Zweitausend Jahre Unsinn

Der Vatikan, die letzte westeuropäische Diktatur

Das Zentrum der Irrationalität

Manchmal hilft nur noch ein Postillon-Artikel, um die Absurdität eines Sachverhalts zu verdeutlichen. „Von Gold umgebener Chef von billionenschwerem Unternehmen kritisiert Kapitalismus“, titelte die Gazette im November 2013. Zu diesem Zeitpunkt hatte Papst Franziskus zu seinem ersten Angriff gegen das „vorherrschende Wirtschaftssystem“ ausgeholt. Er kritisierte den „vergötterten Markt“, „egoistische Steuerhinterziehung“ und dass alte Rentner erfrieren während andere mit Börsenspekulationen reich werden.

Nun hat Franziskus nachgelegt. In einem Interview mit einer spanischen Zeitung beklagte er die „Sünde der Götzendienerei am Götzen Geld“. Das derzeitige Wirtschaftssystem „brauche Krieg zum Überleben“, wie alle großen Reiche der Geschichte. Da ein Weltkrieg unmöglich sei, würden regionale Kriege angezettelt. Ob er damit sagen will, dass hinter den Gewaltexzessen im Südsudan, der Ukraine, Syrien und dem Irak die Pläne des internationalen Finanzkapitals stecken, ist offen.

Im besten Fall hat Franziskus keine Ahnung, wovon er redet. Das ist nicht schlimm, der Papst ist ja nicht im Amt, um über volkswirtschaftliche Themen zu philosophieren. Aber dann sollte man Dieter Nuhrs Empfehlung annehmen: Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal … Man liegt wohl nicht falsch, wenn man die Kriege im Nahen Osten, Schwarzafrika und anderswo eher mit religiösem Fanatismus und nationalistischem Chauvinismus in Verbindung bringt als den Kapitalismus und seine Kunden zu töten für ein schlechtes Geschäftsmodell hält.

Es stellt sich auch die Frage, ob Franziskus weiß, dass die Theorie von der segnenden Wirkung von Katastrophen nicht von Befürwortern des freien Marktes stammt, sondern von den Kritikern der „unsichtbaren Hand“. Keynes oder Krugman haben zwar nie Kriege empfohlen, aber sie glauben tatsächlich daran, dass eine Volkswirtschaft von Zerstörungen profitieren kann, weil man dann mit den Aufräumarbeiten „die Wirtschaft ankurbeln“ kann. Für den Kapitalisten sind Katastrophen dagegen seit jeher schädlich, weil unter ihnen die Umsätze leiden.

Wir werden uns wohl damit abfinden müssen, dass der Vatikan auch in Zukunft nichts weiter als Unsinn zustande bringen wird. Zum Glück hat die Kirche heute nur wenig Bedeutung. Wie sähe die Welt heute aus, wenn die katholische Kirche nicht jahrhundertelang über tatsächliche Macht verfügt und jeden Fortschritt behindert hätte? Die Menschheit könnte 1000 Jahre weiter sein. Vielleicht gäbe es schon Marskolonien, wir hätten schon eine 25-Stunden-Woche und jeder Arbeiter könnte sich ein Ferrari leisten. Naja, sei’s drum.

12 Antworten to “Zweitausend Jahre Unsinn”

  1. Martin Says:

    Passend dazu: Bei einer Reise nach Kalabrien hat Papst Franziskus sämtliche Mitglieder der Mafia für exkommuniziert erklärt. Das ist an sich ein sehr mutiger Schritt, der vielleicht auch praktisch etwas zum Positiven wendet. Einen etwas schalen Beigeschmack hat aber seine Begründung:

    „Wenn die Bewunderung für Gott durch die Bewunderung für das Geld ersetzt wird, dann öffnet sich die Straße der Sünde, der Eigeninteresse und der Unterdrückung“, sagte der Pontifex in Sibari vor tausenden Menschen. Er rief die Jugendlichen auf, den Versuchungen des schnellen Geldes zu widerstehen.
    (http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/europa/franziskus-in-kalabrien-papst-exkommuniziert-mafiosi-13002914.html)

    Das zeigt, dass der Antikapitalismus im Denken des Papstes schon so tief verwurzelt ist, dass er alles Schlechte auf der Welt darin begründet sieht.

    • arprin Says:

      Ich denke nicht, dass die Exkommunizierung ein schwerer Schlag für die Mafia ist. Da überschätzt der Papst wohl seinen Einfluss 😉

    • Gutartiges Geschwulst Says:

      Martin Says: „Bei einer Reise nach Kalabrien hat Papst Franziskus sämtliche Mitglieder der Mafia für exkommuniziert erklärt.“

      Dann wird es an der Himmelspforte wohl zu `ner kurzen Schießerei kommen.

  2. Martin Says:

    Fairerweise muss man noch dazu sagen, dass nicht alle in der Kirche so ticken. Hier ist ein Bericht von einer Diskussionsveranstaltung, bei der ein Vertreter der Kirche für die freie Marktwirtschaft argumentiert hat: http://www.agenda-austria.at/umverteilung-konzentriert-sich-auf-geld-statt-auf-chancen/

  3. qwertzman Says:

    Schade dass der Papst nicht seine Kirche verkauft und die Einnahmen daraus, im Gegensatz zu Mutter Theresa, wirklich spendet, als letzter absoluter Monarch Europas könnte er das doch bestimmt 🙂 …uuups, dann müsste er sich ja mit diesem stinkenden Scheusal, mit diesem Geld beschäftigen.

  4. aron2201sperber Says:

    ein Papst auf Margot Käßmann-Niveau

  5. Hans Wurst Says:

    Wie sähe die Welt heute aus, wenn die katholische Kirche nicht jahrhundertelang über tatsächliche Macht verfügt und jeden Fortschritt behindert hätte? Die Menschheit könnte 1000 Jahre weiter sein. Vielleicht gäbe es schon Marskolonien, wir hätten schon eine 25-Stunden-Woche und jeder Arbeiter könnte sich ein Ferrari leisten.

    Eine saudumme Aussage. Oder feine Ironie, für die ich einfach zu unsensibel bin.

  6. hansiwurstli Says:

    Unsinn. Erstens hat er „Wirtschaftssystem“ gesagt und nicht Kapitalismus.

    Zweitens gehört das Gold nicht dem Papst, sondern Gott. Es sind meistens Geschenke von früheren Herrschern an die Kirche.

    Drittens hat die Kirche einen Umsatz von 200 Millionen und nicht mehr. Das meiste geht drauf für das aufrechterhalten des Betriebs. Kindergärten, Schulen, Krankenhäuser, Waisenhäuser, Büchereien und Museen müssen finanziert werden.

    Jeder x-beliebige mittelgrosse Konzern hat mehr.

    Und Zweitausend Jahre Unsinn ist es nicht. Es ist ja nicht so das die Wunder von Jesus „wunder“ sind weil man sie einfach als normal ansieht, sondern weil sie eben NICHT normal sind und der Wirklichkeit widersprechen.

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