neuen Bürgerrechte als Demokraten, aber egal).

    Die obige angebliche Vom-Saulus-zum-Paulus-Wandel der Demokraten erklärt auch nicht wirklich, warum es zum kompletten Tausch kam, warum also plötzlich der Norden massenhaft Demokraten wählte.

    An dieser Stelle ist deine Erklärung in der Tat sehr einleuchtend: Der Mindestlohn und andere „Arbeiterschutzgesetze“, die Demokraten so lieben, waren wichtige Gründe, warum plötzlich so viele Nordstaatler demokratisch wählten.

    Es kam nämlich während und nach der Bürgerrechtsbewegung noch einmal zu einer Migrationswelle von Schwarzen in den Norden. Diese Konkurrenz wollte man im Norden nicht haben. Und so hielt man – mit Hilfe des Mindestlohnes und weitere „Schutzmaßnahmen“ – „den Neger“ weiter von der Arbeit fern. Alles fein und legal und politisch korrekt. Dieses Spielchen funktioniert bis heute.

    Wer das einmal durchschaut hat (wie Thomas Sowell zum Beispiel), kann sich eigentlich nur angewidert abwenden.

  7. Neoliberaler Ellenbogenkrieger Says:

    Mindestlöhne? Eierlose Gutmenschenscheiße! Was wir brauchen, sind Negativlöhne – bei gleichzeitig rigoros durchgesetzter gesetzlicher Arbeitspflicht! Eine Arbeitsstunde sollte in Deutschland mindestens 20 Euro kosten – wenn das Humankapital dann zahlungsunfähig ist: an die Wand mit dem Versager und PLAMM! PLAMM! PLAMM! Anschließend kann sich der Minderleister-Kadaver immer noch als Rohmaterial für Humanprotein-Komprimat nützlich machen, der Kraftnahrung für härtest arbeitende Höchstleistungsträger wie mich, ohne die wir unsere 200-Stunden-Wochen gar nicht durchhalten würden!

    STANDORT HEIL!

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